Nach 30 Jahren politischem Engagement für die Gemeinde Dürrenroth hat Andreas Minder auf Ende 2024 demissioniert. Er freut sich, wieder etwas mehr Zeit für sich zu haben. · Bild: Marion Heiniger
«Ein spontanes Danke hat mich immer gefreut»
30 Jahre lang hat sich Andreas Minder für die Gemeinde Dürrenroth politisch eingesetzt. Acht Jahre davon als Gemeindepräsident. Nun hat er auf Ende 2024 seine Demission eingereicht. Er blickt auf eine ereignisreiche Zeit zurück. Viele schöne Dinge habe er erlebt, aber auch einige weniger schöne.
Dürrenroth · 29 Jahre alt war Andreas Minder, als man ihn fragte, ob er in der Wegkommission Einsitz nehmen möchte. Da ihn schon als junger Mann das Strassenwesen interessierte, liess er sich nicht lange bitten. «Wir hatten in der Wegkommission aber keine Gestaltungsmöglichkeiten und konnten uns auch nicht bei Projekten einbringen», bedauert er rückblickend. Auf das Jahr 1997 wurde die bestehende Gemeindeorganisation etwas schlanker gestaltet, die Wegkommission aufgelöst und in die Baukommission integriert. Fortan war Andreas Minder Mitglied der Baukommission. Die Aufgaben boten dem jungen Landwirt eine willkommene Abwechslung zu seiner Arbeit auf dem Bauernbetrieb. Dennoch findet der 59-jährige Landwirt heute, es sei an der Zeit aufzuhören. «Ich bin nicht etwa amtsmüde geworden, das Gefühl irgendwann aufhören zu wollen, wurde aber trotzdem immer stärker.» Gleichzeitig stellten er und seine Frau Kathrin sich die Frage, wie es mit dem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb weitergehen soll. «Unser Sohn möchte den Hof nicht übernehmen, deshalb haben wir uns schon vor einiger Zeit wegen der Hofnachfolge umgehört», erklärt Andreas Minder. Dieser Umbruch werde voraussichtlich in den nächsten vier Jahren konkreter, dazu werde er, da er vom neuen Jahr an nicht mehr Gemeindepräsident sei, nun mehr Zeit haben.
Kaum Gestaltungsmöglichkeiten
30 Jahre lang hat Andreas Minder sich mit seinem stetig wachsenden Wissen in den Kommissionen und im Gemeinderat eingebracht und dabei viele kleine aber auch einige grosse Projekte mitbetreut. «Eines der aufwendigeren Geschäfte war die Ortsplanung», nennt er ein Beispiel. Die Zusammenarbeit mit dem Kanton sei teilweise etwas mühselig gewesen. «Es gibt Auflagen, die man als Normalbürger nicht versteht, für teures Geld stellt man einen Ortsplaner an und am Schluss hat man doch nur einen geringen messbaren Erfolg für die Gemeinde, und es dauert ewig», spricht Andreas Minder Klartext. Auf die Frage, was er denn gerne politisch geändert haben würde, wenn er einen Wunsch frei hätte, antwortete er ohne zu zögern: «Die Verschlankung der Bürokratie.» Sein Vorschlag wäre nicht noch mehr Stellenprozente auf den Ämtern, sondern stattdessen sollte die Regelungsdichte unter die Lupe genommen werden. «Man sollte sich ernsthaft die Frage stellen, welche Regelungen wirklich Sinn machen. Als ich in der Politik angefangen habe, konnte man noch eigene Entscheidungen treffen, heute ist das kaum mehr möglich.»
Schöne, aber auch verletzende Erlebnisse
Persönlich verletzt hatten ihn die Reaktionen einiger Bürger nach einem Informationsanlass betreffend Windenergie. «Der damalige Sumiswalder Gemeindepräsident Fritz Kohler kam auf mich zu. Durch den Richtplan Windenergie haben wir die Möglichkeit, Windturbinen zu stellen. Einer der Standorte (Schonegg) ist auf Dürrenrother Boden. Wir organisierten einen Infoabend mit betroffenen Landeigentümern, um die Möglichkeiten aufzuzeigen und zu spüren, wie sie zum Thema Windenergie stehen», erzählt Minder. Es störte ihn nicht, dass sich danach eine Opposition bildete. Das Gemunkel, dass er und Fritz Kohler bereits Geld von der Firma, die die Windräder stellen würde, erhalten habe, aber schon. «Das war schlichtweg verletzend. Wir wollten nur die planerischen Möglichkeiten aufzeigen und die Meinung der Bürger abholen. Solche Überlegungen sollte man als Gemeinderat machen dürfen, ohne sofort persönlich angefeindet zu werden.» Doch es gab auch viel Schönes, an das er sich gerne zurückerinnert. «Wenn spontan jemand aus der Bevölkerung Danke sagte, zum Beispiel bei einem Strassenprojekt oder nach einer Gemeindeversammlung, diese Wertschätzung hat mich immer sehr gefreut.» Erfreulich sei auch die Zusammenarbeit mit der Verwaltung und dem Rat gewesen. «Wir waren zwar nicht immer gleicher Meinung, aber schlussendlich hat man das Ergebnis immer als Team mitgetragen», zeigt sich Andreas Minder zufrieden.
Von Marion Heiniger