Sara Zimmermann bei einem präzisen Sprung von Fels zu Fels. Beim Parkour-Sport steht die Sicherheit, nicht die Waghalsigkeit im Vordergrund. «Ich springe nur, wenn ich zu 100 Prozent sicher bin, dass ich es auch wirklich schaffe», sagt die junge Sumiswalder Parkoursportlerin. · Bilder: Carmen Kaltenrieder, Mirja Zimmermann-Oswald, Beat Tanner
«Diese Art der Fortbewegung begeistert mich»
Die 14-jährige Sumiswalderin Sara Zimmermann liebt Parkour. Sie ist in der speziellen Sportart, in der es darum geht, Hindernisse effizient und schnell zu überwinden, eine der Besten ihres Alters. Sara Zimmermann übt Parkour aber zur Freude und nicht wegen der Wettkämpfe aus.
Sara Zimmermann, Parkoursportlerin aus Sumiswald · «Ich bin durch die TV-Sendung Ninja Warrior auf diese Sportart aufmerksam geworden, weil dort ganz viele Leute mitmachten, welche Parkour ausüben», erklärt Sara Zimmermann. Dies war bereits vor sechs Jahren. Die Sumiswalderin besuchte damals das dritte Schuljahr. «Ich habe es einmal ausprobiert und es hat mich auf Anhieb fasziniert», erzählt Zimmermann. Sofort trat sie der ParkourONE Academy Schweiz bei und besucht seither zwei- bis dreimal wöchentlich deren Trainings am Standort Münsingen. «Es macht einfach viel Freude, die spezielle Art der Fortbewegung mit Gleichgesinnten auszuüben», findet Zimmermann. Allerdings ist die Anzahl weiblicher Parkour-Ausübenden in der Schweiz sehr gering. «Wir sind in Münsingen aktuell nur zwei Mädchen – und etwa 30 Jungs. Einerseits trauen sich die Mädchen diese Sportart nicht zu, andererseits gibt es fast keine Nachwuchsförderung», bedauert die 14-Jährige, die zwei Schwestern hat.
Nie einer Gefahr aussetzen
Die Parkour-Trainings finden ausschliesslich draussen statt. «Im Winter, wenn das Element Schnee dazukommt, gefällt es mir am besten», verrät Zimmermann. Die Trainingsgruppe in Münsingen startet immer beim Schulhaus. «Anschliessend versuchen wir, einen Weg mit Hindernissen möglichst effizient und schnell zurückzulegen», erklärt die Sumiswalderin. «Wir üben, wie wir Mauern, Treppen oder Geländer am besten überwinden können. Das Hindernis soll flüssig und mit minimalem Aufwand geschafft werden.» Jeder Sprung benötigt auch eine geübte Landung. Mit Stangen werden am Trainingsort auch Hindernisse gebaut. Natürlich übt Sara Zimmermann die spezielle Sportart nicht nur im urbanen Gebiet aus. Draussen in der Natur sind gerade Sprünge von einem Fels zu einem anderen beliebt. Wie sieht es mit der Gefahr aus, da gerade in solchen Fällen beim Scheitern ein mehrere Meter tiefer Absturz möglich ist? «Beim Parkour geht es nicht darum, sich gefährlichen oder waghalsigen Situationen auszusetzen. Die Philosophie von Parkour beinhaltet, die Voraussetzungen für den Einsatz einer bestimmten Technik abzuschätzen und dabei immer im Auge zu behalten, ob man diese Voraussetzungen erfüllt und die Situation gefahrlos meistern kann. Ich absolviere Sprünge oder überwinde Hindernisse nur, wenn ich mir vorher zu 100 Prozent sicher bin, dass ich sie schaffe.» Ein Grundsatz des Parkour-Sports ist es, über sich hinauszuwachsen, aber auch die eigenen, durch Körper und Umwelt gesetzten Grenzen zu erkennen. So hat sich Zimmermann bis vor gut einem Monat noch nie verletzt. «Dieser Zwischenfall war ebenfalls nicht auf Leichtsinnigkeit zurückzuführen. Ich war etwas müde und habe meine Nase an einer Mauer aufgeschlagen. Gebrochen habe ich sie zum Glück nicht.»
Noch in den Kinderschuhen
Obwohl Parkour in der Schweiz bereits seit 25 Jahren ausgeübt wird, fehlen die Strukturen. Zwar gehört Parkour seit zwei Jahren als eine von vielen Sportarten zum Schweizerischen Turnverband. Doch Parkour steckt immer noch in den Kinderschuhen. In den verschiedenen Parkour-Schulen herrscht nach wie vor grosse Uneinigkeit darüber, ob es überhaupt Wettkämpfe geben soll oder darf oder ob das eigentlich gegen die Philosophie von Parkour spricht. «Ich selber übe Parkour vor allem aus Freude und zum Ausgleich aus. Die Wettkämpfe sind mir nicht so wichtig», erklärt Zimmermann. Es gibt in der Schweiz eine Wettkampfserie. Die Swiss Parkour Series 2025 umfasste drei Wettkämpfe – in Fleurier, am Eidgenössischen Turnfest in Lausanne und in Stäfa. Sara Zimmermann nahm am Wettkampf in Stäfa teil, konnte diesen gewinnen und durfte sich damit auch als Gesamtsiegerin der Swiss Parkour Series in der Kategorie «Youth Girls» feiern lassen. «Dies freut mich natürlich. Es war mir aber viel wichtiger, dass ich den Wettkampf in Stäfa zusammen mit meiner Trainingskollegin besuchen konnte», so Zimmermann.
Wettkämpfe nur im «Speed»
Im Unterschied zum «Freestyle» während der Trainings ist im Wettkampf der Weg klar vorgegeben. «Es gibt in meiner Altersklasse nur die Kategorie «Speed». Auf einem klar vorgegebenen Parcours müssen die Hindernisse korrekt und in möglichst schneller Zeit absolviert werden», erklärt die Sumiswalderin. Ein Durchgang dauert zwischen 30 Sekunden und eineinhalb Minuten. «Ich freue mich dann, wenn ich später auch in der Kategorie ‹Freestyle› antreten darf.» Sara Zimmermann möchte den Parkour-Sport weiterhin als Freizeitbeschäftigung ausüben. Ob und an wie vielen Wettkämpfen sie künftig antreten wird, steht in den Sternen. «Die Trainings werde ich aber weiterhin mit grosser Freude besuchen. Parkour ist einfach etwas, das mich begeistert.»
Kunst der effizienten Fortbewegung
Parkour gibt es seit den späten 1980er-Jahren. Es bezeichnet eine Fortbewegungsart, deren Ziel es ist, nur mit den Fähigkeiten des eigenen Körpers möglichst effizient von Punkt A zu Punkt B zu gelangen. Der Parkourläufer bestimmt seinen eigenen Weg durch den urbanen oder natürlichen Raum – auf eine andere Weise als von Architektur und Kultur vorgegeben. Es wird versucht, sich in den Weg stellende Hindernisse durch Kombination verschiedener Bewegungen so effizient wie möglich zu überwinden. Bewegungsfluss und ‑kontrolle stehen dabei im Vordergrund. Parkour wird deshalb auch als «Kunst der effizienten Fortbewegung» bezeichnet. Parkour kann auf einem Hindernisparcours durchgeführt werden, wird aber in der Regel in einer kreativen Neuinterpretation eines urbanen Raums praktiziert. Parkour beinhaltet das Betrachten der Umwelt mit der Vorstellung von Bewegungsmöglichkeiten innerhalb dieser. In der Schweiz gehört Parkour seit dem 20. August 2023 offiziell zum Schweizerischen Turnverband (STV). Wikipedia/slh
Kurz gefragt
Vorbild Christian Harmat, der erfolgreichste Schweizer Parkour-Sportler.
Lieblings-Parkour-Hindernis Mauern.
So gut wie Parkour ist Es gibt nichts Besseres.
Motto Never stop moving!
Netflix Haben wir auf dem Computer.
TikTok Habe ich nicht. Sagt mir nichts.
Süssigkeiten Schoggi.
Jahreszeit Winter. Ich mag Skifahren.
Feriendestination Adelboden.
Tattoo/Piercing Weder noch. Werde ich niemals haben.
Zimmer aufräumen Ab und zu.
Gartenarbeit Im Sommer helfe ich mit.
Berufswunsch Irgendetwas in der Medizin kann ich mir vorstellen. Vielleicht Physiotherapeutin oder Chirurgin.
Steckbrief – Sara Zimmermann
Rufname: Sara
Wohnort: Sumiswald
Geboren: 13. Dezember 2010
Grösse: 155 cm
Gewicht: 47 kg
Sternz.: Schütze
Zivilstand: Single
Hobbys: Parkour, Jungschar, Basteln, Brot backen
Farbe: blau
Kleidung: Jeans und Pullover
Essen: Kartoffeln finde ich lecker
Getränk: Hahnenwasser
Musik: Pop
TV: Wir haben keinen Fernseher
Von Stefan Leuenberger