Der Biber ist in der Schweiz geschützt. Bis 2022 war er gefährdet. · Symbolbild: flickr
Der Biber als Herausforderung und Chance
Seit mehreren Jahren fühlen sich Biber in Rohrbach heimisch. Doch die fleissigen Nagetiere sorgen nicht nur für Begeisterung: Gemeindepräsident Hubert Kölliker berichtet von den Herausforderungen und den Massnahmen, mit denen die Gemeinde versucht, Biber und Landwirtschaft in Einklang zu bringen.
Rohrbach · Wer im Rohrbacher Industriegebiet in Richtung Huttwil am «Kanäli» entlang spaziert, sieht seine Spuren sofort: Angeknabberte Bäumchen, auf dem Boden liegende Äste – und ein Biberdamm. Im Laufe der Jahre ist dadurch aus dem kleinen Bachstück ein Teich entstanden. Der Biber scheint sich in Rohrbach wohl zu fühlen – sehr zur Freude einiger, aber auch zum Ärger anderer.
«Schon durchs Dorf laufen sehen»
«Er ist eine kleine Attraktion hier in Rohrbach – auch, weil sein Damm so gut ersichtlich ist. Normalerweise sind Biberbauten eher versteckt. Man hat ihn sogar schon durchs Dorf laufen sehen. Doch zugegebenermassen hat er uns schon einiges Kopfzerbrechen bereitet», erzählt Hubert Kölliker, Gemeindepräsident von Rohrbach.
Das Problem ist vielschichtig: Aufgrund der Lage des Damms bestehe einerseits die Gefahr, dass die angrenzenden landwirtschaftlichen Felder durchnässt werden. «Im Feld liegen Röhren, die vor Jahrzehnten zur Entwässerung des Feldes eingegraben wurden. Wir wissen nicht, wie gut diese noch funktionieren.» Weiter unterhöhle der Biber die angrenzende Strasse, die landwirtschaftlich genutzt werde. Es habe bereits mehrere Einstürze gegeben. Dazu komme, dass der Biber immer wieder von der Ernte der umliegenden Felder «stibitze». Das ärgere nicht nur die Landwirte, sondern auch die Burger, denen das Landstück gehört.
Minime Massnahmen in Rohrbach
Wie viele Biber sich im Rohrbacher Industriegebiet niedergelassen haben, ist unklar. Das Nagetier ist dämmerungs- und nachtaktiv und es zu beobachten, nicht ganz leicht. «Wir denken, dass es sich nur um einen handelt – sonst wäre der Frass deutlich grösser.» Insgesamt geht Kölliker aber davon aus, dass bis zu sechs Biber in Rohrbach wohnen.
«Der Biber ist aber laut dem Bundesgesetz geschützt. Sämtliche Eingriffe in sein Territorium sind nicht gestattet und strafbar.» Da sein Einfluss in Rohrbach jedoch beträchtlich war, hat die Gemeinde frühzeitig entschieden, mit dem Wildhüter und der kantonalen Biberfachstelle Kontakt aufzunehmen, um gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen, die Schäden im Rahmen zu halten. Nachdem man vorerst auf Widerstand gestossen sei, hätten sich später doch noch Gespräche ergeben und Rohrbach habe die Erlaubnis erhalten, minimal einzugreifen.
«Der Kanton hat uns erlaubt, dass wir in einer ersten Phase mit vier Wasserrohren den Wasserstand auf dem selben Niveau halten können.» Doch der Biber habe diese Massnahme schnell bemerkt und die Röhren mit Schlamm verstopft. «Jetzt haben wir über dem Damm Plastikbidons aufgehängt, die verhindern sollen, dass er den Damm weiter erhöhen kann. Das Ziel ist, den Durchlauf so offenzuhalten, dass das Niveau des Wassers auf einer bestimmten Höhe bleibt.»
Seit eineinhalb Jahren beschäftigt das Thema die Gemeinde Rohrbach intensiv. «Die Gemeinde befürwortet die Anwesenheit der Biber, aber ihr Wirken muss möglichst im Einklang mit den Landwirten sein.» Das Wichtige sei, dass man über das Problem rede: Mit den Landwirten, den Burgern, den Einwohnerinnen und Einwohnern und dem Kanton. «Nur gemeinsam können wir gute Lösungen finden, die Mensch und Natur gerecht werden.»
Von Gabriela Graber