• Marianne König und Quarterhorse-Wallach Smoke sind ein eingespieltes Team. · Bild: Karin Rohrer

  • Marianne König mit Smoke an der Mooshof-Classics 2024, Zauggenried. · Bild: Brigitte Gfeller

  • Mit dem Freiberger Cynar gewann Marianne König mehrmals den Stilpreis im Pole Bending. · Bild: zvg

  • Das Holzrücken macht Smoke grossen Spass, und es ist für beide ein schöner Ausgleich zum Training. · Bild: zvg

  • Mit Taco Lena Star, genannt Buzz, der als dreijähriger in Marianne Königs Leben trat, war sie in Reining-Prüfungen erfolgreich. · Bild: Karin Rohrer

  • Alle Jahre wieder ist Marianne König hoch zu Ross im Jura unterwegs. · Bild: zvg

06.01.2026
Huttwil

Ein Leben ohne Pferde – kaum vorstellbar

Marianne König hat sich von klein auf den Pferden und der Western-reiterei verschrieben. Etliche Pokale zeugen von erfolgreichen Turnieren. Aber eigentlich noch wichtiger sind der Huttwiler Pöstlerin die kleinen, stillen Momente mit ihrem Pferd sowie Spass und gemütliche Stunden mit Gleichgesinnten.

Aufgewachsen in Walkringen, hat Marianne König nach der Schule ein Haushaltungslehrjahr auf einem Bauernbetrieb in Angriff genommen. «Meine Mutter meinte damals, haushalten und kochen wären wichtig und dieses Lehrjahr sei ein guter Grundstein», schmunzelt die 62-Jährige, welche die Stallarbeit den häuslichen Pflichten vorzog. So kam es ihr nicht ungelegen, dass zu Hause der Stall umgebaut wurde und sie auf dem heimischen Betrieb arbeiten konnte. Aber nur bis am 1. Januar 1982, denn ab diesem Tag trat sie eine Stelle beim Postcheckamt in Burgdorf an. Während rund zehn Jahren war sie im Büro angestellt, auch in Bern und Langenthal. «Aber es entwickelte sich immer mehr zur reinen Computerarbeit und das war nicht mein Ding. So packte ich die Chance, ab 1992 als Zustellbeamtin bei der Post zu arbeiten und dabei bin ich geblieben, bis heute.» Marianne König war und ist ein Morgenmensch, sie fängt gerne früh morgens mit der Arbeit an und geniesst dann den frühen Feierabend. Seit 1996 verteilt sie in Huttwil die Post, kennt aber auch die Gemeinden Eriswil und Wyssachen in- und auswendig: «Ich könnte mir einen Bürojob gar nicht mehr vorstellen, ich bin gerne täglich draussen an der frischen Luft.»

Gras mähen mit Pferdestärken
Ihr Grossvater war ein «Pferde-Mentor» und sie wuchs mit Pferden auf: «Einen Traktor hatten wir erst, als ich in die erste Klasse kam. Wir hatten drei Freiberger, welche für die landwirtschaftlichen Arbeiten eingesetzt wurden. Ich durfte mit dem Käsereiwagen den Abfall wegbringen und natürlich in die Käserei fahren. Man hat damals die Pferde jeden Tag angeschirrt und ich erinnere mich, wie wir dreispännig Mist geführt haben.» So war es für die junge Frau eine klare Sache, dass sie mal eigene Pferde haben würde und es erstaunt auch nicht, dass sie sich mit dem ersten Lohn einen Occasion-Westernsattel erstand. 1995 wurde ihr grosser Traum wahr mit dem Kauf des 12-jährigen Freibergerwallachs Cynar. Die Chemie zwischen den beiden hat sofort gepasst: «Cynar war kein Männerpferd; er ist ihnen, wenn möglich, ausgewichen. Aber er war unglaublich vielseitig und ein spezielles Pferd.» Marianne König hat Cynar für Gymkhanas und Westernturniere eingesetzt, war vielseitig und erfolgreich unterwegs. «Als ich merkte, dass die intensive Turnierreiterei nicht mehr das Ding von Cynar war, durfte er einen Gang herunterschalten und einfach unsere Ausritte geniessen.»

An den Rindern aufgeblüht
Der dreijährige Taco Lena Star trat 1999 ins Leben von Marianne König ein. Ein kleiner, brauner Wallach mit grossem Herz und viel Potenzial. Buzzli, später Buzz, hat sie den hübschen Quarterhorse-Wallach genannt und ihn selbst angeritten. Die beiden waren stark im Reining, einer Westernreit-Disziplin, die ausschliesslich im Galopp geritten wird. Als Buzz siebenjährig krank wurde, rechnete niemand damit, dass er den Winter übersteht. Aber mit viel Fürsorge und Geduld wurde diese Klippe umschifft und Marianne König hängte das Reining-Reiten an den Nagel: «An den Rindern kam sein Talent so richtig zum Vorschein und er blühte richtig auf in den Cow- und Ranch- Horse-Prüfungen. Auch als Buzz älter wurde, waren die Wochen im Jura immer ein Jahres-Highlight und wir genossen das Ausreiten und kleinere Plauschturniere. Er durfte einfach sein und war schliesslich 24 Jahre an meiner Seite.»

Ein Allrounder namens Smoke
Heute ist der Quarterhorse Wallach «Smoky Thunder Head» ihr Wegbegleiter. Marianne König hat ihn selbst ausgebildet und an Ranch-Horse-Turnieren vorgestellt. Mittlerweile hat sie sich auf die verschiedenen Cowhorse-Days in der Schweiz fokussiert: «Turniere bedeuten für mich heute, dass ich eine gute Zeit mit tollen Menschen verbringen, es einfach schön haben kann.» Smoke hat sich jedoch nicht nur als gutes Cowhorse präsentiert, noch ganz andere Talente schlummern in ihm. So hat seine Besitzerin mit ihm das Holzrücken entdeckt. «Das Holzrücken liebt er, denn er will arbeiten und gefallen; er ist ein richtiges One-Woman-Horse, und wir sind ein gutes Team geworden.» Auch ein Zweitages-Ritt mit Kletterpartien rauf zur Naturfreundehütte stellt kein Problem dar für den trittsicheren und zuverlässigen Smoke: «Ein Höhepunkt war für mich, als wir die Pferde über Nacht gemeinsam auf eine Weide liessen und er total zufrieden war, sich perfekt in die kleine Herde einfügte. Diese kleinen Dinge zählen für mich heute und ich schätze die Unkompliziertheit dieses Pferdes sehr.»

Von Karin Rohrer