Der Rohrbacher Dominique Aegerter fährt bei seiner Rückkehr in die Supersport-WM auf einer Kawasaki-Maschine. Diese bereitet dem 35-Jährigen momentan grosse Sorgen. · Bild: zvg
Sorgen nach Rückkehr in die Supersport-WM
Der 35-jährige Dominique Aegerter kehrt nach drei Saisons in der Superbike-WM in die Supersport-WM, in der er 2021 und 2022 Weltmeister wurde, zurück. Von einem dritten WM-Titel mag der Rohrbacher vor dem bevorstehenden ersten Rennwochenende in Australien aber nicht sprechen. In seinem neuen Kawasaki-Team läuft es alles andere als optimal.
Dominique Aegerter, Töffpilot aus Rohrbach · Der Rohrbacher Töffpilot Dominique Aegerter feiert ein Jubiläum: Seit 20 Jahren fährt der 35-Jährige Töffrennen auf Weltklasse-Niveau. Der Oberaargauer feierte sein WM-Debüt im Oktober 2006 beim Grand Prix von Portugal in Estoril. Der damals 16-Jährige startete in der 125-ccm-Klasse auf einer Aprilia für das Team von Fiorenzo Caponera. Laune zum Feiern hat «Domi» aktuell allerdings keine. 91 Rennen bestritt der Rohrbacher in der Superbike-WM. Die Erfolge blieben aus. Dadurch fand er für die Saison 2026 in dieser Töffklasse kein Team mehr. So kehrt er in die FIM Supersport World Championship zurück, wo er mit dem Kawasaki World-Supersport-Team mit einer Kawasaki Ninja ZX-6R 636 an den Start geht. So weit, so gut. Die Vorfreude bei Aegerter auf die Rückkehr in jene Töffklasse, in der er 2021 und 2022 zweimal Weltmeister wurde, war gross. Die Ernüchterung aber auch.
Noch nicht bereit
«Wir sind schlicht nicht so weit, um konkurrenzfähig in die WM zu starten», verkündet der Rohrbacher frustriert. Das Unheil begann mit den je zwei Testtagen in Jerez de la Frontera und in Portimao. «Das Wetter spielte überhaupt nicht mit. Nur gerade drei Sessions konnten gefahren werden. Viel zu wenig, um die notwendigen Daten sammeln zu können», sagt Aegerter. «Ich bin besorgt, weil ich jetzt beim Saisonstart in Australien fahre, ohne das Motorrad als Pilot wirklich zu kennen. Es war zeitlich schlicht unmöglich, an einer Basisabstimmung zu arbeiten, ein Gefühl dafür zu bekommen und Vertrauen aufzubauen.» Diese Tatsachen bewirkten, dass der Rohrbacher bei den ersten Fahrten auf der malerischen Insel Phillip Island im Süden Australiens hinterher fuhr.
Auch Selbstkritik
Die Situation ist für Aegerter bitter. In den vergangenen drei Saisons in der Superbike-WM hatte der Rohrbacher stets mit nicht konkurrenzfähigem Material zu kämpfen. Dies scheint sich nun in der Supersport-WM fortzusetzen. Jedenfalls zu Beginn. «Es braucht etwas Zeit. Ich bin aber zuversichtlich, dass das Team hart arbeitet, um die vorhandenen Probleme in kurzer Zeit in den Griff zu kriegen», so der Pilot mit der leuchtgelben Nummer 77. Der erfahrene Töffpilot nimmt aber auch sich selber ins Gebet. «In einem der Tests gelang es meinem spanischen Teamkollegen Jeremy Alcoba, mit dem gleichen Material auf den 8. Rang zu fahren. Dies zeigt, dass mit der Kawasaki auch bei nicht idealem Setup etwas möglich ist», so der Routinier. «Ich werde mich dafür aber in jedem Rennen ans äusserste Limit bewegen müssen.»
27 Siege und zwei WM-Titel
Natürlich hofft der Rohrbacher auf rasche Besserung. Bei der Vertragsunterzeichnung für die Supersport-Rückkehr hatte Aegerter andere Gedanken im Kopf. Wer in bislang 44 Starts in der Supersport-Weltmeisterschaft 27 Rennsiege und zwei WM-Titel einfährt, will bei der Rückkehr nicht hinterher fahren, nein, der will um den WM-Titel fahren. «Diese Gedanken habe ich momentan nicht. Darf ich nicht. Aktuell gilt der Fokus der schnellen Beseitigung der technischen Mankos sowie dem Finden des passenden Setups», erklärt der Rohrbacher. Wegen der aktuellen Schwierigkeiten verzichtet Dominique Aegerter darauf, ein Saisonziel zu nennen.
Keine Sprintrennen
Die Supersport-Weltmeisterschaft 2026 umfasst 12 Veranstaltungen mit insgesamt 24 Rennen. Im Gegensatz zur Superbike-WM gibt es in der Supersport-Kategorie pro Rennwochenende zwei Hauptrennen (eines am Samstag und eines am Sonntag), aber kein zusätzliches Sprintrennen. Los geht es am Wochenende auf Phillip Island in Australien. Beendet wird die WM Mitte Oktober im spanischen Jerez. 2025 wurde der Italiener Stefano Manzi Supersport-Weltmeister. Er wird seinen Titel nicht verteidigen können. Manzi fährt 2026 in der Superbike-Weltmeisterschaft, wo er den Platz von Dominique Aegerter einnimmt und als Teamkollege von Remy Gardner auf einer Yamaha fährt.
Von Stefan Leuenberger