• Das SRO-Spital in Langenthal rüstet sich für die Zukunft und strebt dabei eine engere Zusammenarbeit mit der Regional Spital Emmental AG an. · Bild: Walter Ryser

  • Andreas Kohli, Direktor der Spital Region Oberaargau (SRO), ist überzeugt, dass es in Langenthal auch künftig ein erstklassiges Spital-Angebot samt Notfallstation geben wird. · Archivbild: Thomas Peter

14.02.2025
Langenthal

Bei der SRO wird die Zukunft geplant

Die Spital Region Oberaargau (SRO) rüstet sich für die Zukunft. Im Fokus steht dabei die künftige, engere Zusammenarbeit mit der Regional Spital Emmental AG. Als Basis für das nähere Zusammenrücken der beiden Spitäler dient die vom Regierungsrat 2021 beschlossene Spitalversorgungsstrategie im Rahmen des «4+-Regionen-Modells». Befürchtungen, dass beim SRO-Spital in Langen-thal deswegen ein massiver Abbau droht, tritt Direktor Andreas Kohli im Gespräch mit dem «Unter-Emmentaler» entschieden entgegen: «In Langenthal wird es auch künftig ein qualitativ erstklassiges Spital-Angebot geben, verbunden mit einer Notfallstation.»

Langenthal · Die Situation bei vielen Spitälern in der Schweiz ist prekär. Sie kämpfen mit einer ungenügenden Rentabilität, vor allem jene Spitäler, die in der Grundversorgung tätig sind. Mit der Umsetzung des sogenannten «4+-Regionen-Modells» wird im Kanton Bern versucht, diese unbefriedigende Situation nachhaltig zu entschärfen. Mit dem Modell wird eine engere Zusammenarbeit unter den Spitälern angestrebt, sollen Angebot und Dienstleistungen besser koordiniert und das vorhandene Synergie-Potenzial genutzt werden.

Kein Spital-Abbau geplant
Andreas Kohli, Direktor der Spital Region Oberaargau (SRO) in Langenthal, bestätigte gegenüber dem «Unter-Emmentaler», dass sich sein Unternehmen mitten in diesem Prozess befindet: «Verwaltungsrat und Direktion sind intensiv mit dieser Thematik beschäftigt. Wir suchen entsprechende Wege, wie wir mit unserem Unternehmen in die Zukunft gehen wollen und auch können.» Aus diesem Grunde habe man den Kontakt mit der Regional Spital Emmental AG in Burgdorf auf verschiedenen Ebenen intensiviert und diverse Arbeitsgruppen gebildet. Bereits habe man sich auf ein gemeinsames Zielbild geeinigt und in ersten Fachbereichen Kooperationen etabliert, erwähnt Andreas Kohli. Aktuell sei man daran, zu prüfen, in welchen weiteren Themen eine engere Zusammenarbeit Sinn mache und beiden Spitälern einen Mehrwert verschaffe. Kohli betont explizit, dass im Zentrum dieses Prozesses der Erhalt der Grundversorgung für die Bevölkerung in beiden Regionen stehe, verbunden mit Notfallstationen an den Standorten in Langenthal, Burgdorf und Langnau. Damit entkräftet der SRO-Spitaldirektor Befürchtungen nach einem massiven Spital-Abbau in Langenthal, die zuletzt in der Region Oberaargau aufkamen.

Ambulantisierung vorantreiben
Andreas Kohli ist überzeugt, dass es in Langenthal auch künftig ein erstklassiges Spital-Angebot samt Notfallstation geben wird. Dabei verweist er auf die aktuelle Situation bei den Spitälern in Burgdorf und Langenthal, die beide praktisch voll belastet seien, weshalb momentan keinerlei Verschiebe-Potenzial in nur eine Richtung bestehe, weder bei den Patienten noch bei Angeboten und Dienstleistungen. Im Gegenteil, immer wieder komme es vor, dass man Probleme mit Überbelegungen habe und bei der Suche nach geeigneten Betten in anderen Spitälern oft vor «verschlossenen Türen» stehe. So habe man erst kürzlich bei nicht weniger als 15 Spitälern nachgefragt, um zwei Patienten platzieren zu können. Letztendlich sei man dann in Menziken und Aarberg doch noch fündig geworden. Auch die Zahlen bei den Notfällen sprechen gemäss Kohli ganz klar gegen einen Abbau oder eine Verlegung der Notfallstation, mussten doch in Langenthal im letzten Jahr nicht weniger als 30 000 Notfälle behandelt werden. Dennoch befürwortet Andreas Kohli das angestrebte «4+-Regionen-Modell». Für die beiden Spitäler in Langenthal und Burgdorf sieht der SRO-Spitaldirektor durchaus Synergie-Potenzial, vorab in den Bereichen Einkauf, IT oder HR (Personalrekrutierung). Daneben gelte es aber auch andere Modelle und Wege zu prüfen, um die aktuell unbefriedigende Situation bei den Spitälern und im gesamten Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen. Grosses Potenzial sieht Kohli diesbezüglich im Bereich einer vermehrten Ambulantisierung, das seiner Meinung nach nun gezielt ausgeschöpft werden sollte. Der erste Schritt in diese Richtung wurde am 24. November 2024 mit der Annahme der Volksabstimmung zur Änderung des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (Einheitliche Finanzierung der ambulanten und stationären Leistungen) umgesetzt. Auch bei den Psychiatrischen Diensten sieht er Möglichkeiten zur Optimierung des Angebotes. Anstatt weitere Betten zu schaffen und zu betreiben, ziele man darauf ab, künftig vermehrt Patienten zu Hause aufzusuchen und mit entsprechenden Fachleuten extern zu behandeln, sofern dies das Krankheitsbild der zu behandelnden Personen zulasse.

Nicht zu viele Spitalbetten
Andreas Kohli wehrt sich auch gegen die oft geäusserte Kritik, dass die Schweiz über zu viele Spitalbetten verfüge. Der 63-jährige Aarwanger sagt dazu, dass man in der Schweiz nicht grundsätzlich zu viele Spitalbetten habe, diese würden aber wohl nicht immer am richtigen Ort und wohl auch teilweise in zu kleinen Spitälern liegen. Die Frage stelle sich vielmehr, welche Leistungen in den einzelnen Spitälern angeboten würden. Deshalb glaubt er, dass Kliniken und Spitäler in Zukunft weiter zusammenwachsen werden. Als Beispiel dafür nennt er die Rettungsdienste Emmental-Oberaar-gau, die bereits zusammengelegt wurden und gemeinsam funktionieren. Der Umbau der Spitallandschaft auch in unserer Region werde noch eine Weile dauern, dämpft Kohli die Erwartungen. Er weist darauf hin, dass es hier um komplexe Prozesse gehe, die neben dem Tagesgeschäft bewältigt werden müssen. Das sei sehr anspruchsvoll und erfordere viel Zeit und Personalressourcen.
Daneben sei man gefordert, die laufenden Prozesse zu überprüfen und zu verbessern. Hier sei man bei der SRO AG auf gutem Weg, betonte Andreas Kohli und weist darauf hin, dass es gelungen sei, das finanzielle Ergebnis im vergangenen Jahr deutlich zu verbessern. Dennoch befinde man sich nach wie vor, so wie die meisten anderen Spitäler ebenfalls, in der Verlustzone, relativiert der Spitaldirektor die Jahreszahlen, die in den nächsten Wochen präsentiert werden. Auch bei einem anderen Thema hat die SRO AG laut seinem Direktor Fortschritte erzielt. Gemäss einer Klage von verschiedenen Krankenkassen beim Schiedsgericht des kantonalen Verwaltungsgerichts soll die SRO AG von 2019 bis 2023 Medikamentenvergünstigungen nicht korrekt an die Patientinnen und Patienten weitergegeben haben (der «Unter-Emmentaler») berichtete.

Mit Krankenkassen Einigung erzielen
Andreas Kohli nimmt dazu Stellung und präzisiert: «Es handelt sich hier um ein schweizweites Thema, bei welchem bei Weitem nicht nur die SRO AG betroffen ist. Beim Einkauf von Medikamenten erhält man je nach bestellter Menge gewisse Rabatte. Für die Verwendung dieser Rabatte gibt es klare Richtlinien. So muss lediglich ein Teil dieser Rabatte den Patienten weitergegeben werden, mit dem anderen Teil finanzieren die Spitäler erforderliche Qualitätsmassnahmen.» Man habe sich mit der Forderung der Krankenkassen auseinandergesetzt. Dabei habe man sich mit etlichen von ihnen einigen können, mit anderen befinde man sich noch in Verhandlung, gab Andreas Kohli zu verstehen.

Neues Angebot: Gesundheitsnetzwerk Oberaargau
Die Gesundheitsstrategie des Kantons Bern 2020 bis 2030 sieht im Bereich integrierter Versorgung die ganzheitliche Koordination und Optimierung der Gesundheitsleistungen zwischen den verschiedenen Leistungserbringern wie Langzeitpflege, Spitex-Organisationen, Spitälern und Ärzten vor. Überflüssige Behandlungen und Doppelspurigkeiten in der Behandlung von Patienten sollen damit minimiert werden. Mit dem geplanten Gesundheitsnetzwerk Oberaargau soll ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung unternommen werden, wie SRO-Direktor Andreas Kohli zu verstehen gibt. Dieses Netzwerk ist laut Kohli Teil der neuen «Versorgungsregion Emmental-Oberaargau». «In einer ersten Phase übernimmt die SRO AG mit der doa AG (dahlia oberaargau ag), der «SGOL» (Spitex Genossenschaft Oberaargau Land) und der Spitex ola AG (Spitex Oberes Langetental AG) die Federführung für den Aufbau des Gesundheitsnetzwerks Oberaargau. Im Zentrum steht dabei der Aufbau einer gemeinsamen sozialmedizinischen Koordinationsstelle (Case Management) mit Fokus auf komplexe/chronische Kundensituationen. Als weitere Themen könnten unter anderem die Demenz sowie die Psychiatrischen Leistungen dazukommen. 

Von Walter Ryser