Zwei, die am Emmentalischen Schwingfest allen Grund zur Freude hatten: Der spätere Sieger Adrian Walther (links) und Matthias Aeschbacher, der in Langnau seinen 100. Kranz in seiner Karriere eroberte. · Bilder: Barbara Loosli
«Disu»tritt in den exklusiven 100er-Klub ein
Der Spitzenathlet vom Schwingklub Sumiswald, Matthias «Disu» Aeschbacher (Rüegsauschachen), dominierte das Emmentalische Schwingfest in Langnau an vorderster Front (zweiter Rang). Am eigenen Gauverbandsfest durfte sich der 33-jährige Emmentaler seinen 100. Kranz aufsetzen lassen und erreichte damit den Eintritt in den exklusiven und sogenannten «100er-Klub».
Emmentalisches Schwingfest in Langnau: Der Sumiswalder Matthias Aeschbacher erobert seinen 100. Kranz · Innert zwei Wochen finden in Langnau mit dem Emmentalischen Schwingfest, dem Emmentalischen Nachwuchsschwingertag sowie am kommenden Sonntag mit dem Berner «Kantonalen» gleich drei hochkarätige Schwingevents statt. Am nächsten Samstag geht in der Arena zudem das Oberemmentalische Jodlertreffen über die Bühne. Während die Sumiswalder Athleten an ihrem Gauverbandsfest viermal in den Genuss von Eichenlaub kamen, gingen die «Oberaargauer» wie schon am Oberländischen Schwingfest leer aus. Im Schlussgang, vor 8600 Zuschauenden, kam der Mittelländer Eidgenosse Adrian Walther (Habstetten) gegen den heimischen Emmentaler Kranzschwinger Michael Moser (Biglen) nach 3 Minuten und 50 Sekunden mit Kurz und Nachdrücken am Boden zum verdienten Sieg.
Fast makelloser Auftritt
Das Aushängeschild vom Schwingklub Sumiswald, Matthias «Disu» Aeschbacher (Rüegsauschachen), wurde seiner Favoritenrolle vollumfänglich gerecht und zeigte sich am «Emmentalischen» ganztags wie gewohnt angriffig und zielstrebig. Am Schluss verpasste der Innere-Haken-Spezialist den Einzug in den finalen Gang nur knapp und rangierte in der Endabrechnung auf dem 2. Rang. Hätten die beiden Schlussgangkandidaten ihren Gang gestellt, wäre «Disu» als lachender Sieger hervorgetreten. Aber so weit kam es nicht. Im ersten Gang setzte der 33-jährige Maurer bereits seine Spezialwaffe ein und brachte damit Dominik Roth (Biberist) problemlos mit dem Rücken voran ins Sägemehl. Im zweiten Duell verbuchte er gegen Peter Beer (Horboden) einen weiteren Plattwurf und war somit auf Siegeskurs. Vor dem Mittagessen kam es dann bereits zum Giganten-Duell zwischen den beiden Eidgenossen Matthias Aeschbacher und dem späteren Festsieger Adrian Walther. Keiner der Athleten schaffte einen gewinnbringenden Zug. Am Nachmittag setzte «Disu» seine Erfolgswelle wieder fort und reihte mit dem unbequemen Gegner Jan Wittwer (Faulensee), dem flinken Mittelländer David Lüthi (Bowil) und Fabian Schärz (Aeschi bei Spiez) drei weitere Siege aneinander. Ein fast makelloser Aufritt des Emmentaler Publikumslieblings.
«100er-Klub» bekommt Zuwachs
Fast wichtiger als das Resultat war für «Disu» sein 100. Kranzgewinn. Am eigenen Gauverbandsfest trat das Emmentaler «Raubtier» nun in den exklusiven «100er-Klub» ein. Der «100er-Klub» gilt in Schwingerkreisen für Schwinger, die während ihrer Laufbahn im Sägemehlring mehr als 100 Kranzgewinne feiern konnten. Hinter diesen Zahlen verbergen sich so unglaublich viele Emotionen und Erinnerungen. Seinen ersten Kranz gewann das beliebte Ausnahmetalent im Jahr 2011 am Emmentalischen Schwingfest in Bumbach. Vierzehn Jahre später durfte der Athlet vom Schwingklub Sumiswald nun zum 100. Mal und wieder an einem «Emmentalischen» vor die Ehrendamen treten und sich schmücken lassen. Ein besonderer Moment – selbst für den erfahrenen Athleten. Der Berner Oberländer Bernhard Kämpf (Sigriswil) war der letzte Schwinger, der den Eintritt in den erlauchten Kreis der 100-fachen Kranzgewinner im letzten Jahr geschafft hat. Mittlerweile sind es 34 Athleten schweizweit, die diese von vielen Seiten als magisch betitelte Marke knacken konnten. Die mit Abstand unangefochtene Nummer 1 ist der Ostschweizer Arnold Forrer, der sich in seiner Karriere von 1987 bis 2022 151-mal mit Eichenlaub schmücken konnte. Er wird wohl noch lange Zeit uneingeholt bleiben.
Sommer ebnet Weg nach Mollis
Nebst Matthias Aeschbacher durften sich drei weitere seiner Klubkollegen mit dem heiss begehrten Eichenlaub schmücken lassen. Der 24-jährige und in dieser Saison schon mehrfach überzeugende Martin Sommer (Häusernmoos) drückte dem eigenen Gauverbandsfest gehörig den Stempel auf (Rang 6b). In diesem Jahr konnte der nun neunfache Kranzschwinger schon dreimal vor die Ehrendamen treten und sich den Kranz aufsetzen lassen. Nach dem gestellten Duell im Anschwingen musste der 24-Jährige die Punkte noch mit dem Routinier Lukas Renfer (Liebefeld) teilen. Danach legte der Emmentaler mit Sandro Lehmann (Meiringen), Cédric Gilgen (Tavannes) und Adrian Roschi (Oberwil im Simmental) drei Kontrahenten gekonnt aufs Kreuz. Im fünften Gang reichte der gelernte Landwirt und Dachdecker dann dem Spitzenschwinger und Eidgenossen Adrian Walther die Hand. Mehrmals wird er vom Mittelländer hochgehoben und aus dem Sägemehlring getragen. Beim dritten Angriff liess er dem jungen Emmentaler dann keine Chance und zog mit dem Sieg in den finalen Gang des Tages ein. Den sechsten Gang gestaltete Martin Sommer dann wieder siegreich und brachte Lukas Siegrist (Kandergrund) zum Fallen. Solche Resultate sind in dieser Saison von immenser Bedeutung, um die mögliche Qualifikation für das Eidgenössische Schwingfest von Ende August in Mollis schaffen zu können. Von den Kranzrängen grüssten auch die Klubkollegen Remo Hiltbrunner (Schmidigen-Mühleweg) und Fabian Aebersold (Walterswil) auf Rang 7e und 7f. Der nun fünffache und 21-jährige Kranzschwinger Remo Hiltbrunner gestaltete seine Gänge mit Andreas Wyss (Meiringen), Michael Zingg (Eriswil), Sven Klossner (Horboden) und Ruedi Roschi (Oey) siegreich. Von Fabian Schärz (Aeschi bei Spiez) und im letzten Gang vom erfahrenen Bernhard Kämpf (Sigriswil) musste sich der Motorradmechaniker das Sägemehl vom Rücken klopfen lassen. Seinem 21-jährigen Klubkollegen Fabian Aebersold lief es identisch. Der Landwirt fand mit Marcel Wenger (Horboden), Adrian Roschi (Oberwil im Simmental), André Rossier (Eriswil) und Bruno Wüthrich (Trub) ebenso vier Siegesrezepte. In den Duellen mit Dominik Binggeli (Riggisberg) und Bernhard Kämpf (Sigriswil) musste er den Schwingplatz jeweils als Verlierer verlassen. In seiner noch jungen Karriere zählt der Walterswiler nun 10. Kränze.
Rückkehrer Hiltbrunner mit Pech
Weniger Glück hatte der 19-jährige Fabio Hiltbrunner (Schmidgen-Mühleweg), der seit seinem phänomenalen Co-Sieg am Eidgenössischen Jubiläumsschwingfest in Appenzell (Ende September 2024) an keinem Schwingfest mehr in den Zwilchhosen stand. Eine Blessur an der Schulter bremste den jungen Sumiswalder Athleten zu Beginn des Jahres aus. Der Landwirt verpasste bei seinem Comeback den Kranz nur um das im Schwingen verflixte «Vierteli». Seine Rückkehr war aber alles andere als einfach. Im Anschwingen musste der junge Stern vom Berner Schwingerhimmel mit dem «ganz Bösen» Adrian Walther zusammengreifen. Mit dem besseren Ausgang für den erfahrenen Eidgenossen. In der Schlussabrechnung rangierte Fabio Hiltbrunner mit drei Siegen und einem Remis auf Rang 9c. Dem erfolgreichsten Huttwiler Athleten Dominik Ruch (Eriswil) fehlte zum Kranzgewinn weniger als ein Punkt (Rang 11b). Der Oberaargauer gestaltete drei Gänge siegreich, während zwei Kämpfe gestellt ausgingen.
Auszug aus der Rangliste: 1. Walther Adrian, Habstetten, 58,50; 2. Aeschbacher Matthias, Rüegsauschachen/SK Sumiswald, 58,25; 3. Moser MIchael, Biglen, 57,50; 4a Ramseier Fritz, Süderen, 57,25; 4b Kämpf Bernhard, Sigriswil, 57,25; 4c Zaugg Lars, Aeschau, 57,25; 4d Schafroth Dario, Urtenen-Schönbühl, 57,25; 5a Schwander Severin, Riggisberg, 57,00; 5b Wüthrich Thomas, Trub, 57,00; 5c Wittwer Jan, Faulensee, 57,00; 5d Roth Dominik, Biberist, 57,00; 5e Grossen John, Frutigen, 57,00; 6a Gerber Christian, Röthenbach i.E., 56,75; 6b Sommer Martin, Häusernmoos/SK Sumiswald, 56,75; 6c Schärz Fabian, Aeschi b. Spiez, 56,75; 6d Lüthi David, Bowil, 56,75; 6e Gaber Karim, Bltigen, 56,75; 6f Stucki Fabian, Signau, 56,75; 7a Rüegsegger Christian, Signau, 56,50; 7b Wüthrich Jonas, Trub, 56,50; 7c Roschi Ruedi, Oey, 56,50; 7d Pirkheim Elias, Habstetten, 56,50; 7e Hiltbrunner Remo, Schmidigen-Mühleweg/SK Sumiswald, 56,50; 7f Aebersold Fabian, Walterswil/SK Sumiswald, 56,50; 7g Schär Alex, Tramelan, 56,50; 7h Zimmermann Nicolas, Riggisberg, 56,50; 8a Wüthrich Simon, Heimiswil/SK Zäziwil, 56,25; 8b Aellen Florian, Adelboden, 56,25; 8c Gerber Dario, Oberburg, 56,25 (alle mit Kranz).
Von Yanick Kurth