• Wuchtig ragt das Silo bei der Alten Mühle über den Wuhrplatz-Parkplatz in Langenthal. · Bilder: Felix Ott

  • Der Briefkasten des Silogebäudes hängt gerade noch so in der Verankerung.

  • Bis auf Weiteres bleiben die Türen des Gebäudes noch geschlossen.

20.03.2026
Langenthal

Ein Silo zwischen Geschichte und Stillstand

Das markante Silogebäude bei der Alten Mühle in Langenthal darf zwar weiterhin gewerblich genutzt werden, doch statische Mängel machen eine umfassende Nutzung derzeit praktisch unmöglich. Politisch ist das Dossier wieder in Bewegung ge­raten. Konkrete Pläne liegen aber noch nicht vor.

Am Ende des Wuhrplatz-Parkplatzes steht ein imposanter, sechsstöckiger Bau. Die Fenster sind grösstenteils mit Holzplatten verdeckt. Im Erdgeschoss wurden Graffitis auf die Fassade gesprüht und ein Briefkasten hängt gerade noch so in der Verankerung. Das Silo bei der Alten Mühle ist eines jener Gebäude in Langenthal, über die seit Jahren gesprochen wird und bei denen sich doch nur wenig sichtbar verändert. Wer am Areal vorbeigeht, sieht weiterhin einen markanten Baukörper mit Geschichte. Wer genauer hinblickt, erkennt vor allem ein Problem, das die Stadt schon lange begleitet: Das Gebäude ist erhaltenswert, aber in seinem heutigen Zustand nur sehr eingeschränkt nutzbar. Laut Stadtbaumeister Volker Wenning-Künne dürfe das Silogebäude zu 100 Prozent gewerblich genutzt werden. Gleichzeitig ist die Nutzung aber stark eingeschränkt. Wegen statischer Defizite sei das Gebäude in weiten Teilen nicht mehr frei zugänglich. Für eine spätere Wiederbelebung müssten am Tragwerk Ertüchtigungsmassnahmen vorgenommen werden. Ganz brach liegt das Silo allerdings nicht. Einzelne Garagen und Lagerflächen im Erdgeschoss seien weiterhin vermietet. Alle übrigen Flächen würden von der Stadt wegen der bekannten Mängel nicht mehr vermietet. Faktisch bedeutet das: Das Gebäude steht nicht vollständig leer, doch eine eigentliche Nutzung des Silos ist zurzeit nicht möglich.

Der politische Auftrag ist da
Neu ist immerhin, dass die Politik das Thema wieder aufgenommen hat. Der Stadtrat hat im Mai 2025 eine Motion als erheblich erklärt, die eine «Vorlage für eine langfristig finanzierbare Nutzung» der Alten Mühle verlangt. Der Vorstoss wurde dem Gemeinderat zum Vollzug überwiesen. In der Debatte wurde deutlich, dass es nicht mehr um einen kurzfristigen Versuchsbetrieb geht, sondern um die Frage, wie das Areal langfristig so entwickelt werden kann, dass die Stadt beim Unterhalt und Betrieb entlastet wird. Beim Stadtbauamt läuft nun die Projektinitialisierung. Das Vorgehen werde derzeit definiert, sagt der Stadtbaumeister. Konkrete Pläne für die Zukunft des Silos liegen nach Angaben der Stadt im Moment aber noch nicht vor. Das passt zu einem Eindruck, den das Dossier seit Jahren hinterlässt: Der politische Wille, etwas zu tun, ist vorhanden, doch der Weg zu einer tragfähigen Lösung bleibt kompliziert. Dass die Stadt schon früher nach einer Lösung gesucht hat, zeigt ein Blick zurück. Bereits 2022 lag dem Stadtrat eine Kreditvorlage vor, mit der eine wirtschaftlich tragbare Entwicklungsstrategie und ein Investorendossier hätten erarbeitet werden sollen. Damals war vorgesehen, das Mühleareal als Ganzes zu betrachten, die Machbarkeit vertieft zu prüfen und mit externen Fachleuten Grundlagen für mögliche Investoren zu schaffen. In der Ratsdebatte war auch von bereits erstellten Nutzungsvisionen, Nutzungsstudien und einem Bericht für die kantonale Denkmalpflege die Rede. Der Stadtrat lehnte das Vorgehen und den Kredit von maximal 250000 Franken am Ende jedoch ab.  Gerade dieser Entscheid von 2022 erklärt, warum das Silo heute noch immer in einer Art Schwebezustand steckt. Es wurde viel geprüft, aber wenig entschieden. Das Gebäude blieb damit zwischen Sicherung, Denkmalpflege, Nutzungsfragen und Finanzierbarkeit hängen.

Denkmalschutz setzt den Rahmen
Hinzu kommt der Schutzstatus. Das Silo ist im kantonalen Bauinventar als erhaltenswert eingestuft und gehört zur Baugruppe «Mühlebezirk und Gewerbequartier». Damit ist klar, dass eine spätere Sanierung oder Umnutzung nicht allein eine technische oder wirtschaftliche Frage sein wird. Sie muss auch den denkmalpflegerischen Anforderungen genügen. Nach Einschätzung des Stadtbauamts ist eine Umnutzung grundsätzlich denkbar. Sie setze aber eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Architektur, dem Umfeld und den benachbarten Baudenkmälern voraus, ebenso einen engen Austausch mit der kantonalen Denkmalpflege. Dass weiterhin keine rasche bauliche Umsetzung bevorsteht, zeigt auch der Finanzplan der Stadt. Dort erscheint das Vorhaben «Sanierung und Umbau Silo Areal Alte Mühle» im Finanzplan 2026 bis 2030 lediglich als Platzhalter im Rahmen der Immobilienstrategie. Konkrete budgetierte Investitionen sind daraus derzeit nicht ersichtlich. So bleibt als Zwischenfazit: Rechtlich wäre eine gewerbliche Nutzung des Silos möglich. Baulich ist sie wegen der Statik derzeit fast vollständig blockiert. Politisch ist das Dossier wieder auf dem Tisch. Operativ steht es aber erst am Anfang eines neuen Anlaufs. Die Stadt sucht erneut nach einer Zukunft für einen Bau, den sie nicht einfach aufgeben kann, den sie aber auch nicht ohne Weiteres reaktivieren kann. Für Langenthal ist das Silo damit mehr als ein altes Industriegebäude. Es ist ein Testfall dafür, wie die Stadt mit schwierigen Baudenkmälern umgeht, wenn Geschichte, Nutzungsdruck und knappe Finanzen aufeinandertreffen. Ob das Gebäude dereinst wieder belebt wird, ist offen. Klar ist derzeit vor allem eines: Das Silo ist nicht vergessen. Doch bis aus diesem politischen Auftrag ein tragfähiges Projekt wird, dürfte noch einige Arbeit bevorstehen.

Von Felix Ott