• Im April siegte Roger Bürli am Seetaler Schwinget in Hochdorf. · Bild: Michèle Seeholzer

  • Duell gegen den amtierenden König Joel Wicki am Luzerner «Kantonalen» im Jahr 2022. · Bild: Keystone

  • Auf der Schwägalp gewinnt der Hüswiler Roger Bürli im zweiten Gang gegen Andreas Ziegler aus Kaltbrunn. · Bild: René Burch

22.08.2025
Sport

«Einfach gesund bleiben ist das höchste Ziel»

Der 28-jährige Roger Bürli bestreitet in Mollis sein drittes Eidgenössisches Schwingfest. Der 17-fache Kranzschwinger lebt seit einem Jahr in Hüswil. Der «UE» stellt den Autowerkstattleiter vor.

Interview: Stefan Leuenberger im Gespräch mit Roger Bürli, Schwinger aus Hüswil 

Wie ist Ihr Fitness- und Gesundheitszustand eine Woche vor dem Eid­genössischen Schwingfest 2025 im Glarnerland?
Beides ist sehr gut, was mich natürlich speziell motiviert.

Sie wohnen in Hüswil. Allerdings noch nicht sehr lange.
Ich arbeite schon seit über zehn Jahren in der Dorfgarage Wagner in Zell. Einen näheren Arbeitsweg zu haben, war einer der Gründe für den Umzug. Ein anderer, dass sich meine Partnerin und ich nach einem etwas kostengünstigeren, aber trotzdem schönen Wohnort umgeschaut haben. Seit Juni 2024 wohnen wir nun in Hüswil.     

Nach wie vor sind Sie Mitglied im in Ruswil beheimateten Schwingklub Rottal. Haben Sie sich noch nie
überlegt, zu den näher gelegenen Schwingklubs Huttwil oder Sumiswald zu wechseln?
Nein, diesen Gedanken habe ich noch nie gehabt. Ich bin via Schwingklub Wiggertal zum Schwingklub Rottal gekommen. Und dort fühle ich mich sehr wohl. Den Weg ins Training nehme ich deshalb gerne auf mich. 

Haben Sie vor dem Schwingen eine andere Sportart ausgeübt?
Ich habe vor und auch während dem Schwingen das Ringen ausgeübt.   

Wie sind Sie ins Sägemehl gekommen?
Damals war ich bei den Willisauer Ringern, die in Willisau direkt neben den Schwingern trainiert haben. Der damalige Nachwuchs-Technikleiter des Schwingklubs Wiggertal hat mich 2004 angefragt, ob ich nicht einmal das Schwingen probieren wolle. Dies habe ich getan. Bis 2014 habe ich dann beide Sportarten ausgeübt. Verletzungstechnisch habe ich mich dann nur noch auf das Schwingen, welches mir auch besser gefällt, konzentriert.     

Was fasziniert Sie am meisten an der urtypischen Schweizer Zweikampfsportart?
Ich mag die Zweikampf-Sportarten generell. Beim Schwingen sind die Geselligkeit und die Bodenständigkeit wunderbar. Die Schwinger und die Schwingfans sind liebenswerte und offene Menschen. Ausserdem muss ich beim Schwingen nicht ins Ausland reisen.

Sie haben bisher 17 Kränze gewonnen. Welcher geniesst den höchsten Stellenwert? 
Das ist der Bergkranz auf dem Stoos in diesem Sommer. 

Die Kranzpremiere erlebten Sie am Luzerner Kantonalschwingfest 2016 in Escholzmatt (Rang 6a)? Erinnern Sie sich?
Sehr gut sogar. Es war wettertechnisch ein sehr düsterer und regnerischer Tag. Trotz den «Glunggen» auf dem Festplatz war es für mich natürlich ein besonderer Tag. 

Wenn Sie sich an alle Ihre bisherigen gewonnenen Gänge zurückerinnern – welcher Sieg bleibt in besonderer Erinnerung?
Heuer auf dem Stoos konnte ich Lario Kramer im Kampf um den Kranz besiegen. Ebenfalls auf dem Stoos konnte ich 2017 den «Eidgenossen» Mario Thürig bezwingen. Natürlich ist auch mein erster Sieg gegen einen «Eidgenossen» präsent. Das war 2016, als ich den Mümliswiler Remo Stalder auf den Rücken legen konnte. 

Mit dem Eidgenössischen Schwingfest (ESAF) in Mollis steht das klare Highlight des Schwingjahres 2025 bevor. Was bedeutet Ihnen die geschaffte Qualifikation. 
Sehr viel, weil sie nicht selbstverständlich ist. Es braucht auch immer Glück, um bei diesem Schwingsport-Highlight dabei zu sein. Ich weiss, wovon ich spreche, weil ich in der Vergangenheit sehr oft verletzt war. 

Es ist bereits Ihr drittes ESAF.
Exakt. In Estavayer-le-Lac 2016 konnte ich nur sechs Gänge schwingen (Rang 29c). Drei Jahre später in Zug habe ich alle acht Gänge bestritten und den Rang 18 f belegt. Am ESAF 2022 in Pratteln musste ich verletzt passen. Die Vorfreude ist riesig, dass ich nun ein drittes Mal bei diesem ganz besonderen Schwinganlass aktiv mit dabei sein darf.   

Die logische Zielsetzung bei Ihrem  ESAF-Steigerungslauf wäre für Mollis der Kranzgewinn.
Genau. Mein grundlegendes Ziel lautet allerdings, mein bestes Schwingen zu zeigen. Gelingt mir dies, wird es zu acht Gängen reichen. Ob es dann auch zu einem Kranzgewinn reicht, wird sich weisen. Vor allem möchte ich am ESAF aber gesund bleiben. Das ist
in jedem Training und an jedem Schwingfest mein höchstes Ziel.   

Der Gabentempel am ESAF ist gigantisch. In welche Richtung könnte Ihre Preisauswahl gehen?
Ich hätte gerne ein schönes Andenken, weil die Teilnahme an einem «Eidgenössischen» etwas Besonderes darstellt. Darum würde ich eine gravierte Gabe bevorzugen. 

Auf was freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an das ESAF denken?
Auf ein cooles Fest an beiden Tagen  sowie tollen Schwingsport.

Werden Sie in Mollis Fans vor Orthaben?
Meine Freundin, meine Eltern und zwei meiner vier Schwestern werden anwesend sein. 

Wann reisen Sie nach Mollis – und wo übernachten Sie?
Ich werde am Freitagnachmittag selber anreisen. Anschliessend bewege ich mich aber in der Innerschweizer Delegation, welche die Unterkunft am Kerenzerberg hat.  

Wer wird Schwingerkönig 2025?
Ein Innerschweizer natürlich; Joel Wicki, denke ich.  

Und wer könnte Wicki im Schlussgang gegenüberstehen?
Samuel Giger.

Was trauen Sie dem 102-fachen Kranzschwinger Aeschbacher Matthias zu, dem klar erfolgreichsten Schwinger in Ihrer neuen Wohn­region?
Sehr viel. Er ist ein absoluter Topschwinger. Er bringt alles mit, um das Fest in Mollis gewinnen zu können. Ich habe schon ein paar Mal mit ihm gesprochen. Er ist ein sehr netter und lockerer Typ. Ich würde ihm den Sieg gönnen.  

Was möchten Sie im Schwingen unbedingt noch erreichen? 
Ich möchte meinen Sport noch möglichst lange gesund ausüben. Ich war in meiner Karriere so oft verletzt. Wegen meinen insgesamt drei Kreuzbandrissen konnte ich aufgerechnet während vier Saisons das Schwingen nicht ausüben. Darum bin ich dankbar, wenn ich einfach gesund mein geliebtes Hobby ausüben darf – und nehme Saison für Saison.