• Eine Spezialmaschine stabilisiert die Tunnelwände. · Bilder: Ulrich Steiner

  • Die alten Gleisstränge werden zertrennt.

  • Die Gleisbauer stammen aus Portugal.

  • ETB-Geschäftsführer Simon Weiss (rechts) und Anlagen-Chef Matthias Beck.

28.11.2025
Emmental

Ein Blick in die Untertage-Baustelle

Der 120-jährige Eisenbahntunnel beim Bahnhof Sumiswald-Grünen wird seit 2014 von der Emmentalbahn GmbH (ETB) betrieben. Aufgrund des hohen Alters und des schadhaften Zustandes wird er während des Winterhalbjahrs umfassend saniert.

Sumiswald · Ein recht ungewohntes Bild präsentiert sich derzeit den Passanten auf dem Wander- und Veloweg beim Nordportal des Sumiswalder Eisenbahntunnels in Richtung Gammenthal. Auf der Baustelleninstallation in der Turmmatte stehen Autos und Spezialbaumaschinen mit Nummernschildern hauptsächlich aus der Zentralschweiz und dem benachbarten Ausland. Sie zeugen von der laufenden Tunnelsanierung in der glazialen Terrasse aus Emmental-Schotter zwischen dem Bahnhof Sumiswald-Grünen und dem Griesbachtal. Diese begann anfangs September und dauert planmässig noch bis Ende März 2026. «Zur Behebung von statischen Defiziten wird eine betonierte Tunnelsohle eingebaut. Gezielte Fugen- und Betoninstandsetzungen im Gewölbe werden vorangehend durchgeführt sowie eine verbesserte Entwässerung mit Sickerschacht beim Südportal realisiert. Ebenfalls werden die Fahrleitung und die Fahrbahn ersetzt und das Lichtraumprofil den normativen Anforderungen von Doppelstockzügen angepasst», erklärte ETB-Geschäftsführer Simon Weiss zum aufwendigen Instandsetzungsprojekt. Er erläutert, dass die russige Patina aus der Dampflokomotiven-Epoche erhalten bleibt. Damit werde, wie so oft, die grosse Investition nicht direkt sichtbar sein.

Seit 1908 in Betrieb
1905 wurde eine Eisenbahnlinie in der Region Ramsei – Sumiswald – Huttwil durch den Grossen Rat bewilligt und bis ins Jahr 1908 als Ramsei-Sumiswald-Huttwil-Bahn (RSHB) realisiert. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die nachmalige Bahnlinie der Vereinigten Huttwil-Bahnen (VHB) elektrifiziert und die Betriebsführung durch die Emmental-Burgdorf-Thun-Bahn (EBT) übernommen. Der Sumiswald-Tunnel ist ein eingleisiger Bahntunnel, der seit 2014 durch die Emmentalbahn GmbH betrieben wird. Das 1908 eröffnete Bauwerk ist 210 Meter lang und im Grundriss gekrümmt. Beidseitig sind alle 50 Meter Rettungsnischen vorhanden. Der Tunnel wurde leicht hufeisenförmig, primär durch italienische Bauarbeiter, aus Mauerwerk (Betonsteine) im Gewölbe und aus unbewehrtem Stampfbeton im Parament erstellt. Er liegt vollständig im glazialen Lockergestein (Emmental-Schotter). 

Abplatzungen und Wassereintritt
Im Zuge der periodischen Überprüfung des Bauwerkes wurden bereits vor einiger Zeit diverse Schäden und Mängel festgestellt. Insbesondere wurden von den Experten zunehmende Abplatzungen und starke Wasserin­filtrationen dokumentiert. Herunterfallende Teile, Eisbildung und eine Schwächung des Tragwerkes könnten den Betrieb gefährden. Vertieftere Untersuchungen ergaben zudem statische Defizite. Der Tunnel ist seinerzeit ohne Fundation im Lockergestein erstellt worden. Um die Grundbruchsicherheit zu gewährleisten, ist daher der Einbau einer armierten Tunnelsohle zwingend notwendig. Im Sommer 2021 führte Starkregen im Griesbachtal zur Überflutung des nördlichen Tunnelbereichs. Das Hochwasser floss von Gammenthal via Bahntrassee durch den Tunnel in Richtung BLS-Bahnhof Grünen. Der Schotter im Perimeter wurde dadurch stark verschlämmt und die Kabelstränge arg in Mitleidenschaft gezogen. Aufgrund der unsicheren Statik kann der notwendige Fahrbahnersatz erst nach erfolgtem Einbau einer stabilen Tunnelsohle erfolgen. 

3,2 Millionen Franken
Nach Auskunft von Simon Weiss belaufen sich die Sanierungskosten auf total 3,2 Millionen Franken. Nur dank einer periodischen Leistungsvereinbarung mit dem Bund (Bahninfrastrukturfonds BIF) sei diese Investition überhaupt tragbar. «Wir besitzen übrigens nur die Bahninfrastruktur von Sumiswald-Grünen nach Wasen und Huttwil. Die historischen Zugskompositionen, welche regelmässig auf unserem Streckennetz verkehren, gehören anderen Trägerschaften. Sie sind aber unsere Stammkunden», sagt Matthias Beck, Leiter Anlagen der ETB. Im Weiteren sollen künftig vermehrt Test- und Inbetriebnahmefahrten von Schienenfahrzeugen aller Art stattfinden. Das SBB-Netz habe dazu keine freien Kapazitäten. Auch sei beabsichtigt, dass BLS-Bauzüge aus dem Raum Langenthal – Wolhusen die Strecke frequentieren werden. Ebenfalls schliesst Beck eine mögliche Reaktivierung zur konventionellen Nutzung im öffentlichen Personenverkehr nicht generell aus. Nach erfolgter Sanierung und Modernisierung eignet sich die Tunnelanlage künftig ideal für Rettungsübungen der Blaulichtorganisationen.  

Permanent unter Strom
Die beiden Funktionäre betonen, dass alle Gleise der ETB jederzeit in Betrieb seien und die Oberleitung stets unter 15 000 Volt Spannung stehe. Das sei der Bevölkerung leider nicht immer bewusst. Noch bis Ende Januar wird zum Einbau der Gleisbettarmierung im Zweischichtbetrieb auch während der Nacht gearbeitet. Nach Auskunft von Bauleiter Marc Sollberger (Go Bau AG) konnte die Arbeitsgemeinschaft FPM diverse Arbeiten an lokale Unternehmen vergeben. Die Gleisbauer, die die Sanierung vornehmen, kommen allerdings aus Portugal. Schutzpatronin der Tunnelbauer ist die Heilige Barbara. Am Namenstag,
4. Dezember, wird für die Belegschaft eine traditionelle Barbara-Feier organisiert. Zum sakralen Teil werden auch die Arbeiter vom Weissensteintunnel nach Sumiswald kommen.

Von Ulrich Steiner