Die elf regionalen Schwinger aus dem Bernbiet haben mit dem Berner Team bereits die Schwingarena in Mollis gesichtet (von links): Philipp Gehrig, Martin Sommer, Severin Staub, Konrad Steffen, Valentin Steffen, Matthias Aeschbacher, Simon Röthlisberger, Patrick Schenk, Remo Hiltbrunner, Adrian Aebersold und Fabian Aebersold. · Bilder: Barbara Loosli, Keystone
Das 13-köpfige regionale Team wird von Matthias Aeschbacher angeführt
Am Eidgenössischen Schwingfest Glarnerland+ mit Austragungsort Mollis vom Wochenende steht das «UE»-Gebiet mit 13 Schwingern im Einsatz. Matthias Aeschbacher vom Schwingklub Sumiswald – Schlussgang-Teilnehmer am letzten ESAF 2022 in Pratteln – ist der Leader der Truppe.
47. Eidgenössisches Schwingfest Glarnerland+ in Mollis · Nun ist es also soweit. Seit Wochen spricht die ganze Schweiz über das «Eidgenössische» Glarnerland+ auf dem riesigen Flugplatzgelände in Mollis. 56 500 Zuschauerinnen und Zuschauer werden in der gigantischen Arena mit sieben Sägemehlringen den 274 Schwingern (darunter 41 «Eidgenossen») zujubeln. 350 000 Leute werden das Fest während den drei Tagen besuchen. Als ESAF-Wahrzeichen dient der Holzmuni «Max». Er ist 20 Meter hoch, 30 Meter lang und 182 Tonnen schwer. Die fünf Teilverbände sind am grössten Sportanlass des Jahres mit folgenden Kontingenten am Start: 63 BKSV, 78 ISV, 67 NOSV, 30 NWSV, 30 SWSV und 6 Ausland. Es gibt viele Anwärter für den Siegermuni «Zibu».
13 Regionale haben die Quali geschafft
Das «UE»-Gebiet ist in Mollis mit 13 Athleten vertreten. Der Schwingklub Sumiswald stellt gleich zehn Schwinger, darunter die erfahrenen «Eidgenossen» Matthias Aeschbacher (Rüegsauschachen), Patrick Schenk (Weier) und Konrad Steffen (Wynigen). Hinzu kommt der Melchnauer Severin Staub vom Schwingklub Langenthal. Aus dem Luzerner Hinterland dürfen der Hüswiler Roger Bürli und der Gettnauer Kevin Waser am «Eidgenössischen» starten.
In diesem Jahr 100 Kränze erreicht
Der 20-jährige Fabio Hiltbrunner aus Schmidigen-Mühleweg hat im letzten Jahr sensationell das Eidgenössische Jubiläumsschwingfest in Appenzell gewonnen. Das Mitglied des Schwingklubs Sumiswald wäre für «Mollis» bei Bestverfassung ein heisser Königskandidat gewesen. Wegen einer Knieoperation muss der letztjährige Aufsteiger aber schweren Herzens für das ESAF passen. Darum rückt vom regionalen Team erneut Matthias Aeschbacher in den alleinigen Fokus. «Ich konnte mit dem Gewinn des 100. Kranzes diese Saison bereits ein gestecktes Ziel erreichen», sagt «Disu», wie der stets freundliche und zuvorkommende Familienvater überall genannt wird. Sieben Kränze hat der Rüegsauschacher 2025 bisher gewonnen, obwohl er das «Oberländische» ausgelassen hat. «Ausser dem Abschiffer am ‹Mittelländischen› mit Rang 7d bin ich mit dem Saisonverlauf zufrieden. Und mittlerweile hat ja fast jeder Spitzenschwinger irgendwo einen Hänger gehabt. Meine letzten fünf Schwingfeste liefen ausgezeichnet», so der 102-fache Kranzgewinner. Der Festsieg am Schwarzsee-Bergkranzfest steht zuoberst. «Im Schlussgang gegen Michael Moser zu gewinnen, war schon schön.»
Spitzenränge an den Bergfesten
Auf dem Brünig verlor Aeschbacher im Schlussgang – analog dem letzten ESAF in Pratteln – gegen den Sörenberger Joel Wicki. «Da habe ich ganz schwach auf die Kampfsituation reagiert. Mit meiner Bergkranzfestausbeute – den Rängen 1, 2 und 3 – bin ich aber sehr zufrieden», so der Spezialist des Schwungs «Innerer Haken». Unmittelbar nach dem heroischen Kampf und der trotzdem resultierenden bitteren Niederlage im ESAF-Schlussgang von Pratteln sagte Aeschbacher: «Ich habe mein Bestes gegeben und noch nie so gut geschwungen wie in diesem Schlussgang. Trotzdem hat es nicht gereicht, was mir aufzeigt, dass ich noch ein bisschen mehr tun muss, um es ganz nach oben zu schaffen.» Was meint er drei Jahre später und kurz vor dem nächsten «Eidgenössischen» zu dieser Aussage? «Ich habe unter der Leitung von Athletikcoach Pascal Oesch sechsmal pro Woche trainiert. Allerdings haben sich meine Trainingsaktivitäten seit dem letzten ESAF etwas verändert. Ich bin nicht mehr ganz so oft im Schwingkeller gewesen, habe dafür andere Einheiten eingebaut. Wir werden sehen, was es gebracht hat. Bereit bin ich.»
Keine Verletzungen
In die Karten spielt Aeschbacher, dass er praktisch nie verletzt ist. «Ich achte im Aufbau aber auch bei meinem Schwingstil darauf. Ausser ein paar harmlosen Bobos und Wehwehchen bin ich stets beschwerdefrei – und äusserst glücklich und dankbar darüber, dass dies so ist», berichtet «Disu», der stets mit einem Ohrenschutz zu den Kämpfen antritt.
Kronfavorit Fabian Staudenmann
Als Schlussgang-Teilnehmer des letzten «Eidgenössischen» gehört Matthias Aeschbacher bei seinem vierten ESAF-Start (Rang 14b 2016 in Estavayer-le-Lac/ohne Kranz, Rang 5b 2019 in Zug/mit Kranz und Rang 4a 2022 in Pratteln/mit Kranz) automatisch zu den Anwärtern auf die Krone. Bei einer Königstitel-Umfrage der Schwingerzeitung «Schlussgang» haben 22 Prozent der 5000 Mitmachenden auf Fabian Staudenmann getippt. Matthias Aeschbacher landete mit 1,6 Prozent der Stimmen nur auf dem zehnten Platz. Wenn der Fokus auf Schwinger wie Staudenmann, Wicki, Giger, Moser, Ott, Schlegel oder Orlik fällt, dürfte dies Aeschbacher viel leichter fallen, sich ganz auf sich zu konzentrieren. «Disu» bewegt sich in Mollis im Team der Berner. Er reiste mit der Delegation, die in einem Hotel am Kerenzerberg untergebracht ist, bereits am Donnerstagabend an. Zwei Wochen vor dem ESAF absolvierte das Berner Kader ein dreitägiges Trainingslager auf der Kleinen Scheidegg, wo der ganz spezielle Berner Teamgeist naturnah beschwört wurde. Unter dem Motto «zäme simer starch» treten die Berner als Einheit auf. «Natürlich gehen wir füreinander, ganz klar», so Aeschbacher. «Aber jeder Schwinger ist auch ein Einzelkämpfer und schaut primär für sich. Wenn es in einem Gang hart auf hart geht, schaue ich vor allem, dass ich diesen Kampf nicht verliere. Damit helfe ich mir und damit automatisch auch dem Berner Team», so Matthias Aeschbacher. Den Königstitel als Ziel will der bärtige Sennenschwinger nicht nennen. «Mein Ziel ist es, acht Gänge mein Bestes zu geben. Gelingt mir dies, muss ich mir nichts vorwerfen, egal, wie das Endresultat ausfällt», so der 33-Jährige. Doch wenn es «Disu» acht Gänge optimal läuft und auch das nötige Quäntchen Glück (beispielsweise bei der Punktvergabe) auf seiner Seite ist, liegt es auf der Hand, dass er am Ende erneut ganz weit oder sogar zuoberst in der Rangliste anzutreffen sein wird. Über seine möglichen Gegner im Sägemehl macht sich «Disu» keinen Kopf. «Wenn du gewinnen willst, musst du alle schlagen können.» Im Anschwingen bekommt er es mit Armon Orlik (Maienfeld) zu tun. Matthias Aeschbacher wird vor Ort von seiner Ehefrau und zahlreichen Familienmitgliedern und Freunden unterstützt. Sohn Nino fehlt. «Er ist noch zu klein. In all diesen Menschen wäre es ihm nicht wohl. Er wird daheim am Fernseher mitfiebern», freut sich Vater Aeschbacher.
Von Stefan Leuenberger