Ein strahlender Kranzgewinner: Severin Staub nach dem «Kantonalen» in Langnau.
«Disu» beim Kantonalen fast makellos
Der regionale Top-Athlet und Eidgenosse Matthias Aeschbacher (Rüegsauschachen) drückte dem Berner Kantonalen Schwingfest in Langnau gehörig den Stempel auf (3. Rang). Als einziger Oberaargauer Schwinger konnte sich der Melchnauer Severin Staub vom Schwingklub Langenthal unter die Kranzgewinner mischen (Rang 7b).
Bernisch-Kantonales Schwingfest in Langnau: Matthias Aeschbacher überzeugt mit starker Leistung, verpasst aber den Schlussgang · Auf sechs Schwingplätzen standen die 150 besten Athleten aus dem gesamten Kanton Bern und einige Gästeschwinger in den Zwilchhosen und boten den knapp 9000 Zuschauenden packenden Schwingsport. Die Berner hatten ihr «Kantonales» von Anfang an in fester Hand. Im finalen Gang des Tages bezwang im reinen Emmentaler-Duell der 19-jährige Michael Moser (Biglen) seinen 34-jährigen Verbandskollegen Christian Gerber (Röthenbach im Emmental) in der vierten Minute. Nach ersten Angriffen vom erfahrenen Christian Gerber übernahm der junge Stern am Berner Schwingerhimmel Michael Moser nach zwei Minuten die Initiative und kam schliesslich mit Kurz und innerem Haken zum erstmaligen Sieg am Bernisch Kantonalen Schwingfest.
Emmentaler Publikumsliebling «Disu» dominiert am «Kantonalen»
Das Sumiswalder Aushängeschild Matthias Aeschbacher (Rüegsauschachen) griff im Anschwingen mit dem Solothurner Marius Frank (Luterbach) zusammen. Der 33-jährige Emmentaler Publikumsliebling setzte sich gegen den 12 Jahre jüngeren Gästeschwinger in der zweiten Minute mit seiner Spezialwaffe, dem inneren Haken, gekonnt durch, jedoch nicht mit der Höchstnote. Im zweiten Gang traf «Raubtier» «Disu» dann auf den Kranzschwinger mit den zwei Sternchen hinter dem Namen, Reto Thöni (Meiringen). Während der Zweikampf unspektakulär begann, sorgte Matthias Aeschbacher in der dritten Minute für einen ersten Beinahe-Sieg, aber der Gegner konnte sich noch in letzter Sekunde retten. In der fünften Minute liess er seinen Kontrahenten aber dann nicht mehr davonkommen und brachte den Berner Oberländer kurzerhand auf den Rücken. «Disu» griff im dritten Zweikampf beinahe pausenlos den Innerschweizer Gästeschwinger Samuel Schwyzer (Grosswangen) an und brachte den Gegner mehrmals zu Boden, doch kam es zu keinem gewinnbringenden Zug. Schliesslich verzweifelte der Innere-Haken-Spezialist am Gästeschwinger aus der Innerschweiz und musste sich mit einem Remis begnügen. Nach dem Mittagessen griff er dann mit Florian Aellen (Adelboden) zusammen, welchen er bereits im ersten Angriff aufs Kreuz legte. Die Aufgabe im fünften Gang: «Disu» bodigte in der Hälfte der Wettkampfszeit Lukas Renfer (Liebefeld) mit Bravour. Vor dem Schlussgang rangierte der Emmentaler Publikumsliebling auf dem 3. Gang und verpasste die Qualifikation für den finalen Gang des Tages somit nur knapp. Im letzten Zweikampf wurde Matthias Aeschbacher seiner Favoritenrolle nicht vollumfänglich gerecht. Gegen den Berner Oberländer Leandro Nägeli (Hasliberg Reuti) suchte er mehrmals den Sieg, kam aber nicht zu einem erfolgreichen Abschluss. Durch das Remis rutschten beide Athleten auf der Rangliste etwas nach hinten. Die kurze Heimreise durfte «Disu» mit seinem 101. Kranz antreten.
Melchnauer Severin Staub mit Kranz
Der Langenthaler Athlet Severin Staub (Melchnau) war am Kantonalen Schwingfest in Langnau im Emmental der einzige Oberaargauer Schwinger, der einen Kranz ergattern konnte (Rang 7b). Der immer wieder für eine Überraschung sorgende Angriffskünstler musste sich im Anschwingen von Dominic Annen (Gstaad) das Sägemehl vom Rücken putzen lassen. Das Duell mit Bruno Wüthrich (Trub) gestaltete der 22-Jährige anschliessend erfolgreich. Vor dem Mittagessen spürte der Schweizer Meister im Nationalturnen 2019 L2 in Grosswangen dann im Zweikampf gegen den stark auftretenden Emmentaler Fabian Stucki (Signau) ein zweites Mal Sägemehl am Rücken. Am Nachmittag präsentierte sich der Oberaargauer dann makellos und reihte in den Duellen mit Pascal Wüth-rich (Signau), dem am «Kantonalen» nicht überzeugenden Sumiswalder Eidgenossen Konrad Steffen (Wynigen) und Dominik Binggeli (Riggisberg) drei Siege aneinander. Der Milchtechnologe vom Schwingklub Langenthal kam in den Genuss seines 8. Kranzes. Die Weichen für die Teilnahme am Eidgenössischen Schwingfest in Mollis stehen mit bereits vier gewonnenen Kränzen in dieser Saison optimal. Für den jungen Langenthaler Athleten wäre es die erste Teilnahme an einem «Eidgenössischen».
Sumiswalder Trio verpasst Eichenlaub
Valentin Steffen (Grünen) rangierte in der Endabrechnung mit drei Siegen und zwei Remis auf Rang 11c. Der Sumiswalder Athlet bodigte John Grossen (Frutigen), Nils Flury (Aeschi) und Lorenz Kämpf (Rütschelen). In den Duellen mit Karim Gaber (Boltigen) und Melchior Huber (Hasliberg Reuti) musste der 29-jährige Emmentaler die Punkte mit seinen Kontrahenten teilen. Den Schwingplatz an der Ilfis musste der Techniker Holzbau HF nur einmal im Duell mit dem angriffigen Gästeschwinger Marius Frank (Luterbach) als Verlierer verlassen. Der Walterswiler Fabian Aebersold kam in Langnau auf zwei Unentschieden gegen Hanspeter Luginbühl (Aeschiried) und Adrian Klossner (Horboden). Die Duelle mit Urs Meier (Erlenbach im Simmental), Marco Aemmer (Oberhofen am Thunersee) und Sven Klossner (Horboden) gestaltete der 21-jährige Sumiswalder Athlet siegreich. Im letzten Gang reichte er dem an diesem Tag nicht überzeugenden Spitzenschwinger Fabian Staudenmann (Guggisberg) die Hand. In einem spektakulären Gang, mit mehreren Angriffen des Eidgenossen, schaffte es der Mittelländer schliesslich kurz vor Ablauf der Zeit, den Emmentaler auf den Rücken zu legen. Fabian Aebersold hielt sich bis zum Sieg aber wacker und spürte erst im letzten Gang selbst Sägemehl am Rücken (Rang 11d).
Hiltbrunner erneut mit Zwangspause
Der Eidgenosse Patrick Schenk (Weier im Emmental) verzweifelte im Anschwingen in einem eher unspektakulären Duell gegen den Kranzschwinger Nicolas Zimmermann (Riggisberg) und musste stellen. Im zweiten Gang dann lag der 31-jährige Patrick Schenk bereits im Sägemehl, als er vom gefürchteten Simon Stucki (Horboden) auf den Rücken katapultiert wurde. Ein misslungener Start für den Emmentaler mit den drei Sternchen hinter dem Namen. Doch danach drehte der Holzbauingenieur auf und fand mit Adrian Scheuner (Oberlangenegg), Dario Bühler (Scharnachtal) und Luca Vögeli (Wilderswil) drei aufeinanderfolgende Siegesrezepte. Im letzten Duell spürte er dann im Kampf gegen Josias Wittwer (Frutigen) wieder Sägemehl am Rücken und verpasste daher das Eichenlaub (Rang 11e). Der Emmentaler Athlet Fabio Hiltbrunner (Schmidigen-Mühleweg) stand am «Kantonalen» nicht im Einsatz. In einem Statement schrieb er kurz vor Festbeginn: «Ich habe mich riesig gefreut, am Emmentalischen Schwingfest in Langnau vor einer Woche endlich wieder im Sägemehl stehen zu dürfen. Leider kam es anders als erhofft: Meine Schulter hat der Belastung nicht standgehalten, so dass ich die kommenden Schwingfeste nicht bestreiten kann.» Wann das 19-jährige Ausnahmetalent wieder ins Sägemehl zurückkehren wird, ist derzeit unklar.
Auszug aus der Rangliste: 1. Moser Michael (Biglen) 59,50; 2. Christian Gerber (Röthenbach i.E.) 57,75; 3. Matthias Aeschbacher (Rüegsau-schachen/SK Sumiswald); 4. Zaugg Lars (Aeschau) 57,25; 5a Walther Adrian (Habstetten) 57,00; 5b Ramseier Fritz (Süderen) 57,00; 5c Kämpf Bernhard (Sigriswil) 57,00; 5d Stucki Fabian (Signau) 57,00; 5e Renfer Lukas (Liebefeld) 57,00; 6a Good Marco (Sargans) 56,75; 6b Staudenmann Fabian (Guggisberg) 56,75; 6c Schärz Fabian (Aeschi b. Spiez) 56,75; 7a Alpiger Nick (Seon) 56,50; 7b Staub Severin (Melchnau/SK Langenthal) 56,50; 8a Räbsamen Marcel (Müselbach) 56,25; 8b Nägeli Leandro (Hasliberg Reuti) 56,25; 9a Frank Marius (Luterbach) 56,00; 9b Wittwer Josias (Frutigen) 56,00; 9c Wittwer Jan (Faulensee) 56,00; 9d Thöni Reto (Innertkirchen) 56,00 (alle mit Kranz). Ferner: 10a Tschumi Lukas (Wolfisberg/SK Herzogenbuchsee); 11a Neuenschwander Levin (Oberönz/SK Herzogenbuchsee); 11c Steffen Valentin (Grünen/SK Sumiswald) 11d Aebersold Fabian (Walterswil/SK Sumiswald) 11e Schenk Patrick (Weier i.E./SK Sumiswald); 12i Aebersold Adrian (Walterswil/SK Sumiswald); 13e Aebersold David (Walterswil/SK Sumiswald).
Von Yanick Kurth