Das Langenthaler Bier ist zurück: Hans Baumberger (links) und Florian Eichenberger stellen die neue REIB-Brauerei und das «Langenthaler» vor, ein Bier, das ab Sommer in der Region konsumiert werden kann. · Bilder: Walter Ryser/zvg
Die Auferstehung des Langenthaler Biers
Hans Baumberger lässt das traditionsreiche Langenthaler Bier auferstehen. Der Pensionär gründete mit einigen weiteren Unternehmern die REIB AG, einen Brauereibetrieb, der seinen Sitz auf dem Porzi-Areal in Langenthal hat. Geschäftsführer Florian Eichenberger ist daran, ein qualitativ hochwertiges Bier herzustellen, das im Sommer auf den Markt kommen soll. Auf den Flaschen und Dosen wird ein Bär mit Bierhumpen zu sehen sein, der längst vergangene Langenthaler Bier-Zeiten zu neuem Leben erwecken soll.
Über Jahrzehnte gehörte es zu Langenthal wie das «Choufhüsi», das bekannte und beliebte Langenthaler Bier, mit dem Bär samt Bierhumpen als Logo auf den Flaschen und Bierdeckeln in den Wirtshäusern der Region. Es ist ein schillerndes Stück Wirtschaftsgeschichte, die Langenthaler Brau-Tradition, die bis ins Jahr 1785 zurückreicht, als die «gnädigen Herren zu Bern» dem Arzt Georg Mumenthaler die erste Braukonzession erteilten. Den eigentlichen Durchbruch erlebte das Langenthaler Bier jedoch erst 1859, als der diplomierte Braumeister Jakob Baumberger die Brauerei erwarb und mit seinen ausgereiften Bieren in weiten Teilen der Schweiz Anerkennung erlangte. Sein Markenzeichen, der Bär, tauchte schon bald überall auf und wurde zum Symbol für Qualität und Tradition.
Der Bär mit Humpen ist zurück
Die Geschichte vom Untergang der Brauerei Baumberger und des Langenthaler Biers ist genauso bekannt, wie jene des Haslibiers, das versuchte, an die Langenthaler Bierbrau-Tradition anzuknüpfen und am Ende scheiterte. Doch nun soll das Langenthaler Bier erneut zum Leben erweckt werden. Initiant ist Hans Baumberger, ein Nachkomme der bekannten Langenthaler Brauerei-Familie. Er hatte die kühne Idee, eine weitere Langenthaler Brauerei zu gründen und fand einige Mitstreiter, vorwiegend Unternehmer aus der Region Langenthal. Sie gründeten die REIB AG, die ihren Sitz auf dem Porzi-Areal hat und hier in den letzten Monaten eine Brauerei installierte. Das Aktienkapital beträgt 860 000 Franken. Der rüstige Rentner gibt auf die Frage nach den Gründen für sein Unterfangen zu verstehen, dass er sich noch jung genug fühle, ein solches Vorhaben zu begleiten. «Und natürlich habe ich einen gehörigen Anteil Bier in meinem Blut», fügt er in Anspielung auf seine Vorfahren lachend hinzu. Nicht nur der Name Baumberger erinnert an frühere Langenthaler Bierbrau-Zeiten, nein, auch das Logo des neuen Biers, das schlicht «Langenthaler» heisst, stellt die Verbindung zu früher her, wird doch auf den Flaschen und Dosen ebenfalls ein Bär – samt Bierhumpen – zu sehen sein. Daneben wird aber auch einiges neu und anders sein. Die Gründer haben die Brauerei für höchste Effizienz sowie für Nachhaltigkeit ausgelegt. «Wir haben von Beginn an bewusst auf fossile Energieträger wie Öl oder Gas verzichtet», betont Hans Baumberger, Verwaltungsratspräsident der REIB AG. Zudem setzt die Brauerei neben Glasflaschen auch auf Dosen. «Entgegen der verbreiteten Meinung ist die Dose in der Ökobilanz dem Glas deutlich überlegen», erklärt Baumberger und verweist auf eine entsprechende Studie des Bundesamts für Umwelt. Die Lagerkapazitäten wurden grosszügig dimensioniert, um lange Reifezeiten zu ermöglichen – ein entscheidender Faktor für die Qualität der Biere.
Start mit zwei hellen Bieren
Im Mittelpunkt der Aktivitäten steht aktuell die Lancierung des ersten Langenthaler Biers, das noch vor den Sommerferien auf den Markt kommen soll. «Wir werden mit einem hellen Lagerbier und einem hellen alkoholfreien Bier beginnen», gibt REIB-Geschäftsführer Florian Eichenberger zu verstehen. Später sollen weitere Biere dazukommen. Gerade vom alkoholfreien Bier erhofft man sich bei der REIB AG einiges, nicht zuletzt aufgrund des anhaltenden gesellschaftlichen Wandels und veränderter Ess- und Trinkgewohnheiten der Bevölkerung. «Alkoholfreie Biere sind ein stark wachsender Markt, den wir bewusst in unsere Überlegungen miteinbezogen haben», begründet Hans Baumberger den Entscheid. Das neue «Langenthaler» soll im Handel, der Gastronomie, an Festanlässen und an Wochenenden jeweils auch in der Brauerei ab Rampe erhältlich sein, informierten die Verantwortlichen an einem Medienanlass. Die neue Langenthaler Brauerei sei bewusst sehr klein und schlank aufgestellt, betont Hans Baumberger. Das Führungsteam der Brauerei besteht aus Florian Eichenberger (Geschäftsführer) und Hans Baumberger (Verwaltungsratspräsident). Sie werden unterstützt von Stefan Beck (Braumeister der LANGATUN Distillery AG). «Wir versuchen, die Fixkosten sehr klein zu halten. Aus diesem Grund haben wir viele Abläufe automatisiert, um die Personalkosten möglichst tief zu halten», erläutert Florian Eichenberger. Der historische Standort in der Ofenhalle der ehemaligen Porzellanfabrik Langenthal biete nicht nur ideale Bedingungen für die Bierproduktion, sondern unterstreiche zudem auch die Verbundenheit mit der lokalen Tradition und der industriellen Geschichte Langenthals, heben die beiden Neu-Brauer hervor.
Von Walter Ryser