Wahlkampf geht auch ohne schmutzige Wäsche. Adrian Wüthrich (links) und Marcel Sommer (rechts) stellten sich am Wahlpodium den Fragen von Moderator Pascal Rupp. · Bild: Marion Heiniger
Ein gesitteter Wahlkampf ums Präsidium
Mit Adrian Wüthrich und Marcel Sommer treten gleich zwei Kandidaten zur Wahl um die Nachfolge des abtretenden Gemeindepräsidenten Walter Rohrbach (Die Mitte) an. Gewählt werden sie von den Stimmberechtigten am 24. November an der Urne. Um ihnen die Entscheidung zu erleichtern, stellten sich die Kandidaten an einem Wahlpodium der FDP den Fragen von Moderator Pascal Rupp.
Sowohl Marcel Sommer (SVP) wie auch Adrian Wüthrich (SP) bringen das nötige Rüstzeug mit, um das Amt des Gemeindepräsidenten optimal ausfüllen zu können. Beide sind beruflich flexibel und beide sind politisch keine unbeschriebenen Blätter. Zwölf Jahre schon sitzt Marcel Sommer im Huttwiler Gemeinderat, acht davon als Vizepräsident. Ein Umstand, den er sich während des Wahlpodiums auch gleich zu Nutze machte: «Persönlich finde ich es nicht gut, wenn der Präsident und der Vizepräsident gleichzeitig aufhören.» Aufgrund der Amtszeitbeschränkung bleibe ihm nichts anderes übrig, als sich zur Wahl des Gemeindepräsidenten zu stellen. Schafft er die Wahl nicht, scheidet er als Gemeinderat aus. Als Gemeindepräsident aber kann er noch vier Jahre amten.Adrian Wüthrich, ehemaliger Nationalrat, war von 2009 bis 2016 ebenfalls Mitglied des Gemeinderates in Huttwil. Angesichts seines herausragenden Wahlergebnisses entschied er ebenfalls, sich als Kandidat für das Gemeindepräsidium aufstellen zu lassen. Er möchte damit den Stimmberechtigten die Möglichkeit bieten, «ihren» Gemeindepräsidenten wählen zu können. Zudem könne er sich aufgrund seiner momentanen beruflichen und familiären Lage sehr gut vorstellen, die nächsten acht Jahre Präsident zu sein. Vorausgesetzt der Wiederwahl in vier Jahren. Moderiert wurde das Podium von neo1-Redaktor Pascal Rupp. Er liess den beiden Kandidaten drei Minuten Zeit, um sich vorzustellen. Marcel Sommer ist verheiratet und hat drei Kinder, zwei gehen bereits in die Schule, eines in die Spielgruppe. Aufgewachsen ist der 39-Jährige auf einem Bauernhof in Schweinbrunnen. Beruflich hatte er sich für eine Banklehre entschieden. Heute führt der Finanzplaner mit eidgenössischem Fachausweis bei der Valiant Bank drei Geschäftsstellen mit über 20 Personen. Als Ausgleich zur Politik und dem Beruf betreibt er aktiv den Schiesssport. Adrian Wüthrich ist ebenfalls verheiratet und hat zwei Kinder im jugendlichen Alter. Aufgewachsen ist der 44-jährige Vollblutpolitiker in Walters-wil. Er hatte sich in jungen Jahren für den Studienweg entschieden und einen Abschluss in Public, Management und Politik erreicht. Heute ist er Präsident von Travaille.Suisse und Präsident des Rates der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung.
Das Potenzial von Huttwil
Auf die Frage von Pascal Rupp, ob denn die Ausgangslage, nur noch vier Jahre Gemeindepräsident sein zu können, sinnvoll sei, antwortete Marcel Sommer schlagfertig: «Das kann eine sinnvolle Ausgangslage sein, weil ein Riesenwissen da ist, das ich noch gerne vier Jahre einbringen möchte. In der Zwischenzeit kann man eine andere Person aufbauen, ich könnte mir sehr gut vorstellen, Adrian aufzubauen.» Das Gelächter im Saal war ihm dadurch sicher. Aber auch Adrian Wüthrich reagierte prompt und erklärte lachend: «Generös, sehr gerne, ich kann mir das durchaus vorstellen.» Dennoch vertrat er die Meinung, es wäre jetzt Zeit für einen Neuanfang, dies im Hinblick auf die Ortsplanungsrevision und auf die Nachfolgeplanung des Gemeindekaders, welche über die nächste Legislatur hinaus dauern würden.Was die Kandidaten an Huttwil stören würde, lautete eine weitere Frage Rupps. Für Adrian Wüthrich gibt es nichts Störendes in Huttwil, aber: «Huttwil kann mehr.» Es könne zu einem Ort werden, an dem man schön und gut alt werden könnte, denn im Städtli finde man alles vor der Haustüre. Mit der Ortsplanungsrevision habe der Gemeinderat und die Bevölkerung nun die Möglichkeit, neue Akzente zur Entwicklung von Huttwil zu setzen. Verändern würde er als Gemeindepräsident die Kommunikation. «Der Gemeinderat hat viel gemacht, aber hat sich schlecht verkauft und ganz wenig kommuniziert.» Es mache aber nicht bei allem Sinn, dass man es kommuniziere, konterte Marcel Sommer, gab seinem Kontrahenten aber im Grunde Recht: «Kommunikation ist etwas sehr Wichtiges, macht man es nicht, können Gerüchte entstehen.» Auch ihn stört nichts an Huttwil, schade finde er hingegen, dass man bei Fragen und Anliegen nicht direkt zum Gemeinderat komme, sondern es als Leserbrief in der Zeitung austrage. Auch Marcel Sommer sieht Potenzial in der Ortsplanungsrevision. Er würde sich für die Entwicklung der Industrie stark machen, denn «wir brauchen in Huttwil unbedingt Arbeitsplätze». Aber um attraktiv zu sein, müsse man auch investieren, und das habe Huttwil in der Vergangenheit getan beispielsweise mit einem neuen Schwimmbad, einer neuen Ortsdurchfahrt, dem neu gestalteten Brunnenplatz, dem Hochwasserschutz oder dem Spielplatz auf der Ribimatte. Dies alles habe aber zu einer gewissen Neuverschuldung geführt.
Der lange Weg nach Bern
Eine Frage aus dem Publikum zielte auf den Eindruck ab, dass Huttwil nicht mehr existiere, je näher man nach Bern komme. Ob es nicht schlauer wäre, in den Kanton Luzern zu wechseln? «Als stolzer Berner muss ich sagen, das kommt gar nicht in Frage», lautete die Antwort von Adrian Wüthrich. Marcel Sommer sprach im gleichen Kontext: «Der Berner Bär am Auto darf etwas kosten.» Einig waren sie sich auch, dass man durch gute Beziehungen die Bekanntheit von Huttwil in der Region und auch im ganzen Kanton steigern müsse. Hier konnte Adrian Wüthrich den Punkt durch sein grosses Netzwerk in Bern für sich gewinnen. Mit seinen politischen Tätigkeiten versuchte er schon lange, den Weg nach Bern zu verkürzen, sei es der Arbeitsweg mit dem öffentlichen Verkehr oder der politische Weg. Organisiert wurde das Wahlpodium von der FDP Huttwil. Die Partei hat Stimmfreigabe beschlossen. Präsidentin Therese Löffel war es wichtig zu erwähnen, dass nun möglichst viele die Möglichkeit zum Wählen wahrnehmen. Da am 24. November gleichzeitig nationale Abstimmungen stattfinden, dürfe man die beiden Couverts nicht zusammenlegen, sondern müsse sie einzeln einwerfen, da sonst beides ungültig wäre.
Von Marion Heiniger