Auf über 1000 Quadratmetern kann ab sofort in Langenthal direkt beim Bahnhof im Manola gebouldert werden. · Bilder: Leroy Ryser
Eine Lagerhalle wird zum Schmuckstück
Langenthal hat eine neue Sporthallen-Attraktion: Direkt beim Bahnhof feierte am vergangenen Samstag das Manola seine Eröffnung mit einem Tag der offenen Tür und hinterliess bei den Besuchenden Begeisterung. Ab sofort kann dort täglich «gebouldert» werden.
Bouldern · An der Langenthaler Eisenbahnstras-se 11 steht eigentlich eine gewöhnliche Industrie-Lagerhalle. So der Eindruck von aussen. Erst wer sich nach innen traut, wird überrascht und ist beeindruckt. Die wahrlich grosse Halle hat sich in den letzten Monaten in ein Schmuckstück verwandelt, das so manchen Sportfan in den nächsten Monaten und Jahren begeistern dürfte. Entstanden ist darin eine sogenannte «Boulder»-Halle, quasi eine Halle zum Klettern. Auf über 1000 Quadratmetern, verteilt auf zwei Etagen, kann hier gebouldert, also ohne Kletterseil an Kletterwänden geklettert werden. Hinter diesem Projekt stehen ein paar junge Männer und Frauen, die sich in Langenthal einen solchen Treffpunkt wünschten und ihn mittels Handarbeit und ganz viel Engagement realisiert haben. «Wir haben tatsächlich alles selbst gebaut. Alles selbst geschweisst, alles selbst zusammengesetzt. Vor Monaten war das hier eine leere Lagerhalle», erzählt Simon Uhlmann. Der in Rütschelen aufgewachsene 29-Jährige gehört zur mehrköpfigen Geschäftsleitung, die sich ein Herz gefasst und ihre Ersparnisse in den eigenen Traum investiert haben. Laut Uhlmann habe die Realisierung rund 850 000 Franken gekostet.
Das Leuchten in den Augen
Simon Uhlmann ist deswegen aber nicht nervös. Er glaubt an sein Projekt. «So etwas könnte man anders auch gar nicht realisieren. Wenn man das Leuchten in den Augen nicht sieht, glaubt auch eine andere Person nicht an ein solches Projekt», sagt er. Und heute dürfe er durchaus ein wenig stolz sein, sowieso sei die Freude riesig. «Ich hätte nicht damit gerechnet, dass das Resultat dann wirklich so toll werden würde», erzählt er, der nach seinem in Magglingen absolvierten Sportstudium mittlerweile professioneller Boulder-Trainer von Spitzenathleten ist. Belohnt wurden er und seine Kollegen bereits am Samstag ein erstes Mal für die harte Arbeit. Am Tag der offenen Tür, der offiziellen Eröffnung des Manola, kamen auf Anhieb zahlreiche Leute vorbei, schon um 10 Uhr habe es draussen eine Schlange gehabt, als erstmals geöffnet wurde. «Das ist wunderbar. Theoretisch hätte es auch sein können, dass niemand kommt. Aber es waren sofort 40, 50 Leute hier und das hat mich sehr gefreut.» Den Tag hindurch wurden es dann noch deutlich mehr und sofort wurden die zahlreichen Kletterwände dann auch von Gästen verschiedener Altersklassen getestet. Unterschiedliche Schwierigkeitsstufen werden angeboten, Wände, die man in der Neigung verstellen kann, um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, sind vorhanden, eine Trainingsecke fürs Krafttraining oder das Aufwärmprogramm steht bereit und zudem wurde ein abgetrennter Kursraum installiert, um beispielsweise Neueinsteiger oder auch Schulklassen ansprechen zu können.
Nur zum Kaffee oder zum Trainieren
Mit diesem breiten Angebot soll das Manola auch eine Alternative zu einem Fitness-Zentrum sein, kann doch auch hier ideal und facettenreich trainiert werden. «Geöffnet haben wir von Montag bis Freitag von 9 Uhr morgens bis 22 Uhr abends, an den Wochenenden schliessen wir jeweils um 18 Uhr», erklärt Simon Uhlmann. Möglich sei es indes auch, «nur zum Kaffee» vorbei zu schauen, das Bistro sei ständig geöffnet und bietet sogar Gesellschaftsspiele zum Zeitvertreib an. «Abgesehen von all den Geräten und den tollen Griffen, die wir verbaut haben, wollen wir vor allem auch, dass sich unsere Gäste hier wohl fühlen. Vielleicht schaffen wir hier für Stammkunden ein zweites Zuhause», hofft Simon Uhlmann. Sowieso will man mit diesem Angebot die Begeisterung für diesen Sport, der mittlerweile zu den Trendsportarten gehört, fördern.
Noch ein bisschen Fein-Tuning …
Für Simon Uhlmann ist klar: Langenthal braucht so etwas. Und durch die Nähe zum Bahnhof sei es auch möglich, Kunden von umliegenden Städten anzusprechen, selbst von Bern sei man in rund einer halben Stunde hier. «Am Freitagabend war ich den Tränen nahe, als wir die letzten Arbeiten umgesetzt hatten und bemerkt haben, dass es jetzt wirklich beginnt.» Man habe in den letzten Monaten viel Zeit miteinander verbrachten und sei als Familie zusammengewachsen. «Die Bauarbeiten werde ich sicherlich ein bisschen vermissen», meint Uhlmann, der auch künftig als «Routenbauer» für die einzelnen Kletter-Trails und deren Veränderung verantwortlich sein wird. Vorerst warte noch viel Arbeit auf die Crew, ein paar Feinheiten wolle man noch verbessern, einem erfolgreichen Start steht aber nichts mehr im Weg. «Wir haben ab sofort geöffnet», macht Simon Uhlmann zuletzt noch einmal Werbung. Und dass es sich lohnt, vorbeizuschauen, haben beim Tag der offenen Tür immerhin schon zahlreiche Besuchende feststellen können.
Von Leroy Ryser