• Kunst am Schlossberg in Melchnau. 25 Kunstschaffende zeigen bis am 5. August ihre Werke. · Bild: Willy Jost

17.05.2018
Oberaargau

Zweite Auflage ist keine Reproduktion

Es ist die zweite Auflage und doch ist vieles neu und ganz anders. Ein zahlreiches und erwartungsfrohes Vernissage-Publikum fand sich zur Eröffnung von «Kunst am Schlossberg» in der Mehrzweckhalle Melchnau ein. «Es sind grossartige Werke entstanden, den Kunstschaffenden ist es gelungen, den Schlossberg neu zu beleben», stellte Susanne Kratochvil, Co-Präsidentin des Anlasses, zufrieden fest.

Melchnau · «Die erste Ausgabe im Jahr 2015 lockte über 10 000 Besucher an den Schlossberg. Das ist wahnsinnig und zeigt, dass Kultur auf dem Lande einem Bedürfnis entspricht», stellte der Langenthaler Regierungsrat Hans-Jürg Käser an der Vernissage von «Kunst am Schlossberg» in der Mehrzweckhalle in Melchnau fest. Gleichzeitig habe der erste Anlass auch gezeigt, was möglich sei in einem Dorf, wenn einige zusammenstehen und viele freiwillige Hände anpacken würden. Käser zeigte sich überzeugt, dass auch die zweite Auflage zu einem Grosserfolg werde.
Davon sind auch Susanne Kratochvil und Heinrich Abt überzeugt, die sich gemeinsam das Co-Präsidium im 16-köpfigen Organisationskomitee teilen. Dass es überhaupt zu einer Neuauflage kommt, sei darauf zurückzuführen, dass bei der ersten Austragung im Jahr 2015 ein loderndes Feuer entstanden sei, das nie ganz erloschen sei, betonte Berufsschullehrer Abt. «Viele Leute waren und sind nach wie vor begeistert», fügte er hinzu. Man habe deshalb keine Mühe gehabt, genug und geeignete Persönlichkeiten für das OK der zweiten Austragung zu finden.

Neu mit einem Kurator
Gleichzeitig sei aber allen klar gewesen, dass die zweite Austragung keine Reproduktion werden soll. «Wir wollten nicht noch einmal das Gleiche machen», hält Susanne Kratochvil fest. Deshalb habe man ein neues Konzept ausgearbeitet. Im Gegensatz zum ersten Mal hat man nun für die zweite Auflage mit dem Niederbipper Michael Blume einen Kurator engagiert. Dieser entschied zusammen mit dem OK, das Teilnehmerfeld zu öffnen. So hat man bewusst auch ausländische Kunstschaffende eingeladen. Die insgesamt 25 Stationen am Schlossberg werden zu je einem Drittel von ausländischen, nationalen und regionalen Künstlern belegt. Auch habe man bei der neusten Ausgabe auf Indoor-Kunst verzichtet.
«Es war uns ein Anliegen, das Kunstschaffen erlebbar zu machen und damit Begegnungen zwischen Besuchern und Künstlern zu fördern, wozu die freie Natur beste Voraussetzungen schafft», erwähnte die Co-Präsidentin. Die 59-jährige Hausfrau und Sozialarbeiterin weist diesbezüglich darauf hin, dass etliche Kunstschaffende immer wieder direkt vor Ort sind. Dabei könne man sie beispielsweise bei der Arbeit beobachten oder mit ihnen ins Gespräch kommen. Das Echo auf Seiten der Kunstschaffenden sei riesig gewesen, bemerken die beiden. Man habe etliche zurückweisen müssen. Diejenigen, die berücksichtigt wurden, konnten am Schlossberg ihrem Bedürfnis entsprechend einen Platz auswählen und diesen anschliessend gemäss ihren Wünschen und Vorstellungen «bearbeiten» und inszenieren. Zu sehen ist dabei auch eine Werkschau von Brutus Luginbühl, der während den Vorbereitungen auf den Anlass überraschend verstorben ist.

Schüler werden zu Kunstschaffenden
Susanne Kratochvil und Heinrich Abt sind mehr als zufrieden, was sich nun am Schlossberg zeigt. «Es sind grossartige Werke entstanden. Es ist den Kunstschaffenden gelungen, den Schlossberg neu zu beleben», betonte Kratochvil. Und der 65-jährige Co-Präsident Heinrich Abt fügte hinzu: «Die Kunstobjekte muss man erleben. Dafür muss man sich Zeit nehmen, vielleicht sogar mehrfach, denn je nach Tageslicht sehen die Objekte ganz anders aus und der Rundweg wird zu einem vollkommen neuen Erlebnis.» Ergänzt wird «Kunst am Schossberg» mit diversen zusätzlichen Events und Anlässen wie beispielsweise der Ausstellung «Land Art». Dabei tauchen Kinder der Schulen Oberbipp, Grossdietwil und Melchnau in ein künstlerisches Abenteuer ein, bei dem sie von Kunstschaffenden begleitet werden.
Die Arbeiten können am Freitag, 1. Juni (16 Uhr, Schlossberg, Schule Melchnau) und Freitag, 15. Juni (16 Uhr, Schlossberg, Schulen Grossdietwil und Oberbipp) besichtigt werden. Abt und Kratochvil hoffen, dass nicht bloss an diesen Tagen viele Oberaargauer die Chance wahrnehmen und den Schlossberg mit ihrem Erscheinen zum Leben bringen werden.
Auch Kurator Michael Blume munterte die Anwesenden der Vernissage auf, sich auf eine Entdeckungsreise am Schlossberg zu begeben, selbst wenn man kein Kenner der zeitgenössischen Kunst sei. «Ja, es kann vorkommen, dass man vor dem einen oder andern Werk steht und etwas ratlos ist. All diesen Menschen möchte ich Mut zusprechen, sich darauf einzulassen, sich gerade mit jenen Werken auseinanderzusetzen und nicht einfach weiter zu gehen, sondern zu spüren versuchen, was es mit einem macht, welche Gefühle im Verborgenen stecken und welche Antworten es darauf geben könnte.» Kunst, hielt er abschlies-send fest, sei vielfältig und seit Jahrhunderten auch umstritten, was bereits viele berühmte Persönlichkeiten festgestellt hätten, wie etwa Leonardo da Vinci (1452 bis 1519), der einmal gesagt hat: «Kunst ist die Königin aller Wissenschaften, die zu allen Generationen der Welt spricht.» Oder der Maler Paul Gauguin (1848 bis 1903): «Kunst ist eine verrückte Suche nach Individualität.» Und auch Yoko Ono, (1933, ehemalige Ehefrau von Beatle John Lennon) sagte einmal: «Kunst ist der Versuch, dich einen halben Zentimeter über dem Boden schweben zu lassen.» So gesehen ist man in Melchnau gespannt, wie viele Besucher bis am 5. August über den Schlossberg «schweben» werden. 

Infos
www.kunstamschlossberg.ch

 

Von Walter Ryser

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