• Nicola Lüdi liebt den Sport und hat grosse Freude daran. Dieser Freude lässt er auch freien Lauf, wenn ihm eine gute Leistung gelingt. · Bilder: Jörg Oegerli, Stefan Leuenberger, Alpha Foto

  • Grosse Freude von Nicola Lüi an den Schweizer Leichtathletik Meisterschaften 2025 der Aktiven im Stadion Kleine Allmend in Frauenfeld. · Bild Joerg Oegerli

  • Unvergessen: Nicola Lüdi springt an der Freiluft-SM über 2,03 m und damit zur Silbermedaille.

  • Nicola Lüdi gewinnt bei den Junioren U20 erst Bronze an der Hallen-SM 2012.

  • Nicola Lüdi überzeugt auch als Läufer: Als «McLöu» im Schottenrock am Grand-Prix von Bern 2017.

  • Nicola Lüdi überzeugt bei grosser Hitze beim 1000-m-Lauf am Turnfest in Kerzers 2026.

13.07.2026
Sport

«Die Freude am Sport ist meine Stärke»

Der 31-jährige Nicola Lüdi aus Rüegsauschachen ist der wohl vielseitigste Leichtathlet der Region. Immer wieder besticht das Mitglied des Turnvereins Rüegsauschachen mit Glanzleistungen in verschiedensten Disziplinen. Seine Paradedisziplin ist der Hochsprung, wo er mit einer Besthöhe von 2,09 m zu Buche steht.

Interview: Stefan Leuenberger im Gespräch mit Nicola Lüdi, Leichtathlet des TV Rüegsauschachen · 

Sie haben im Sport aussergewöhnliche Allrounderqualitäten. Woher stammen diese?
Für mich bedeutet der Sport, den ich bereits seit so langer Zeit ausübe, pure Freude. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich über all die Jahre mit vollem Engagement für meine Leidenschaft automatisch auch besser wurde, egal in welcher Disziplin. Ich stamme aus einer sportlichen Familie, was sicher auch eine Rolle spielt. Meine Schwester Manuela hat ebenfalls die Leichtathletik ausgeübt. Heute spielt sie Volleyball. Die Freude am Sport ist sicher meine grosse Stärke.

Wie hat Ihre sportliche Laufbahn begonnen?
Ich habe mich schon immer gerne bewegt, war gerne draussen. In der 2. Klasse habe ich dann die Jugendriege des Turnvereins Rüegsauschachen besucht. Ein paar meiner Jugi-Freunde haben mich dazu eingeladen.  

Was haben Sie in Ihrer Kindheit alles für Sportarten ausprobiert?
In der Jugi die Leichtathletik. Ausserdem habe ich Tennis gespielt. Als der Tennisplatz im Brünnli in Hasle-­Rüegsau wegen des Baus der Sporthalle aufgelöst wurde, hätte ich nach Sumiswald gehen müssen. Es war das Ende meiner Tennislaufbahn.

Was hat Ihnen am besten gefallen?
Natürlich die Leichtathletik, die ich dann fortan gezielt und immer umfassender ausgeübt habe.

Wer waren Ihre Förderer beim TV Rüegsauschachen?
Als ich 13 Jahre alt war, begann ich fokussierter zu trainieren, ohne dabei den Spass zu verlieren. Bei der damaligen Leichtathletik-Gemeinschaft-Rüegsauschachen-Lützelflüh (LG R-L) haben mich Richard Schmutz und mein Vater Thomas Lüdi hervorragend betreut, trainiert und gefördert.  

Wie wichtig ist Ihnen das Gemeinschaftserlebnis im Sport?
Es ist elementar. Als Einzelgänger würde ich die Leichtathletik sicher nicht mehr ausüben. Es ist bereichernd, gemeinsam Wettkämpfe zu besuchen, gemeinsam Leistung zu zeigen und gemeinsam Erfolge zu feiern.

Haben Sie beim TV Rüegsauschachen auch Funktionärsaufgaben?
Tatsächlich. Ich bin als Jugileiter im Einsatz, weil ich gerne meine Erfahrung weitergeben möchte. Gleichzeitig ist es auch ein Dankeschön für den jahrelangen Support, den ich erhielt. Ausserdem bin ich im Verein zusammen mit Nina Röthlisberger für das Infoheft zuständig.

Sie sind bei Leichtathletik-Mehrkämpfen genauso erfolgreich wie bei Laufsportveranstaltungen. Was üben Sie lieber aus?
Ganz klar die Leichtathletik. Ich trainiere auch nicht speziell für Läufe. Diese bestreite ich einfach gerne nebenbei.

In der Leichtathletik sind Sie in allen Disziplinen stark. Als LA-Allrounder stechen allerdings die Leistungen im Hochsprung heraus. Wie kam es, dass Sie besonders hoch springen können?
Ich habe den Hochsprung immer gerne ausgeübt – und auch klar am meisten trainiert. Ich bringe die körperlichen Voraussetzungen für diese Disziplin mit. Natürlich hat die Disziplin in unserer Familie auch eine besondere Bedeutung. Mein Vater war selber Hochspringer und hat eine Besthöhe von 1,96 m.  

Ihr Rekordsprung stammt von 2019, als Sie in Magglingen 2,09 m überquerten. Erinnern Sie sich an diesen Sprung?
Auf jeden Fall. Ich konnte es nicht fassen, als ich in der Matte gelandet bin und die Stange immer noch oben war. Das Glücksgefühl unmittelbar danach bleibt unvergessen.

Mit dieser Höhe gehören Sie im Hochsprung in der ewigen Schweizer Bestenliste zu den Top 50. Warum haben Sie nicht voll auf die Karte Hochsprung gesetzt, was Ihnen eventuell eine internationale Karriere ermöglicht hätte?
Es war nie meine Absicht, meine sportlichen Tätigkeiten auf eine Profi-Laufbahn zu lenken. Ich übe den Sport zur Freude aus. Hätte ich mich auf den Hochsprung fokussiert, bin ich fast sicher, dass diese Freude verloren gegangen wäre.  

Was bedeutet Ihnen der Hochsprung heute?
Diese Disziplin fasziniert mich einfach, ich mag sie. Es ist auch immer schön mitzuerleben, wie sich ein Vereinskollege freut, wenn er die Latte überquert. Gemeinsame Freude ist im Sport die schönste Freude.

Sie sind auch ein ausgezeichneter Weitspringer (6,64 m), Kugelstösser (13,80 m/5 kg) oder Speerwerfer (49,65 m). Nach welchen Kriterien nehmen Sie bei dieser Vielseitigkeit Ihre Wettkampfplanung vor?
Es gibt Wettkämpfe, die ich seit Jahren immer wieder und gerne besuche. Ansonsten ist die Planung spontan. Ich wähle die Wettkämpfe und vor allem die Disziplinen nach dem aktuellen Befinden aus. Die Freude steht bei der Wahl stets im Zentrum.

Der Laufsport ist auch eines Ihrer Steckenpferde. Was gefällt Ihnen so daran, sich über Mittel- und Langdistanzen auf der Bahn und vor allem bei Strassenläufen zu quälen?
Es ist das Glücksgefühl im Ziel nach der passend umschriebenen «Qual». Zudem fasziniert mich beim Laufen die Begeisterung der Zuschauenden am Streckenrand. Diese wirkt sich stets positiv auf meine Leistung aus. Der Jubel und das Anfeuern verleihen neue Energie, wenn man eine Krise verspürt.  

Eine Zeit lang sind Sie im Schottenrock und bemalt zu Laufsportanlässen angetreten. 
Zweimal habe ich den Grand-Prix von Bern so bestritten. Das war vor ungefähr neun Jahren. Es war wie eine Liebeserklärung an Schottland.  

Es hatte auch mit Ihrem Faible für das Mittelalter zu tun.
Jawohl, ich begeisterte mich damals dafür. Ich habe auch viele Mittelalter-Anlässe besucht. Ich bestritt Schwertkämpfe in mittelalterlicher Ausrüstung. Damit habe ich aber aufgehört, weil ich niemandem wehtun will. Und dies passiert bei einem Schwertkampf automatisch. Heute besitze ich auch die Mittelalter-Kleider nicht mehr. Es war eine Phase in meinem Leben.   

Sie starten mit dem TV Lützelflüh Athletics bei Turnfesten. Kürzlich wurden Sie am Turnfest Kerzers Vize-Turnfestsieger im Leichtathletik-Sechskampf.
Ich habe viele Kameraden beim TV Lützelflüh. Nach der Auflösung der LG R-L ist die Verbindung geblieben. So habe ich schon viele Turnfeste mit Lützelflüh besucht. Bei einem Turnfest ist der Teamgeist sehr wichtig. Darum gefallen mir diese gesellschaftlichen Wettkämpfe immer besonders.

Sie verfügen über eine ausgezeichnete Kondition. Haben Sie sich noch nie im Triathlon versucht?
Es würde mich reizen. Natürlich wäre ich im Schwimmen nicht bei den Schnellsten. Damit hätte ich aber keine Probleme. Das Hauptproblem ist, dass ich überhaupt nicht gerne Rad fahre.

Wer in so vielen Disziplinen in verschiedenen Sportarten antritt, benötigt viel Zeit für das Training. Wie sieht Ihr wöchentliches Pensum aus? 
Ich besuche zwei Leichtathletiktrainings pro Woche und bouldere nebenbei sehr gerne. Der Umfang ist gar nicht so extrem. Es sind vielleicht acht Stunden.

Fast überall, wo Sie antreten, resultiert am Ende eine Podestklassierung. Welche Ergebnisse bezeichnen Sie als Ihre schönsten bisherigen Karriereerfolge?
Da fällt mir sofort meine SM-Silbermedaille bei den Junioren U20 im September 2012 in Basel ein. Damals übersprang ich 2,03 m und klassierte mich zwei Zentimeter hinter einem gewissen Loïc Gasch.

Wie sehen Ihre sportlichen Ziele für die Zukunft aus?
Ich will vor allem weiterhin Freude am Sporttreiben haben – und dieses möglichst bis ins hohe Alter ausüben. Zwei ehrgeizige Ziele habe ich allerdings noch. Ich möchte die 800 m irgendwann unter 2 Minuten laufen und den Speer einmal über 50 m werfen.

Können Sie sich vorstellen, später einmal einen Marathon zu laufen?
Auf jeden Fall. Ich werde mich damit befassen, wenn die Zeit dafür reif ist. Natürlich müsste ich dann auch explizit auf diese Disziplin hin trainieren. Aktuell ist ein Halbmarathon die längste Distanz, die für mich – gemessen an meinem Trainingsinhalt – denk- und machbar ist. 

 

Kurz nachgefragt:

Sportvorbild: Der 74-jährige Luzerner Pino Pilotto, der immer noch und oft mit Freude bei Leichtathletik-Wettkämpfen startet.

Best Buddy in der Sportszene: Fabian Stalder, mein jahrelanger Weggefährte und Vereinskollege beim TV Rüegsauschachen.

Padel-Tennis: Habe ich noch nie probiert. Muss ich aber auch nicht, weil es die Sportart Squash nicht toppen kann.

Bergtouren: Mag ich sehr. Ich blicke gerne ins Tal hinunter. Die Abgeschiedenheit in den Bergen ist wundervoll. Ich absolviere gerade Kurse, damit ich diese Leidenschaft noch vertiefen kann. Gerne nehme ich auch das Zelt mit und übernachte einfach irgendwo an einem schönen Plätzchen.  

Surfen: Nein, sagt mir nichts.

McLöu: Ich liebe es, lustige Sachen zu machen. So habe ich mich vor vielen Jahren einmal entschieden, den Grand-Prix von Bern aufgrund meiner Begeisterung für Schottland im Schottenrock zu laufen. Da die Aktion eine reine Blödelei war, habe ich mich als «McLöu» bezeichnet und auch so angemeldet.  

Tattoos: Habe ich, was nicht zu übersehen ist. Sie erinnern mich an einen Lebensabschnitt von mir. Auf meinen Armen steht sinngemäss übersetzt: «Du kannst immer wieder Fehler machen und daraus lernen.»

Feriendestination: Schottland.

Hund: Habe ich keinen, mag ich aber sehr.

Süssigkeiten: Schokolade.

Netflix: Ich habe kein Netflix-Abo. Ich treibe lieber Sport.

Freundin: Aktuell keine.  

Hitzewelle: Für die Natur sicher nicht gut. Aber für mich ist es ideal. Für mich ist es erst ab 40 Grad (zu) heiss.

 

Steckbrief Nicola Lüdi:

Rufname:  Nici
Wohnort:  Bern/Rüegsauschachen
Zivilstand: ledig
Sternzeichen: Waage
Geboren: 14. Oktober 1994
Gewicht: 85 kg
Grösse: 194 cm
Beruf: Chemiker an der Uni Bern
Hobbys: Leichtathletik, Bouldern, Beachvolleyball, Wandern
Kleidung: sportlich-elegant
Essen: Bärlauch-Risotto mit Spargeln
Getränk: Schwarztee
Musik: Kraftklub
Lektüre: Sciene Fiction
TV: Ich habe keinen Fernseher