• Nach 16 Jahren im Gondiswiler Gemeinderat zieht sich Peter Nyffenegger von der politischen Bühne zurück. · Bild: Gabriela Graber

  • Unzählige Male konnte Peter Nyffenegger Jungbürgerbriefe übergeben. Bild: Barbara Heiniger

  • Nyffenegger wünscht sich, dass sich mehr Gondiswiler politisch engagieren: «Schliesslich geht es um ihre Zukunft.» Archivbild: Thomas Peter

27.12.2024
Oberaargau

16 Jahre Herzblut für die Gemeinde

Während vier Legislaturen hat Peter Nyffenegger die Gondiswiler Gemeinde mitbestimmt – zuerst als Gemeinderat, dann als Gemeindepräsident. Zum Jahresende zieht er sich von der politischen Bühne zurück und blickt auf eine Zeit voller Herausforderungen, aber auch Erfolge. Im Gespräch erzählt er, wie er seine Zeit im Amt erlebte und welche Wünsche er für die Zukunft von Gondiswil hat.

Oberaargau · «Die Zeit im Gemeinderat war prägend für mich. Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt und in Themen Einblick erhalten, mit denen ich sonst nie in Berührung gekommen wäre», erzählt Peter Nyffenegger, der per Ende Jahr als Gemeindepräsident von Gondiswil zurücktritt. Insgesamt 16 Jahre war er für die Gemeinde tätig – ab 2001 als Gemeinderat für zwei Legislaturen, dann nach einer Pause ab 2017 als Gemeindepräsident. Vieles sei passiert in diesen vielen Jahren, er habe viele Projekte geleitet, Sitzungen abgehalten, Verhandlungen geführt und Geschäfte erledigt. «Insgesamt war es eine gute Zeit. Wir hatten keine grösseren Probleme, keine Unwetter, keine Dramen, nichts davon.» Dafür ist Nyffenegger dankbar. «Ich würde es wieder machen.»

Einblicke aus erster Hand
Peter Nyffenegger ist 1959 geboren und in Gondiswil aufgewachsen. Nach der Lehre als Elektromonteur in Melchnau absolvierte er mit 21 Jahren das Technikum in Burgdorf und lebte anschliessend für 13 Jahre in Zug. Danach zog er zurück in die Heimat, um das Familiengeschäft – die Sägerei Nyffenegger Gondiswil – zu übernehmen. Erst zurück in Gondiswil ist er zur Politik gekommen. «In kleinen Gemeinden gibt es nur wenige, die sich engagieren wollen – so kam es, dass das Amt auf mich zugekommen ist.» 2001 wurde er erstmals in den Gemeinderat gewählt und übernahm das Ressort Finanzen. «An diesem Thema war ich schon immer interessiert, da ich wegen unseres Geschäfts viel mit Geld zu tun hatte.» Mit dem Beginn des Amts habe sich für ihn eine neue Welt eröffnet. «Ich habe plötzlich viel besser verstanden, wie Politik und Verwaltung zusammenspielen.» Doch im Gemeinderat zu sein, sei ausgesprochen zeitintensiv. «Die Sitzungen finden am Abend statt, das Aktenstudium auch. Wenn man alle Dossiers von A bis Z studieren würde, wäre man rund um die Uhr am Lesen. Pro Woche habe ich sicher einen halben Tag investiert.» Vor Jahren sei die Amtsdauer auf acht Jahre beschränkt gewesen, weshalb Nyffenegger nach zwei Legislaturen zurücktrat. 2017 wurde er gefragt, ob er sich zur Wahl als Gemeindepräsident stellen wolle. Er entschied sich, diese Herausforderung anzunehmen.

«Zwischen Hammer und Amboss» Rückblickend auf diese Zeit sagt Nyffenegger: «Es hat mich immer sehr gefreut, dass die Bevölkerung voll hinter uns gestanden ist. An den Gemeindeversammlungen hat sie alles gutgeheissen, was wir vorgebracht haben. Das ist nicht in allen Gemeinden so.» Mehrere Geschäfte hätten die Gondiswiler in dieser Zeit stärker beschäftigt. Das eine sei der Wärmeverbund gewesen. «Der Wärmeverbund wäre nicht entstanden, hätten wir die Gemeindeliegenschaften nicht angeschlossen.» Auch bei diesem Thema sei er positiv davon überrascht gewesen, wie stark die Bevölkerung hinter dem Antrag des Rates stand. «Der Verbund ist nicht günstiger als die Ölheizung. Aber wir haben die Vorteile aufgezeigt – lokale Wertschöpfung, weg vom Öl. Das wurde von der Stimmbevölkerung problemlos akzeptiert.» Ein weiteres grosses Geschäft seien das «Rössli» und der «Bären» gewesen, die von Privatpersonen gekauft worden seien. «Die Besitzer haben ein Projekt ausgearbeitet, um Wohnungen zu machen. Da das eine Haus denkmalgeschützt ist und zu den schützenswerten Ortsbildern laut ISOS (Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung der Schweiz) gehört, war die Gemeinde ziemlich involviert.» Doch es gab auch Schwierigkeiten und weniger Schönes: «Man ist immer zwischen Hammer und Amboss. Einerseits möchte man den Bürgern vieles ermöglichen, andererseits gibt es die strengen gesetzlichen Rahmenbedingungen, die wenig Spielraum lassen.» Ausserdem sei er bei Todesfällen als Gemeindepräsident für die Siegelungen zuständig gewesen. «Ich musste eine Bestandsaufnahme machen, Vermögenswerte aufzeichnen, Formulare ausfüllen – das war oft nicht einfach.» 

Blick in die Zukunft
Nyffenegger hätte noch eine Legislatur machen dürfen, doch entschied er sich dagegen. «Ich finde, 16 Jahre sind viel. Auch wäre ich eigentlich schon seit einem Jahr pensioniert – arbeite aber immer noch in der Säge mit. Irgendwo musste ich langsam abbauen.» Jetzt freue er sich auf seine etwas leerere Agenda. «Bis zum Frühling will ich jetzt mal runterfahren und mich zurücklehnen. Ich habe nicht Angst, dass mir langweilig wird.» Er hoffe auch, mal länger in die Ferien fahren zu können – was vorher wegen regelmässigen Sitzungen schwieriger war. «Und ich fahre Töff und Velo. Bald werde ich wieder öfter Touren unternehmen.» Für Gondiswil wünscht sich Peter Nyffenegger, dass die Gemeinde stabil bleibt. «Bei kleinen Dörfern besteht die Gefahr, dass sie immer stiller werden. Ich hoffe, dass unsere Läden und unsere Schule vorhanden bleiben und dass wir in punkto ÖV nicht komplett abgehängt werden.» Auch wünsche er sich, dass Gondiswil weiteres Bauland einzonen dürfe – im Moment habe die Gemeinde fast kein Bauland mehr. «Es wäre gut, nicht mit leeren Händen dazustehen, wenn jemand herziehen will.» Insbesondere hoffe er, dass sich mehr Menschen für die Politik interessieren. Obwohl der Gemeinderat bereits von 7 auf 5 Mitglieder verkleinert wurde, hat Gondiswil nach wie vor Schwierigkeiten, neue Leute zu finden. «Wenn man sieht, wie es weltweit um die Demokratie steht, wünsche ich mir, dass mehr Menschen hierzulande von unseren Möglichkeiten profitieren und sich engagieren – besonders auch die jüngeren Generationen, denn es geht schliesslich um ihre Zukunft.» «Ich habe Peter Nyffenegger in den letzten acht Jahren als sehr besonnenen Gemeindepräsidenten und Sitzungsleiter erlebt. Mit seiner Dossiersicherheit hat er es auch bei schwierigen Themen verstanden, sachliche Diskussionen zu führen», blickt Vize-Gemeindepräsidentin Erika Kleeb auf die gemeinsame Zeit zurück. «Für seine Zukunft wünsche ich ihm mehr Zeit für sich selbst – für seine Liebsten und seine Hobbies, ohne die vielen Verpflichtungen.»

Von Gabriela Graber