• Bis Ende Jahr amtete Walter Rohrbach noch als Geschäftsführer für den Verkehrsverein Pro Regio. Danach übernahm sein Nachfolger Jon Baumann (rechts). · Archivbild: Walter Ryser

  • Er ging ohne «Tamtam» und Wehmut: Walter Rohrbach ist Ende letzten Jahres als Gemeindepräsident von Huttwil zurückgetreten und geniesst aktuell Ferien auf Gran Canaria. · rchivbild: Thomas Peter

  • Walter Rohrbach wollte seine Ideen und Erfahrungen im Huttwiler Gemeinderat einbringen und kandidierte 2012 für die BDP. · Archivbild: Barbara Heiniger

10.01.2025
Huttwil

Ein Abschied ohne grosse Wehmut

Sein Abgang erfolgte ohne Pauken und Trompeten: Weil er bereits in den Ferien auf Gran Canaria weilte, konnte der scheidende Gemeindepräsident Walter Rohrbach an der letzten Gemeindeversammlung in Huttwil nicht gebührend verabschiedet werden. Nach insgesamt 12 Jahren im Gemeinderat, davon acht Jahre als Gemeindepräsident, habe sich bei ihm eine gewisse Sättigung bemerkbar gemacht, begründet Walter Rohrbach gegenüber dem «Unter-Emmentaler» seinen Rücktritt. Deshalb erfolgte sein Abgang auch ohne grosse Wehmut, fügt er hinzu.

Still und leise ist er gegangen. Weil die Gemeindeversammlung in Huttwil kurzfristig auf den 16. Dezember verschoben werden musste, fand diese ohne den noch amtierenden Gemeindepräsidenten Walter Rohrbach statt, weil dieser bereits in den Ferien auf Gran Canaria weilte, wo er jeweils traditionsgemäss einen Teil des Winters verbringt. Damit fiel die geplante Verabschiedung des Gemeindepräsidenten weg, der die letzten 12 Jahre das politische Geschehen in der Gemeinde Huttwil massgeblich geprägt hatte, als Gemeinderat und anschliessend während acht Jahren als Gemeindepräsident.

Gewisse Sättigung spürbar
Der «Unter-Emmentaler» hat Walter Rohrbach in seinem Feriendomizil auf Gran Canaria telefonisch erreicht und ihn zu seinem Abschied als Gemeindepräsident befragt. Zwar hätte er noch eine dritte Amtszeit absolvieren können, doch für Walter Rohrbach war schon früh im Jahr 2024 klar, dass diese Option für ihn nicht in Betracht kommt. «Nach 12 Jahren im Gemeinderat machte sich bei mir eine gewisse Sättigung bemerkbar», gibt er zu verstehen. Das sei ein normaler Prozess, wenn man so lange mitgewirkt habe, fügte er hinzu. Deshalb habe er sich gesagt, dass nun die Zeit gekommen sei, um zu gehen. «Ich hatte nie das Gefühl, dass ich bis zum Alter von 100 Jahren die Welt verändern muss. Im Gegenteil, ich habe meinen Beitrag zur Entwicklung der Gemeinde Huttwil geleistet.» Auch das Alter habe sich bei ihm bemerkbar gemacht, die Regeneration nehme mehr Zeit in Anspruch und auch sei er früher unbeschwerter unterwegs gewesen als zuletzt, betonte der bald 65-jährige Ex-Gemeindepräsident. Der Abschied sei ihm deshalb nicht schwergefallen, weshalb er auch keine Wehmut verspüre, erläutert er weiter. Vielmehr sei bei ihm in diesen Tagen eine gewisse Erleichterung spürbar. «Es ist gut, dass es nun vorbei ist», sagte er am Telefon. Dafür blickt er mit um so grösserer Genugtuung und Befriedigung auf sein politisches Wirken in der Gemeinde Huttwil zurück. An vorderster Stelle stünden dabei die vielen tollen Begegnungen mit Menschen und natürlich auch das Erreichte während den 12 Jahren, in denen er im Gemeinderat tätig gewesen sei. Dabei erinnert er an diverse grosse Projekte wie den Neubau des Kindergartens Städtli, die Sanierung der Badi oder den Neubau des Werkhofs sowie den Bahnhof-Umbau. Walter Rohrbach spricht dabei von Generationen-Projekten, die man realisiert habe. Die Entwicklung der Gemeinde Huttwil sei ihm immer sehr wichtig gewesen. «Auch eine Gemeinde muss sich bewegen und der Zeit anpassen», sagt er dazu. Natürlich sei nicht immer alles so gelaufen, wie er sich dies gewünscht hätte, «aber gewisse Entscheide muss man als Mitglied eines Gremiums akzeptieren. Privat hätte ich manchmal anders entschieden», bemerkt er dazu.

Selbstbestimmter leben
Auch hätte er da und dort noch mehr Gas gegeben, er habe aber auch gespürt, dass es für die übrigen Ratsmitglieder nicht immer einfach gewesen sei, mit seiner Sprunghaftigkeit und Dynamik umzugehen. Dem neuen Gemeindepräsidenten Adrian Wüthrich will er keine Ratschläge mit auf den Weg geben. Vielmehr blickt er aus seiner persönlichen Optik auf die Zukunft Huttwils. Dazu sagt Walter Rohrbach: «Huttwil muss aufpassen, dass es nicht aufs Abstellgleis gerät. Die Gemeinde muss sich weiterentwickeln. Deshalb darf man nicht zu konservativ agieren, sondern sollte Chancen, die sich bieten, auch nutzen.» Chancen, die sich ihm in Zukunft bieten werden, will auch Walter Rohrbach nutzen. Doch vorerst sei Erholung angesagt. Deshalb weilt er noch bis Anfang März auf Gran Canaria. Bis Ende Jahr werde er dann noch für den Huttwiler Verkehrsverein Pro Regio, wo er bis Ende Jahr auch noch als Geschäftsführer amtete (sein Nachfolger ist Jon Baumann), die bekannten Themenmärkte organisieren und durchführen. Daneben sei er noch im OK des geplanten Freilichtspiels «Burechrieg» tätig, das im Sommer aufgeführt wird. Danach schaue er einfach, was auf ihn zukomme. «Manchmal ergibt sich automatisch etwas, öffnet sich eine Tür, die man gar nicht erwartet hat», bemerkt er. Grosse Pläne für die Zukunft schmiede er deshalb vorerst nicht. «Mein Leben war viele Jahre lang von der Agenda bestimmt, deshalb möchte ich vorerst die Agenda etwas zur Seite legen und mehr selbstbestimmt leben», erwähnt er zum Schluss des Gesprächs.

Zur Person
Walter Rohrbach
Geboren: 17. April 1959
Aufgewachsen/wohnhaft: 
Aufgewachsen in Riggisberg, seit Mai 1982 wohnhaft in Huttwil 
Zivilstand: geschieden
Beruf: ehemaliger Geschäftsführer Pro Regio Huttwil/Gemeindepräsident Huttwil
Beruflicher Werdegang: Bahnbetriebsdisponent / Marketingausbildung / Eventmanager
Politische Laufbahn: 12 Jahre Gemeinderat von Huttwil
Ehrenamtliche Tätigkeiten: OK Freilichtspiele Huttwil, leider noch keine Zeit für weitere Engagements
Hobbies: Wandern, Volksmusik, Gran Canaria
Lebensmotto: Dankbar sein für alles, was das Leben für einem bereit hält.

Von Walter Ryser