• Der neue Gemeindepräsident von Huttwil, Adrian Wüthrich (links), nimmt die Gratulation von seinem Gegner und bisherigen Vize-Gemeindepräsidenten Marcel Sommer entgegen und unterhält sich anschliessend mit dem neuen Gemeinderat Peter Nyffeler (Bild rechts). · Bilder: Walter Ryser

26.11.2024
Huttwil

Adrian Wüthrich sorgt für eine Überraschung

Adrian Wüthrich heisst der neue Huttwiler Gemeindepräsident ab 2025. Er gewann die Stichwahl gegen den bisherigen SVP-Gemeinderat Marcel Sommer klar. Dieser scheidet aus dem Gremium aus, dafür rückt Parteikollege Peter Nyffeler nach.

 

Obwohl man beim Duell um das Amt des Gemeindepräsidenten von Huttwil, zwischen dem SP-Kandidaten Adrian Wüthrich und dem SVP-Gemeinderat Marcel Sommer mit jedem Ausgang rechnen konnte, ist am Ende das Ergebnis dann halt doch eine saftige Überraschung, weil Adrian Wüthrich die Ausmarchung klar für sich entschied. Bei einer respektablen Stimmbeteiligung von 50,74 Prozent gaben 983 Huttwilerinnen und Huttwiler ihre Stimme Wüthrich, während Sommer 822 Stimmen erhielt und damit deutlich hinter Wüthrich zurückblieb (161 Stimmen). Mit einem solch klaren Resultat konnte man im nach wie vor bürgerlich geprägten «Städtli» nicht unbedingt rechnen.

Bürgerlicher Block spielte nicht mit
Marcel Sommer nahm das überraschende Verdikt zwar enttäuscht, zugleich aber auch gefasst zur Kenntnis. Er habe dieses sogar kommen sehen, sagte er bei der Präsentation der Resultate im Stadthaus. «Was die letzten Wochen in Huttwil abging, liess einen solchen Ausgang erwarten», spielte er auf die Wahlkampagne seines Gegenkandidaten an, der in den Medien, aber auch im öffentlichen Raum in Huttwil sehr präsent war. Enttäuschend ist für Sommer vor allem die Tatsache, dass erstmals ein SP-Vertreter im bürgerlich geprägten Huttwil zum Gemeindepräsidenten gewählt wurde und damit der vorhandene bürgerliche Block bei der Wahl nicht wie erhofft mitgespielt hat. «Ich habe keine Ahnung weshalb, das müssen wir erst noch analysieren», zeigte er sich auf die entsprechende Frage relativ ratlos. Ob er sich angesichts dieser Ausgangslage vielleicht zu sicher gewesen sei, lautete eine weitere Frage an den Wahlverlierer. Sommer verneinte und sagte, dass man natürlich mehr hätte machen können, was letztendlich auch eine Frage der zur Verfügung stehenden finanziellen Möglichkeiten sei. Mit zwölf Jahren Gemeinderat habe er einen schönen Leistungsausweis mitgebracht, «der jedoch offenbar nicht gut genug war», zeigte er sich enttäuscht. Dass Adrian Wüthrich, im Gegensatz zu ihm, eine national bekannte Polit-Figur sei, habe zweifellos auch eine Rolle gespielt und ihm sicher einige Stimmen eingetragen, suchte Sommer nach weiteren Gründen für die Wahl-Niederlage. Aufgrund der Amtszeitbeschränkung scheidet Marcel Sommer damit Ende Jahr aus dem Gemeinderat aus und wird unverhofft ab Januar mehr Zeit zur Verfügung haben. «Deshalb wird es diesen Winter den einen oder anderen Skitag mehr geben als bisher», gab er lachend zu verstehen. An ein Ende seiner politischen Laufbahn denkt Sommer trotz der Abwahl aus dem Gemeinderat aber nicht. So könne er sich eine Kandidatur bei den Grossratswahlen 2026 durchaus vorstellen, gab er abschliessend zu verstehen.

Keine Partei-, sondern Personen-Wahl
Adrian Wüthrich zeigte sich nach seinem klaren Sieg überrascht, den er in einer bürgerlich geprägten Gemeinde nicht erwartet habe. Allerdings erwähnte der Sieger auch, dass dieses Ergebnis doch nicht so aussergewöhnlich sei, wobei er auf die Stadt Langenthal verwies, wo dem bürgerlichen Gemeinderat mit Reto Müller ebenfalls ein SP-Vertreter als Stadtpräsident vorsteht. Der 44-jährige Präsident des Gewerkschaftsdachverbandes Tra­vaille.Suisse sieht den Erfolg seiner Wahl in erster Linie darin, dass es bei diesem Duell nicht um die Wahl zwischen einem SP- und einem SVP-Vertreter gegangen sei, «sondern um die Wahl zwischen zwei Persönlichkeiten, die beide einen entsprechenden Leistungsausweis mitgebracht haben».

Peter Nyffeler rückt für Sommer nach
Was nun genau den Ausschlag zu seinen Gunsten gegeben habe, könne er nicht sagen, aber er habe im Wahlkampf immer gesagt, dass Huttwil mehr könne, betonte der zweifache Familienvater Wüthrich. Vielleicht habe der Wunsch nach einer Veränderung bei den Wählenden eine gewisse Rolle gespielt, mutmasste er. Zudem habe er im Vorfeld der Wahl klar dargelegt, was er zu bieten habe, aufgrund seiner Ausbildung, seiner politischen Erfahrung mit acht Jahren als Gemeinderat, als Nationalrat sowie als Präsident von Travaille.Suisse und in anderen Funktionen bei Verbänden und Organisationen. Seine nationale Bekanntheit dagegen stuft der Wahlsieger nicht als massgebend für den Sieg ein. «Vielmehr glaube ich, dass sich mein Engagement für den Erhalt des Eisbetriebes im Campus Perspektiven im Vorfeld der legendären Abstimmung im Frühsommer, bei der sich das Stimmvolk deutlich für die Erhöhung des Gemeindebeitrages zugunsten des Campus ausgesprochen hat, einen entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis der Wahl gehabt haben könnte», gab Adrian Wüthrich weiter zu verstehen. Letztendlich führt der Ausgang der Gemeindepräsidenten-Wahl dazu, dass für den ausscheidenden Gemeinderat Marcel Sommer dessen SVP-Parteikollege Peter Nyffeler nachrückt. Der 71-jährige ehemalige Finanz- und Vorsorgeplaner gab zu verstehen, dass er sich riesig auf sein neues Amt freue und über viel Erfahrung verfüge, die er gerne einbringen werde.

Von Walter Ryser