• Biber sind schön anzusehende Tiere. Mit seinen Aktivitäten erzeugt er jedoch Herausforderungen für andere Lebewesen. · Bild: Keystone

  • Diesen Damm hat der Biber am Rotbach geschaffen. · Bilder: Reto Pfister

  • Ines Röthele ist die Projektverantwortliche für die Arbeiten am Rotbach.

  • Hand- (oben) und Fussspur des Bibers.

  • Das Wasser fliesst langsamer als normal.

  • Auch hier war der Biber aktiv.

22.07.2025
Emmental

Baumeister Biber löst Bauarbeiten aus

Der Rotbach in der Gemeinde Dürrenroth wird in den nächsten zwei Wintern verbreitert und ökologisch aufgewertet. Die Biber müssen während der Bauzeit nicht umgesiedelt werden.

Dürrenroth · Der Biber ist ein äusserst geschickter Baumeister, ja eigentlich ein grandioser Landschaftsarchitekt. Er bedient sich natürlicher Materialien und ist in der Lage, innert kürzester Zeit seine Bauten zu erstellen. Nur tut er es manchmal so, dass andere, zum Beispiel der Mensch, aber auch andere Tiere vor neue Herausforderungen gestellt werden können. Zum Beispiel aktuell im Rotbach in der Gemeinde Dürrenroth. Dort hat der Biber Bäume angenagt und daraus einen Damm erstellt. Die Folge: Das Wasser kann nur noch beschränkt dort durchfliessen, in den darauffolgenden Flussabschnitten ist der Wasserpegel tiefer, oder das Wasser fliesst langsamer. Mit Folgen für die Flussökologie und die darin beheimateten Lebewesen. Mit Folgen aber auch für den Menschen. Bei Starkniederschlägen und stark anschwellendem Fluss kann das Wasser nicht mehr richtig abfliessen. Mit der Folge, dass die Uferbereiche durchnässt oder gar überschwemmt werden. Ein Szenario, das nicht allein im Rotbach auftritt. Vielerorts in der Schweiz wurden in den letzten Jahren Massnahmen an Flüssen getroffen, um einerseits dem Biber, andererseits aber auch den weiteren Lebewesen im Fluss einen optimalen Lebensraum zu verschaffen. Hier kommt Pro Natura ins Spiel. Die älteste Naturschutzorganisation der Schweiz hat sich zu einer Expertin in Sachen Biber entwickelt und wird bei Projekten im Zusammenhang mit Biberbauten oft zu Rate gezogen. So auch im Fall Rotbach, wo Ines Röthele, die Projektleiterin Aktion Biber&Co Mittelland, die Gesamtprojektleitung innehat.

Fluss wird aufgewertet
Erste Spuren des Bibers wurden 2015 im Rotbach entdeckt. Der Anstoss, hier ein grossflächiges Renaturierungsprojekt durchzuführen, kam von der nationalen Biberfachstelle. Nach einer  gemeinsamen Begehung war Pro Natura 2017 bereit, die Federführung über das Projekt zu übernehmen. Auf einer Strecke von 1,5 km wird der Fluss «aufgewertet»,  das Flussbett verbreitert und das Ufer an einigen Stellen abgeflacht. Der Rotbach war vor knapp 100 Jahren begradigt worden, um die Bewirtschaftung der angrenzenden Flächen zu erleichtern. Zukünftig soll der Fluss mehr Platz bekommen und mehr mäandrieren dürfen. Die Auswirkungen können so viel besser ausgeglichen werden, wenn der begabte Baumeister Biber wieder aktiv ist. Der Fluss hat aber trotzdem genug Platz, um normal fliessen zu können. «Zudem hoffen wir, dass Tiere wie der Grasfrosch, der Bergmolch, die Libelle oder der Eisvogel sich vermehrt oder neu ansiedeln», sagt Ines Röthele. Bäume werden bis zu einer Höhe von 1,40 m mit schützenden Drahtgeflechten versehen, damit der Biber sie nicht annagt. Ein solches Projekt ist komplex. Insgesamt sind vier Hektaren Bodenfläche durch das Renaturierungsprojekt betroffen. «Die Eigentümer verlieren durch das Projekt kein Land. Im Gegenteil: Es wird qualitativ aufgewertet», sagt Röthele. Pro Natura hat, wie bereits erwähnt, die Gesamtprojektleitung inne. Geplant wird das Projekt von einem Ökobüro, ausgeführt von einem Ingenieurbüro. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Bund, der Gemeinde Dürrenroth, den Landbesitzern und den Geldgebern ist ebenfalls notwendig, um  ein solches Projekt realisieren zu können. Die Gesamtkosten belaufen sich auf eine Million Franken, aufgeteilt werden sie zwischen dem Kanton Bern, dem BKW-Ökofonds, dem Renaturierungsfonds RenF und Pro Natura. Mittlerweile sind alle Bewilligungen erteilt worden, um das Projekt ausführen zu können. Die Einsprachen, die gegen das Projekt erhoben wurden, konnten ebenfalls bereinigt werden. Eine stammte von einem lokalen Fischer, der befürchtete, dass der Bestand an Bachforellen abnehmen würde. «Ihm konnten wir aufzeigen, dass die geplanten Strukturen den Bestand sogar erhöhen könnten», sagt Röthele. So steht der Ausführung des Projekts nichts mehr im Weg. Gebaut werden soll in zwei Etappen in den Winterhalbjahren 2025/26 und 2026/27. Bewusst im Winter, damit die im Sommer in voller Aktivität stehende Natur nicht durch Bauarbeiten tangiert ist.

Von Reto Pfister