Das Seniorenessen in der Gemeinde Rüegsau ist sehr beliebt. Auch am 50-Jahr-Jubiläum des Seniorenessens war die Aula der Schulanlage Rüegsauschachen voll besetzt · Bilder: Erich Wernli
50 Jahre und kein bisschen müde
Das monatliche Seniorenessen ist aus dem Veranstaltungskalender der Gemeinde Rüegsau kaum mehr wegzudenken. Mit einer stimmungsvollen Jubiläumsfeier konnte bei einem feinen Essen und guter Unterhaltung der 50. Geburtstag dieses Anlasses gefeiert werden.
Emmental · Das jeden Monat stattfindende gemeinsame Essen der Seniorinnen und Senioren der Gemeinde Rüegsau hat Tradition und gehört seit nun 50 Jahren zum fixen Termin der dort wohnhaften Ü65-Generation. Begonnen hat es im Jahr 1974, als auf Initiative von Margrit Brodbeck vom Pfarrhaus Rüegsau und Heinz Liechti vom damaligen Verein für das Alter eine Gruppe aus Personen der Kirchgemeinde, Frauenvereine und Einwohnergemeinde gebildet wurde, mit dem Ziel, den Betagten in der Gemeinde den Mahlzeitendienst vorzustellen. Das erste gemeinsame Essen der Seniorinnen und Senioren fand, nach sehr kurzer Vorbereitungszeit, bereits am 16. Januar 1975 statt. Gerechnet wurde damals von den Organisierenden mit ungefähr 40 Interessierten, doch es meldeten sich zur Überraschung der Organisierenden mehr als dreimal mehr, nämlich insgesamt 130 Personen, für diesen ersten Anlass an. Beinahe auf den Tag genau 50 Jahre später, am 23. Januar 2025, konnte nun mit 170 Seniorinnen, Senioren und Gästen das 50-Jahre-Jubiläum des längst traditionellen und erfolgreichen Rüegsauer Seniorenessen gefeiert werden. Oder anders gesagt: «Ein Anlass, der aus dem Rüegsauer Veranstaltungskalender kaum mehr wegzudenken ist.»
Erfolgreiche Geschichte dank ehrenamtlicher Arbeit
Peter Brechbühl, ehemaliger Fürsorgesekretär der Gemeinde Rüegsau, hielt noch einmal Rückschau auf die 50-jährige Erfolgsgeschichte des Seniorenessens. Wegen den vielen Anmeldungen zum ersten Seniorenessen waren die Organisatoren gefordert, denn als Lokal musste die Aula der Primarschule gewählt werden. Geschirr und Besteck konnten von den Gasthöfen Sonne Rüegsauschachen und Bären Rüegsau ausgeliehen werden und die Tische stammten von der damaligen Firma Geiser, Emmenau. Eigenartig die Beschaffung des Essens. Dieses wurde in grossen Plastikbeuteln von der heute nicht mehr bestehenden Regensdorfer Firma Scana geliefert. Die Beutel wurden in heissem Wasser gewärmt und anschliessend auf Platten serviert. Die Teilnehmenden des ersten Seniorenessens mussten pro Mahlzeit fünf Franken bezahlen, die Lieferfirma stellt 4.50 Franken in Rechnung. Den vorhandenen Unterlagen kann entnommen werden, dass dieser erste Anlass sichtlich erfolgreich war. In den darauffolgenden Monaten Februar und März 1975 wurden die Mahlzeiten wiederum von der Firma Scana geliefert, im April 1975 kochten die Mädchen des Fünfwochenkurses unter der Anleitung von Verena Wahlen das Essen. Es wurden Pastetli serviert. Der Wirt des damaligen Gasthofs Hirschen in Rüegsauschachen machte danach ein Angebot zu den gleichen Preisen wie die Firma Scana, was den Vorteil hatte, dass das Essen warm angeliefert wurde. Mit der Schliessung des Hirschens im Jahr 2003 fand das seinen Abschluss. Seit dem Januar 2004 wird zur vollen Zufriedenheit und in der Hoffnung, dass das noch lange so bleibt, das Essen durch die Familie Rickli vom Bären Rüegsau geliefert Hier die Stimmen von einigen Teilnehmenden: «Das isch ja wie a re Klassezämekunft.» «Mir hei Lüt troffe, wo mer scho mängs Jahr nümme gseh hei.» «Das isch doch fasch es Volksfescht.» «Eh, das isch gmüetlich gsi, mir si froh, si mer cho.» oder «I ha Angscht gha das me di Sach nid chönt bisse, jetzt isch das däwäg ling u ersch no guet.»
Freiwillige Arbeit wurde erleichtert
Auch Infrastrukturmässig gab es in den fünfzig Jahren Fortschritte. Bereits ein halbes Jahr nach dem ersten Essen wurden Tische angeschafft, wodurch der mühsame Transport von und zur Emmenau entfiel. Im Gang neben der Schulküche wurde ein Schrank zum Lagern des eigenen Geschirrs erstellt und seit dem Jahr 1991 muss das Geschirr nicht mehr mühsam über die Treppen hinunter und hinauf geschleppt werden, liess doch die Gemeinde Rüegsau einen Warenlift einbauen. Alles Massnahmen, welche die freiwillige Arbeit ganz gewaltig erleichterte. Was jedoch in all den Jahren blieb, war das mühselige Abwaschen des Geschirrs von Hand. Doch nun hat auch das bald einmal ein Ende, überbrachte doch der ebenfalls am Jubiläumsessen anwesende Gemeindepräsident Andreas Hängärtner die frohe Kunde, dass die Gemeinde in den nächsten Wochen eine Grossküchen-Spülmaschine einbauen werde. Andreas Hängärtner zeigte sich nicht nur beeindruckt von der grossen Teilnehmerzahl an der Jubiläumsfeier: «50 Jahre Seniorenessen ist eine beeindruckende Zahl, hinter ihr steckt in der heutigen Zeit eine riesengrosse ehrenamtliche Arbeit. An diesem Anlass wird jedoch nicht nur gegessen, sondern auch diskutiert, Erinnerungen werden geteilt, Anekdoten aus vergangenen Zeiten erzählt. Das Essen ist nicht nur ein Essen zu einem günstigen Preis, sondern auch ein Ort der Gemeinsamkeit.» Weil das 50-Jahr Jubiläum gefeiert wurde und der Preis statt der üblichen sechzehn Franken nur fünf Franken pro Menu betrug, hatte der Gemeinderat den Gesamtbetrag auch gleich zulasten der Gemeindekasse übernommen.
Interessante Rahmenprogramme
Nebst dem kulinarischen Teil, immerhin wurden in den 50 Jahren an die 55 000 Menus serviert, gibt es immer auch einen kulturellen Teil, welche die Seniorenessen zu einem der wohl erfolgreichsten Anlässe in der Gemeinde Rüegsau machen. So ist das am Anlass ebenfalls teilnehmende Rüegsbach Chörli schon fast Stammgast. Videos oder digitale Darbietungen sorgen für Abwechslung, Gruppen aller Art sorgen für Abwechslung, aber auch Seniorinnen und Senioren oder Schulen aus der Gemeinde helfen mit, den Nachmittag zu gestalten. «Das war wieder mal ein schöner und gemütlicher Anlass», so der allgemeine Tenor der Teilnehmenden, als sie sich am späteren Nachmittag auf den Heimweg begaben.
Von Ernst Marti