In der Kunsthalle wurden die Projekte rund um die Sanierung des Stadions Schoren öffentlich ausgestellt. · Bilder: Leroy Ryser
Einem neuen Stadion einen Schritt näher
Das Sanierungsprojekt rund um das Eisstadion Schoren hat einen weiteren Meilenstein erreicht: Nachdem das innerhalb eines Architekturwettbewerbs gekürte Siegerprojekt ausgewählt wurde, haben nun alle Teilnehmer ihr Projekt im Zusammenhang mit einer Ausstellung in der Langenthaler Kunsthalle präsentieren dürfen. Auf politischer Ebene folgt im ersten Quartal 2026 dann der nächste Schritt.
Anfang Oktober hat die Kunsteisbahn Schoren in einer Mitteilung informiert, dass ein Architekturwettbewerb ein Siegerprojekt für die Sanierung der Kunsteisbahn Schoren hervorgebracht hat. Damit kam eine mögliche Sanierung der Eishalle wiederum einen Schritt näher. Am vergangenen Wochenende wurden nun die insgesamt fünf Projekte dieses Wettbewerbes in der Langenthaler Kunsthalle ausgestellt und der Öffentlichkeit präsentiert. Bereits am Donnerstagabend fand mit den daran beteiligten Personen, möglichen Nutzern und verschiedenen Behördenvertretern eine Vernissage statt. Marcel Born, Verwaltungsratspräsident der Kunsteisbahn Schoren AG, begrüsste dabei rund 70 Personen und informierte über ebendiesen Architekturwettbewerb. «In der Jury sassen fünf Fachrichter und vier Sachrichter. Zu den Sachrichtern gehörten je ein Vertreter von der Stadt Langenthal, der Kunsteisbahn Schoren, des Curling Clubs Langenthal und des Burgerrats Schoren.» Diese hätten dann die Projekte gemeinsam mit den Fachrichtern in punkto Qualität – das mit 50 Prozent Punkteanteil wichtigste Kriterium – Wirtschaftlichkeit, Qualifikation der ausarbeitenden Teams und zu erwartenden Planungskosten beurteilt, wobei sich eines eindeutig als das beste Projekt herauskristallisierte. «Von den insgesamt 500 zu sammelnden Punkten errang das Projekt von der Gruppe rund um die Rolf Mühlethaler Architekten starke 472 Punkte und überzeugte insbesondere in punkto Qualität und Wirtschaftlichkeit mit hohen Punktequoten.» Das zweitplatzierte Projekt habe gut 30 Punkte Rückstand gehabt, weshalb die Berner Gruppierung nun im Falle einer tatsächlichen Umsetzung der Sanierung das Projekt betreuen und umsetzen darf.
Ecken und Kanten bereiteten Freude
Das freut Rolf Mühlethaler, weil das Projekt Schoren ein aussergewöhnliches sei. «Das ist keine Eishalle auf der grünen Wiese. Wir haben das in unserem Team mehrmals besprochen und betont, dass dieses Projekt, weil es viele spezielle Begebenheiten mit Ecken und Kanten hat, etwas Besonderes ist und uns somit grosse Freude bereitet.» Der Schoren habe eine klare Charakteristik, einen sehr speziellen Stil und eine besondere Geschichte, die man erhalten wollte, erklärte Rolf Mühlethaler weiter. «Der Identität, auch mit seiner Entstehung und dem Beginn mit dem offenen Eisfeld, wollten wir Rechnung tragen. Das war für uns die Hauptherausforderung.» Auch weil dies gelang, kristallisierte sich das Projekt der Berner letztlich als Sieger heraus. Für Marcel Born hat es aber auch noch andere Gründe: «Ich kann mir gut vorstellen, dass es in diesem Stadion eine tolle Stimmung gibt. Für mich hat es den Eindruck von einem Hexenkessel und ich würde mich freuen, darin Spiele schauen zu dürfen.» Im weiteren sei das Projekt aber sehr «passend». Finanziell gesehen vernünftig, zudem löse es viele heute bestehende Probleme und passe gut in das von Einfamilienhäusern dominierte Schoren-Quartier. Das sei nicht zuletzt auch deshalb entscheidend, weil auch die Burgergemeinde Schoren damit einverstanden sein müsse, schliesslich muss zuerst noch der auslaufende Pachtvertrag für die Fläche verlängert werden.
Nächster politischer Schritt im 2026
Politisch gesehen stehen deshalb noch verschiedene Herausforderungen an. Zudem wird im ersten Quartal des kommenden Jahres im Stadtrat um einen weiteren Planungskredit debattiert, um das Projekt weiter voranzutreiben. Laut Gemeinderat Patrick Fluri geht es dabei um 600 000 Franken, die den nächsten Schritt der Planung ermöglichen, wobei das Projekt dann verfeinert wird. Danach soll im Jahr 2027 das Volk über eine mögliche Sanierung abstimmen. Wie hoch der Kredit dafür sein wird, ist indes noch nicht klar, aktuell ist das Siegerprojekt mit 28,6 Millionen Franken veranschlagt. «Das Ziel ist es, dass wir bei 25 Millionen Franken landen und dies wird von den Architekten als realistisch angesehen», erklärte Gemeinderat Patrick Fluri. Für die Finanzierung darf sich die Stadt Hilfe vom Kanton erhoffen, beispielsweise durch sogenannte NRP- oder auch Sportfonds-Beiträge, weiter müssen aber auch der Curling-Club sowie der derzeitige Hauptnutzer, der SC Langenthal, einen Teil beitragen, so der Gemeinderat. Und ebendieser Hauptnutzer war während der Vernissage vom Projekt begeistert. «Der SCL ist extrem dankbar und froh über dieses Projekt», kommentierte Walter Ryser als Verwaltungsratspräsident und ergänzte: «Heute sind wir an einem Punkt, den wir die letzten Jahre noch gar nie erreicht haben. Wir sehen Licht am Ende des Tunnels und sind froh, stolz und dankbar, dass wir mit einem gekürten Siegerprojekt nun einen weiteren Schritt nach vorne gehen können.» Dieses entspreche derweil den Vorstellungen des Eishockeyclubs und sorge für Zufriedenheit. «Viele unserer Vorgaben konnten hier umgesetzt werden, ausserdem macht es optisch einen guten Eindruck und ist rein vom Gefühl her ein schönes Stadion», erklärte der SCL-Verwaltungsratspräsident weiter.
Deutliche Verkleinerung
Bei der Vernissage sorgte die Zukunftsvision vom neuen Schoren also grösstenteils für Freude. Misstöne gab es im Vorfeld und im Zusammenhang mit dem gekürten Siegerprojekt aus nur einem Grund: Dass das Gewinner-Projekt nicht aus Langenthal stammt, sorgte nicht nur für Begeisterung, dass der durchaus prestigeträchtige Auftrag für die Sanierung auf Bern vergeben wurde, gab zu Diskussionen Anlass. «Bei der öffentlichen Ausschreibung nahmen zu Beginn 15 Architektur-Teams teil, eines davon stammte aus Langenthal», erklärte Marcel Born die Ausgangslage, zuletzt haben fünf Architektur-Büros ein Projekt eingereicht. Ein solches kam von einer Langenthaler Firma, dieses konnte sich bei den Sach- und Fachrichtern aber nicht durchsetzen. «Wir hätten natürlich auch gerne mit einer Langenthaler Firma zusammengearbeitet, können mit dem Siegerprojekt aber gut leben, weil es ein gutes Projekt ist», kommentierte derweil Walter Ryser vom SC Langenthal, der bei der Bewertung der Projekte kein Stimmrecht hatte. Für das Siegerprojekt gibt es also fachlich und sachlich gesehen gute Argumente, auffällig war am Resultat hingegen etwas anderes: Mit nur gerade 2600 Plätzen würde der Schoren, der heute 4002 Plätze bietet, bei einer direkten Umsetzung des Siegerprojektes wesentlich verkleinert. «Bei einer ersten Zwischenbesprechung stellten wir fest, dass die Kosten für eine Sanierung gemäss dem von uns erstellten Anforderungskatalog zu hoch wären. Deshalb musste dieser Katalog überarbeitet werden, weshalb beispielsweise die Zuschauerkapazität verringert wurde, um Kosten zu sparen», beantwortete Marcel Born derweil diese Frage. Dies sei entscheidend, um hoffentlich auch die nötigen Stimmen bei einer Volksabstimmung für die Sanierung zu erhalten. Dies zeigt sich dann im Jahr 2027. Dort steht dann die letzte Hürde an, ehe das Schorenstadion nach jahrelangen Debatten doch noch saniert werden könnte.
Von Leroy Ryser