Der 20-jährige Huttwiler Verteidiger Tim Mathys hat es ins Profiteam der SCL Tigers geschafft. Auf dem Bild duelliert er sich mit Nicolas Baechler von den ZSC Lions um den Puck. · Bilder: Keystone, zvg
«Einen riesigen Schritt vorwärts gemacht»
Via den Nachwuchsstufen der SCL Young Tigers sowie einem Auslandsjahr in einer Juniorenliga in Amerika hat es der 20-jährige Huttwiler Tim Mathys in das Profikader der SCL Tigers geschafft. Der Verteidiger stand bei allen bisherigen National-League-Spielen 2025/26 der Emmentaler auf dem Eis.
Interview: Stefan Leuenberger im Gespräch mit Tim Mathys, Eishockeyspieler aus Huttwil
Ihr Vater Jürg Mathys ist ein leidenschaftlicher Eishockeyfan und Senioren-Eishockeyspieler. Wie viel vom Eishockey haben Sie von ihm in die Wiege gelegt bekommen?
Seine Eishockey-Begeisterung hat dazu geführt, dass ich schon im Alter von drei Jahren auf dem Eis stand. Und von Beginn weg hatte ich einen Eishockeyschläger in den Händen. Ebenfalls Eishockey-Faszination bekam ich von meinem Grossvater vorgelebt, der während 40 Jahren die Spiele der SCL Tigers besucht hat.
Und weshalb fanden Sie den Eishockeysport so toll?
Ich habe vorher Fussball gespielt und – unter meinem Vater als Trainer – bei der LV Huttwil die Leichtathletik ausgeübt. Aber Eishockey hat mir ganz klar am besten gefallen.
Wann und wie haben Sie erkannt, dass Sie kein Stürmer, sondern ein Verteidiger sind?
Ich habe es nicht erkannt. Mein damaliger U13-Trainer Niklas Lundman war es. Er meinte, dass ich in die Verteidigung müsse, weil ich der einzige Spieler sei, der rückwärts Schlittschuhlaufen könne. Ich fand das nicht so toll, weil ich Tore schiessen wollte. Heute liebe ich meine Position, würde nicht mehr tauschen. Ich kann mich auch als Verteidiger offensiv entfalten.
Die Goalie-Position war bisher nie ein Thema?
Als ganz kleiner Junge stand ich ab und zu zwischen den Pfosten. Aber es hat sich nicht durchgesetzt.
Wie kam es, dass Sie vor Ihrem Engagement bei der U15 des SC Langenthal für die Huskys Region Schallenberg gespielt haben?
Begonnen habe ich in Huttwil. Als es dort kein Eis mehr gab, habe ich zu den SCL Young Tigers gewechselt. Die Huskys gehören zur Organisation «Hockey Country». Ich spielte da einige wenige Partien, ehe ich mit einer B-Lizenz zu Langenthal wechselte, weil es mir bei Langnau nicht ins U15-Elit-Team reichte.
Via SC Langenthal haben Sie auf die Saison 2018/19 zurück zu den SCL Tigers gewechselt.
Die Tigers wollten mich nicht mehr ausleihen. Ich bekam einen Platz im U15-Elit-Team.
Sie durchliefen bei Langnau die U15- bis U20-Stufen. Wer hat Sie dort am meisten gefördert?
Ach, alle Trainingsleitenden haben mir viel geholfen. Es begann schon bei Langenthal unter Olivier Horak. Dann konnte ich bei Langnau viel von Jörg Reber und Samuel Balmer profitieren.
Auf die Saison 2023/24 wechselten Sie zu den El Paso Rhinos in die North American Hockey League. Wieso der Wechsel nach Texas in eine Junioren-Eishockeyliga?
Ich wollte das immer mal tun, einmal in Amerika zu spielen. Nach dem zweiten U20-Jahr wurde mir die Möglichkeit geboten. Es war die letzte Chance, weil ich sonst dem Juniorenalter entwachsen wäre. Darum habe ich mich zu diesem Schritt entschieden. Das Jahr hat grossen Spass gemacht. Ich habe mich ein Jahr lang nur mit Eishockey beschäftigt. Es war hart und kein einfaches Jahr. Allerdings habe ich in Amerika einen riesigen Schritt vorwärts gemacht.
Nach nur einem Jahr erfolgte die Rückkehr in die Schweiz.
Ich hätte noch ein zweites Jahr in Amerika spielen können. Doch ich erhielt von den SCL Tigers das Angebot, ein Teil der ersten Mannschaft zu sein.
Sie sind dann in der Saison 2024/25 allerdings nur zu vier Kurzeinsätzen in der NLA gekommen. Sie landeten beim Partnerteam Ihres Stammvereins SCL Tigers, dem EHC Chur. In der NLB, der Swiss League, spielten Sie die gesamte Saison. In diesem Team fühlen Sie sich wohl.
Es ist nicht einfach, sich in der NLA durchzusetzen. Und für mich war dieses Zwischenjahr in Chur ideal. Meine Weiterentwicklung wurde fortgesetzt. Ich habe erneut dazugelernt. Mit den Gebrüdern von Arx, die als Trainer amten, hatte ich ein hervorragendes Verhältnis.
Nun, auf diese Saison hin, erfolgte die nicht gerade erwartete Wende. Sie wurden von den SCL Tigers ins Kader berufen, weil sich der Finne Juuso Riikola verletzte. Wie kurzfristig erfolgte dieses Aufgebot?
In der Tat hatte die Verletzung von Riikola keinen Einfluss. Ich hatte die Zusicherung, dass ich als siebter Verteidiger in die NLA-Saison starte. Im Startspiel, als Riikola noch mitspielte, stand ich ebenfalls im Einsatz. Seine Verletzung bewirkte einzig, dass ich in die erste Linie wechseln durfte, was natürlich super ist.
Seit Saisonbeginn spielen Sie in der NLA für die Emmentaler. Sie haben die Chance genutzt. Bei allen bisherigen Einsätzen haben Sie überzeugt – und, für einen Neuling eher ungewöhnlich, viel Eiszeit erhalten.
Ich gebe immer mein Bestes. Jetzt auf höchster Stufe zu spielen, bereitet mir keinen Druck. Viel mehr Druck hatte ich vorher, als es darum ging, den Sprung in das Siebner-Verteidigerkader zu schaffen. Nun nehme ich einfach Spiel für Spiel.
Was passiert mit Ihnen, wenn Sie in einem Stadion mit lauter feurigen Tigers-Fans Ihre grosse Leidenschaft ausüben können?
Ich durfte in Amerika schon vor vielen Leuten spielen. Die Partien wurden von 3000 bis 6000 Leuten verfolgt. Ich kannte dies also schon ein wenig. Aber es ist schon noch ein anderes Level. Ich bin eigentlich ein ruhiger Typ. Aber vor dem ersten Heimspiel in Langnau war ich ein bisschen nervös. Und ein Gefühl wie jenes, als wir daheim die ZSC Lions geschlagen haben und anschliessend mit den eigenen Fans jubeln konnten, kann ich einfach nur mit dem Wort «geil» umschreiben.
Hat sich durch Ihre plötzlichen NLA-Einsätze im Salär etwas verändert?
Nein. Es bleibt unverändert. Ich bin mit meinem Entgelt zufrieden. Ich kann damit meinen Unterhalt bewältigen.
Haben Sie Angst davor, irgendwann auf der Tigers-Bank Platz nehmen zu müssen?
Darüber mache ich mir keinen Kopf. Ich nehme einfach Spiel für Spiel – und gebe stets mein Bestes. Mehr kann ich nicht tun.
Wenn es zu mehreren Wochen ohne Einsätze kommen würde: Wünschten Sie sich dann eher, in der Swiss League beim EHC Chur eine Liga tiefer zu spielen, statt in der National League bei den Tigers auf der Bank zu sitzen?
Zum Glück habe ich verständnisvolle Trainer in Langnau. Sie würden mich bei einer solchen Situation nicht verhungern lassen. Sie würden mich früh darüber informieren und mir Spielzeit in Chur anbieten.
Neben Ihnen spielen auch der Huttwiler Luca Christen (EHC Biel) und Andro Kaderli aus Häusernmoos (Leksands IF, höchste schwedische Liga) auf höchstem Niveau Eishockey. Haben Sie Connections zu den beiden?
Ich kenne beide Spieler. Allerdings habe ich mit beiden nicht grossen Kontakt. Mit Andro habe ich in Langnau gespielt. Wir schreiben uns gelegentlich. Ich freue mich für die beiden, dass sie so erfolgreich Eishockey spielen.
Trotz Ihrem Talent wurden Sie in keiner Altersstufe für die Nationalmannschaft aufgeboten. Sind Sie enttäuscht?
Klar, es wäre schön gewesen, einmal in einer Junioren-Nati spielen zu dürfen. Aber das war kein Thema, weil ich schlicht nicht gut genug dafür war. Daher bin ich auch nicht enttäuscht. Ich habe erst im zweiten U20-Jahr körperliche Fortschritte gemacht. Vorher war ich klein und ohne Durchschlagskraft. Ich bin dann stark gewachsen, habe körperlich wie auch technisch grosse Fortschritte gemacht.
Wie realistisch sehen Sie ein Aufgebot für die A-Nationalmannschaft?
Ich will mich jetzt bei den SCL Tigers auf höchstem Schweizer Niveau von meiner besten Seite zeigen. Ein weiterer Schritt dürfte als langfristiges Ziel bezeichnet werden. In ein paar Jahren könnte es – wenn ich weiter hart an mir arbeite – realistisch sein.
Steckbrief Tim Mathys
Rufname: Timi, Mathys
Wohnort: Huttwil
Geboren: 15. Dezember 2004
Grösse: 190 cm
Gewicht: 81 kg
Sternzeichen: Schütze
Familie: Vater Jürg, Mutter Ursula, Schwester Mara
Beruf: Kaufmännischer Angestellter
Hobbys: Golf, Fischen
Farbe: Rot
Kleidung: Was am schnellsten geht
Essen: Schnipo
Getränk: Coca-Cola
Musik: Country
Lektüre: lese ganz selten
TV: Schaue Sportdokus, Filme und Serien auf Netflix