Die Theaterproben für die Krimikomödie «Huttu hebt ab …» sind bereits in vollem Gange. Von über 80 Jugendlichen helfen 22 beim Theaterstück mit, die anderen haben eine Aufgabe «darum herum» gefunden. · Bilder: zvg
Ein Mordfall, ein Menu und viel Teamarbeit
Die Schule Huttwil beschreitet neue Wege: Mit einem kreativen Projekt verbinden die 9. Klassen Literatur, Theater und Gastronomie. Ein selbst geschriebener Krimi mit dem Titel «Huttu hebt ab …» kommt auf die Bühne – und wird von den Schülerinnen und Schülern auch gleich kulinarisch begleitet. Im Restaurant «Guter Hirte» übernehmen sie Service und Küche und schaffen so ein Gesamterlebnis für die Gäste. Hinter dem Projekt steht unter anderem die Lehrerin Janina Fiechter, die mit den fünf 9. Klassen dieses besondere Format entwickelt hat.
Lukas Flückiger im Gespräch mit Janina Fiechter, Lehrerin und Autorin des Theaterstücks. · Wie ist die Idee zu diesem Krimi-Event entstanden?
Ich machte den fünf Klassenlehrpersonen der 9. Klassen das Angebot, ein Theaterstück einzustudieren. Zuerst haben wir uns überlegt, mit über 80 Jugendlichen ein Musical aufzuführen, und haben uns dann aus Ressourcengründen für diese Kombination entschieden. 22 Jugendliche spielen Theater, und die übrigen helfen rundherum.
Und wie ist diese Verbindung von Theater und Mini-Gastro-Projekt entstanden? Was erwartet die Besuchenden an diesem Abend?
Ab 18 Uhr kann man ein Dreigangmenu mit Fleisch- oder Vegi-Variante geniessen. Die Schülerinnen und Schüler helfen beim Vorbereiten in der Küche, beim Servieren, am Empfang an der Garderobe, bei der Begrüssung und moderieren durch den Abend. Ab 20 Uhr startet dann das Theaterstück «Huttu hebt ab …»
Sie haben das Stück selbst geschrieben. Wie haben die Schülerinnen und Schüler auf das Stück reagiert, als sie es zum ersten Mal gelesen haben?
Ja, ich war auch gespannt auf ihre Reaktion. Aber sie fanden es cool und fanden von Beginn an Rollen, die gut zu ihnen passen. So war von Anfang an eine gute Stimmung. In den Frühlingsferien habe ich zusammen mit den Schülerinnen und Schülern neue Szenen geschrieben. So konnten die Jugendlichen ebenfalls zum Stück beitragen. Ich finde diese Textpassagen besonders gelungen.
Wie sind Sie auf die Grundidee der Geschichte und den Krimi als «Genre» gekommen?
Den Krimi beziehungsweise die Krimikomödie habe ich von mir aus vorgegeben, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass die Schülerinnen und Schüler solche Geschichten gerne spielen. Oft ist es in den Situationen lustig, aber auch spannend, weil man den Mörder finden möchte. In den Krimikomödien gibt es viele Rollen wie «der Polizist» oder «komische Dorfbewohner», die die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler gerne verkörpern.
Was war für die Jugendlichen die grösste Herausforderung bei der Umsetzung?
Ich denke, dies war die Ernsthaftigkeit des Theaterspiels. Bei der Anmeldung hat man oft das «Theäterlen» im Kopf. Zu Beginn haben wir zwar auch lustige Übungen gemacht. Aber mit der Zeit soll Spannung aufgebaut werden, es muss zuerst viel zusammengearbeitet werden, damit ein Zusammenspiel entsteht. Und das kann auch anstrengend sein. Und es ist nicht so einfach, als Schauspieler präsent zu sein, auch wenn man keinen Texteinsatz hat.
Es können ja nicht alle auf der Bühne mitspielen. Was gibt es für Aufgaben neben der Bühne?
Es gibt mit Souffleuse, Maske, Licht und Ton, Bühnenbau oder Vorhang verschiedene Rollen neben der Bühne und weitere Aufgaben am Empfang, bei der Getränkeausgabe, im Service und in der Küche.
Was können die Besucherinnen und Besucher von der Aufführung erwarten?
Zum einen natürlich ein feines Essen, hoffentlich eine flotte Bedienung (lacht) und ein spannendes Theaterstück, bei dem man mitfiebern und raten kann, wer der Mörder ist.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Theateraufführung mit einem Klassen-Gastro-Event zu verbinden?
Zuerst war der Gedanke, dass es ein Anlass für alle Neuntklässlerinnen und Neuntklässler und nicht nur ein Event für wenige sein soll. Es sind zwar schon 22 Jugendliche, aber es soll auch für die weiteren 60 Abschlussschüler:innen Bedeutung haben. Mit dieser Idee sind wir zu Jürg Schaufelberger (Anmerkung der Redaktion: Geschäftsführer «Guter Hirte») gegangen und haben gefragt, ob wir einen einfachen Getränkeverkauf machen könnten. Zusammen haben wir dann die Idee vom Mini-Gastro-Event entwickelt.
Welche Kompetenzen können die Schülerinnen und Schüler durch dieses Projekt entwickeln?
Vor allem im Theater ist die Auftrittskompetenz offensichtlich eine wichtige Kompetenz. Aber auch der Durchhaltewille, dranzubleiben, wenn man etwas immer und immer wieder üben muss. Das ist heute auch etwas Wichtiges. Sehr schön ist das Gemeinsame, miteinander auf der Bühne zu stehen und etwas durchzuziehen und dann nach den Aufführungen das Gefühl zu haben, miteinander einen Erfolg feiern zu können. Das ist mega wertvoll.
Welche Rückmeldungen erhalten Sie bisher von den Jugendlichen?
Dafür ist es wohl noch etwas zu früh. Wir sind noch mitten in den Vorbereitungen.
Gab es in den Vorbereitungen Überraschungen oder unvorhergesehene Herausforderungen?
Beim Schreiben war es schwierig, nicht 22 gleichwertige Rollen schreiben zu können, die alle entscheidende Szenen haben. Jede Rolle ist wichtig, aber nicht jede Rolle ist eine Hauptrolle. Da die Jugendlichen aus fünf verschiedenen Klassen stammen, musste die Gruppe zuerst auch zusammenwachsen. Es ist entscheidend, dass ein starkes Gruppengefühl entsteht. Überraschungen? (denkt nach) Ja, manchmal bin ich von einzelnen Schülern überrascht, wie sie zuerst schüchtern waren und nun laut, deutlich und überzeugend ihre Rolle spielen. Da staunt man immer wieder!
Wie aufwendig ist die Planung eines solchen Projekts für die Schule?
Das Fach Theater ist ein Angebot der Schule am Mittwochnachmittag. Aber das Schreiben des Stücks überstieg natürlich den normalen Aufwand. Aber da es kein passendes Stück für diese Gruppengrösse gab, nahm ich dies gerne auf mich. Die fünf Klassenlehrpersonen übernehmen sehr viele Aufgaben, und da wird viel in der Freizeit erledigt, was nicht zum normalen Alltag gehört.
Wer unterstützt Sie bei der Umsetzung?
Jürg Schaufelberger haben wir erst neu kennengelernt, und er hat uns bis jetzt schon sehr unterstützt. Seine Freude und sein Engagement sind für uns sehr wertvoll.
Was nehmen Sie persönlich aus diesem Projekt mit – und gibt es Pläne für eine Fortsetzung?
Weil es noch nicht fertig ist, ist es noch schwierig, das zu sagen. Wahrscheinlich werde ich in der «heissen Phase» oder wenn es vorbei ist, diese Frage besser beantworten können. Aber ich hatte mir zu Beginn gar nicht zugetraut, selber ein Theaterstück zu schreiben. Ich zweifelte, ob es wirklich lustig wird und etwas hergibt. Auch die Länge war schwer abzuschätzen. Den Mut zu haben, etwas auszuprobieren, und jetzt zu sehen, wie das Stück anfängt zu leben, ist wunderschön.
Theaterstück
«Huttu hebt ab …», die Handlung
In Huttwil soll Grosses entstehen: Ein eigener Flugplatz! Doch mitten in der Gemeindeversammlung bricht eine engagierte Gegnerin tot zusammen. Ein Mord in Huttwil? Kommissarin Ryser und ihre zwei Polizisten übernehmen den Fall – und stossen auf Geheimnisse, Verstrickungen und jede Menge Motive. Ein schräger Krimi mit Witz, Dorftratsch und Verschwörung – und eine Auflösung, die alles verändert.
Janina Fiechter, Theaterstück-Autorin
Janina Fiechter (33) bringt mit «Huttu hebt ab …» ihr erstes selbst geschriebenes Theaterstück auf die Bühne. Sie ist in Madiswil aufgewachsen und wohnt auch heute noch dort. Schon früh hat sie die Freude am Schauspiel entdeckt. Mit sieben Jahren durfte sie beim Linksmähder von Madiswil das «Kätheli» spielen. Beim Musical «Grease», einer kleineren Produktion in Zürich, durfte sie weitere Erfahrungen sammeln. Mit 17 Jahren verkörperte sie beim linksmähder die Hauptrolle, das «Vreneli». Zehn Jahre später spielte sie das «Marianni». Auch neben dem Linksmähder stand sie in verschiedenen kleineren Produktionen auf der Bühne. Ihr erstes Theaterstück inszenierte sie im Rahmen ihrer Masterarbeit an der PH Bern. Es folgten weitere Schultheaterprojekte.
Anmeldung über Event-Frog möglich.