• Daniel Bieri, Trainer von Hockey Huttwil, ist überzeugt, dass seine Mannschaft vom letztjährigen Halbfinal-Out gegen Arosa viel gelernt hat. · Bilde: Marcel Bieri, Peter Eggimann

12.09.2025
Sport

Beste Unterhaltung, aber keine Erfolgsgarantie …

Hockey Huttwil ist gut genug, um die Meisterschaft der MyHockey League zu gewinnen. Aber wie gut ist das «Halbfinal-Trauma» verarbeitet worden?

Saisonvorschau Hockey Huttwil · Am 18. März 2025 haben die Huttwiler im nationalen Hockey für Aufsehen gesorgt: Im entscheidenden Halbfinalspiel gegen Arosa kassierten sie in 72 Sekunden vier Treffer – und zwei davon in Überzahl. Aus einem 2:0 wurde ein 2:4. Die Partie ging 2:5 verloren und vorbei war der Traum vom Final in der dritthöchsten Schweizer Eishockeyliga. 

Ein «Lehrplätz» – kein Trauma
Da geht die Frage an Trainer Daniel Bieri: Ist das «Halbfinal-Trauma» verarbeitet? Er sagt, er sei im Laufe des Sommers oft darauf angesprochen worden. «Aber es ist kein Trauma. Ein Trauma wird man nicht los. Es war ein schmerzhafter ‹Lehrplätz›, aus dem wir gelernt haben.» Einen «Sündenbock» gebe es nicht. «Es wäre historisch, wenn uns so etwas noch einmal passieren würde. Das Ziel muss sein, dass wir auf der Gegenseite eine solche Situation provozieren können …». Die Chancen auf ein solches Spektakel im gegnerischen Drittel und eine Finalqualifikation, vielleicht sogar auf den Gewinn der Meisterschaft, sind durchaus intakt. Die Mannschaft ist auf dem Papier ungefähr gleich stark wie letzte Saison. Durch die Rückkehr von Michael Lüdi nach einer Saison in der 2. Liga bei Zuchwil-Regio ist sie eher noch konkurrenzfähiger und alles in allem über vier Linien ausgeglichener. 

Die Defensive stärken
Das Ziel ist eine Verbesserung der Defensive, ohne dabei die offensive Feuerkraft zu verringern: Offensiv war Hockey Huttwil letzte Saison das beste und defensiv das drittbeste Team der Liga. Daniel Bieri setzt auf offensives, leidenschaftliches «Unterhaltungs-Hockey» mit Intensität und hohem Tempo. Auf einen Stil, der erstmals von Arno Del Curto mit dem HC Davos auf höchster Ebene zelebriert worden ist. Daniel Bieri sagt, die Post müsse abgehen. Dass die Rechnung mal nicht aufgehe, gehöre dazu. «Aber wir geben alles, um unseren Fans in jedem Spiel ein einmaliges Erlebnis zu bieten. Dass bei der Gemeindeversammlung eine zusätzliche Unterstützung für die Eisaufbereitung beschlossen wurde, ist für uns eine zusätzliche Motivation.» Das Ziel ist denn auch klar: «Wir wollen die Meisterschaft gewinnen.» Die «Renaissance» der Langenthaler sei eine zusätzliche Motivation. Daniel Bieri sagt es so: «Ein teures und sehr gutes Langenthal ist für uns eine extreme Herausforderung. Aber es wäre falsch, wenn wir uns nur auf Langenthal konzentrieren würden.» Tatsächlich ist die Spitzengruppe der MyHockey League mit Meister Seewen, Thun, Langenthal, Franches-Montagnes und eben Huttwil so ausgeglichen wie vielleicht noch nie.

Rückschläge werden dabei sein
Daniel Bieri hat die Mannschaft am 24. Januar 2020 von Andreas Beutler übernommen und steht vor seiner sechsten Saison. Das ist eine schon fast «biblische» Amtsdauer. Durchschnittlich bleiben Trainer im Hockey drei Jahre im Amt. Gerade wegen der Ausgeglichenheit der Liga stehen auch die Spitzenteams auf dünnem Eis. Eine Dominanz vom ersten bis zum letzten Spiel, ein «Durchmarsch» zum Qualifikationssieg, ist nahezu unmöglich. Mit diesem oder jenem Rückschlag müssen alle rechnen. Was sich ja bereits in den letzten beiden Vorbereitungsspielen gezeigt hat: Einem 1:5 gegen das unterklassige Burgdorf (Daniel Bieri: «Das war eine unserer schlimmsten Niederlagen») folgte im letzten Testspiel ein 2:1 nach Penaltys in einer hochstehenden Partie gegen Thun. Es ist also angerichtet für eine spektakuläre Saison. Es gibt eine Unterhaltungs-, aber keine Erfolgsgarantie.

Kader Hockey Huttwil:  Torhüter: Siro Nicola Wyss, Kevin Liechti, Diego Leuenberger. – Verteidiger: Michael Minder, Silvan Aebi, Nico Gurtner, Marius Schwegler, Rui Zryd, Timo Maurer, Remo Bieri, Jason Gerber, Devin Stillhardt, Loïc Vouradoux. – Stürmer: Fabian Haldimann, Timo Braus, Joel Bieri, Janik Lanz, Dominic Lanz, Dario Struchen, Robin Nyffeler, Silvan Hess, Jan Weber, Michael Lüdi, Pascal Kilchenmann, Andreas Tschudi, Yannick Lerch, Timon Nyffeler. – Zuzüge: Timo Maurer (Langen-thal), Kevin Stillhardt (Seewen), Loïc Vouardoux (Martigny), Dario Struchen (Lyss), Jason Gerber (Brandis), Michael Lüdi (Zuchwil). – Abgänge: René Bruni (Rücktritt), Lukas Wyser (Zunzgen), Michael Ruch (Burgdorf), Noel Waber (Wiki), Natanaël Wey (Oberthurgau). Stefan Diezi (Langenthal). – Staff: Daniel Bieri, Matthias Seematter, Sandro Hain, Franzisca Ebener, Adrian Steiner, Heinz Krähenbühl, Sandra Krähenbühl, Stephanie Wittmer, Nico Zürcher, Yanick Nyffenegger, Bruno Geninazzi, Romano Geninazzi, Max Dreier, Vreni Gerber, Daniel Heiniger, Andreas Hiltbrunner, Michelle Habegger. 

Die Besten: Schnellster Läufer: Yannick Lerch; bester Stocktechniker: Andreas Tschudi; bester Bullyspieler: Michael Lüdi; härtester Spieler: Timon Nyffeler; Bester Spielmacher: Joel Bieri; bester Defensivstürmer: Pascal Kilchenmann; bester Offensivverteidiger: Jonas Schwab; bester Defensivverteidiger: Remo Bieri; härtester Schuss: Nico Gurtner Slap, Handgelenk: Dominic Lanz; Grösstes Entwicklungspotenzial: Jan Weber; am meisten Kampfkraft: Fabian Haldimann; kaltblütigster Realisator: Timo Braus; am meisten unterschätzt: Silvan Aebi.

Saisonprognosen Daniel Bieri, Trainer Huttwil 
My Hockey League 
  1. Seewen 
  2. Langenthal 
  3. Huttwil 
  4. Thun 
  5. Franches-Montagnes 
  6. Wetzikon 
  7. Dübendorf 
  8. Frauenfeld 
  9. Bülach 
10. Lyss 
11. Pikes Oberthurgau 

NLA (National League): 
1.   ZSC  
2.   Lausanne 
3.   Zug  
4.   Bern 
5.   Gottéron 
6.   Davos 
7.   Servette 
8.   Lugano 
9.   Langnau 
10. Ambri  
11. Lakers 
12. Kloten 
13. Biel 
14. Ajoie

Von Klaus Zaugg