Am Stand des Oberaargauischen Käservereins legte dieser Junge gleich selbst Hand an.
Der Käse lockte Tausende ins Städtli
Tausende Besucherinnen und Besucher liessen sich am vergangenen Wochenende vom Ambiente des 20. Huttwiler Käsemarktes verzaubern. Bei milden Temperaturen gab es neben rund 25 Käseherstellern noch viel anderes zu erleben, zu bestaunen und zu probieren.
Wenn anfangs Oktober in Huttwil ein herrlicher Käsegeruch in der Luft liegt, steht der bereits zur Tradition gewordene Käsemarkt auf dem Programm. Zum 20. Mal wurden die Gassen rund um den Huttwiler Brunnenplatz zum Treffpunkt für Geniesserinnen und Geniesser und für Menschen, die das Handwerk und die Tradition schätzen. Der Märit hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten zu einer festen Grösse im Veranstaltungskalender der Region entwickelt. Das Zusammenspiel aus hochwertigen Käseprodukten, engagierten Ausstellerinnen und Ausstellern und einem grossen Publikum, das diese Mischung seit Jahren zu schätzen weiss, trägt zum Erfolg bei.
Die Spannweite der Käsekunst war riesig
Samstagmorgen, kurz nach elf Uhr, zwischen den Ständen des Käsemarkts in Huttwil staute sich bereits das Volk. Tausende Käseliebhaberinnen und -liebhaber drängten während zweier Tage durch die Gassen. An den Marktständen zeigte sich die vielfältige Bandbreite handwerklicher Käsekunst besonders deutlich. Die Spannweite reichte von jungen und milden Sorten bis hin zu lange gereiften Variationen mit ausgeprägtem Charakter und Geschmack. Unterschiedliche Milchsorten, Reifegrade und Herstellungsweisen sorgen für die riesige Bandbreite. Der Käsemarkt versteht sich dabei nicht nur als reine Verkaufsfläche, sondern eben auch als Genussmeile. Besucherinnen und Besucher probierten sich durch das Sortiment, verglichen und kamen mit den Herstellenden ins Gespräch. An etlichen Marktständen wurden «Käse-Plättli» über die Verkaufstheke gehalten, um den Besuchenden den Käse zum Kosten anzubieten. Nicht nur der Käse stand am Wochenende im Zentrum, sondern auch das passende Tröpfchen dazu. Und wer etwas Süsses suchte, wurde natürlich auch fündig.
Kleine Käsereien vermarkten ihren Käse selbst
Produzentinnen und Produzenten aus der gesamten Schweiz reisten für den Markt nach Huttwil, etliche davon stammten aus der Region. Viele von ihnen sind Kleinstbetriebe und vermarkten ihre Produkte eigenhändig – das schafft Nähe und ermöglicht Gespräche über Herstellung, Herkunft und Qualität. Im Gespräch mit den Ausstellerinnen und Ausstellern wurde schnell klar, dass sie aus voller Überzeugung nach Huttwil kamen. Zum dritten Mal mit von der Partie waren die Bäuerin Margrit Wymann und der Käser Patrick Wymann. Ihr «Bergheimet Rindergrat» liegt auf 1030 Metern über Meer, eingebettet im hügeligen Emmental an idyllischer Lage, gehört zur Alpgenossenschaft Hinterarnialp AG und ist einer von sechs Alpbetrieben. «Seit dem Jahr 2023 käsen wir selbst und stellen auf unserem Betrieb im Wasen zwischen Mai und September gut zwei Tonnen Hornkäse her», sagt das junge Paar. Die Herstellung erfolgt noch wie anno dazumal über offenem Feuer. Während des Alpsommers verkäsen die beiden die Milch von ihren eigenen Kühen sowie den Alpkühen aus dem Tal zu «chüschtigem» Hornkäse – eine Käseart, die ausschliesslich mit Milch von behornten Kühen hergestellt wird. «Wir kommen jeweils sehr gerne an den Huttwiler Käsemarkt und können den Kundinnen und Kunden direkt Auskunft über unseren Käse geben», freut sich Margrit Wymann. Ihr einladend dekorierter Marktstand ist gut besucht und die Besuchenden schätzen die Regionalität und die traditionelle Herstellung besonders. «Unsere Leidenschaft ist das Älplerleben, das Sennen und Käsen», fügt Patrick Wymann an. Der trockene Sommer auf der Alp war heuer eine Herausforderung. «Wir hatten aber zum Glück stets genügend Wasser und Futter», so die beiden abschliessend.
Käseversteigerung als Höhepunkt
Ergänzt wird der Käsemarkt jeweils mit den Huttwiler Volksmusiktagen und dem Koffermarkt. Mit Kapellen, Jodlerklubs und Quartetten wurde der zweitägige Käsemarkt musikalisch passend und urchig umrahmt. Ein weiteres Highlight am Käsemarkt war die Käseversteigerung. «Zum Ersten, zum Zweiten …» Mit zügiger und lauter Stimme, Humor und Fachwissen brachte der Emmentaler Gantrufer Michael Rüegsegger den Käse an die Besucherinnen und Besucher. Der Erlös kommt dem Sportclub Rohrbach zugute. Die Leiterin der Huttwiler Themenmärkte Regula Rathgeb fand lobende Worte für die 20. Ausgabe des Käsemarktes: «Das milde Wetter lockte besonders viele Besuchende an den Märit. Wir sind rundum zufrieden und die meisten Marktfahrenden zeigten sich zufrieden mit ihrem Umsatz.» Die 20. Ausgabe fand im bewährten Rahmen statt. Erstmals standen bei den erhöhten Trottoirs vor der Bibliothek und dem Stadthaus keine Marktstände. «Die Plätze sind bei den Marktfahrenden eher unbeliebt und nicht optimal», sagt Regula Rathgeb. Sie betont ausserdem die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die mit ihrem engagierten Einsatz den Märit überhaupt möglich gemacht haben. Ohne ihre tatkräftige Unterstützung sei der Käsemarkt in dieser Form nicht durchführbar.
Von Yanick Kurth