• Im Januar gewann Alina Marti mit dem EV Zug den Cup mit einem 4:0-Sieg gegen den HC Davos. · Bild: Keystone

  • Die Bleienbacherin Alina Marti bekämpft im Bronzespiel die Schwedin Thea Johansson. · Bild: Keystone

  • Bleienbachs Gemeindepräsident Andreas Moser ehrt Alina Marti.

  • Bleienbach feierte seine Olympia-Medaillengewinnerin mit einem grossen Empfang in der Mehrzweckhalle. · Bilder: Jörg Oegerli

09.03.2026
Sport

«Auf den erzielten Erfolg hart hingearbeitet»

Die erst 21-jährige Bleienbacher Eishockeyspielerin Alina Marti hat mit der Schweiz an den Olympischen Winterspielen im Eishockeyturnier der Frauen die Bronzemedaille gewonnen. Die Stürmerin blickt auf bewegte Tage zurück.

Interview: Stefan Leuenberger im Gespräch mit Alina Marti, Eishockeyspielerin aus Bleienbach · Die Gemeinde Bleienbach zählt bloss 783 Einwohnende. Viele davon haben Ihnen am Sonntagnachmittag in der Bleienbacher Mehrzweckhalle einen Empfang bereitet. Erzählen Sie bitte.
Ich war überrascht, dass so viele Leute gekommen sind. Die Musikgesellschaft Bleienbach und die Guggenmusik Chlepf-Schitter haben gespielt. Ausserdem waren viele Vereinsdelegationen sowie Freunde und Bekannte von mir dabei. Der Empfang war mega. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten und Anwesenden von ganzem Herzen dafür. 

Wo überall haben Sie die Bronzemedaille bereits gezeigt?
Beim Empfang in Kloten am Montag nach den Spielen ging es los. Im Verlauf der Tage habe ich meine Medaille dann praktisch allen Familienmitgliedern, Bekannten und Verwandten sowie Freunden zeigen können. Am letzten Samstag wurde ich – zusammen mit meinen vier Zuger Teamkolleginnen, die auch im Bronzeteam spielten – anlässlich der Männerpartie EV Zug gegen Ambri-Piotta vor 7500 Fans auf dem Eis geehrt. Das war wundervoll. Besonders die jungen Fans wollten unbedingt die Bronzemedaille sehen. Ich durfte ebenfalls in der 1./2. Klasse von Bleienbach vorbeigehen und meine Medaille und Erfahrungen teilen. Das war sehr schön, denn auch ich ging dort bei den gleichen Lehrerinnen zur Schule.  

Wie viele WhatsApp-Gratulationen haben Sie gekriegt?
Ich habe sie nicht gezählt. Aber ich habe mich bemüht, alle zu beantworten. 

Es waren nach Peking (4. Rang) Ihre zweiten Olympischen Spiele. Haben Sie im Vorfeld insgeheim mit einer Medaille geliebäugelt?
Es war bereits in Peking das Ziel, eine Medaille zu gewinnen. Uns war bewusst, dass es aufgrund der Stärke der Teams aus Kanada und Amerika primär um die Bronzemedaille gehen wird. Dort wussten wir um die Stärke der Teams aus Finnland, Tschechien und auch Schweden. Wir haben auf den nun erzielten Erfolg hart hingearbeitet. 

Seit Ihrem Länderspiel-Debüt als 17-Jährige an der WM 2021 haben Sie 107 Länderspiele für die Schweiz bestritten. Das Nati-Erlebnis in Mailand dürfte ganz klar Ihr bisheriges Karriere-Highlight bilden.
Es ist jedes Mal cool, wenn ein Natiaufgebot eintrifft. Alle bisherigen Erlebnisse mit der Nati waren für mich schön. An Olympischen Spielen für dein Land anzutreten, ist aber noch einmal eine ganz andere Stufe. Und dann – als Krönung – auch noch eine Medaille zu gewinnen, ist schon das höchste der Gefühle.  

Sie kamen in allen sieben Olympia-Spielen zum Einsatz, erhielten 17:53 Minuten Eiszeit pro Partie. Wie sind Sie mit Ihren Leistungen zufrieden?
Ich habe meine mir übertragene Rolle erfüllt und bin deshalb zufrieden. Einzig mit meiner Produktivität bin ich nicht ganz einverstanden. Ich habe kein Tor erzielt. Mir gelang nur ein Assist im Bronzespiel gegen Schweden. Am besten lief es mir und meiner Linie beim Auftaktspiel gegen Tschechien. Es war jedoch über das ganze Turnier gesehen eine super Leistung von allen. 

Ihre prägenden Erlebnisse an den Olympischen Spielen 2026?
Ich habe mitten in der Stadt Mailand den Tennisstar Novak Djokovic und seine Familie getroffen und konnte mich mit ihm unterhalten sowie ein Selfie machen. Die Medaillenübergabe nach dem Frauen-Final vor vollem Stadion war eindrücklich. Ebenso die Schlussfeier in Verona.  

Welches war im Olympiadorf Ihre schönste Begegnung?
Die Momente mit den anderen Athletinnen und Athleten im Aufenthaltsraum, wie auch sonst im Village. Sich mit all den verschiedenen Sportgrössen zu unterhalten, war genial. 

Wurden Sie vor Ort im Stadion von Familienmitgliedern unterstützt?
Meine Eltern und meine Schwester waren an sechs Spielen vor Ort dabei. Weiter waren sporadisch Freunde und Club-Mitspielerinnen im Publikum. Dieser Support hat mich sehr gefreut. Meine Familie unterstützt mich, seit ich mit dem Eishockey begonnen habe. 

Wer ist Ihr grösster Fan?
Das sind mein bester Kollege Kenjo von Allmen und meine Schwester Lea.  Mit Kenjo habe ich die KV-Lehre absolviert. Der Ex-Curler verfolgt mein Wirken genau. In Mailand konnte er wegen Militärdienst aber nicht dabei sein. Die Unterstützung von ihnen beiden bedeutet mir sehr viel.  

Und wer ist Ihr grösster Förderer?
Das war damals beim SC Langenthal Olivier Horak. Aber auch der aktuelle Trainerstaff beim EV Zug hat mich noch einmal einen Schritt vorwärts gebracht. 

Haben Sie ein Vorbild?
Ja, als Kind fand ich den kanadischen Eishockeyspieler Sidney Patrick Crosby immer sehr toll.

Sie spielen in der Schweizer Frauennati mit der Huttwilerin Lara Christen. Wie ist das Verhältnis? 
Wir haben es in der Nati alle gut untereinander, was für einen Medaillengewinn massgebend ist. Lara kenne ich natürlich schon etwas länger. Wir haben schon beim SC Langenthal gemeinsam in den Gieleteams gespielt. Später waren wir Teamkolleginnen bei den ZSC Lions. Ausserdem haben wir am gleichen Ort die Berufsschule absolviert.    

Eishockey bestimmt Ihr Leben. Wie sind Sie mit diesem Sport in Berührung gekommen?
Als 5-Jährige erhielt ich von einem Bekannten einen Eishockeystock in die Finger gedrückt, damit ich auf dem gefrorenen Bleienbacher Torfsee Eis­hockey spielen konnte. Umgehend habe ich dann beim SC Langenthal die Eishockeyschule besucht. Obwohl ich lange Mitglied im Turnverein war, hat mich das Eishockey am meisten fasziniert.   

Nach dem Einstieg beim SC Langenthal und den Nachwuchsstufen haben Sie sieben Saisons in der höchsten Schweizer Frauenliga für die ZSC Lions gespielt. Sie feierten mit den Zürcherinnen gleich drei Schweizer Meistertitel, haben damit in der Schweiz das erreicht, was im Frauen-Eishockey möglich ist. Warum erfolgte auf die Saison 2025/26 nicht der eigentlich logische Sprung ins Ausland?
Ich habe die KV-Ausbildung damals absolviert. Die Überlegungen waren da, ob ich nach Übersee an eine Uni oder nach Schweden wechsle. Ich entschloss mich dann, in der Schweiz zu bleiben und die Berufsmaturität zu beginnen. Der Zeitpunkt war noch nicht reif. Mein Vertrag bei meinem jetzigen Verein läuft bis Ende der Saison 2026/27. Dann kann ich mir einen Wechsel ins Ausland vorstellen.    

Seit dieser Saison spielen Sie für den EV Zug, der die Qualifikation mit 20 Punkten Vorsprung auf den Titelverteidiger SC Bern (mit Lara Christen) gewann. Ihr Ziel für die am Wochenende beginnenden Playoffs dürfte klar sein.
Ich habe mich für den EVZ entschieden, weil die Begeisterung für das Fraueneishockey in Zug etwas ganz Besonderes ist. Zudem sah ich in Zug die optimalen Voraussetzungen für meine persönliche Entwicklung. Seit Anfang Saison ist der Meistertitel eines der grossen Ziele. 

In der Qualifikation haben Sie für den EV Zug in 25 Spielen 34 Punkte (je 17 Tore und Assists) gesammelt und sind damit die Nummer 8 aller Skorerinnen der höchsten Schweizer Frauenliga. Würden Sie Ihren beeindruckenden Speed und die Skorerqualitäten als Ihre grossen Stärken bezeichnen?   
Geschwindigkeit ins Spiel zu bringen, liegt mir in der Tat. Das Körperspiel und das «Ausgraben» von Scheiben liegen mir ebenfalls. Bei meiner Skorereffizienz sehe ich noch Steigerungspotenzial. 

Trotz Ihres Wechsels zum EV Zug wohnen Sie immer noch in Bleienbach.  
Ich pendle hin und her. In Bleienbach fühle ich mich wohl. Auf die Saison 2026/27 hin werde ich mir allerdings im Raum Zug eine Wohnung suchen, weil ich für das Pendeln schon sehr viel Zeit investiere. 

Sie konnten wegen des Olympiarummels nicht ausruhen. Fühlen Sie sich körperlich und mental überhaupt bereit für weitere Eishockeyspiele?
Es war gut, dass es nach dem Ende der Olympischen Spiele und vor Beginn der Playoffs zwei Wochen Pause gab. Ich muss allerdings sagen, dass ich sowohl körperlich wie mental in ausgezeichneter Verfassung bin und mich sehr auf die bevorstehenden Partien freue.