Die Eröffnung des neuen Entsorgungs- und Werkhofs im Jahre 2020 war für Fritz Kobel ein Highlight in seiner beruflichen Laufbahn. · Bilder: Thomas Peter
Ein stiller Schaffer verlässt die Gemeindebühne
Mit dem heutigen Tag endet eine Ära auf der Gemeindeverwaltung Sumiswald: Bauverwalter Fritz Kobel hat seinen letzten Arbeitstag. Insgesamt 30 Jahre war er hier tätig, eine eigentliche Institution. Mit diesem Begriff kann er sich zwar nicht identifizieren, doch war er für viele Anliegen der Bevölkerung eine wichtige Anlaufstelle und Hilfe.
Emmental · «Das ist doch nichts Besonderes. Andere arbeiten auch 30 und noch mehr Jahre an einem Ort», winkt Fritz Kobel auf Anfrage für einen Interviewtermin vom «Unter-Emmentaler» fast schon ab. Doch zum Glück nur «fast». Er habe schon «befürchtet», dass er da nicht drumherumkomme, lässt er sich schliesslich doch noch erweichen. Die Episode charakterisiert den Schaffer im Stillen beispielhaft: «Diese Öffentlichkeit habe ich nie gesucht.» Und das gut einstündige Gespräch mit ihm lässt an dieser Aussage keine Zweifel aufkommen. Sich selbst möchte er nicht in den Vordergrund stellen. Vielmehr freut er sich, was in seiner Zeit alles erreicht werden durfte.
Bedürfnisse der Bevölkerung im Fokus
Die Verbundenheit mit der Gemeinde und das Wohl der Bevölkerung hat sein Handeln geprägt. Dabei ist ihm sicher zugute gekommen, dass er – wie er scherzhaft sich selber bezeichnet – als «Ureinwohner von Sumiswald» hier aufgewachsen, in Wasen in die Schule gegangen ist und so die Einheimischen und deren Lebenssituationen, Wünsche und Bedürfnisse sehr gut kennt. «Das war sicher bei vielen Bauvorhaben ein Vorteil», ist er überzeugt. Gerade bei den vielen Strassenprojekten, die in seiner Amtszeit realisiert wurden, wusste er über die Begebenheiten vor Ort genau Bescheid und konnte einschätzen, was für die betroffenen Familien in abgelegenen Regionen von Wichtigkeit war.
30 Jahre Sumiswald mit einigen «Abzweigungen»
Dass er mal so lange auf der Verwaltung «seiner Gemeinde» berufstätig sein werde, das hat er allerdings als Schulbub kaum erahnt. Nach der obligaten Schulzeit absolvierte er zunächst die kaufmännische Lehre bei der RUWA in Sumiswald. Danach folgten der Militärdienst und verschiedene kleinere Anstellungen, bevor er sich 1985 auf eine Stelle in der Finanzverwaltung von Sumiswald beworben hatte. Der damalige Gemeindepräsident habe ihm aber eine Stelle in der Gemeindeschreiberei schmackhaft gemacht, weshalb er berufsbegleitend die Gemeindeschreiberschule besuchte. Im Anschluss an diese Schule machte er gleich auch noch die Ausbildung zum Bauverwalter, weil damals die Bauverwaltung noch zu den Aufgaben der Gemeindeschreiberei von Sumiswald gehörte. Nach diesem Ausbildungsabschluss blieb Fritz Kobel aber nicht in Sumiswald, denn er hatte das Bedürfnis, auch noch anderswo berufliche Erfahrungen zu sammeln. So wechselte er 1995 als Bauinspektor zum AGR (Amt für Gemeinden und Raumordnung) nach Burgdorf.
«Ich bin ein Landei»
Als aber der Kanton im Zuge von Sparmassnahmen die Ämter von Thun und Burgdorf aufhob und in Bern konzentrierte, war für Fritz Kobel die Zeit für einen Wechsel gekommen. «Ich bin ein Landei und wollte nicht in Bern berufstätig sein», begründet er. Der Regierungsstatthalter habe ihn damals auf eine offene Gemeindeschreiber-Stelle in Rüegsau aufmerksam gemacht, wo er sich bewarb und von 2004 bis 2011 blieb. Dann aber kam der Ruf der Gemeinde Sumiswald. «Der damalige Gemeindepräsident Roland Holzer ist auf mich zugekommen und hat mir gesagt, dass die Gemeinde eine Bauverwaltung aufbauen wolle. Das wäre doch etwas für mich.» Und diese Chance, wieder zurückzukehren, liess er sich nicht entgehen. «Damit konnte ich auch meiner Gemeinde, die mir zuvor meine Ausbildung ermöglicht hatte, wieder etwas zurückgeben.» Ab 2011 bis heute blieb Fritz Kobel Leiter der Bauverwaltung in Sumiswald.
Schreibmaschinen und Lochstreifen
Während seiner Sumiswalder Gemeindeverwaltungszeit hat sich natürlich einiges geändert im Arbeitsalltag. «Es ist eigentlich gar nicht so lange her, da haben wir noch mit der Schreibmaschine und Lochstreifen gearbeitet», wirft er einen Blick auf die Entwicklung durch die Digitalisierung, die zwar gewisse Aufgaben erleichtert habe, doch die Arbeit sei deshalb nicht weniger geworden, da neue Aufgabenbereiche in die Bauverwaltung integriert wurden. So etwa die Liegenschaftsverwaltung, bei der man auch Aufgaben im Personalwesen etwa bei der Anstellung von Hauswarten übernommen habe. Ebenso kamen das Abwasser, die Abfallentsorgung und der Werkhof noch hinzu. Die Digitalisierung habe auch zu mehr Schnelllebigkeit geführt. «Früher hatten Beschlüsse noch über eine längere Zeit ihre Gültigkeit gehabt. Heute können sich diese ein bis zwei Mal pro Jahr ändern.» Je nach politischer Zusammensetzung des Gemeinderates hätten sich auch deren Schwerpunkte geändert, verloren Themen, die zuvor im Vordergrund standen, an Bedeutung. «Und wir mussten dann jeweils umsetzen, was neu entschieden wurde.»
Werkhof als besonderes Highlight
Was hat ihn aber so fasziniert, dass er letztlich total 30 Jahre auf der Gemeindeverwaltung Sumiswald tätig war? «Das spricht sicher für einen attraktiven Arbeitsort. Das Arbeitsklima war immer gut und der Arbeitgeber stets sehr zuvorkommend», bestätigt Fritz Kobel. Daneben hat ihn vor allem interessiert, an der Entwicklung der Gemeinde mitwirken zu können. «Mein Amt bringt es mit sich, dass man auf gewisse Dinge in der Gemeinde Einfluss nehmen und Positives bewirken kann.» So nennt er als Beispiel die Verdichtung des Strassennetzes, die ihm ein besonderes Anliegen war. «Es ist sehr wichtig, dass die Menschen in den abgelegenen Gebieten eine gute Erschliessung haben und auch dort wohnen bleiben können.» Für sie habe man auf den total 200 Kilometern Gemeindestrassen eine gute Infrastruktur schaffen können. Ausserordentlich gefreut hat ihn auch die Realisierung des neuen Werkhofs, der jenen an der Marktgasse aus den 60er-Jahren endlich ablösen konnte. Ein Thema, das ihn schon ab 2011 seit Beginn seiner Sumiswalder Bauverwaltertätigkeit begleitet und mit der Eröffnung im Jahre 2020 einen gelungenen Abschluss gefunden hatte. «Rückblickend darf man sagen, dass sich dieser sehr bewährt», sagt er mit gewissem Stolz.
Dank Vernetzung helfen können
Wichtig waren ihm aber vor allem die individuellen Bedürfnisse der Menschen in der Gemeinde. Dank seinen Kenntnissen und seiner Vernetzung zu den kantonalen Ämtern sei es möglich gewesen, dass sich die Menschen von Sumiswald an die richtigen Stellen wenden konnten. Selbstredend gab es aber auch Situationen, in denen er sich eine andere Entwicklung gewünscht hätte. So seien vereinzelte Verkehrsprojekte aus politischen oder finanziellen Gründen nicht so umgesetzt worden, wie sie ursprünglich vorbereitet worden waren. «Für jemanden, der mit viel Herzblut engagiert ist, kann das ab und zu dann doch ein Dämpfer sein.»
Andreas Gasser wird Nachfolger
Mit Gemeindeschreiber Martin Affolter, der Sumiswald nach zehn Jahren verlässt, steht die Gemeinde vor gleich zwei gewichtigen Abgängen in der Verwaltung. Zudem haben zwei weitere Mitarbeitende der Bauverwaltung gekündigt. Kommt es zu einer spürbaren Zäsur? Fritz Kobel beruhigt. «Die Nachfolge ist geregelt.» Für ihn rückt Andreas Gasser nach, der bisher in der Gemeindeschreiberei tätig war und gegenwärtig die Ausbildung zum Bauverwalter macht. Dadurch könne gewährleistet werden, dass Sumiswald die Kompetenz bewahre, auch künftig über sämtliche Baubewilligungsverfahren selber zu entscheiden, sofern nicht die Gemeinde Bauherrin sei. Für Martin Affolter konnte Christine Hofer als Gemeindeverwalterin verpflichtet werden (Der «Unter-Emmentaler» berichtete).
Mehr Zeit für Enkelkinder
Für Fritz Kobel geht nun ein wichtiger Lebensabschnitt zu Ende. Wie sieht er seinem neuen Alltag entgegen? Wo-rauf freut er sich am meisten? «Meine Frau hat mir schon gesagt: Jetzt musst du dir ein Hobby suchen», lacht Fritz Kobel. Unter Druck gesetzt fühlt er sich aber nicht, im Gegenteil. In den nächsten Monaten wolle er sich vor allem Zeit nehmen, Zeit auch für seine drei Enkelkinder. «Als Bauverwalter ist man immer zu mindestens 100 Prozent angespannt und studiert an den anstehenden Geschäften herum. Dies abgeben zu können, tut schon gut. Deshalb habe ich mir bewusst nichts vorgenommen.» Sicher werde er auch wieder das eine oder andere rund um das Eigenheim in Angriff nehmen, das zuletzt liegengeblieben sei. Zudem würde er gerne eine Reise zu einem ehemaligen Schulkollegen in Kanada ins Auge fassen, den er sonst regelmässig alle drei bis vier Jahre besucht habe. Und sicher werde er auch mehr Zeit finden für sportliche Aktivitäten wie Tennis, Skifahren und E-Biken, keine verrückten Touren, aber doch auf und ab in den «Högern» rund um sein Sumiswald.
Herzlichen Dank
Zum Abschluss war es Fritz Kobel wichtig, Folgendes festzuhalten: «Ich möchte mich bestens bedanken für die gute Zusammenarbeit, aber auch jene um Verständnis bitten, die auf irgendeine Art zu kurz gekommen sind.»
Von Thomas Peter