• Die Ringerriege des Turnvereins Ufhusen freut sich über den Gewinn des Schweizer Meistertitels in der Mannschaftsmeisterschaft der zweithöchsten Liga. · Bilder: Yasmine Johann

  • In der Turnhalle Schwarzenbach herrschte vor, während und nach den Kämpfen absolute Volksfeststimmung. · Bild: Hans Muster

14.11.2025
Sport

Der erste Meistertitel der Vereinsgeschichte

Auf Berner Boden feiern die Ufhuser Ringer den grössten Erfolg der Vereinsgeschichte. Am Samstag bezwingt Ufhusen im Rückkampf des NLB-Finals der Mannschaftsmeisterschaft in der Turnhalle Schwarzenbach/Huttwil das Team aus Weinfelden, wird NLB-Meister und steigt in die NLA auf.

 

Ringerriege Turnverein Ufhusen · «Es ist historisch. Unser ganz klar grösster Erfolg in der 56-jährigen Geschichte der Ringerriege des Turnvereins Ufhusen», freut sich Christian Hügi, Präsident der Ringerabteilung beim TV Ufhusen. «Die Mannschaftsmeisterschaft im Ringen hat in der Schweiz den höchsten Stellenwert. Sie wird unter den Ringern viel höher gewichtet als eine Einzelmedaille an Schweizer Meisterschaften. Sie steht über allem», erklärt Hügi. «Darum ist dieser Titelgewinn auch so wertvoll.» 2025 konnte Ufhusen den dritten Finaleinzug in der Mannschaftsmeisterschaft der zweithöchsten Liga erzielen. Im Jahr 2000 unterlag Ufhusen im Kampf um den Meistertitel in der NLB (im Ringen Challenge League betitelt) dem Team aus Schattdorf. 2010 musste sich Ufhusen im Final Einsiedeln beugen. Im dritten Anlauf gegen Weinfelden hat es nun geklappt. 

Schwarzenbacher Halle ein Tollhaus
Den Hinkampf in Weinfelden hatte Ufhusen mit 20:16 und damit vier Punkten Vorsprung für sich entschieden. Am Samstag konnte im Rückkampf vor Heimpublikum alles klar gemacht werden. Allerdings war das «Wohnzimmer» der Ufhuser für den wichtigsten Kampf des Jahres belegt. Der Jodlerklub Alpenblick Ufhusen hatte die Fridli-Buecher-Halle für sein Jodlerkonzert und Theater gebucht. So musste Ufhusen ins Bernbiet ausweichen. In der Turnhalle Schwarzenbach/Huttwil fand das Wettmessen schliesslich statt. «Dank unkompliziertem Verhalten des dortigen Abwarts konnten wir in Huttwil einen würdigen Rahmen für diesen wichtigen Final-Rückkampf schaffen», ist Christian Hügi dankbar. «Gleichzeitig konnten wir in Huttwil etwas Werbung für den Ringsport machen.» Die 350-köpfige Kulisse bestand dann allerdings grösstenteils aus den eingefleischten Ufhuser Fans, welche die Schwarzenbacher Turnhalle mit ihrem dauerhaften Klatschen und Anfeuern während der Mattenkämpfe beben liessen. «Die Wichtigkeit des Kampfes hat viele bekannte Ringsport-Gesichter, die schon länger nicht mehr an einem Kampf waren, nach Huttwil gelockt», freut sich Hügi. Auch Wein­felden wurde lautstark unterstützt.
Ein Car voller Fans reiste extra nach Schwarzenbach. 

Bis in die Morgenstunden gefeiert
Wie schon während aller zehn Kämpfe der diesjährigen Mannschaftsmeisterschaft konnte die Equipe von Trainer Bruno Achermann die Anhängerschaft begeistern. Das stets als starkes Kollektiv auftretende Ringerteam aus dem 920-Seelen-Dorf wollte diesen Titel so sehr. In der ersten Hälfte aller Kämpfe konnten Lukas Hofer, Dario Stadelmann und Joel Marti für Ufhusen Siege einfahren. 9:7 lag das Heimteam zur Pause voraus. Nach dem Sieg von Remo Fallegger hatte Kilian Kneubühler – dank des Polsters des Hinkampfs – bereits im drittletzten Kampf des Abends die Chance, mit einem Sieg alles klar zu machen. Er tat es. Und nun drohte die Halle zu explodieren. Nach dem Sieg von Raphael Schärli im letzten Kampf des Abends stand der 19:16-Erfolg Ufhusens fest. Die Turnhalle Schwarzenbach wurde anschliessend in einen Partytempel verwandelt. Die Meisterfeier dauerte an, bis es am Sonntag wieder hell wurde. «Um 10 Uhr gönnten sich die Hartgesottensten der langen Partynacht an der Sonne vor dem Camper auf dem Turnhallen-Parkplatz eine Rösti», lacht Hügi. 

Ja zu NLA-Kämpfen in der Heimhalle 
Nebst dem ersten Meistertitel hat Ufhusen auch den erstmaligen Aufstieg in die NLA (Premium League) geschafft. Kann der kleine Dorfverein überhaupt die Auflagen erfüllen, um im Oberhaus zu kämpfen? «Genau dies hat mir schlaflose Nächte bereitet. Unsere Möglichkeiten in allen Bereichen sind beschränkt», erzählt Hobby-DJ Hügi. «Das grösste Thema war die Halle. Es wäre für uns eine organisatorisch und logistisch enorme Herausforderung und die allseits beliebten Dorffeste anlässlich eines Heimkampfs würden der Vergangenheit angehören, wenn wir alle Heimkämpfe auswärts bestreiten müssten. Der Ringsport gehört ins Dorf Ufhusen. Dort ist die Sportart auch populär.» Ein Aufatmen bei den Ufhuser Ringern gab es nach dem Besuch von Silvan Steiger, dem Ligachef der Swiss Wrestling Federation, wie sich der Schweizer Ringerverband nennt. «Er hat uns das ‹Go› gegeben. Wir können unsere NLA-Feuertaufe in der Fridli-Buecher-Halle bestreiten», freut sich Hügi. 

Livestream erforderlich
Im Gegensatz zu anderen Sportarten sind die weiteren Auflagen, um in der höchsten Liga mitzumachen, eher überschaubar. «In der höchsten Liga ist vorgeschrieben, dass von den Kämpfen ein Livestream angeboten wird. Diese Forderung können wir erfüllen – ohne heftige finanzielle Mehrkosten», berichtet Christian Hügi, der bereits seit 15 Jahren sein Herzblut in den Ufhuser Ringsport steckt.  

Keine Transfers möglich
Sportlich gesehen, ist das NLA-Abenteuer für Ufhusen ganz klar geregelt. Durch die Aufstockung der höchsten Liga von sechs auf acht Teams – womit auch NLB-Finalverlierer Weinfelden in den Genuss des Aufstiegs in die höchte Liga kommt – und der Ligareform, die besagt, dass es für zwei Jahre keine Doppellizenzen und auch keine Transfers mehr gibt, wird Ufhusen mit dem Kader antreten, der aktuell zur Verfügung steht. Nur eigener Nachwuchs kann ins Team integriert werden. «Es ist für alle Teams gleich», ist Hügi bewusst, «bloss haben wir als kleiner Verein natürlich nicht ein so grosses Reservoir an Athleten wie beispielsweise Willisau oder Freiamt.» Das Hauptproblem wird sein, wenn wegen Verletzungen in einer bestimmten Gewichtsklasse plötzlich kein Ringer zur Verfügung steht. «Forfaitniederlagen werden sich in einem NLA-Kampf doppelt hart auswirken», weiss Hügi. Er ist aber überzeugt, dass die topmotivierten Ufhuser im Oberhaus eine gute Falle machen werden. Und am Ende der Mannschaftsmeisterschaft steigt nur der Letzte in die NLB ab. Kämpfen die Ufhuser derart beherzt und mit so viel Freude an ihrem Sport wie in der abgelaufenen Erfolgssaison, ist es durchaus möglich, dass sie sich erneut vor Weinfelden klassieren und so die NLA-Zugehörigkeit sichern werden. 

Wettkampftelegramm: 8. November. – Ufhusen – Weinfelden 19:16 (Pause 9:7). – Turnhalle Schwarzenbach/Huttwil. – Kampfrichter: Kusin Matus. – Kämpfe: 57 kg Greco: Lukas Hofer – Lars Ochsner 18:5/3:1; 61 kg Freistil: Dario Stadelmann – Silvan Mühlethaler 6:2/2:1; 65 kg Greco: Robin Alt – Elias Bolzli 0:6/0:3; 70 kg Freistil: Remo Fallegger – Urs Wild 5:0/3:0; 75 kg Greco: Nicola Alt – Yves Müllhaupt 0:6, Schulterniederlage / 0:4; 75 kg Freistil: Raphael Schärli – Roger Junker 16:5/3:1; 80 kg Greco: Kilian Kneubühler – Domenik Keller 19:4/4:1; 86 kg Freistil: Ueli Rölli – Robin Zwick 0:7/0:3; 97 kg Greco: Joel Marti – Matti Eichmann 11:0/3:0;
130 kg Freistil: Simon Marti – Jeremy Vollen­weider 2:5/1:2.


Von Stefan Leuenberger