• 21 Jahre lang war die Westernstadt für viele Menschen ein Ort guter Stimmung, Geselligkeit und Musik. · Bilder: Gabriela Graber

  • Urs Lanz (links) und Erich Zaugg haben die Fraumatt City über 21 Jahre geprägt. Nun verabschieden sie sich von ihrem Herzensprojekt, das weit über Dürrenroth hinaus bekannt wurde.

  • «Sheriff» Daniel Unternährer (links) besuchte die Westernstadt über viele Jahre hinweg fast jedes Wochenende. Urs «Indi» Würsten vermietete in der Fraumatt City Tipis – und sucht nun nach neuen Standorten dafür.

  • Tabea Legler der Band «Motel 7» bedauert das Ende der Fraumatt City. Als Musikerin habe sie sich hier von Anfang an wohl gefühlt.

  • Das Küchenteam der Fraumatt City ist fleissig im Einsatz (von links): Peter Brechbühler, Franziska Fries, Arthur Flükiger, Jolanda Zaugg (Leitung Küche und Gründungsmitglied).

  • Kathrin Maurer, die Lebensgefährtin von Urs Lanz, gehört seit elf Jahren zum Team (Chefin Hotelbar).

  • Patrik Grünig (rechts), hier zusammen mit Anita Winter, gehört seit fünf Jahren zum Team der Fraumatt City. «Ich werde die Stimmung und die Leute sehr vermissen.»

29.05.2026
Emmental

Die Westernstadt verstummt

Nach 21 Jahren ist Schluss. Die beliebte Westernstadt Fraumatt City in Dürrenroth findet diese Saison zum letzten Mal statt, nicht weil die Gäste ausblieben, sondern weil der Aufwand immer grösser wurde. Neue Auflagen, eine alternde Infrastruktur und anstehende Investitionen hätten die Betreiber vor Herausforderungen gestellt. Der «UE» war an einem der letzten Samstage vor Ort.

Emmenthal · Am Wegrand reiht sich schon von weitem ein Auto ans andere. Die Autonummern zeugen davon, dass Fans aus der halben Schweiz nach Dürrenroth angereist sind. Beim Näherkommen dringen einem fröhliche Westernsongs in die Ohren. Besucherinnen und Besucher – viele im Cowboyoutfit – stehen in der langen Schlange, um Einlass in die Stadt zu erhalten und für ein paar Stunden in eine ganz andere Welt einzutauchen. Willkommen in der Fraumatt City – der selbstgebauten Westernstadt mitten im Emmental. An einem der letzten Abende, an denen die Stadt noch voller Leben ist. Rund zwei Jahrzehnte lang wurde die temporäre Westernstadt Frühling für Frühling aufgebaut und lud über mehrere Wochen hinweg zu Livemusik, Essen und Beisammensein im Westernambiente ein. Die Kundschaft reichte vom Kleinkind bis zum Rentner – an manchen Abenden kamen bis zu 1000 Personen in der Stadt zusammen. 


 

Die zwei ersten Jahre im Oberwald 

Ihre Anfänge hat die Stadt im Jahr 2005 – und bei einem Schreinerauftrag. Der Dürrenrother Erich Zaugg, weitherum als «Bützu» bekannt, gestaltete den Westernsaloon von «Rothis Western City» in Steg (VS) mit. Das hat ihn nicht mehr losgelassen. «Ich wollte auch so einen Saloon und fragte meinen Freund Urs, ob er mithilft, so einen zu bauen.» Erich Zaugg und Urs Lanz fanden eine alte Baracke, die sie einen Winter lang umbauten und einen Saloon daraus errichteten. «Im Frühling hatten wir bereits die ersten Mietanfragen, ohne dass wir überhaupt Werbung dafür gemacht haben», so Zaugg. 

Die ersten zwei Jahre sei der Saloon im Oberwald gestanden – bis er fast zu viel Erfolg hatte und eine Konkurrenz für das Restaurant darstellte. So suchte man nach einem neuen Standort – und wurde in der Fraumattweid in Dürrenroth fündig. Die Fraumatt City war geboren. Was klein begann, wuchs schnell. Und es fehlte nur noch die passende Musik. «Wir hatten die Idee, Livemusik zu organisieren», erinnert sich Zaugg. Eines Samstagmittags habe er das Duo «Go West» aus Häusernmoos angefragt – am Nachmittag sei die Bühne errichtet worden, und am Abend habe die Band bereits darauf gespielt. Der Startschuss für das Musikkonzept war gelegt.

Während der Jahre ist die Fraumatt City stetig gewachsen. «Wir haben immer mehr Gebäude dazugebaut. Seit etwa zehn Jahren sind wir von der Grösse her konstant», so Erich Zaugg. Auch an Bekanntheit hat die Westernstadt zugelegt, und dies weit über die Region hinaus. «Egal, wo ich bin, ich werde auf die Fraumatt City angesprochen.»

Doch was für das Publikum nicht sofort ersichtlich ist: Hinter jedem Abend stecken Hunderte von Stunden Arbeit. Die Familien Zaugg und Lanz bilden den Kern eines 90-köpfigen Teams. Viele davon sind seit Beginn mit viel Einsatz dabei. Allein für den Aufbau fallen jeden Frühling rund 1000 Stunden an. 


 

Lachendes und weinendes Auge

Diese Saison wurde die Stadt zum letzten Mal aufgebaut. «Wir hören auf dem höchsten Punkt auf», sagt Lanz. Der Entscheid fiel relativ kurzfristig. «Beim Aufbau war uns das noch nicht klar. Aber wir wussten, dass wir es noch maximal zwei Jahre machen werden.» Dieses Jahr hätte man allein beim Aufbau über 200 Stunden mehr wegen zusätzlicher Auflagen investieren müssen. «Wir sind zusammengesessen und sind zum Schluss gekommen, dass es besser ist, die Reissleine zu ziehen», so Erich Zaugg.

Um weiterzumachen, hätten die Organisatoren grössere Investitionen tätigen müssen: in neue Elektrik und eine alternde Infrastruktur. Das Risiko war zu gross. Das OK und der Vorstand hätten ihren Entscheid sofort verstanden. «Alle haben das Gleiche gesagt», so Lanz. «Es ist ein lachendes und ein weinendes Auge. Es steckt viel Herzblut drin.»

Eine Weitergabe an die nächste Generation kam nicht infrage. «Unsere Kinder waren über viele Jahre hinweg stark engagiert – sie wissen, was dahintersteckt», sagt Erich Zaugg. Ohne Selbstständigkeit sei die Fraumatt City kaum zu stemmen. «Und selbst wenn wir übergeben hätten, wären wir doch noch jahrelang jeden Samstag hier.» So freuen sich die beiden auf die kommende neu gewonnene Freizeit – und Zaugg vor allem darauf, wieder mehr Einsatz in seiner Schreinerei geben zu können. «Natürlich sind wir auch traurig. Für uns ist es wie ein Kind, das wir 20 Jahre grossgezogen haben», sagt Zaugg. 


 

Saisonhöhepunkt und «Heile Welt»

Mit diesen Gefühlen sind Zaugg und Lanz nicht alleine. Die Nachricht vom Ende hat viele Fans getroffen. Manche hätten sogar ein Crowdfunding angeboten, um die Fraumatt City zu retten, erzählt Zaugg. Doch die Entscheidung ist gefallen.

So hat etwa Daniel Unternährer aus Rüttenen (SO), in der Szene «Sheriff» genannt, seit Beginn fast jedes Wochenende hier verbracht. «Das Herz blutet», sagt er. «Ich werde es vermissen.» «Für mich war es jedes Mal ein Saisonhöhepunkt», sagt Stefan Schürch, Bassist der Band «Chicks and Roosters», die bereits elf Mal auf der Bühne der Fraumatt City aufgetreten ist. Schürch gefällt die ausgelassene Stimmung und die Begeisterung des Publikums. «Etwas Besseres kann dir als Musiker nicht passieren, wenn du an so einem Ort spielst.» Die Sängerin der Band, Isabelle Rettenmund aus Dürrenroth, ergänzt: «Es sind freundliche, offene Leute – keine Pöbeleien, nichts. Es ist ein bisschen ‹Heile Welt› hier.»

Erich Zaugg blickt gern auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zurück. Besonders gern erinnert er sich an einen Aufbausamstag, an dem die Stadt einen unerwarteten Besuch von «Gölä» erhielt. Der Schweizer Mundartmusiker kam mit einem Freund kurz vorbei – und blieb fünf Stunden. «Wir sassen alle gemeinsam am Lagerfeuer. Das war sehr speziell für uns alle.» Ein weiteres Highlight sei letztes Jahr geschehen, als Feldschlösschen mit ihrem Sechsspänner – ein grosses Gespann mit sechs Pferden – aufkreuzte. «Das war sehr eindrücklich.» Die Brauerei schickt das Gespann jeweils an auserwählte Anlässe – die Fraumatt City war aufgrund ihres 20-Jahr-Jubiläums einer davon. 


 

Der Saloon soll weiterleben

Bis zum 26. Juni öffnet die Westernstadt nochmals jedes Wochenende ihre Türen, dann ist die Fraumatt City Geschichte. Doch was passiert mit dem ganzen Material? Insgesamt 
14 Lastwagenanhänger voll davon wurden dafür gebraucht – und während der Wintermonate auf einem Bauernhof eingelagert. «Wir wollen die Infrastruktur nicht einfach dem Höchstbietenden geben, sondern jemandem, bei dem wir wissen: Da wird etwas Schönes damit gemacht», sagt Erich Zaugg. Es gebe jedoch zwei Bedingungen. «Am Standort hier darf es nicht bleiben. Und der Name darf nicht übernommen werden.»

Ein Stück der Stadt werden die beiden jedoch behalten. «Den Saloon – denn damit hat alles angefangen.» Zurzeit prüfen die Organisatoren, ob er in der Nähe eines Restaurants in der Region einen neuen Platz findet. Der Wirt sei interessiert, die Bewilligung dafür jedoch noch ausstehend. Welches Restaurant das sein könnte, das ist noch geheim.

Mit etwas Glück wird der Geist der Westernstadt also im kleinen Rahmen in der Region weiterleben. Und was sonst bleibt? «Die Freundschaften, die Verbindungen, die hier entstanden sind», sagt Zaugg. Auch einige Liebesgeschichten haben in der Fraumatt City begonnen – «und vielleicht ist auch das eine oder andere Baby daraus geboren», ergänzt er schmunzelnd.

So wird dort, wo heute noch die Westernstadt steht, bald wieder Gras wachsen. Zurück bleibt die Erinnerung an 21 Jahre Fraumatt City.