Die beiden Eishockeykollegen Andrin Fuhrimann (links, Ufhusen) und Finn Flückiger (rechts, Huttwil) kurz vor dem ersten Lauf. · Bild: Yanick Kurth
Bunte Seifenkisten flitzten vom Dorf hinunter
Die Bahnhofstrasse in Dürrenroth wurde am vergangenen Samstag zur Rennstrecke: 60 Seifenkisten sausten am ersten Dürrenrother Seifenkistenrennen die 500 Meter lange Strecke hinunter. Die Teilnehmenden waren zwischen fünf und 61 Jahre alt.
Seifenkistenrennen · «Der erste Lauf machte mir grossen Spass, und ich freute mich auf die zwei weiteren Fahrten am Nachmittag», sagte der Huttwiler Finn Flückiger kurz nach dem ersten Rennen. Der 9-jährige Schüler hatte sich zusammen mit seinem gleichaltrigen Eishockeykollegen Andrin Fuhrimann (Ufhusen) noch kurzfristig für das Rennen angemeldet. Unter ihrer Startnummer trugen die beiden ihre Eishockeytrikots. «Wir wollten neben dem Eishockey- spielen einmal etwas anderes ausprobieren, das Spass macht, und für unseren Hockeyclub ‹Hockey Huttwil Academy› etwas Werbung machen, da es an Nachwuchs fehlt», sagt Finn Flückiger weiter. «Wir haben für das Rennen vor Ort eine Seifenkiste gemietet und sind vorher noch nie gefahren», erzählt Andrin Fuhrimann. So konnten sich die beiden Jungen auf den Anlass auch nicht wirklich vorbereiten.
Der Spass stand im Zentrum
Am frühen Samstagmorgen tummelten sich die beiden Kollegen bereits auf dem Areal herum. Die Jungen begutachteten die gemieteten Seifenkisten vor dem Rennen genau und liefen die Strecke mehrmals ab, während ihre Angehörigen bereits irgendwo am Rand der Strecke auf den Startschuss warteten. «Der Spass stand definitiv im Vordergrund», erklärt Andrin Fuhrimann. Ziel war es aber, die Kiste so schnell wie möglich ins Ziel zu manövrieren. Das ist beiden gelungen. «Es machte den ganzen Tag grossen Spass, und wir würden es sofort wieder machen», meinten die Eishockeyspieler abschliessend.
Kunterbunte Kisten sausten die anspruchsvolle Strecke hinunter
Als gelber Flitzer, Feuerwehrauto mit Flammen oder schnittiger Rennwagen: Bei der Premiere des «Seifechiste-Renne Dürrenroth», wie es exakt heisst, haben die 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer viel Fantasie bewiesen und regelrecht rollende Themenautos geschaffen. Während einige Fahrerinnen und Fahrer viele Arbeitsstunden in ihre Gefährte stecken und immer wieder an Rennen teilnehmen, haben die jüngeren Teilnehmenden aus der Region hauptsächlich auf reguläre Mietfahrzeuge gesetzt. In verschiedenen Kategorien sausten kleine und grosse Pilotinnen und Piloten über die Strecke und rangen um die beste Zeit. Der Start erfolgte auf einer Rampe im Dorfzentrum. Die Strecke führte hinunter zum Bahnhof und umfasste mehrere Kurven. Um jeweils Schwung vor den Kurven herauszunehmen, mussten alle ihre Kiste um engere und weniger enge Hindernisse manövrieren. Überall hinter den Absperrungen standen hauptsächlich Eltern und Verwandte der Teilnehmenden und feuerten ihre Sprösslinge lautstark an. Dabei schafften es nicht alle Teilnehmenden kollisionsfrei ins Ziel, aber alle hatten ihre Seifenkiste letztlich fest im Griff. Dank des optimalen Strassengefälles erreichten die kleinen Rennautos auf der 500 m langen Strecke weit mehr als 30 Kilometer pro Stunde. Unter gespannten Blicken am Rand der Rennstrecke und mit jeder Menge Gaudi in der Kiste düsten die meisten nach weniger als einer Minute Fahrzeit über die Ziellinie beim Bahnhof. Pilotinnen und Piloten verschiedenen Alters waren dabei. Die Altersspanne reichte von fünf bis 61 Jahren. 14 Mädchen zeigten ihr Fahrtalent. Von den drei absolvierten Rennläufen zählten die beiden besten für die Wertung. In der Kategorie «Regional» konnte sich der 2015 geborene Ruben Limbach aus Lützelflüh-Goldbach als Sieger feiern lassen.
Veranstalter zieht positive Schlussbilanz
«In Dürrenroth hatten wir mit einer Streckenlänge von 500 Metern das Minimum, das für ein Seifenkistenrennen benötigt wird», sagt Simone Andrianello, Präsident der IG Seifenkisten Derby Schweiz, gegenüber dem «Unter-Emmentaler». «Ansonsten entpuppte sich die Strecke in Dürrenroth als optimal, zumal die Route kurvenreich ist und ein optimales Gefälle aufweist.» Der Verein veranstaltet in der Schweiz seit über 50 Jahren Seifenkistenrennen für Kinder und Jugendliche. Das Rennprogramm beinhaltet jedes Jahr zwischen 16 und 24 Rennen. Der neu gegründete Verein «Vougas Crew» aus Dürrenroth organisierte das Seifenkistenrennen zum ersten Mal. Der 34-jährige Präsident Joel Mai findet lobende Worte zur Premiere: «Alles verlief reibungslos, wir konnten tagsüber am Rennen und auch am Abend beim Festbetrieb viele Besuchende begrüssen und hatten ideale Wetterbedingungen. Es machte allen riesigen Spass, und die Stimmung war gigantisch.» Joel Mai war nicht nur OK-Präsident der Premiere, sondern sass zusammen mit seiner Tochter ebenfalls in einer Seifenkiste und sauste dreimal vom Dorf zum Bahnhof hinunter. «Es sieht sehr gut aus, auch im kommenden Jahr wieder ein Seifenkistenrennen durchführen zu können. Die Dürrenrother Bevölkerung hat den Anlass mitgetragen, sei es bei der Mithilfe oder als Publikum», freut sich der dreifache Familienvater. Nach dem Seifenkistenrennen gingen die Feierlichkeiten mit Livemusik und DJ-Sound bis spät in die Samstagnacht weiter.
Auszug aus der Rangliste: Lizenzierte (32 Klassierte): 1. Orlando Weibel, Urdorf, 1:50,58; 2. Romeo Weibel, Urdorf, 1:51,07; 3. Josephine Bachmann, Benzenschwil, 1:52,25. – Regional (10): 1. Ruben Limbach, Lützelflüh-Goldbach, 2:14,42; 2. Leon Menges, Roggwil, 2:15,13; 3. Ruben Schneeberger, Schmidigen, 2:19,65; 4. Andrin Fuhrimann, Ufhusen, 2:23,57; 5. Kuno Hess, Dürrenroth, 2:26,62; 7. Finn Flückiger, Huttwil, 2:29,46; 8. Louis Schneeberger, Leimiswil, 2:43,14; 9. Jaron Limbach, Lützelflüh-Goldbach, 2:44,06; 10. Joana Limbach, Lützelflüh-Goldbach, 2:56,89. – Fun (10): 1. David Kreienbühl, Füllinsdorf, 1:59,34; 2. Livio Buholzer, Weggis, 2:11,14; 3. Manuel Hess, Wyssachen, 2:11,53; 4. Sascha Loosli, Wyssachen, 2:16,08; 8. Andri Limbach, Lützelflüh-Goldbach, 2:55,97; 9. Alena Mai, Dürrenroth, 3:44,44. – Veteranen (4): 1. Lukas Gantner, Bertschikon, 1:54,60.
Von Yanick Kurth