• Beim traditionellen Oberwaldschiessen wird unter freiem Himmel auf die 300 m entfernten Scheiben geschossen. · Bilder: Marcel Bieri

  • Der 13-jährige Gondiswiler Adrian Rickli wird sensationell Oberwaldmeister. · Bild: zvg

  • Wenn die Mitmachenden am Oberwaldschiessen eine Serie abgefeuert haben, wird diese im Scheibenstand von Warnern noch von Hand angezeigt.

  • Oberwaldschiessen 2026, am Sonntag 1. Maerz 2026. Foto: Marcel Bieri

10.03.2026
Sport

13-jähriger Adrian Rickli schiesst das Maximum

Sensation in der 84-jährigen Geschichte des traditionellen Oberwaldschiessens: Mit dem Gondiswiler Adrian Rickli Sportschützen Lindenholz) wird ein erst 13-Jähriger Oberwaldmeister mit dem Punktemaximum von 50 Punkten.

84. Oberwaldschiessen · Im Zentrum des prestigeträchtigen und aufgrund des Freiluft-Schiessstandes äusserst speziellen Wettmessens oberhalb von Wyssachen stand ein erst 13-jähriges Talent. «Ich freue mich sehr über diesen Erfolg», meint der Gondiswiler Adrian Rickli zu seinem Husarenstreich. Der Realschüler ist der jüngste Oberwaldmeister in der Geschichte des 84-jährigen Traditionsschiessens unter freiem Himmel. Sensationell schoss das Talent das Maximum von 50 Punkten. Dies gelang in den letzten zehn Jahren nur Beat Reber (Wasen/2024), Peter Kumli (Dürrenroth) und Lorenz Winkelmann (Wasen/beide 2023) sowie Hermann Christen (Gondiswil) und Andreas Mathys (Häbernbad/beide 2018) – sie sind aber alle um Jahrzehnte älter als der Oberwaldmeister 2026. 

Sein zweiter Auftritt im Oberwald
«Ich hatte schon etwas Erfahrung mit dem Schiessen im freien Feld, weil ich bereits im Vorjahr am Oberwaldschiessen mitgemacht habe», erklärt Rickli. Bei seiner Premiere schoss der junge Tell 41 Punkte. «Ich habe mein Programm locker, mit viel Freude und ohne jeglichen Druck im zweiten Feuer absolviert», erzählt der Sturmgewehr-90-Schütze. «Ich hatte eine ruhige Hand – und das bei einem solchen Freiluftschiessen zwingend nötige Glück auf meiner Seite. Es ist mir ausgezeichnet gelaufen. Als ich beim handgezeigten Schiessen vor der abschliessenden 5-Schuss-Serie gesehen habe, dass bei mir lauter rote Fähnchen gezückt wurden, wusste ich, dass ich sehr gut auf Kurs bin», lacht der Schüler. «Nervös wurde ich deshalb aber nicht, obwohl ich beim Abzug nicht mehr ganz so ruhig war. Als ich nach dem Programmende meinen grinsenden, hinter mir stehenden Vater gesehen habe, wusste ich genau, dass es zum Maximum gereicht hatte.» Tatsächlich stand fest: Der junge Schütze hatte alle zehn Schuss genau ins Zentrum versenkt – 50 Punkte. 

Verspätete Skiferien
«Am meisten freute mich die Tatsache, dass mich mein Vater damit nicht schlagen kann», lacht Adrian Rickli. Der 41-jährige Hannes Rickli schoss unmittelbar nach seinem Filius ebenfalls beachtliche 48 Punkte (9. Rang im Feld der 173 Mitmachenden), blieb aber hinter seinem Schützling zurück. «Weil ich so früh geschossen habe, begann das lange Warten, ob noch ein anderer Schütze das Maximum erzielt. Und dies war fast nerviger als das Schiessen selber», findet Adrian Rickli. Das Abwarten passierte daheim in Gondiswil. «Ich musste packen. Wir wollten nämlich unmittelbar nach dem Oberwaldschiessen ins Wallis in die Skiferien reisen. Meine Mutter war einerseits stolz über meine Leistung, andererseits ein klein wenig sauer, weil sich unsere Ferienanreise nun nach hinten verschob», schmunzelt Rickli. 

Eigentor der Sportschützen Huttwil
Die Anreise musste tatsächlich warten. Adrian Rickli blieb der einzige Maximumschütze im zehn Schuss umfassenden Programm auf die A5-Scheibe (zwei Schüsse in 60 Sekunden, drei Schüsse in 60 Sekunden und fünf Schüsse in 90 Sekunden). Daniela Miceli (SG Wyssachen), Christoph Reitnauer (FS Häbernbad), Christoph Wüthrich (FS Schonegg) und Ueli Kobel (SG Wasen) kamen auf je 49 Punkte. An der Rangverkündigung am Nachmittag erhielt der Jungschütze viele Komplimente und Schulterklopfer. Und einen Seitenhieb von den Sportschützen Huttwil. «Sie sagten zum Spass, dass sie bei der Sektion bei mir nachträglich Sportschützen Huttwil hinschreiben werden», berichtet Rickli. Hintergrund: Adrian Rickli ist bei den Sportschützen Huttwil Kleinkaliber-Mitglied. Über 300 m schiesst der junge Gondiswiler allerdings für die Sportschützen Lindenholz (2021 entstanden aus den Schützengesellschaften Leimiswil, Kleindietwil und Madiswil), weil sein Vater in Leimiswil aufgewachsen und ausserdem Präsident der Sportschützen Lindenholz ist. So hat Rickli heuer im Oberwald nicht für Huttwil, sondern für Lindenholz geschossen. Humorvoller Hintergrund: Die neun Stammgesellschaften am Oberwaldschiessen laden jedes Jahr einen Gast für das Traditionsschiessen ein. Die für die Gast-Auswahl 2026 berechtigten Sportschützen Huttwil entschieden sich ausgerechnet für die Sportschützen Lindenholz. Wäre die Wahl auf eine andere Gesellschaft gefallen, hätte Adrian Rickli – analog 2024 – das Oberwaldschiessen für die Sportschützen Huttwil geschossen – und gewonnen. Gleich zwei Zinnbecher hat Adrian Rickli für seinen Triumph erhalten. Einen für den besten Jungschützen und einen als Oberwaldmeister. «Sie erhalten einen Ehrenplatz. Allerdings habe ich momentan so ein grosses Puff in meinem Zimmer, dass ich noch nicht weiss, wo genau.» 

Mit Kleinkaliberschiessen begonnen
Wenn Adrian Rickli nicht gerade dem Schiesssport frönt, besucht er die Jugendriege Gondiswil. «Die vielseitigen Trainings gefallen mir sehr.» Er ist auch Mitglied bei der Gondiswiler Jungschar «Geistesblitz». «Ansonsten treffe ich mich gerne mit Kollegen – oder game.» Auf der Playstation liebt Rickli das Spiel «ARK: Survival Ascended», ein packendes Dinosaurier-Abenteuer. «Ich verbringe auch Zeit mit meinem drei Jahre jüngeren, oft nervigen Bruder Jonas», lacht Rickli. Losgelegt mit dem Schiessport hat der am 10. August 2012 geborene Meisterschütze mit dem Kleinkaliberschiessen bei den Kadetten Huttwil. «Hans-Peter Mathys und mein Vater haben mir das ABC des Schiesssports beigebracht.» An den Kadettentagen feierte der junge Gondiswiler seine ersten Schiesserfolge. Er gewann einmal das Kleinkaliberschiessen und zweimal mit der Gruppe den Team-Biathlon mit Laufen und Schiessen. Nun überzeugt der Gondiswiler auch über 300 m. Das Sturmgewehrschiessen mit Ringkorn, das er seit zwei Jahren sporadisch ausübt, gefällt Adrian Rickli, der später einmal Mechaniker oder Metzger werden möchte, ebenfalls sehr gut. «Schiessen ist für mich ganz klar ein Sport – und nichts anderes. Ganz wichtig ist mir stets der verantwortungsvolle Umgang mit meiner Waffe.» 

Auszug aus der Rangliste: Sektionen (10 Klassierte): 1. SG Wyssachen, 46,554; 2. SG Wasen, 46,140; 3. FS Häbernbad, 45,324; 4. SG Eriswil, 45,316; 5. Sportschützen Huttwil, 45,286; 6. FS Affoltern, 45,183; 7. FS Schonegg, 44,731; 8. FS Dürrenroth, 44,017; 9. FS Walterswil, 42,523. – Gastsektion: Sportschützen Lindenholz, 45,383.  – Einzel (173): 1. Adrian Rickli, Sportschützen Lindenholz, 50; 2. Daniela Miceli, SG Wyssachen, 49; 3. Christoph Reitnauer, FS Häbernbad, 49; 4. Christoph Wüthrich, FS Schonegg, 49; 5. Ueli Kobel, SG Wasen, 49; 6. Andreas Reinhard, FS Affoltern, 48; 7. Hansjörg Heiniger, SG Eriswil, 48; 8. Marcel Gränicher, Sportschützen Huttwil, 48; 9. Hannes Rickli, Sportschützen Lindenholz, 48; 10. Marcel Sommer, FS Häbernbad, 48; 11. Roland Roth, SG Wyssachen, 48; 12. Carmen Zuber-Megert, FS Affoltern, 48; 13. Jakob Signer, FS Dürrenroth, 48; 14. Nicole Horisberger, FS Dürrenroth, 48; 15. Kevin Reinhard, FS Affoltern, 48; 16. Jakob Zwygart, FS Affoltern, 47; 17. Kurt Eggimann, SG Wyssachen, 47; 18. Hans Kohler, FS Affoltern, 47; 19. Emil Lüdi, FS Häbernbad, 47; 20. Lorenz Winkelmann, SG Wasen, 47; 21. Ueli Gerber, Sportschützen Huttwil, 47; 22. Oliver Megert, FS Affoltern, 47; 23. Christian Gerber, Sportschützen Huttwil, 47; 24. Cédric Megert, Sportschützen Huttwil, 47; 25. Anina Ruch, SG Eriswil, 47; 26. Sascha Heiniger, SG Eriswil, 46; 27. Benedikt Bieri, FS Häbernbad, 46; 28. Fritz Marending, Sportschützen Lindenholz, 46; 29. Martin Käser, FS Walterswil, 46; 30. Robert Burkhalter, SG Wasen, 46; 31. Marco Hess, SG Wyssachen, 46; 32. Martin Meer, SG Eriswil, 46; 33. Stefan Sommer, FS Häbernbad, 46; 34. Daniel Sommer, FS Häbernbad, 46; 35. Urs Löffel, FS Walterswil, 46; 36. Yens Meyer, FS Häbernbad, 46; 37. Melissa Grossenbacher, FS Affoltern, 46.  

Von Stefan Leuenberger