• Daniela Ait Salem-Minder ist seit fast zehn Jahren Pilzkontrolleurin in Huttwil.

  • Die Pilzkontrolle ist auch Treffpunkt und Diskussionsort für Pilzsammlerinnen und Pilzsammler. · Bilder: Felix Ott

  • Daniela Ait Salem-Minder sortiert geschickt ungeniessbare und giftige Pilze aus.

  • Sammlerinnen und Sammler präsentieren ihre Ausbeute.

22.09.2025
Huttwil

Die Pilzpolizei von Huttwil

Seit rund acht Jahren kontrolliert Daniela Ait Salem-Minder die Pilze der Huttwiler Sammlerinnen und Sammler. Mit geübtem Blick erkennt sie, was essbar ist – und was besser entsorgt wird. Ihre Arbeit schützt nicht nur vor gefährlichen Vergiftungen, sie schafft auch Begegnungen. Denn die Pilzkontrolle ist längst mehr als ein Pflichttermin: Sie ist Treffpunkt für eine kleine, leidenschaftliche Gemeinschaft.

«Den Hexenröhrling mindestens 20 Minuten kochen», sagt Daniela Ait Salem-Minder. Es riecht nach Erde im Burgerratszimmer in Huttwil. Der Tisch ist voller Steinpilze, Eierschwämme und Maronenröhlinge. Zwischen Frauentäublingen und Rotfüsslern liegt ein giftiger Risspilz verborgen. Doch Ait Salem-Minder erkennt ihn sofort und entfernt ihn aus der Sammlung. Seit 2017 ist die 49-Jährige Pilzkontrolleurin in Huttwil. Mit geschultem Blick sorgt sie dafür, dass niemand mit einem giftigen Pilz nach Hause geht. Lange überlegen muss Daniela Ait Salem-Minder dafür nicht. Sie kennt die heimischen Sorten in- und auswendig. Sie untersucht den Schirm und den Stiel, fühlt, schaut oder bricht etwas ab. Manchmal riecht sie auch am Pilz. Sollte sie sich einmal nicht hundert Prozent sicher sein, werfe sie den Pilz weg, sagt die Huttwilerin. 

Zu Beginn mit einer Sorte starten
«Es ist gar nicht so schwierig», sagt Daniela Ait Salem-Minder. Schon als Kind sei sie oft Pilze sammeln gegangen. Damals kannte sie bereits drei Sorten. Sie beschränkte sich damals auf das Sammeln von Pilzen ohne Lamellen und mit braunem Hut. Mit der Zeit kamen dann immer mehr Sorten dazu. Dies rät sie auch Anfängern: «Starten Sie mit einer Pilzsorte.» Wenn diese Sorte bei der Pilzkontrolle mehrmals richtig bestimmt wird, prägt man sie sich ein. Im Jahr darauf könne eine weitere Sorte hinzukommen. «So baut man sich Schritt für Schritt das Wissen auf», sagt Daniela Ait Salem-Minder. So hat auch Daniela Ait Salem-Minder angefangen. 2014 wurde sie dann von einem Bekannten überredet, in den Pilzverein einzutreten. Im darauffolgenden Jahr absolvierte sie die Prüfung zur Pilzkontrolleurin und wurde in das Amt gewählt. Dafür musste sie in verschiedenen Kategorien ihr Wissen beweisen: Giftpilzprüfung, Gesetzgebung, Pilzartenerkennung, Pilz- und Giftkunde. Die Kontrollen machen ihr Spass, sagt sie. Sie fügt mit einem Augenzwinkern an: «Eigentlich würde ich lieber selbst mehr sammeln gehen.» Doch die Pilzkontrolle dient nicht nur der Sicherheit der Sammlerinnen und Sammler. Sie ist auch Treffpunkt und Diskussionsort. Die Pilzsammler tauschen sich über Fundorte, Zubereitung und vieles mehr aus. Gerne hören die Besuchenden auch den Gesprächen bei anderen Kontrollen zu, da sich vieles lernen lässt. Viele kennen sich untereinander. «Es sind immer etwa die Gleichen, die kommen», sagt Daniela Ait Salem-Minder. So auch einige Mitglieder des Vereins für Pilzkunde Huttwil.

Am Käsemarkt gibt es auch Pilzpastetli
Der Verein setzt sich für den Schutz der Pilzflora, die Förderung der Pilzkunde und die Verhinderung von Pilzvergiftungen ein. Zudem engagiert sich der Verein, Kenntnisse der Pilzerkennung weiterzugeben. So finden beispielsweise regelmässig Pilzbestimmungsabende statt. Dort können Besuchende lernen, Pilze selbstständig zu bestimmen. Einmal im Jahr stellt der Verein gesammelte Pilze an ihrem Stand am Käsemarkt in Huttwil aus. Zudem verkaufen Vereinsmitglieder ihre berühmten Pilzpastetli. Die dafür benötigten rund 150 Kilo Pilze werden über das Jahr von den Mitgliedern gesammelt, gerüstet und verarbeitet. 

Pilzkontrolle steht für alle zur Verfügung
Zum Verein gehören neben Ait Salem-Minder drei weitere ausgebildete Pilzkontrolleure. Sie kontrollieren beispielsweise auch in Sumiswald und Langenthal. Die Pilzkontrolle in Huttwil steht grundsätzlich allen Interessierten gegen eine Gebühr von fünf Franken zur Verfügung. Für Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinden Huttwil, Dürrenroth, Eriswil, Gondiswil, Madiswil und Wyssachen ist die Pilzkontrolle jedoch kostenlos. An diesem Dienstagabend nehmen zehn Personen den Dienst in Huttwil in Anspruch. Nach einer halben Stunde hat Daniela Ait Salem-Minder die Pilzausbeuten abgearbeitet. «Es gibt Abende, da dauern die Kontrollen über zwei Stunden», sagt sie. An anderen Abenden hingegen kommt niemand. Für die Sammelnden ist klar: Finden sie einen neuen Pilz im Wald, Daniela Ait Salem-Minder kennt ihn ganz bestimmt.

Von Felix Ott