Florian Bader ist erleichtert, dass die Lehrabschlussprüfung vorbei ist. Er hat sie als Bester in den Kantonen Bern und Solothurn mit der Note 5,7 abgeschlossen. · Bild: Yanick Kurth
Ein süsser Abschluss mit Bestnote
Zwölf Stunden praktische Prüfung und Monate des Trainings liegen hinter ihm: Florian Bader aus Rütschelen hat die Ausbildung zum Bäcker-Konditor EFZ mit der Gesamtnote 5,7 abgeschlossen – als Bester in den Kantonen Bern und Solothurn. Bei seinem Lehrbetrieb, der Bäckerei Schär in Huttwil, ist die Freude über den Erfolg des 18-Jährigen gross.
Rütschelen · Auch wenn sich Florian Bader in den letzten drei Jahren ausgiebig mit Süssem beschäftigt hat – dieser Moment dürfte selbst für ihn der allersüsseste der ganzen Ausbildung gewesen sein: Mit Disziplin und Fleiss hat der 18-Jährige aus Rütschelen die Ausbildung zum Bäcker-Konditor EFZ mit der Gesamtnote 5,7 abgeschlossen – als Bester in den Kantonen Bern und Solothurn.
Zwei Tage lang praktische Prüfung
Die Nervosität, die Florian Bader zu Beginn der praktischen Abschlussprüfung am 21. und 22. April noch begleitet hatte, wich rasch einer ruhigen Konzentration. «Nach kurzer Zeit war die Aufregung weg und ich konzentrierte mich voll und ganz auf die Prüfung», erzählt der 18-Jährige. Im Laufe der zwölfstündigen Lehrabschlussprüfung, die sich auf zwei Tage verteilte, fertigte der Bäcker-Konditor eine breite Palette an Backwaren an: darunter Brote, Zöpfe, Hefeschnecken, eine Mandarinenroulade, Spitzbuben, eine Schoggi-Himbeertraum-Torte oder belegte Brötchen. Das handwerkliche Geschick des jungen Bäckers beeindruckte das zweiköpfige Expertenteam in der Backstube der Bäckerei Schär, wo die Prüfung stattfand.
Einige Produkte durfte Bader selbst auswählen, andere wurden von den Experten vorgegeben. «Um rechtzeitig fertig zu werden, musste man parallel arbeiten und stressresistent bleiben», erklärt Bader. Jeder einzelne Arbeitsschritt wurde von den Experten beurteilt. Die Teigzubereitung, das Formen und Backen, aber auch der Schwierigkeitsgrad der Rezepte flossen in die Bewertung ein. «In der letzten Stunde bin ich nur noch herumgesprungen, um rechtzeitig fertig zu werden», erzählt der Naturliebhaber, der gerne wandert und Ski fährt.
Talent und Ehrgeiz
Am Ende des zweiten Prüfungstages wurden die Backwaren allesamt in der Bäckerei Schär präsentiert. Seine Familie, Freunde sowie Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen konnten die feinen Köstlichkeiten geniessen, die der Lernende während der beiden Prüfungstage hergestellt hatte. «Der Geschmack der Produkte wurde dabei nicht bewertet», ergänzt Bader. Der 18-jährige Bäcker wohnt zusammen mit seinen Eltern und sieben Geschwistern in Rütschelen. «Ich hatte mir im Vorfeld die Abschlussnote 5,5 als Ziel gesetzt. Dass es nun eine 5,7 wurde und ich damit der Beste in den Kantonen Bern und Solothurn bin, freut mich natürlich riesig», sagt Florian Bader schmunzelnd. Die freudige Nachricht hatte ihm sein Lehrmeister Patrick Schär nach Erhalt der Prüfungsergebnisse mitgeteilt. Seit 2014 hat zum ersten Mal wieder ein junger Mann im Kanton Bern als Bester abgeschlossen. Patrick Schär zeigt sich stolz: «Florian Bader ist ein ehrgeiziger junger Mann mit viel Talent. Begeisterung, Freude und Ehrgeiz sind in der Lehre der Schlüssel zum Erfolg.» Diese Eigenschaften habe er bei Bader schon früh erkannt. «Florian Bader hatte während der gesamten Lehrzeit keine Zeugnisnote unter 5,5 und war auch im Lehrbetrieb stets ein vorbildlicher Lernender», ergänzt Schär.
Patrick Schär hatte die Huttwiler Bäckerei Anfang letzten Jahres zusammen mit seiner Frau Andrea von sei-nen Eltern übernommen. Auch Florian Bader blickt gerne auf seine Ausbildung zurück: «Die Lehrzeit in der Bäckerei Schär war sehr vielseitig und lehrreich. Ich durfte viele eigene Ideen und Kreationen einbringen und auf ein erfahrenes Team zurückgreifen», erzählt er.
Viel Handarbeit
Seit seiner ersten Schnupperlehre in der siebten Klasse war für den Oberaargauer klar, dass er eine Ausbildung zum Bäcker-Konditor absolvieren möchte. Besonders angetan hatten es dem 18-Jährigen das Handwerkliche und die Möglichkeit, kreativ zu arbeiten. Durch seine Erfahrungen in der Backstube konnte der Lernende von Anfang an aktiv in die Produktionsprozesse einbezogen werden. In einer kleineren Landbäckerei bedeutet das allerdings auch viel Handarbeit. «Es gibt bei uns nur wenige Maschinen», sagt Bader. «Der Duft von frisch gebackenem Brot und das Gefühl, im Kleinen etwas Grosses geschaffen zu haben, zeichnen das Bäcker- und Konditorenhandwerk besonders aus.»
Wenn Florian Bader mitten in der Nacht kurz nach drei Uhr mit dem Elektrofahrrad zur Arbeit fährt, schlafen die meisten Menschen noch. Unter der Woche steht er um vier Uhr in der Backstube der Bäckerei Schär, samstags bereits um halb zwei Uhr nachts. So finden die Kundinnen und Kunden bei Ladenöffnung schon eine grosse Auswahl an frischen Backwaren vor. «Die Arbeitszeiten waren für mich nie ein Problem. Und das Gute daran ist: Man hat bereits am Mittag Feierabend», sagt der junge Bäcker schmunzelnd.
Ausbildung zum Confiseur und SwissSkills 2027
In Kürze verlässt Florian Bader die Bäckerei Schär an der Huttwiler Spitalstrasse. Nach einigen Wochen Urlaub beginnt er im August in einer Confiserie in Oberburg die Zusatzausbildung zum Confiseur. Zudem hat sich Bader mit seiner herausragenden Leistung für die SwissSkills 2027 qualifiziert. Bei der fünften Ausgabe der zentralen SwissSkills werden über 150 Berufe vorgestellt, die besten Berufstalente messen sich in mehr als 90 Berufsmeisterschaften. «Das freut mich natürlich», sagt Bader. Auch nach der Zusatzausbildung will der Oberaargauer dem Beruf treu bleiben, die Berufsprüfung absolvieren und weitere Erfahrungen sammeln. Nach dem wohlverdienten Urlaub geht es für den jungen Bäcker also als angehender Confiseur weiter – erneut frühmorgens, wenn die meisten Menschen noch schlafen.
Von Yanick Kurth