Peter Biedermann, Emilie Liechti und Ueli Etter (von links) sind mit Herzblut dabei. · Bilder: Irmgard Bayard
Birdlife wertet Lebensräume auf
Die Biodiversität ist schweizweit, im Kanton Bern und in der Region in einem bedenklichen Zustand. Dies veranlasst Birdlife Langenthal zum Handeln. Nach einer Heckenpflanzaktion im Bereich Waldhof sind weitere Aufwertungsprojekte und der
Aufbau einer Beratungsstelle geplant.
«Die Schweiz ist vom Biodiversitätsverlust besonders betroffen. Wir möchten mit unserem Verein zur Schaffung von mehr Lebensräumen für Pflanzen und Tiere beitragen», erklärt Peter Biedermann. Der Langenthaler Chemiker ist seit 2021 Mitglied von Birdlife Langenthal und seit 2024 im Vorstand aktiv. Birdlife ist die Nachfolgeorganisation des Ornithologischen Vereins Langenthal. Ueli Marti war dort schon Mitglied und präsidierte ihn, als dieser noch Verein für Vogelkunde und Vogelschutz Langenthal hiess. Heute engagiert sich der pensionierte Schulhauswart weiterhin im Vorstand, wo er Arbeitseinsätze leitet, die Nistkästen betreut und einige der jährlichen Exkursionen leitet. Auch ihm bereitet die schwindende Biodiversität Sorgen, der er aktiv entgegenwirken will.
Schweiz steht international schlecht da
Diese Sorgen sind nicht aus der Luft gegriffen. «Die Biodiversität steht in der Schweiz unter Druck. Fördermassnahmen zeigen zwar lokal Wirkung, doch die Biodiversität ist weiterhin in einem schlechten Zustand und nimmt weiter ab», schreibt das Bundesamt für Umwelt (Bafu). Ein Drittel aller Arten und die Hälfte der Lebensraumtypen der Schweiz seien gefährdet. Und Birdlife Schweiz ergänzt: «Der zweite Aktionsplan Biodiversität des Bundesrats fällt im internationalen Vergleich durch: Eine internationale Studie stuft ihn als den schlechtesten unter 22 untersuchten Plänen ein. Die Schweiz bleibt sogar hinter Entwicklungsländern zurück – ein fatales Signal für den Erhalt der Biodiversität.»
Den Menschen die wilde Natur näherbringen
2017 verabschiedete der Bundesrat den Aktionsplan Strategie Biodiversität Schweiz. Dieser Aktionsplan ist ein wichtiges Instrument für die Umsetzung der Biodiversitätsstrategie (siehe Kasten). Er umfasst in seiner ersten Umsetzungsphase verschiedene Mass-nahmen und Pilotprojekte. «Diese
sollen unter anderem mit Kantonen, Gemeinden und Dritten umgesetzt werden», erklärt Peter Biedermann. «In Langenthal und Umgebung wollen wir dieser Partner sein.» Die Aufgabe von Birdlife Langenthal sehen er und Ueli Marti in der Schaffung neuer und der Aufwertung bestehender Lebensräume zugunsten der Vogelwelt, der Amphibien und Insekten. «Es ist uns ein Anliegen, der Bevölkerung die Wichtigkeit der Natur mit ihren Lebensräumen näherzubringen. Sie soll sich daran erfreuen», fährt der 72-Jährige fort. Auf dem Landwirtschaftsland der Familie Fuhrimann entstand Ende November auf dem Gebiet Waldhof eine über 200 Meter lange Hecke. Mitglieder von Birdlife Langenthal und weitere an der Natur Interessierte pflanzten gemeinsam mit Hansjürg Fuhrimann rund 260 Sträucher. «Alles einheimische Pflanzen», betont Peter Biedermann. «Deutlich über 20 Prozent sind dorntragende Sträucher. Der Neuntöter, der hier unter anderem gefördert wird, benötigt ein reiches Angebot an Grossinsekten, welche er auf Dornen aufspiesst», erklärt er. «Zudem erstellen wir Ast- und Steinhaufen für Reptilien und Kleinsäuger sowie Sandlinsen für Wildbienen.» Für die Auswahl der Sträucher und die Anordnung der Hecke war Vereinspräsidentin Karin Liechti zuständig. Gemeinsam mit Vereinsmitglied Forstwart Beat Hünig leitete sie die Pflanzung fachkundig an. «Ich finde das eine gute Sache, die ich gerne unterstütze», sagt etwa Marianne Hirsbrunner. «Mir liegt die Biodiversität sehr am Herzen.» Für Inge Schnetzler ist es der erste Einsatz dieser Art. Sie ist mit Herzblut dabei, ebenso wie Ueli Etter, der sich auch als Nichtmitglied engagieren will. Etwas abseits bereiten Marcel Lanz und Ueli Marti einen Asthaufen vor, um damit unter anderem für Igel einen Unterschlupf zu bauen.
Eine Vorzeigesektion
«Birdlife Langenthal ist eine Vorzeigesektion», schwärmt Barbara Li Sanli von Birdlife Schweiz. Sie ist mit ihrer designierten Nachfolgerin Lieve Dierckx vor Ort. «Wir unterstützen solche Projekte der Sektionen, helfen im Kurswesen und bei der Mitgliederwerbung mit», beschreibt sie ihre Aufgaben. Künftig will Birdlife Langenthal vermehrt Privatpersonen, Firmen und Landwirte bei der Aufwertung ihrer Gärten und Landwirtschaftsflächen unterstützen, sei dies durch Erstberatungen oder bei der Planung und Umsetzung von grösseren Vorhaben. «Wir verstehen uns als Partner für ökologische Aufwertungsmassnahmen und stellen unser Know-how und unsere Unterstützung gerne zur Verfügung», so Karin Liechti. Die jetzt umgesetzten Projekte seien entscheidend, um dem Verlust von Naturräumen und dem fortschreitenden Artenschwund entgegenzuwirken. «Das funktioniert überall – im Feld, in jedem Garten, auf Firmengeländen und sogar auf Balkonen», erklärt sie und betont: «Unsere Motivation ist die Freude an der Vielfalt der Natur. Sie ist unsere Lebensgrundlage – das Wertvollste überhaupt.» Besonderen Wert legt der Verein zudem auf die Zusammenarbeit mit regionalen Partnerorganisationen wie Pro Natura Oberaargau, dem Smaragdverein Oberaargau, dem Vogelschutz Aarwangen, dem Naturschutz Rütschelen/Bleienbach/Lotzwil sowie dem Verein Lebendiges Rottal.
Die Strategie · Sofortmassnahmen sind dringend nötig
Die vom Bund entwickelte Biodiversitätsstrategie hat ihren Ursprung im Nachhaltigkeitsgipfel von Rio de Janeiro. 1992 unterzeichnete die Schweiz die Konvention über die biologische Vielfalt (CBD). Sie verpflichtete sich damit, eine nationale Strategie zu erarbeiten. Seit 2012 hält die Strategie Biodiversität Schweiz (SBS) fest, dass die Schweiz die Biodiversität und ihre Leistungen für Wirtschaft und Gesellschaft (Ökosystemleistungen) bewahren und fördern will. Mit seinem Beschluss vom 20. November 2024 bestätigt der Bundesrat die Gültigkeit der Ziele der Strategie und verlängert sie bis 2030. · ibl
Der Verein · Birdlife Langenthal
Birdlife Langenthal ist die Nachfolgeorganisation des Ornithologischen Vereins Langenthal, respektive des Vereins für Vogelkunde und Vogelschutz Langenthal. Er zählt aktuell rund 125 Mitglieder. Das Jahresprogramm 2026 sieht Vorträge, Exkursionen und Pflegeeinsätze vor. Neu ab April geplant ist die Erstberatung Natur und Biodiversität für die Bevölkerung im Siedlungsraum. Ein besonderes Augenmerk richtet der Verein zusätzlich auf die Aufwertung von grösseren Flächen, denn die Natur benötigt Platz. Details finden Interessierte unter www.birdlife-langenthal.ch. · ibl