• Der Rahmen hätte gepasst. Der Cupfinal der Frauen fand erstmals in der topmodernen und multifunktionalen Pilatus Arena in Kriens vor über 3300 Zuschauenden statt. · Bild: imagepower/Fabian Trees.

  • Weltmeisterin Naja Ritter vergibt eine der vielen guten «Skorps»-Abschlussgelegenheiten. · Bild: zvg

  • Die Rüegsauschacherin Marylin Thomi konnte die «Skorps» als Kapitänin nicht zum ersten grossen Titelgewinn führen. · Bild: zvg

  • Wieder nicht: Die Enttäuschung steht der Sumiswalderin Naja Ritter ins Gesicht geschrieben. · Bild: zvg

  • Die UHV Skorpion Emmental bedankt sich bei der treuen Fanschar. · Bild: zvg

26.02.2026
Sport

Auch im fünften Anlauf sollte es nicht sein

Wieder nicht: Auch im fünften Anlauf kann die Unihockeyvereinigung Skorpion Emmental keinen Titel gewinnen. Der Cupfinal gegen Zug United vom Samstag in Kriens geht trotz eines starken Schlussdrittels mit 5:6 knapp verloren. Die Enttäuschung im Emmental ist gross.

Cupfinal Frauen: UHV Skorpion Emmental – Zug United Unihockey 5:6 (1:3, 2:3, 2:0) · Die Hoffnung und der Wille waren gross, endlich einen Titel auf höchster Stufe im Schweizer Frauen-Unihockey zu gewinnen. Ein mentales Plus war dabei die Tatsache, dass im fünften grossen Final der Vereinsgeschichte den «Skorps» nach den Cupfinals 2022 und 2024 und den Superfinals um die Meisterschaft 2021 und 2023 für einmal nicht die Zürcherinnen der Kloten-Dietlikon Jets gegenüber standen. Doch es sollte auch gegen Zug United, den aktuellen Tabellenzweiten der höchsten Schweizer Frauenliga, nicht sein. Die Unihockeyvereinigung Skorpion Emmental muss weiter auf den ersten Meistertitel oder Grossfeld-Cupsieg warten. «Die Enttäuschung  ist gross. Während die Silbermedaille bei den ersten Finals, die wir spielen durften, nach einiger Zeit Stolz auslöste, ist es nun einfach nur Frust», sagt Marylin Thomi, Teamkapitänin der «Skorps».    

Ein Blitzstart 
Eine klare Sache für die Zugerinnen war der Cupfinal aber nicht. Und die Innerschweizerinnen mussten schon vor dem ersten Bully einen herben Dämpfer einstecken: Nati-Kapitänin und Weltmeisterin Isabelle Gerig konnte verletzungsbedingt nicht antreten.  Die Partie bot Spannung – und nahm in der Pilatus Arena in Kriens, wo die Cupfinals auf dem Gross- und Kleinfeld erstmals ausgetragen wurden, sofort Fahrt auf. Die 3335 Zuschauenden bekamen ein richtiges Startspektakel geboten. Für die «Skorps» begann die Partie denkbar ungünstig. Nach bloss 21 Sekunden schoss die Tschechin Denise Ratajova die Zugerinnen nach einem Freischlag in Front. Mit drei Treffern und drei Assists war Ratajova schliesslich die grosse Figur des Cupfinals. Die Emmentalerinnen verfielen nicht in Schockstarre. Bloss 60 Sekunden später glich Alyssa Buri aus. Nicht genug. Wer ein klein bisschen zu spät an den Cupfinal kam, verpasste auch den dritten Treffer. 30 Sekunden nach dem 1:1 erzielte ausgerechnet die gebürtige Lützelflüherin Nathalie Spichiger die erneute Zuger Führung. Spichiger hatte auf diese Saison hin von Skorpion Emmental nach Zug gewechselt. Nach dem Startdrittel lag Skorpion Emmental, das sich wie immer an grossen Finalspielen über eine grosse und lautstarke Fankulisse freuen durfte, 1:3 hinten. «Die ersten 20 Minuten waren ungenügend. Wir haben den Zugerinnen zu viel Raum geschenkt», analysiert die Sumiswalder Weltmeisterin Naja Ritter.

Doppelschlag bringt «Skorps» zurück
19 Sekunden waren im zweiten Abschnitt gespielt, ehe Janine Salzmann den 2:3-Anschlusstreffer erzielte. Nach 40 Minuten lagen die Grün-Schwarzen dann 3:6 hinten. «Im Mitteldrittel kamen wir langsam in die Partie rein. Aber wir zeigten immer noch nicht, was wir können», bedauert Verteidigerin Naja Ritter. Das erneute Aufbäumen in der Garderobe half. Diesmal benötigte Janine Salzmann – mit total drei Toren die beste «Skorps»-Spielerin des Cupfinals – 48 Sekunden, ehe es im Zuger Gehäuse einschlug. Die Spannung war zurück. Noch viel mehr, als 24 Sekunden später Lea Hanimann zum 5:6-Anschluss skorte. Nägelkauen war im Publikum für die restlichen 18 Minuten angesagt. Chancen zum Ausgleich waren bei den Bernerinnen in grosser Anzahl vorhanden, ebenso einige wenige Zuger Möglichkeiten, um den Sack zuzumachen. Mit Fortdauer des Schlussdrittels wurden die Nerven angespannter. Die Lage spitzte sich zu.

Ausgleichschancen in Überzahl
Über zwei Minuten vor Spielende entschloss sich «Skorps»-Trainer Benjamin Abplanalp, nach einem Time-out die starke Torhüterin Ladina Tondüry durch eine sechste Feldspielerin zu ersetzen. Hochkarätige Chancen wurden in diesen verbleibenden 136 Sekunden in Überzahl ausgelassen. Gleich dreimal scheiterte Topskorerin Eliska Chuda aus aussichtsreicher Position. Dann traf die Zugerin Martina Repkova das leere Emmentaler Tor nicht. 20 Sekunden vor Spielende verpasste Alyssa Buri den Ausgleich mit einem Backhand-Abschluss. In den letzten 13 Sekunden bekam die «Skorps»-Akteurin Evelina Garbare mit zwei Schüssen aus guter Position beste Ausgleichschancen. Dann war Schluss. Während sich bei den Spielerinnen und Fans der UHV Skorpion Emmental eine grosse Enttäuschung und Leere breitmachte, durfte sich Ex-«Skorps»-Akteurin Nathalie Spichiger mit den Zugerinnen freuen. Für einmal stand sie in einem Final auf der Sonnenseite.

Über 60 Minuten stark auftreten
«Wir haben den Start verschlafen und viel zu spät gezeigt, was wir uns vorgenommen haben», bilanziert Naja Ritter enttäuscht. «Es reicht in einem Endspiel schlicht nicht aus, nur 20 Minuten gut zu sein», weiss Marylin Thomi. «Wir müssen aus dieser Partie die Schlüsse ziehen und besser werden. Wir haben es drauf, einen Titel zu gewinnen. Nur an der Umsetzung in einer entscheidenden einzelnen Partie muss noch gearbeitet werden», findet die Rüegsauschacherin. Tatsache ist, dass die «Skorps» trotz zwei schwachen Dritteln den Titel nur hauchdünn verpasst haben. Bereits gestern Montagabend fand ein Teamevent statt. Dabei konnten die «Skorps» diese Niederlage gemeinsam verarbeiten. «Wir haben es ausgezeichnet untereinander. Die Enttäuschung und der Frust müssen einfach abgelegt werden, damit wir vorwärts blicken und gehen können», so Marylin Thomi. Und: «Das Team ist sehr ehrgeizig.» Die im Sommer nach Schweden wechselnde Naja Ritter: «Der Fokus gilt der Meisterschaft und den bevorstehenden Playoffs. Es ist noch ein Titel zu vergeben.» 

Matchtelegramm: 21. Februar. – Pilatus Arena Kriens. – SR: C. Friedel/E. Hasselberg. – 3335 Zuschauende. – 1. 0:1. 2. A. Buri (E. Chuda) 1:1. 2. 1:2. 18. 1:3. 21. J. Salzmann (A. Buri) 2:3. 28. 2:4. 30. J. Salzmann (E. Garbare) 3:4. 38. 3:5. 39. 3:6. 41. J. Salzmann (E. Chuda) 4:6. 42. L. Hanimann (M. Thomi) 5:6. – Strafe: Skorpions 1 x 2 Minuten. – Skorpions: L. Tondüry; N. Ritter, M. Thomi, W. Deland, S. Lüthi, E. Garbare, J. Salzmann, C. Haldemann, L. Hanimann, M. Siegenthaler, S. Kiener, M. Gerber, A. Marti, S. Bergmann, J. Bieri, S. Dominguez, A. Buri, J. Lüthi, E. Chuda, I. Ueltschi, S. Hodel. – Bemerkung: J. Salzmann als beste Spielerin ausgezeichnet.  

Von Stefan Leuenberger