• Beat Lanz stellte an der Vernissage den fünften Bildband «Huttwil – wie es einmal war» vor. · Bilder: Marion Heiniger

  • Die Sammelleidenschaft von Beat Lanz begann mit dieser Ansichtskarte von Huttwil (1902), die er als Zwölfjähriger bei seinen Grosseltern entdeckte.

  • «Huttwil – wie es einmal war», Band 5.

10.04.2026
Huttwil

Die Zeitgeschichte Huttwils in Bildern

Mit dem fünften Bildband von «Huttwil – wie es einmal war» hat Beat Lanz seine jahrzehntelange Sammelarbeit um ein weiteres Kapitel ergänzt. An der Buchvernissage zeigte sich, wie eng die Geschichte des Werks mit seiner persönlichen Begeisterung für Huttwil verbunden ist. Inhaltlich verspricht der Band einige überraschende Entdeckungen.

An der Vernissage des fünften Bildbandes von «Huttwil – wie es einmal war» begrüsste Beat Lanz (78) die geladenen Gäste und stellte sein neustes Werk vor. Möglich geworden sei das Buch dank der finanziellen Unterstützung der Einwohnergemeinde, der Burgergemeinde und der Herdgemeinde Huttwil, dafür zeigte er sich dankbar. Beat Lanz erzählte, wie früh seine Leidenschaft für historische Ansichten von Huttwil begonnen hatte. Im Jahr 1960, als er zwölf Jahre alt war, entdeckte er bei seinen Grosseltern auf der Allmend unter dem Wohnzimmertisch eine Schublade mit alten Ansichtskarten. Darin befanden sich auch zwei Fotos von Huttwil aus den Jahren 1902 und 1908. «Es hat mich begeistert, wie das damals aussah», erinnerte sich Lanz. Die beiden Bilder durfte er behalten. Kurz darauf klopfte er bei den Nachbarn seiner Grosseltern an und fragte nach weiteren alten Karten und Fotos. Schon nach einer Woche hatte er bereits zehn weitere Ansichtskarten von Huttwil. Der Grundstein für seine Sammlung war gelegt, die im Laufe der Jahrzehnte immer weiter anwuchs. Zu jedem Bild notierte er, was ihm dazu erzählt wurde. So entstand nach und nach ein wertvolles Archiv zur Geschichte Huttwils.

Das erste Fotobuch
Einen ersten grossen Schub erhielt seine Sammlung in den 1980er-Jahren. «Als ich 1986 in den Burgerrat gewählt wurde, erfuhr ich, dass die Ersparniskasse Huttwil 1989 ihr 125-Jahr-Jubiläum feiern und ihren Kundinnen und Kunden ein besonderes Geschenk machen wollte.» So brachte er seinen damaligen Ordner mit rund 165 Seiten voller Bilder an eine Sitzung mit. Die Idee überzeugte: Daraus entstand das erste Fotobuch mit einer Auflage von 2500 Exemplaren, das die Bank an ihre Kundschaft verschenkte. Danach ging es Schlag auf Schlag. «Ich erhielt laufend Telefonanrufe und mir wurden Briefe mit Ansichtskarten und Fotos von Huttwil zugeschickt», erzählt Beat Lanz erfreut. Sein Archiv vergrösserte sich stetig. Allein seine Ansichtskartensammlung umfasst heute weit über 1300 Exemplare. Das Interesse an alten Fotos wuchs weiter und 1998 erschien ein zweiter Bildband. Reich geworden sei er mit seinen Büchern zwar nie, verriet Lanz an der Vernissage. «Ich war jedes Mal froh, wenn ich mit dem Erlös wenigstens die Druckkosten bezahlen konnte.» Mit dem nun erschienenen fünften Bildband hat Lanz ein persönliches Ziel erreicht. Bereits beim vierten Buch habe er sich vorgenommen, mit allen Bänden zusammen einmal 1000 Seiten zu erreichen. Dieses Ziel habe er nun übertroffen: «Die fünf Bücher umfassen gemeinsam 1033 Seiten», erklärte er stolz. Dass in seinem Archiv noch immer drei volle Bundesordner auf eine Veröffentlichung warten, zeigt, wie umfangreich seine Sammlung weiterhin ist. 

Ein Kalb mit acht Beinen
Inhaltlich verspricht der fünfte Bildband wieder einige überraschende Entdeckungen. Beat Lanz griff an der Vernissage einige Beispiele heraus: So ist im Buch unter anderem eine historische Darstellung eines Kalbs mit acht Beinen zu finden, das an Heiligabend 1560 in Huttwil geboren worden sein soll. Ebenfalls abgebildet ist der Huttwiler Radrennfahrer Fritz Ryser, der nach Deutschland auswanderte und 1899 Strassen- und Steher-Weltmeister wurde. Ein weiteres Bild zeigt einen Flugtag auf dem Rüttistalden von 1914 mit dem bekannten Schweizer Luftfahrtpionier Oskar Bider. Über 1000 Billette wurden für diese Veranstaltung verkauft. Zu Besuch war für einen Werbeauftritt im Jahr 1955 der angeblich grösste Mann Europas im Kino Rex, er mass 2,40 Meter. Abgebildet ist auch ein spektakulärer Unfall mit einem Schützenpanzer, der sich 1969 an der Luzernstrasse ereignete. Beat Lanz ist nicht nur gelernter Maschinenmechaniker, er ist seit jeher auch ein leidenschaftlicher Fotograf. Schon als Schulbub verdiente er sich bei Kinobesitzer und Fotograf Hermann Oberle Geld für seine erste Kamera. Seither hält er selbst das Geschehen in Huttwil mit Tausenden eigener Aufnahmen fest. Heute besitzt er nach eigenen Angaben rund 75 Kameras; die älteste stammt aus dem Jahr 1900. 

Von Marion Heiniger