Er steigt meistens am höchsten: Der Zeller Luca Ulrich (rechts) im Dress des TSV Jona bei einem wuchtigen Abschluss. · Bild: Jörg Oegerli
Beruflich und sportlich gut unterwegs
Neuer Job – neuer Verein: Der Zeller Volleyballer Luca Ulrich ist erfolgreich nterwegs und belegt mit dem TSV Jona in der NLA den 5. Rang.
Luca Ulrich, Volleyballspieler aus Zell · Der Zeller Volleyballspieler Luca Ulrich ist weiterhin aktiv im Volleyball. Nach dem Abschluss seines Studiums stand für ihn zuerst die Klärung seiner beruflichen Zukunft im Vordergrund. Seit diesem Sommer arbeitet Luca Ulrich nun 100 % beim Basler Pharmakonzern Roche in der Forschung und befasst sich mit menschlichen Darmzellen, sogenannten Organoiden. Die Arbeit gefällt ihm sehr und auch im Team fühlt er sich wohl.
Pause in der Nationalmannschaft – Wechsel zum TSV Jona
Der Arbeitgeberwechsel hatte zur Folge, dass Luca Ulrich auf die Nationalmannschaftsspiele im August – die beiden EM-Qualispielen gegen Spanien und Schweden – verzichten musste. Auch auf Clubebene gab es eine Veränderung. Da sein bisheriges Team Volley Schönenwerd auf die Saison 2025/26 hin die Anzahl Trainings pro Woche erhöhte, wechselte Luca Ulrich zum NLA-Verein TSV Jona. Die St. Galler gaben ihm die Möglichkeit, sein Training flexibel zu gestalten, denn er trainiert nun dreimal in der Woche, was mit seinem Jobengagement harmoniert.
Playoff-Halbfinal als Ziel
Nach dem 6. Rang in der vergangenen Saison und dem Wegzug des ehemaligen Schönenwerder Meistertrainers Johan Verstappen, holte der TSV Jona aus der zweiten deutschen Volleyball-Bundesliga den in Konstanz aufgewachsenen Italiener Antonio Bonelli als Trainer. Bonelli möchte die professionelle Arbeit seines Vorgängers weiterentwickeln. Mit dem amerika-nischen Zuspieler Nathan Lietzke und mit erfahrenen Spielern wie Luca Ulrich, Linus Birchler und Ramon Caviezel möchten die St. Galler auch jungen Spielern die Gelegenheit geben, sich zu entwickeln. Jona hat sich zum Ziel gesetzt, den Halbfinal der besten vier Teams zu erreichen.
Start nach Mass
Der Start in die Meisterschaft gelang dem TSV Jona mit Luca Ulrich nach Mass, indem das Team die ersten beiden Spiele auswärts gegen St. Gallen und gegen Colombier mit je 3:0 gewann. Am 1. November 2025 gewann Jona im ersten Heimspiel der Saison überraschend gegen den Titelverteidiger Volley Amriswil mit 3:2 und musste sich dann in der Startphase nur gegen Volley Näfels mit 1:3 geschlagen geben.
Als Topskorer zum Spitzenspiel in die Betoncoupe Arena
Als Nächstes musste das Team um Luca Ulrich gegen seinen ehemaligen Verein Volley Schönenwerd antreten. Als Mobiliar-Topskorer seines Teams und mit gleich vielen Punkten wie «Schöni» im Gepäck reiste der am Montag 29 Jahre alt werdende Zeller mit seinem Team nach Schönenwerd. Nach einem erst mit 31:29 gewonnenen ersten Satz setzte sich der TSV Jona mit Luca Ulrich auch in den beiden weiteren Sätzen mit 33:31 und mit 25:20 glatt in drei Sätzen durch. Damit konnten die St. Galler erstmals seit dem Cupfinal 2021 wieder gegen Volley Schönenwerd gewinnen.
Spezielle Situation
Für Luca Ulrich war es speziell, gegen seinen ehemaligen Verein, mit dem er zweimal Meister wurde, zu spielen. Nervös war er aber gar nicht. Das bestätigte er auch dem Speaker, der nach dem Spiel mit ihm ein kurzes Interview führte. In sein neues Team habe er sich gut eingelebt, erzählte Luca Ulrich. Er fühle sich wohl. Der Trainer leiste gute Arbeit und gebe ihm genügend Flexibilität, um gut zu trainieren. Das erlaube ihm auch, Sport und Arbeit gut unter einen Hut zu bringen. Nach dem guten Saisonstart und dem Erfolg gegen Volley Amriswil war der Ausgang des Spiels für Luca Ulrich nicht ganz überraschend. Die jungen Spieler seien manchmal noch etwas zu wenig kaltblütig und zu wenig konstant. Nur so erkläre er sich den Grund, weshalb die ersten beiden Sätze so knapp auf Messers Schneide entschieden wurden. Unter den Zuschauenden anwesend war auch Bruder Lars Ulrich zusammen mit ehemaligen Spielerkollegen von Schönenwerd. Auf das Spiel angesprochen, meinte dieser, dass Jona natürlich das Glück extrem auf seiner Seite hatte, jedoch viel besser servierte. Und auch für die ebenfalls an-wesenden Eltern von Lars und Luca Ulrich war klar, dass das Ergebnis nicht unbedingt die Realität des Spiels widerspiegelte. Ein Blick in die Spielstatistik zeigte, dass Volley Schönenwerd punktemässig die Nase vorn hatte, bestätigte jedoch auch, dass der Aufschlag bei Jona punktemässig den Unterschied machte. Erst vor wenigen Tagen, am letzten Samstag, erfolgte das zweite Aufeinandertreffen mit «Schöni». Nun hatten die Solothurner klar die Oberhand und gewannen glatt in drei Sätzen.
Aktuell auf dem 5. Rang
Inzwischen sind zwölf von vierzehn Matches in der NLA-Qualifikationsrunde gespielt und der TSV Jona mit Luca Ulrich liegt auf dem 5. Rang. Allerdings liegen die Teams nahe beisammen. Chênois Genf liegt nur drei, Schönenwerd sogar nur zwei Punkte vor Ulrichs Jona. Die ersten vier Plätze bringen in den Playoff-Viertelfinals Heimrecht. Spannende Playoffs stehen bevor. Luca Ulrich hat sich punktemässig als bester Schweizer Skorer mit 217 Punkten hinter dem Argentinier Pablo Cesar Denis Cabanas von Volley Näfels (289 Punkte) etabliert.
EM als Highlight
Wie geht es für Luca Ulrich in der Nationalmannschaft weiter? Nun, falls er es beruflich managen kann, wird sich Ulrich als bester Skorer wieder ins Schweizer Nationalteam integrieren können. Und das Jahr 2026 bringt für die Schweiz ein Highlight. Die Nati hat die EM-Qualifikation mit einer makellosen Bilanz von vier Siegen in vier Spielen und damit dem Gruppensieg abgeschlossen. Die Schweizer reisen somit an die EM 2026, die im September 2026 in Italien, Finnland, Bulga-rien und Rumänien stattfindet. Die Schweiz spielt die Gruppenspiele in Rumänien (Gruppe D) und trifft auf Rumänien, Lettland, Frankreich, Deutschland und die Türkei. Gut möglich, dass sie es mit Luca Ulrich tun wird.
Von Jörg Oegerli