• Peter Mathys im Flyer-Gebäude, in dem er zuletzt als Hauswart tätig gewesen ist. · Bild: Reto Pfister

  • Peter Mathys hatte in seiner Funktion als Stabschef oft mit Markus Grossenbacher (rechts), dem ehemaligen Regierungsstatthalter im Amt Trachselwald, und danach im Verwaltungskreis Emmental, zusammengearbeitet · Bild: zvg

30.12.2025
Huttwil

Eine dankbare Aufgabe für die Bevölkerung

Peter Mathys tritt per Ende Jahr als Stabschef des Emmentaler Verwaltungskreisführungsorgans zurück. In dieser Funktion

koordinierte er die Einsätze bei Naturkatastrophen und erlebte den Wandel in Sachen Care-Teams und Social Media mit.

 

Peter Mathys ist Huttwiler durch und durch, hier aufgewachsen und heute noch hier wohnhaft. «Einen Baum verpflanzt man nicht», sagt er. 69 ist der ehemalige Feuerwehrkommandant mittlerweile. Zeit für ihn, seine letzten Funktionen abzugeben. Als Hauswart in den Flyer-Gebäuden in Huttwil hört er per Ende Jahr ebenso auf wie als Stabschef des Emmentaler Verwaltungskreisführungsorgans (VKFO). «Ich durfte eine dankbare Aufgabe für die Bevölkerung ausüben», sagt er, auf letztere Funktion zurückblickend. Obwohl sie viel Verantwortung beinhaltete, wie etwa die Koordination der Einsatzkräfte bei Naturkatastrophen. Eine Funktion, für die Mathys prädestiniert war. Als Feuerwehrkommandant in Huttwil stand er auch auf der lokalen Ebene an vorderster Front, und auch bei Grossanlässen in der Region stand er wiederholt in der Verantwortung. 

Noch keine Care-Teams
Mathys hatte den Beruf des Schriftsetzers erlernt und war anschliessend auch zehn Jahre in der Druckvorstufe bei der Druckerei Schürch tätig, die den Unter-Emmentaler herausgibt. Als junger Mann trat er in die Feuerwehr ein, und bald führte ihn auch sein hauptberuflicher Weg zu einer Organisation, die sich mit der Versorgung der Bevölkerung im Katastrophenfall beschäftigt. Mathys wurde Instruktor im Zivilschutz-Ausbildungszentrum in Aarwangen. In der Huttwiler Feuerwehr stieg er bis zum Kommandanten auf, war unter anderem OK-Chef des Verbandsturnfests 2008 in Huttwil. Die Fähigkeiten in Organisation und Führung konnte der Huttwiler auch in den letzten Tagen des Jahres 1999 einsetzen. Der Sturm Lothar war über Europa gezogen, überall mussten die lokalen Krisenstäbe in Aktion treten. Damals bestanden noch die alten Amtsbezirke, Huttwil gehörte dem Amt Trachselwald an. Es war noch eine andere Zeit, was den Umgang mit Katastrophen betrifft. Spezialisierte Care-Teams für die Einsatzkräfte, etwa mit psychologischer Ausbildung, gab es damals noch nicht. «Die Care-Arbeit leisteten wir damals in unseren Stuben, bei einem Bier», erinnert sich Mathys. Als die Amtsbezirke im Kanton Bern zu Jahresbeginn 2010 abgeschafft und durch die Verwaltungsregionen ersetzt wurden, stand der Huttwiler vor einem Problem. Die Grenze zwischen den neuen Verwaltungsregionen Emmental und dem Oberaargau wurde mitten durch den alten Amtsbezirk gezogen. Der Süden mit dem alten Amtssitz Trachselwald gehörte fortan zum Emmental, der Norden mit Huttwil zum Oberaargau. Der Huttwiler Mathys hätte also fortan nur noch im Oberaargau tätig werden dürfen. Die Emmentaler wollten ihn jedoch behalten, und so wurde das Gesuch um eine Ausnahmebewilligung gestellt. Das Gesuch wurde bewilligt. So wurde aus Peter Mathys vor 15 Jahren der Stabschef des VKFO Emmental.

Umgang mit Medien wichtig
Mathys stand bei einigen grossen Katastrophen in führender Position im Einsatz. Als am 8. Juni 2007 die ersten Meldungen kamen, dass die Langete nach heftigen Gewittern Hochwasser führe, war in Huttwil noch schönstes Wetter. Mathys schaltete vom einen auf den anderen Moment auf Hochbetrieb. «Es galt, die Leute zu warnen, dass es gefährlich sei, weiterzugehen», erinnert er sich. «Mulden und Bagger mussten organisiert werden, um das Bachbett wieder frei zu bekommen.» Es war schliesslich eine gewaltige Unwetterkatastrophe, die über das Tal hineinbrach, in Huttwil und Eriswil kamen drei Personen ums Leben. Zahlreiche Medienvertreter waren vor Ort. Mathys setzte einen erfahrenen lokalen Journalisten als Pressechef ein, der sich um diese kümmerte. Chauffierte aber auch selbst in Eriswil einen TV-Journalisten zu einem Platz, von wo dieser seine Livesendung machte.  «In solchen Situationen ist wichtig, dass die Medien die korrekten Informationen verbreiten und die geeigneten Leute als Gesprächspartner erhalten», sagt Mathys. Selbst vor die Kamera trat er allerdings nur selten, sondern überliess dies meist den Vertretern der lokalen Politik oder Fachleuten, wenn es zum Beispiel um spezifische Auskünfte etwa bei der Freilegung von Bachbetten ging. 2014 trat bei einem Jahrhundert-Unwetter in Schangnau die Emme über die Ufer; das Hochwasser verursachte Millionenschäden. «Auch da herrschte in Huttwil schönstes Wetter», erinnert sich Mathys. «Innert kurzer Zeit konnten wir vor Ort sein, unter anderem musste eine neue Brücke erstellt werden, um überallhin gelangen zu können.»

Social Media sorgt für Zustrom
Als am 4. Juli 2022 das Hotel Kemmeribodenbad in Schangnau überschwemmt wurde, war das Zeitalter von Social Media bereits längst angebrochen. Meldungen über Naturkatastrophen verbreiten sich so in kürzester Zeit auch an weiter entfernte Orte und rufen auch Personen auf den Platz, die nicht unbedingt erwünscht sind. «Es kommen Leute, die helfen wollen. Bei solchen Katastrophen braucht es Profis, Laien können nicht viel ausrichten», sagt Mathys. Auch bei den Medien kommen die Nachrichten schneller an. «Bei dieser Katastrophe hatten wir zwei Personen vor Ort, die sich nur um die Medien kümmerten.» Hauptberuflich orientierte sich Peter Mathys mit 55 noch einmal neu, nachdem er das Zivilschutz-Zentrum in Aarwangen verlassen musste. Fortan kümmerte er sich bei Flyer in Huttwil um den Händlersupport und organisierte auch Auftritte an internationalen Messen. Obwohl die Firma Flyer nicht mehr operativ tätig ist, ging Mathys auch in den letzten Jahren dort ein und aus. Ganz leer stehen die Gebäude nicht; 60 Personen arbeiten bei Biketec im Bereich Steuerungen, und immer sind noch viele Räder an Lager. Mathys ist als Hauswart dafür besorgt, dass im Gebäude alles funktioniert, Haustechnik und Beleuchtung gehören etwa zu seinen Aufgaben. Vor vier Jahren hätte er dort bereits in Rente gehen können, es gab auch ein Abschiedsapéro. Mit einem reduzierten Arbeitspensum von 40 Prozent machte er aber auch danach weiter. Nun, mit 69 Jahren, hat sich Peter Mathys entschlossen, kürzer zu treten. Der Sägerei-Unternehmer Simon Wüthrich aus Aeschau übernimmt den Posten des Stabschefs der VKFO, bei Flyer ist am 31. Dezember ebenfalls Schluss. Er freut sich darauf, mehr Zeit für seine Hobbys Rad- und Skifahren zu haben und zu Hause in seinem grossen Garten tätig zu werden. Mathys ist auch im Oldtimer-Verein in Huttwil aktiv, dort wird altes Feuerwehrmaterial gepflegt. Der Verein nimmt auch an Handdruckspritzenwettbewerben teil. «Meist sind wir hinter Rohrbach und Eriswil klassiert. Aber manchmal bezwingen wir sie, eine freundschaftliche Rivalität ist da.» 

Von Reto Pfister