• Initiator Andreas Baumann (Inhaber Neurozentrum Langenthal), der neue Stadtpräsident Patrick Freudiger und SRO-Spitaldirektor Timo Thimm (von links) beim Festakt zur Enthüllung des neuen Schriftzuges «Spitalplatz Langenthal». · Bilder: Thomas Peter

  • Da mehrere Gesundheitseinrichtungen in der Liegenschaft an der St. Urbanstrasse eingemietet sind, wird der historische Name «Spitalplatz» dem Gebäude eher gerecht.

  • Eine grosse Schweizer Fahne machte den Weg frei für den neuen Schriftzug.

10.09.2026
Langenthal

Der «Affenplatz» wird wieder zum «Spitalplatz»

Während eines Vierteljahrhunderts prangte am Geschäftshaus an der St. Urbanstrasse 22 in Langenthal der Name «Affenplatz». Eine Bezeichnung, die schon Langenthals Urhistoriker Max Jufer auf die Palme brachte. Denn «Affenplatz» ist weder offiziell noch geschichtlich verbürgt, sondern war ein Werbegag der einstigen Bauherren, der auf Anekdoten beruhte. Historisch belegt ist hingegen «Spitalplatz», da in unmittelbarer Nähe vor 190 Jahren die allererste spitalähnliche Einrichtung Langenthals eröffnet wurde. Am Samstag, 5. September, wurde die Geschichte wieder zurechtgerückt und der ursprüngliche Name «Spitalplatz» im Beisein des neuen Stadtpräsidenten Patrick Freudiger und SRO-Spitaldirektors Timo Thimm feierlich enthüllt.

1836 wurde in der Oberaargauer Metropole im damaligen Zehntenspeicher ein sogenannter «Krankenspittel» (Notfallstube) als erste spitalähnliche Einrichtung in Langenthal eröffnet, genau dort, wo 1895 das Holligerhaus (an der heutigen Spitalgasse 25) gebaut wurde. Das Inventar des «Krankenspittels» bildete dann später den Grundstock zur Eröffnung des Bezirksspitals Langenthal an der St. Urbanstrasse 67, das am 18. November 1875 mit 40 Betten eröffnet wurde. Diese «Langenthaler Spitalgeschichte» fand auch Eingang in das Langenthaler Strassenverzeichnis vom Juni 1923, in dem der Platz offiziell als Spitalplatz gelistet ist. 

Plötzlich taucht der Name «Affenplatz» auf
Doch das historische Gedächtnis verwischt im Laufe der Zeit. Denn 2001 wurde an der St. Urbanstrasse 22 – just gegenüber dem einstigen «Krankenspittel» – ein neues Wohn- und Geschäftshaus mit McDonald’s, Dropa-Drogerie und Vögele-Shoes eröffnet. Den Architekten und Investoren schien der offizielle Name zu wenig «pfiffig» und so griffen sie bei der Namensgebung eine vermeintlich «historische» Anekdote auf. Um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts sollen sich «dort um diese Ecke» oft junge Männer aufgehalten haben, die «herumafften», sich also auffällig verhielten «wie die Affen in den Jahrmarktskäfigen», die unter anderem auch am Spitalplatz gezeigt worden sein sollen. So soll an diesem Platz jeweils ein Markt stattgefunden haben, an dem ein Schausteller seine beiden Äffchen Kunststücke vorführen liess. Daraus entstand im Volksmund die Bezeichnung «Affenplatz», die den Bauherren derart gefiel, dass sie Verwendung fand. Der verstorbene Historiker und Langenthaler Ehrenbürger Max Jufer konnte sich mit dieser Bezeichnung in keiner Weise abfinden. Gegenüber dem «Langenthaler Tagblatt» (30. September 2000) bezeichnete er diese Idee als «unüberlegten Gag» und «lächerlich». In einer Eingabe an den damaligen Stadtpräsidenten Hans-Jürg Käser wehrte er sich gegen die vorgeschlagene Umbenennung entschieden. Doch Max Jufers Vorstoss blieb erfolglos. Das Wohn- und Geschäftshaus trägt seit der Eröffnung 2001 den Namen «Affenplatz». 

Unwürdige Bezeichnung
2015 kam die Liegenschaft in neue Hände und auch neue Mieter wie das Neurozentrum Oberaargau von Andreas Baumann, die Urologie und weitere Gesundheitseinrichtungen zogen in das Geschäftshaus. Ihnen allen war die Bezeichnung «Affenplatz» seit jeher ein Dorn im Auge. «Dies mag vor 20 Jahren als originelle Marketingidee rund um die damalige McDonald’s-Überbauung für Schmunzeln gesorgt haben. Heute wirkt dieser Werbegag banal und eines historisch bedeutenden Ortes unwürdig», machte Andreas Baumann vom Neurozentrum Oberaargau in seiner Ansprache zur Platzumbenennung gegenüber rund 50 Gästen deutlich. «An diesem Platz stand einst nicht irgendein Gebäude. Hier befand sich die erste öffentliche medizinische Institution Langenthals. Gerade in einer Zeit, in der vielerorts Geschichte, Herkunft und Identität verloren gehen, müsste Langenthal Sorge zu seinen historischen Orten tragen. Der Name Spitalplatz erinnert an Verantwortung, Fürsorge und den Beginn des Gesundheitswesens in unserer Region. Er besitzt Würde und erzählt eine Geschichte.»

«Affenplatz» war nie offiziell 
Im März 2022 gelangte man an Langenthals Stadtpräsidenten Reto Müller mit der Eingabe, die Platzbezeichnung von «Affenplatz» wieder in den historischen Begriff «Spitalplatz» zu ändern. «Eine Rückfrage in der Bau- und Verkehrsdirektion (BVD) des Kantons Bern ergab, dass der Raum der Kantonsstrasse (St. Urbanstrasse – Kreisel Spitalplatz – Melchnaustrasse) in den Strassenakten weiterhin als Spitalplatz und nicht als Affenplatz bezeichnet wird», hielten die Eigentümer und Mieter in ihrem Schreiben fest. Da der Platz «in der Hoheit des Kantons» liege, dürfe die beim Kanton weiter-hin hinterlegte, historisch richtige Bezeichnung des Raumes als «Spitalplatz» verwendet werden. Im Juli 2022 antwortete Reto Müller: «Bei der Überprüfung Ihrer Anfrage konnte festgestellt werden, dass nie eine offizielle Umbenennung des Platzes erfolgte und die Bezeichnung Affenplatz nur sehr vereinzelt in Dossiers zu finden ist. Dies insbesondere deshalb, weil in Langenthal Plätze generell keine offizielle Bezeichnung haben, sondern die Namen einzig inoffiziell im Volksmund tragen. [...] Insofern können wir Ihnen bestätigen, dass in den städtischen Unterlagen die inoffizielle Bezeichnung ‹Affenplatz› künftig nicht mehr genutzt und stattdessen bei Bedarf die offizielle und historische Bezeichnung ‹Spitalplatz› verwendet werden wird.»

Bekenntnis zum Spital in Langenthal 
Versprochen, getan: Im Zuge der kürzlich realisierten Fassadenauffrischung wurde nun auch gleich der alte Name übermalt und am 5. September der neue Schriftzug offiziell und öffentlich enthüllt. Mit von der Partie war auch der wenige Tage zuvor neu gewählte Stadtpräsident Patrick Freudiger, der als «Noch-nicht-Amtsträger» sein Wort an die Gäste richtete. «Gestern noch wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass es in den sozialen Medien – manche sagen denen auch ‹asoziale Medien› – Diskussionen zu dieser Platzbenennung gegeben hat, ob die Stadt nichts anderes zu tun habe, als ihre Plätze umzubenennen. Ich muss dazu sagen: Hier liegt ein Irrtum vor, denn es kommt – mit ganz, ganz wenigen Ausnahmen – gar nicht vor, dass die Stadt ihre Plätze offiziell benennt. Dementsprechend hat es auch nie eine offizielle Umbenennung gegeben.» Was es aber gleichwohl für dieses Gebiet gegeben habe, sei eine Überbauungsordnung Nummer 28, die «Spitalplatz» heisse. Dies sei zwar keine
offizielle Benennung durch einen hoheitlichen Gemeinderatsbeschluss, aber doch ein Dokument, das offiziellen Charakter habe, so Freudiger. «Ja, wir hatten hier auch die Jahrmarktausstellungen. Aber es gibt einen Volksmund und es gibt ein historisches Gedächtnis. Und hier ist es der Arbeit von Andreas Baumann, Simon Kuert, Hanspeter Vogt und weiteren zu verdanken, dass man sich auch in einem hektischen Alltag die Zeit nimmt zu überlegen, was sind eigentlich genau unsere Wurzeln, was sind unsere historischen Gegebenheiten.» Mit ihrer historischen Aufarbeitung hätten sie gezeigt, dass dieser Platz ein historischer Platz ist, der mit der Spitallandschaft verbunden sei. «Und ganz persönlich muss ich euch auch sagen: In einer Zeit, in der die Spitalversorgung – vor allem die dezentrale Spitalversorgung – mit all den Änderungen und eidgenössischen Regelungen je länger desto mehr zur Disposition steht, ist es wichtig, dass wir als Region auch für unser Spital eintreten. Wenn wir klar nach aussen tragen: Das hier ist unser Spitalplatz, dann ist dies auch ein ganz wertvolles Zeichen. Ich verstehe diesen Anlass heute zudem auch als Wertschätzung für die Bestrebungen von Privaten, unsere historischen Grundlagen auszuarbeiten», schloss Patrick Freudiger. Gemeinsam mit SRO-Spitaldirektor Timo Thimm und Andreas Baumann durchschnitt der Stadtpräsident symbolisch das Band, bevor der neue, von einer grossen Schweizer Fahne verdeckte Schriftzug «Spitalplatz Langenthal» enthüllt wurde.

Von Thomas Peter