• Kranzgewinner Matthias Aeschbacher vom Schwingklub Sumiswald bezwingt im dritten Gang Roman Zurfluh aus Muri AG. · Bilder: Barbara Loosli, Stefan Leuenberger

  • Die gigantische Schwingarena inmitten der Glarner Bergwelt während dem Festakt vom Sonntagvormittag bei absolutem Bilderbuchwetter.

  • Der neue Schwingerkönig Armon Orlik aus Maienfeld (im Vordergrund) und der regionale Kranzgewinner Matthias Aeschbacher (rechts aussen) an der Siegerehrung.

  • Martin Sommer aus Häusernmoos (oben) bezwingt im Anschwingen Benjamin Nock (Turbenthal).

  • Gleich vier Berner klassierten sich unmittelbar hinter König Orlik (von links): Michael Ledermann, Matthias Aeschbacher, Michael Moser und Fabian Staudenmann kurz vor der Krönung.

03.09.2025
Sport

Dritter ESAF-Kranz für Matthias Aeschbacher im erneuten Spitzenrang 4a

Am Eidgenössischen Schwingfest Glarnerland+ wurde mit dem 30-jährigen Bündner Armon Orlik (Maienfeld) zum ersten Mal ein Schwinger König, der nicht im Schlussgang stand. Matthias Aeschbacher (33) vom Schwingklub Sumiswald holte als einziger Regionaler den Kranz. Wie am ESAF 2022 in Pratteln belegte «Disu» den Spitzenrang 4a.

47. Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest Glarnerland+ in Mollis · Die Schwingerschweiz hat einen neuen König. Doch bis dieser in der in die wunderschönen Bergketten gebetteten Arena auf dem Flugplatz Mollis feststand, gab es zwei Tage schönen Schwingsport und herrliches Schweizer Brauchtum zu bestaunen und zu geniessen. Am Samstag bei bewölktem Himmel und teilweise Regen, am Sonntag bei Bilderbuch-Spätsommerwetter mit zu Beginn und am Schluss schon reichlich herbstlichen Temperaturen. 

Swissness pur – und sportliche Nebengeräusche
Bei keiner anderen Sportveranstaltung wird Swissness so sehr auf die Fahne geschrieben wie am Eidgenössischen Schwingfest, kurz ESAF. Während sich die 56 500 Zuschauenden in der riesigen Arena sowie auch die weiteren vielen 10 000 Besuchenden ausserhalb der grössten mobilen Sportstätte der Welt friedlich und diszipliniert – und damit so, wofür die urschweizerische Traditionssport Schwingen auch steht – verhielten, gab es sportliche Nebengeräusche. Zu oft wurden Entscheide der Kampfrichter kommentiert und bemängelt, vor allem medial, jedoch auch von den Schwingern und Betreuern. Doch wie in jeder anderen schätzbaren Sportart sind die nach bestem Wissen und Gewissen gefällten Entscheide eigentlich zu akzeptieren. Wenn ein Schwinger ohne Fehler wäre, würde er eine Karriere lang keinen Gang verlieren. Auch die Kampfrichter machen Fehler. Fakt: Die Kampfrichter können ohne Schwinger sein – aber die Schwinger können ihren geliebten Sport nicht ohne Kampfrichter ausüben. Brutal ist es natürlich, wenn fehlerhafte Tatsachenentscheide die Ermittlung eines Schwingerkönigs beeinflussen. Und dies war in Mollis bedauerlicherweise gleich in mehrfacher Ausführung der Fall.  

Ein König ohne Schlussgangteilnahme
Am späten Sonntagnachmittag musste die Einteilung aus drei punktgleichen Schwingern vom Nordostschweizerischen Schwingerverband den Endkampf zusammenstellen. Diese Rekrutierung erwies sich für das finale Duo schliesslich als Rohrkrepierer, denn kein Teilnehmer des Schlussgangs wurde zum neuen Schwingerkönig gekrönt. Weil Kronfavorit Samuel Giger aus Märstetten und Werner Schlegel aus Hemberg lange      16 Minuten ohne Resultat kämpften und sich so wegen Passivität selbst um die Krone brachten, rückte Verbandskollege Armon Orlik aus Maienfeld nach. Der 30-Jährige bezwang in seinem letzten Gang den nach dem ESAF zurücktretenden Pirmin Reichmuth aus Muotathal, der leicht angeschlagen keinen grossen Widerstand leistete. Damit setzte sich der 76-fache Kranzgewinner vom Schwingklub Unterlandquart mit 77,00 Punkten alleine an die Ranglistenspitze. «Er hat am meisten Punkte, deswegen ist für uns klar, dass Orlik König werden muss», begründet Schwingerboss Stefan Strebel, Technischer Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbands, gegenüber dem Schweizer Fernsehen. Nach seiner Schlussgang-Niederlage am ESAF 2016 in Estavayer-le-Lac gegen den Berner Oberländer Matthias Glarner schaffte Armon Orlik bei seiner fünften Teilnahme an einem «Eidgenössischen» seine Karrierekrönung. «Die Fans haben mich fast umgehauen. Es war so ergreifend. Mein Sieg basiert auf einer genialen Teamleistung», so der allererste Schwingerkönig der Geschichte, der nicht im Schlussgang stand. 

Am meisten Kränze für die Berner
Die Berner holten zwölf Kränze – so viele, wie kein anderer Teilverband (ISV 10, NOSV 9, NWSV 8 und SWSV 1) – und brachten vier Schwinger in die Top-5. Trotzdem wird das Glarnerland 2025 als leise sportliche Enttäuschung in Erinnerung bleiben. Der stärkste Verband des Jahres hätte gerne auch die Krone ins Bernbiet geholt. Fabian Staudenmann aus Guggisberg rückte wegen dem gestellten Schlusskampf auf die zweite Position vor. Damit war er vor dem erst 20-jährigen Schwingsport-Shooting-Star Michael Moser bester Berner. 

Spitzenrang für Matthias Aeschbacher
Von den 13 Regionalen durfte sich erwartungsgemäss Matthias Aeschbacher (Rüegsauschachen) seinen dritten Eidgenössischen Kranz aufsetzen lassen. Das Aushängeschild vom Schwingklub Sumiswald tauchte zum Einstieg ins Fest gleich gegen den neuen Schwingerkönig. Sowohl die Startniederlage wie auch der verlorene fünfte Gang gegen Matthias Herger (Altdorf) fuchsten den 33-Jährigen fest. «Ich habe schon einen Moment daran genagt», so der sympathische Zeitgenosse. Weil «Disu» nach der zweiten Niederlage den Kopf nicht hängen liess, sich neu fokussierte und der Reihe nach Luc Bissig (Baldegg), Tim Roth (Erlinsbach) und den «Eidgenossen» Fabian Kindlimann (Fischenthal) mit jeweils der Note 9,75 auf den Rücken legte, reichte es in Mollis zur exakt gleichen Rangierung wie am ESAF 2022 in Pratteln, als der 103-fache Kranzgewinner im Schlussgang Joel Wicki (Sörenberg) unterlag. Erneut war Familienvater Aeschbacher der viertbeste Schwinger an den nur alle sechs Jahre stattfindenden «Olympischen Spielen» der Schwinger. Titelverteidiger Wicki musste im Glarnerland übrigens mit dem enttäuschenden Rang 9b Vorlieb nehmen. «Sechs mal gut schwingen, ergibt einen Spitzenrang. Dies habe ich geschafft», so Aeschbacher. «An einem ESAF mit dem 4. Rang nicht zufrieden zu sein, wäre falsch. Ich bin happy mit dem Geschafften und glücklich darüber, gesund durchgekommen zu sein.» Im Gabentempel entschied sich «Disu» für eine Solaranlage für sein Zuhause. Mit dem seit Jahren besten regionalen Schwinger darf auch in Zukunft gerechnet werden: «Mein Masterplan sieht das ESAF 2028 in Thun als Höhepunkt vor», sagt Aeschbacher.   

Ehemaliger Ufhuser holt den Kranz
Von den zwölf weiteren regionalen Sägemehlsportlern schaffte es keiner unter die Top-40, die mit dem begehrten Eidgenössischen Kranz belohnt wurden. Unter den 17 Neukranzern befand sich aber ein «halber» Schwinger aus der Region. Der 28-jährige Wolhuser Dominik Zangger (Rang 9a) – er schloss seine Zweitausbildung zum Landwirt mit der Traumnote 6,0 ab – wohnte bis kürzlich in Ufhusen. Das bisherige Highlight für den 18-fachen Kranzgewinner. Als zweitbester regionaler Schwinger erreichte der 29-jährige Valentin Steffen aus Grünen Rang 13d. «Vale» war der regionale Mann des Samstags. Er lag nach drei gewonnenen und einem gestellten Gang auf dem Spitzenrang 4a und noch vor vielen Grössen wie «Disu» oder dem Schwingerkönig Joel Wicki klassiert. Am Sonntag lief es dem 12-fachen Kranzgewinner mit drei Niederlagen überhaupt nicht mehr. «Am Schlaf lag es nicht. Ich bin bereits um 21 Uhr eingeschlafen», so Steffen. «Gegen den ‹Eidgenossen› Lars Voggensperger zu verlieren war keine Schande. Aber im sechsten Gang hätte ich gegen den Teilverbandskranzer Patrick Betschart gewinnen sollen. Weil ich den siebten Gang dann gewinnen konnte, hatte ich im letzten Kampf trotzdem noch die Chance, um den Kranz zu schwingen», so der Techniker Holzbau HF. «Dort hatte ich Pech, Domenic Schneider zugeteilt zu bekommen. Die Enttäuschung hält sich in Grenzen, weil ich gegen einen groben Gegner verlor. Weiter hatte ich als Normalkranzer drei ‹Eidgenossen› auf meinem Notenblatt. Es war mein bestes ESAF bisher, weshalb ich mit meinem Auftritt zufrieden bin», so Valentin Steffen. Nach dem verlorenen achten Gang war sofort sein Bruder Konrad Steffen zur Stelle, um Trost zu spenden. Der 31-jährige Wyniger musste eine bittere Pille schlucken. Als Kranzgewinner vom ESAF 2022 in Pratteln schied «Könu» – ebenso wie seine Sumiswalder Klubkollegen Simon Röthlisberger und Philipp Gehrig – in Mollis bereits nach vier Gängen aus. 

Schenk beisst sich verletzt durch
Mit gleich vielen Punkten wie Valentin Steffen beschloss Roger Bürli aus Hüswil das Fest auf Rang 13g. Wie Steffen kämpfte der 28-Jährige im letzten Gang um den Kranz. «Ich verliere den letzten Gang gegen den ‹Eidgenossen› Matthieu Burger und verbuche damit drei Niederlagen. Ich kann mir aber nicht viel vorwerfen und zeigte über beide Tage eine gute Leistung», sagt der dreifache ESAF-Teilnehmer. «Natürlich ist es schade, dass ich meine Zielsetzung – den Kranzgewinn – verpasst habe», so der Innerschweizer. Mit 73,25 Punkten einen halben Punkt hinter dem Duo Steffen/Bürli erreichte der Melchnauer Severin Staub den Rang 15h. «Ich habe mein Ziel, acht Gänge zu schwingen, erreicht. Ich gebe Vollgas, damit ich in drei Jahren in Thun den Kranz hole», so das bald 23-jährige Mitglied des Schwingklubs Langenthal, das im fünften Gang den «Eidgenossen» Joel Ambühl (Hergiswil bei Willisau) auf den Rücken legen konnte. Die beiden Sumiswalder Schwingklub-Kollegen Martin Sommer aus Häusernmoos (Rang 16d) und Patrick Schenk aus Weier (Rang 16j) erreichten  mit je drei gewonnenen Gängen beide 73,00 Punkte. Der 31-jährige Schenk, der schon so oft verletzt war, zeigte im Glarnerland heftige Nehmerqualitäten. Obwohl sich der zweifache Eidgenössische Kranzgewinner (2016 und 2019) im sechsten Gang eine Fuss- und Knieverletzung einfing, biss er durch und belegte Rang 16j. Wie sein Sumiswalder Vereinskamerad Valentin Steffen konnte auch Schenk den «Eidgenossen» Jonas Burch (Sarnen) bodigen. Die bald 22-jährigen Walterswiler Zwillingsbrüder Fabian (Rang 17d/drei Siege) und Adrian Aebersold (Rang 18g/zwei Siege, sechs Gestellte) bezahlten an ihren ESAF-Premieren etwas Lehrgeld. Gleiches gilt für den erst 19-jährigen Gettnauer Kevin Waser (Rang 21g). Der 22-jährige Remo Hiltbrunner aus Schmidigen-Mühleweg folgte auf dem Rang 27g. Sein jüngerer Bruder Fabio Hiltbrunner – Anwärter auf einen absoluten Spitzenrang – musste verletzungsbedingt auf einen ESAF-Start verzichten.

Auszug aus der Rangliste: 1. Armon Orlik, Maienfeld, 77,00; 2. Fabian Staudenmann, Guggisberg, 76,75; 3. Michael Moser, Biglen, 76,25; 4a. Matthias Aeschbacher, Rüegsauschachen, 76,00; 4b. Michael Ledermann, Mamishaus, 76,00; 4c. Domenic Schneider, Friltschen, 76,00; 5a. Samuel Giger, Märstetten, 75,75; 5b. Werner Schlegel, Hemberg, 75,75; 5c. Nick Alpiger, Seon, 75,75; 7d. Adrian Walther, Habstetten, 75,75; 5e. Lukas Bissig, Attinghausen, 75,75; 9a. Dominik Zangger, Wolhusen, 74,75; 9b. Joel Wicki, Sörenberg, 74,75. – ohne Kranz: 13d. Valentin Steffen, Grünen, 73,75; 13g. Roger Bürli, Hüswil, 73,75; 15h. Severin Staub, Melchnau, 73,25; 16d. Martin Sommer, Häusermoos, 73,00; 16j. Patrick Schenk, Weier, 73,00; 17d. Fabian Aebersold, Walterswil, 72,75; 18g. Adrian Aebersold, Walterswil, 72,50; 21g. Kevin Waser, Gettnau, 71,75; 27g. Remo Hiltbrunner, Schmidi

Von Stefan Leuenberger