• Der Berner Regierungsrat und Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg informierte an der HV der SVP Langenthal über die künftige Entwicklung des kantonalen Gesundheitswesens. · Bild: Paul Christen

20.03.2025
Langenthal

Berner Gesundheitswesen im Wandel

Das Berner Gesundheitswesen befindet sich im Wandel. Die Spitallandschaft im Kanton Bern wird umgebaut. Regierungsrat und Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg gewährte bei der Hauptversammlung der SVP Langenthal Einblicke in die künftige Gesundheitsstrategie der Berner Regierung. Unter anderem machte er klar: «Die Spital Emmental AG und die SRO AG müssen die Aufgaben untereinander neu verteilen, gewisse Leistungen können nicht mehr an allen Standorten angeboten werden.»

Die Entwicklung im Gesundheitswesen schreitet rasant voran. Mit dieser Feststellung lancierte SVP-Regierungsrat Pierre Alain Schnegg, Vorsteher der Gesundheits-, Sozial und Integrationsdirektion (GSI) des Kantons Bern sein Referat anlässlich der Hauptversammlung der SVP Langenthal. Dieser rasche Wandel habe Auswirkungen auf die Spitallandschaft im Kanton Bern, erläuterte Schnegg gegenüber den 92 anwesenden Parteimitgliedern. Er wies darauf hin, dass die Qualität im Gesundheitswesen in der Schweiz nach wie vor hoch sei. «Eine MRI-Untersuchung erhalten Sie bei uns innert weniger Tage, im Ausland dagegen kann dies Monate dauern», nannte Schnegg ein Beispiel. Doch dieser hohe Standard koste etwas, fügte er hinzu. Dennoch stehe das Gesundheitswesen hierzulande unter Dauerkritik. «Neun Monate des Jahres wird über ungenügende oder fehlende Leistungen geklagt, drei Monate über die steigenden Krankenkassenprämien», bemerkte der SVP-Regierungsrat.

Ein Umdenken ist nötig
Der Berner Gesundheitsdirektor ist deshalb überzeugt, dass ein Umdenken nötig ist, nicht zuletzt, weil sich die Patientenwünsche verändern, aber auch, weil die im Gesundheitswesen zur Verfügung stehenden Ressourcen begrenzt seien und zudem ein kontinuierliches Kostenwachstum stattfinde. Schnegg stellte anschliessend das vom Regierungsrat empfohlene 4+-Regionenmodell vor, das neue, grössere Spitalversorgungsregionen vorsieht (beispielsweise die Region Emmental/Oberaargau als eine Versorgungsregion). Dabei erwähnte Schnegg, dass der Kanton Bern aktuell über 30 Spitalunternehmen verfüge. Das Modell soll dazu führen, dass zwischen den Spitälern in diesen Regionen die Kooperation sowie die Koordination verstärkt und ausgebaut werden. Der strukturelle Umbau könne nicht länger warten, gab Pierre Alain Schnegg zu verstehen, nicht zuletzt, weil der Bund eine überregionale Versorgungsplanung erwarte. Laut dem Regierungsrat muss deshalb die Ambulantisierung forciert werden. Er ist überzeugt, dass stationäre Spitalaufenthalte in den kommenden fünf bis zehn Jahren um 20 bis 30 Prozent zurückgehen werden. In diesem Bereich habe die Schweiz grossen Aufholbedarf, liege man doch mit einem Anteil von knapp 21 Prozent ambulanter Behandlungen auf einem der letzten Plätze im europäischen Vergleich, wo Schweden und Dänemark einen Anteil von über 60 Prozent aufweisen.

Zukunft heisst «Hospital@Home»
Aus diesem Grund fordert der Berner Gesundheitsdirektor: «Die Spital Emmental AG und die SRO AG müssen die Aufgaben untereinander neu verteilen, gewisse Leistungen können nicht mehr an allen Standorten angeboten werden.» Schnegg machte in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass die Privatklinikgruppe Swiss Medical Network kürzlich das Spital Zofingen, das zur Kantonsspital Aarau AG gehört, übernommen hat und damit das SRO-Spital in Langenthal zusätzlich unter Druck setzt. Mittlerweile befinden sich schon 21 Spitäler in der Deutsch- und Westschweiz sowie im Tessin im Besitz von Swiss Medical Network, die bekanntlich auch Interesse am SRO-Spital in Langenthal zeigt. Gleichzeitig stellte Regierungsrat Pierre Alain Schnegg weitere, neue Modelle vor, die in Zukunft zum Angebot im Gesundheitswesen gehören werden. Eines davon sei «Hospital@Home», erwähnte Schnegg. Dabei handle es sich nicht um zusätzliche Spitex-Leistungen, die bei den Patienten zu Hause erbracht würden, im Gegenteil. Nach einer Diagnostik im Spitalnotfall oder beim Hausarzt erfolge durch tägliche ärztliche und pflegerische Visiten eine sichere, gleichwertige Behandlung zu Hause. «Diese Entwicklung wird einen sehr grossen Einfluss auf unsere Spitäler haben und zu einem Rückgang der Bettenbelegung führen», erläuterte Pierre Alain Schnegg. Dabei müsse sich die Regierung bereits heute mit den Folgen dieser Entwicklung auseinandersetzen und sich Gedanken darüber machen, ob es für die leerstehenden Gebäude und Räumlichkeiten entsprechende Folgenutzungen gebe oder welche Unterhaltskosten bei den ungenutzten Liegenschaften entstehen werden. Im Mittelpunkt der HV der SVP Langenthal stand der Rückblick auf die erfolgreichen Gesamterneuerungswahlen in Langenthal im Herbst 2024, die der Partei je einen Sitzgewinn im Gemeinderat (neu drei statt zwei Gemeinderäte) wie auch im Stadtrat (neu elf Stadträtinnen und Stadträte) bescherte. Corinna Grossenbacher, Präsidentin der SVP Langenthal, gedachte in ihrem Jahresrückblick auch dem vor einer Woche im Alter von 102 Jahren verstorbenen Langenthaler Ehrenbürger und Parteimitglied Max Jufer. Unter dem Traktandum Wahlen wurde der gesamte Vorstand für eine weitere Amtszeit von einem Jahr wiederge-wählt. Neben Präsidentin Corinna Grossenbacher sind dies: Daniel Huber (Finanzen), Cornelia Wälchli (Sekretariat), sowie die Beisitzer Janosch Fankhauser, Roland Sommer, Jan Herzig und Michael Baumgartner. Die Jahresrechnung 2024 schloss mit einem Verlust von 21 464 Franken, der auf das finanzielle Engagement für die Gemeindewahlen zurückzuführen ist, aber immerhin rund 8000 Franken tiefer ausfiel als budgetiert. SVP-Grossrat Samuel Leuenberger (Bannwil) gewährte einen Rückblick auf die jüngste Grossrats-Session und berichtete über den engagierten Kampf der Oberaargauer Grossräte für den Erhalt des Standortes Waldhof in Langenthal, der bei der künftigen, regierungsrätlichen Inforama-Nutzerstrategie gefährdet ist. SVP-Ständerat Werner Salzmann wiederum skizzierte die momentane sicherheitspolitische Lage in Europa und appellierte eindringlich: «Unsere vordringlichste Aufgabe ist es jetzt, unsere Unabhängigkeit und Neutralität zu wahren, militärisch, aber auch im Energie- sowie im nationalen Sicherheitsbereich.»

Von Walter Ryser