• Bei den Mannschaften siegt der Schwingklub Sumiswald (hinten) vor der Hornussergesellschaft Wasen-Lugenbach A (Mitte) und der Ringerriege des Turnvereins Ufhusen (vorne). · Bilder: Thomas Peter

  • Die anwesenden Nominierten in der Sportpreis-Kategorie «Einzelsportler/in».

  • Sie gewannen die jeweiligen Kategorien des Sportpreises: Skirennfahrerin Shaienne Zehnder (Nachwuchs), Schwinger Fabio Hiltbrunner (Einzelsport) und der Schwingklub Sumiswald (Vereine).

  • Jungschwinger-Champ Elias Ledermann (Schwingklub Sumiswald) begeistert das Publikum. Hansrudolf Jörg (Schwingklub Huttwil) wird als Nachwuchsförderer gefeiert (rechts).

  • Voll besetzte Campus-Sporthalle an der Club 88-Sportpreisverleihung in Schwarzenbach.

  • Moderator und Jurypräsident Stefan Leuenberger im Gespräch mit dem Einzel-Silbergewinner, dem Leimiswiler Weltklasse-Mountainbiker Mathias Flückiger.

  • In der Einzelsport-Kategorie holen sich der Leimiswiler Mountainbiker Mathias Flückiger, Sportpreis-Gewinner und Schwinger Fabio Hiltbrunner aus Schmidigen-Mühleweg sowie Pistolenschütze Christof Gerber die Podestplätze.

  • Shaienne Zehnder feierte am Ehrungstag ihren 19. Geburtstag.

  • Die Nominierten in der Sportpreis-Kategorie «Mannschaft/Verein/Team/Club».

  • In der Nachwuchskategorie siegt die Skifahrerin Shaienne Zehnder vom Skiclub Ahorn- Eriswil vor dem Hornusser Florian Nyffeler aus Huttwil (HG Rohrbachgraben). Den Nachwuchsförderungs-Einzelpreis gewinnt Hansrudolf Jörg vom Schwingklub Huttwil (links). Auf dem Bild fehlt der Eishockeyspieler Andro Kaderli aus Häusernmoos (3. Rang).

  • Die in der Team-Kategorie nominierte Auswiler Familie Kurt, Melanie und Simea Fehrenbach präsentiert den Anwesenden ihre spektakuläre Sportart «Sport Stacking».

04.02.2025
Sport

Ein Ski-Ass mischt sich unter die Schwinger

Am Ehrungsabend des Club 88-Sportpreises 2024 wurden 35 Nominierte aus 17 Sportarten gewürdigt. Der absolute Überraschungsmann der Schwing-szene, Fabio Hiltbrunner aus Schmidigen-Mühleweg, setzte sich als Einzelsportler durch. Das Skiausnahmetalent Shaienne Zehnder gewann die Nachwuchsausmarchung und der 2024 schweizweit beste Schwingklub aus Sumiswald obsiegte in der Kategorie Vereine. Zudem wurde Hansrudolf Jörg vom Schwingklub Huttwil als Nachwuchs-

förderer geehrt.

Sportehrungen · (Fast) Alles, was Rang und Namen in der regionalen Sportszene hat, war an diesem Ehrungsabend in der vollen Sporthalle im Campus Perspektiven vertreten. Doch es sind nicht nur Sportgrössen mit lokalem Renommee, vielmehr können einige schon beachtliche Palmarès auf der nationalen wie internationalen Bühne vorweisen oder stehen am Beginn einer grossen Karriere. Aber nicht nur die populären Sportarten wie Schwingen, Eishockey, Fussball oder Alpin-Ski standen im Visier der Jury, sondern auch Hundesport, Sport Stacking oder Pistolenschiessen: Randsportarten, die eher aus dem Gesichtsfeld der Sportbegeisterten verloren gehen. Nicht so beim Sportpreis des Clubs 88, dessen 49 Mitglieder total 25 000 Franken zusammentrugen, um die Leistungen der Cracks aus der Region zu würdigen.

Geburtstagsfrau Shaienne Zehnder
«Heute Abend erhalten wir einmal mehr die bereichernde Vielfalt des regionalen Sports eindrücklich präsentiert», liess «UE»-Sportredaktor Stefan Leuenberger in seiner spontan lockeren und unterhaltsamen Moderation seiner Sportbe­geis­terung freien Lauf. «Im Sport in und um Huttwil ist etwas in Bewegung. Die Leidenschaft für den Sport ist gross und die Erfolge deshalb so reichhaltig.» Und Leuenberger vermochte da und dort Persönliches, noch Verborgenes an die Oberfläche zu bringen. So durfte Alpin-Skifahrerin Shaienne Zehnder, die Siegerin der Nachwuchskategorie, an diesem Ehrungsabend ihren 19. Geburtstag feiern und wurde mit einer «Wunderkerze» und einem vom Saal gesungenen «Happy-Birthday» überrascht. In seiner Laudatio bezeichnete Stefan Leuenberger sie als «regionales Skisport-Jahrhunderttalent», das trotz Verletzungspech Nachwuchs-Olympiamedaillen in Südkorea gewann, damit den direkten Sprung ins B-Kader von Swissski geschafft hat und mit baldigen Weltcupeinsätzen liebäugeln dürfe. Auf die Frage, was dieser Aufstieg für sie bedeutet, meinte sie unter anderem sympathisch pragmatisch mit Blick auf ihre Eltern: «Jetzt lebe ich sozusagen gratis.» Als erster Hornusser schaffte es Florian Nyffeler aufs Nachwuchs-Sportpreisgewinner-Podest. «In seinem letzten Jahr als Junghornusser ist er schlichtweg überragend», hält Stefan Leuenberger fest. So gewann beim Nachwuchs in allen drei Alterskategorien den Meistertitel. 2024 ebenso den Titel mit der Mannschaft. Am Eidgenössischen wird er in seiner Stärkeklasse mit dem Spezialpreis «Bester Junghornusser» ausgezeichnet. «Die perfekte Saison zum Abschluss seiner elfjährigen Nachwuchskarriere», so Leuenberger, der wissen wollte, ob er zur Fortsetzung seiner steilen Karriere einen Wechsel von der HG Rohrbachgraben zu einem stärkeren Team ins Auge fasse. Doch Florian Nyffeler blieb partout diplomatisch. Er wolle jetzt mal seine Metzgerlehre beginnen und schaue dann weiter. Den dritten Platz belegte der am Ehrungsabend abwesende Eishockeyspieler Andro Kaderli, der seit 2023 in der höchsten schwedischen Juniorenliga beim Spitzenverein Leksands IF spielt und auch schon in der ersten Mannschaft stand. An den U20-Weltmeisterschaften wurde er im Viertelfinal gegen die USA als bester Spieler ausgezeichnet und gehörte zu den drei Topspielern des Schweizer Teams des ganzen Turniers.

Fast-Tattoo-Besitzer Hansrudolf Jörg
Mit seinem «trockenen Humor» gewann Nachwuchsförderer Hansrudolf Jörg vom Schwingklub Huttwil die Herzen der Anwesenden, als er auf mögliche Tattoos angesprochen wurde und er meinte: «Ich habe keines … aber ich habe mir das schon mal überlegt.» Was es den hätte werden sollen? «Eines auf dem Oberarm, mit einem Kranz von mir, aber aus früheren Jahren, als ich noch besser ausgesehen habe als heute.» Mit 36 Kranzgewinnen war der Schwingklub Sumiswald erstmals in seiner Vereinsgeschichte der beste Schwingklub der Schweiz und gewann somit die Vereinstrophäe des Sportpreises vor der eine «fast perfekte» Saison liefernde Hornussergesellschaft Wasen Lugenbach A und der Ringerriege TV Ufhusen. Nicht nur die «Grossen Bösen», sondern auch die Jungschwinger, die 2024 total 155 Zweige holten. «Herausragend schwingt der erst zehnjährige Elias Ledermann aus Wasen, der neun Feste gewinnt», hob Stefan Leuenberger hervor und meinte zum Nachwuchstalent, dass er bald selber zu den «Bösen» gehöre, worauf dieser folgerichtig antwortete «Äuä de scho.»

Beeindruckende Einzelsportler
Unterschiedlicher hätten die drei Podestplätze bei den Einzelsportlern nicht besetzt sein können. Der 43-jährige Schiesssportler Christof Gerber aus Gondiswil holte 2024 gleich vier Medaillen an den Schweizermeisterschaften, je zweimal Gold und Silber. Wie erklärt er sich diesen neuerlichen Erfolg in seiner langen Sportkarriere? «Meine drei Söhne spielen alle Fussball. Wenn ich sie nach Huttwil zum Training fahre, nutze ich die Zeit und gehe an den Schiessstand.» Dieses Mehrtraining habe sich nun ausbezahlt. Schon vor 25 Jahren liess Christof Gerber erstmals so richtig aufhorchen, als er als 19-Jähriger den Junioren-Europameistertitel mit der Sport­pistole über 25 Meter gewann. War Olympia nie ein Thema? «Ich hatte schon den Traum, aber ich bin wohl nicht mit letzter Konsequenz dabei gewesen. Der Sprung vom Leistungs- zum Spitzensport ist halt schon riesig. Da muss man das ganze Leben unter dieses Ziel stellen und dazu war ich damals nicht bereit.»

Vom Operationstisch an die WM
Ein Jahr ohne emotionale und sportliche Grenzen gab es für Mountainbiker Mathias Flückiger. Kaum wurde er von den zwei lange Jahre belastenden Doping-Anschuldigungen freigesprochen, folgte eine gesundheitliche Herausforderung, die eine WM-Teilnahme aussichtslos erscheinen liess. Eine Blinddarm-Operation eine Woche vor der WM in Andorra, wo er nach seinem Sieg im Weltcuprennen im Vorjahr als grosser Goldfavorit gehandelt wurde. «Während ‹Normalsterbliche› mehrere Wochen brauchen, um wieder mit Sport zu beginnen, steht der 36-Jährige acht Tage nach der Vollnarkose mit nicht verheilter Narbe am Bauch am Start des WM-Rennens und wird als Achter bester Schweizer», so Leuenberger. Eine unglaubliche Willensleistung. Eine ganz neue Herausforderung steht «Math» bevor, denn seine am Ehrungsabend anwesende Partnerin Lisa Locher erwartet in den nächsten Tagen ihr erstes Kind. «Das ist etwas ganz Anderes, Unvergleichbares», zeigte der Mountainbiker Emotionen. Auf die Frage, ob er das «Windelwechseln» schon geübt hätte, meinte Math: «Ich habe ja nicht gerade zwei linke Hände und werde das dann schon irgendwie fertig bringen.» Sportlich in die Zukunft blickend schliesst Mathias Flückiger eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles nicht aus. «Mein Ziel ist es schon, noch vier Jahre zu fahren, ich glaube, ich habe meinen Peak noch nicht erreicht.»

Ein Star ohne Allüren
Ein Mann zum Anfassen, der sich aber noch ans Anfassen gewöhnen muss, schwang im wahrsten Sinn des Wortes bei der Einzelsportler-Kategorie obenaus. «Mit Hiltbrunner Fabio hat ein erst 19-jähriger Naturbursche, der mit beiden Beinen fest auf dem Waldboden steht, für die grösste Sensation in der 129-jährigen Geschichte des Eidgenössischen Schwingerverbandes gesorgt», blickt Stefan Leuenberger auf den Sieg von Fabio Hiltbrunner gemeinsam mit Fabian Staudenmann am Eidgenössischen Jubiläums-Schwingfest in Appenzell zurück. «Es ist sicher wunderschön, aber ich muss mich noch daran gewöhnen, dass ich jetzt überall angehauen werde, wenn ich etwa mit der Familie unterwegs bin.» Trotz der Angewöhnungsphase an den Rummel: An den Empfang in Walterswil mit tausenden von Gästen erinnert er sich nur zu gerne. «Das ist sicher einer der schönsten Tage in meinem Leben gewesen.» Sein Sieg und das damit verbundene Preisgeld hat er genutzt, um mit Schwingerfreunden erstmals Ferien im Ausland in Mallorca zu verbringen. «Was ist da gelaufen?», wollte der Moderator wissen. «Mir si go Bade», meinte Fabio Hiltbrunner schalkhaft, die Lacher waren ihm sicher. «Und Alkohol, wie sieht es damit aus?» – «Den hat es dort schon gehabt, aber wir sind ja Sportler, oder.» Auf sein Saisonziel angesprochen antwortete er: «Gesund bleiben, mehr will ich gar nicht.» Und für das Eidgenössische? «Achtmal das Beste geben, und wenn ich das erreicht habe, dann bin ich zufrieden.» Ein Mann ohne Allüren zum Anfassen, der sich aber noch ans Anfassen gewöhnen muss.

Die Preisgewinner
Kat. Einzelsportler/in
1. Hiltbrunner Fabio (Schmidigen), Schwingen
2. Flückiger Mathias (Leimiswil), Radsport
3. Gerber Christof (Gondiswil), Schiessen

Von der Jury nominiert, aber nicht unter den Podestklassierten:
Aeschbacher Matthias (SK Sumis.), Schwingen 
Christen Lara (Huttwil), Eishockey
Christen Luca (Huttwil), Eishockey 
Eichelberger Adrian (Madiswil), Schiessen
Janssen Christoph (Dürrenroth), Radsport
Mathys Tim (Huttwil), Eishockey
Ritter Naja (Sumiswald), Unihockey
Rutschmann Micha (Huttwil/Lotzwil), LA
Röthlisberger Thomas (Wyssachen), OL
Siegenthaler Noah (Madiswil), Unihockey
Spühler Kaspar (Schwarzenbach), Hundesport
Ulrich Luca (Zell), Volleyball

Kat. Mannschaft/Verein/Team/Club
1. Schwingklub Sumiswald 
2. Hornussergesellschaft Wasen-Lugenbach A
3. Ringerriege TV Ufhusen 

Von der Jury nominiert, aber nicht unter den Podestklassierten:
Familie Fehrenbach, Sport Stacking, Auswil Fussballclub YF United Huttwil (3. Liga)
Hockey Huttwil (My Hockey League)
Hornussergesellschaft Dürrenroth
Regio Volleyteam (Frauen 3. Liga Pro)

Kat. Nachwuchs
1. Zehnder Shaienne (SC Ahorn-Eriswil), Ski Alpin 
2. Nyffeler Florian (Huttwil), Hornussen 
3. Kaderli Andro (Häusernmoos), Eishockey  

Von der Jury nominiert, aber nicht unter den Preisgewinnern:
Grossenbacher Ann (Huttwil), Triathlon
Flückiger Joel (Huttwil), Eishockey
Habisreutinger Tim (Huttwil), Eishockey
Hunziker Alessandro (Sumiswald), Tennis
Leuenberger Fiona (Ursenbach), Leichtathletik
Schlüchter Jan (Schwimmen), Dürrenroth
Trüssel Tim (Huttwil), Eishockey
Zehnder Kjetil (SC Ahorn-Eriswil), Ski Alpin

Kat. Nachwuchsförderung (Einzelpreis)
Hansrudolf Jörg, Leiter Jungschwinger Schwingklub Huttwil

Von Thomas Peter