• Die Leichtathletik – am liebsten ausgeübt in «seinem» Sportzentrum in Schwarzenbach – ist eine grosse Herzensangelegenheit von Jürg Schürch. Nach 39 Jahren gibt er nun das Amt als Präsident der Leichtathletik-Vereinigung Huttwil ab. · Bilder: Stefan Leuenberger

  • Jürg Schürch mit einer LVH-Truppe im Jahr 2012.

  • Jürg Schürch mit LVH-Nachwuchsleuten anlässlich der Eröffnung der Huttwiler 400-m-Rundbahn im Jahr 2005.

  • Unvergessen bleiben die unter OK-Präsident Jürg Schürch von der LV Huttwil organisierten Abendläufe in Huttwil. Schürch 1993 mit den damaligen LVH-Aushängeschildern Diamantino Silveiro dos Santos und Jana Kucerikova.

28.03.2025
Sport

«Es war eine wunderbare Zeit»

Eine Ära geht zu Ende: Der 75-jährige Huttwiler Jürg Schürch gibt nach 39 Jahren das Präsidium der Leichtathletik-Vereinigung Huttwil ab. Der «UE» unterhielt sich mit dem charismatischen Huttwiler Schaffer.

Interview: Stefan Leuenberger im Gespräch mit Jürg Schürch, Präsident LV Huttwil · Eine Ära geht zu Ende: Der 75-jährige Huttwiler Jürg Schürch gibt nach 39 Jahren das Präsidium der Leichtathletik-Vereinigung Huttwil ab. Der «UE» unterhielt sich mit dem charismatischen Huttwiler Schaffer. 

Am 1. Februar 1986 wurde die Leichtathletik-Vereinigung unter Ihrer Leitung gegründet. Erinnern Sie sich daran?
Die Begeisterung damals in Huttwil und der Umgebung war gross. Die Leute fanden es toll, dass gezielte Leichtathletik nicht mehr nur in Langenthal, Burgdorf oder Bern ausgeübt
werden kann. Ich erinnere mich an unsere Gründungsversammlung in der «Krone».    

39 Jahre lang haben Sie nun das LV-Schiff gesteuert. Nun tritt der Captain, die Person, die für die LV Huttwil steht, ab. Und zwar an der LVH-Hauptversammlung heute Abend im Restaurant Stadthaus. Ein schwieriger Moment für Sie?
Überhaupt nicht. Es ist in meinem Sinn. Ich habe nun alle meine Präsidenten-Ämter abgegeben. Es ist Zeit dafür. Ich verspüre Altersbeschwerden. Regelmässig habe ich starke Rückenschmerzen. Auch die Hüfte spielt nicht mehr so mit wie früher. 

Eine kurze Zeit lang sah es so aus, als ob mit Ihrem Abgang auch die LV Huttwil ihr Ende findet. Nun konnte nach intensiven Bemühungen doch noch ein neuer Vorstand zusammengestellt werden. Es geht weiter.
Und darüber freue ich mich besonders. Ich bin überzeugt, dass Kurt Wüthrich mit seiner neuen Crew einen guten Job macht und die mir stark am Herzen liegende LV Huttwil erfolgreich weiter führt.  

Wie sehen Sie die Zukunft der LV Huttwil? Die Leichtathletik hatte einen hohen Stellenwert, wovon Sie profitiert haben. Mitte der 1990er-Jahre zählte die LV Huttwil über 100 aktive Mitglieder. Heute stehen Trendsportarten oder gar kein Sport treiben bei den Jugendlichen höher im Kurs.
Das ist ein grosses Problem. Und kaum zu verhindern. Ich glaube aber stark daran, dass auch die gezielte Leichtathletik in Huttwil und Umgebung ihre Daseinsberechtigung hat. Gerade jetzt, wo Swiss Athletics so viele tolle Erfolge feiert, dürfte das Interesse der Jungen an der Leichtathletik auch wieder steigen. 

Die LV Huttwil sah sich immer als Ausbildungsverein von jungen Leichtathletiktalenten. Bleibt dies so?
Wir hatten immer wieder vereinzelte Mitglieder, welche im Aktivbereich für Schlagzeilen und grosse sportliche Erfolge gesorgt haben. Im Wissen, dass ich etliche Namen vergesse und dies nicht böse meine, denke ich gerade an Leute wie Regula May-Geissbühler, Karin Nyffenegger-Bieri, Michel Edzimbi, Elsbeth Lüdi, Yvonne Tschumi-Ryser oder Ueli Horisberger. Primär war es aber immer so, dass wir vor allem den interessierten Knaben und Mädchen in unseren Trainings die Leichtathletik näher bringen wollten. Mit unserer Förderung konnten wir viele Erfolge feiern. So haben zuletzt LVH-Talente wie Jonas Leuenberger, Fiona Leuenberger, Alicia Schär oder Micha Rutschmann zu renommierten Leichtathletik-Vereinen gewechselt und treiben dort ihre Karrieren weiter voran.   

In vier Jahrzehnten haben Sie als LVH-Presi, der auch immer als Trainer aktiv war, viel erlebt. Neben zigtausenden von Trainingsstunden und vielen Wettkampfbesuchen dürften die Trainingslager in Locarno, Latsch oder Mandelieu in besonderer Erinnerung bleiben.  
Es war eine wunderbare Zeit. Wir sind mit einem Grossaufgebot in diese einwöchigen Lager gereist, die immer im Spätfrühling direkt vor Beginn der Leichtathletik-Saison stattfanden. Die LVH ist in diesen Lagern jeweils zu einer grossen Familie zusammengewachsen. Von diesem Spirit konnte jeweils die ganze Saison gezehrt werden.   

Sie sind einer der bekanntesten «Macher» des «Huttu-Städtlis». Auch bei der LV Huttwil haben Sie ganz viele und unvergessene Anlässe orga­nisiert. Wie am 7. März 1999, als auf dem damaligen Sportzentrum-Areal die Schweizer Meisterschaft im Crosslauf ausgetragen wurde. 
Ein sagenhafter Anlass mit gewaltigem Publikumsinteresse. Die Strecke mussten wir damals noch vom Schnee befreien. Am Wettkampftag taute es, womit es zu diesem harten Morastrennen kam, von dem in der ganzen Schweiz berichtet wurde. Anita Weyermann, der damalige Stern am Schweizer Leichtathletik-Himmel, wurde vom Schweizer Fernsehen auf Schritt und Tritt verfolgt. Weyermann gewann schliesslich sowohl das Kurz- wie auch das Langcross. 

Ein Meilenstein waren auch die zehn Austragungen des legendären Huttwiler Abendlaufs von 1986 bis 1996 mitten im Städtli. Hobby-, aber auch Weltklasse-Athleten nahmen daran teil. 
Das war genial. Es lockte Leute aus der ganzen Schweiz an den Start in Huttwil. Sogar viele Ausländer traten an. Wir hatten Austragungen, die bei der Elite besser besetzt waren als der Grand-Prix von Bern. Die Kenianer Patrick Sang (Sieger 1991), Andrew Eyapan (Sieger 1994) oder Christopher Chemitei (Sieger 1996) begeisterten das Publikum. André Bucher, der spätere 800-m-Weltmeister, feierte am Huttwil Abendlauf beim Nachwuchs seine ersten Siege. Damals verfügte auch die LV Huttwil über Elite-Leute. Alena Mocariova und Jana Kucerikova aus Tschechien gewannen die Frauen-Eliterennen in Huttwil von 1990 bis 1994 (je zwei Siege). Und mit dem Brasilianer Diamantino Silveiro dos Santos siegte 1993 ebenfalls ein Athlet der LV Huttwil. 

Nennen Sie mir Ihr absolutes Highlight in vier Jahrzehnten LV Huttwil?
Ich habe so viele schöne Anlässe, Lager und Trainings organisiert, dass ich keines hervorheben möchte. Ich war bei allem mit grösstem Herzblut dabei. 

Nach dem seit dem 2. August 1997 existierenden Nationalen Sport- und Kulturzentrum (heute Campus Perspektiven), bei dem Sie 2010 Ihre Tätigkeit niederlegten, beenden Sie nun bei der LV Huttwil auch die aktive Mithilfe an Ihrem zweiten Lebenswerk. Hatten Sie als Gründer und Schaffer des Sportzentrums nie das Gefühl, wieder einsteigen zu müssen?
Nein, nicht unbedingt. Ich habe ja nach meiner Tätigkeit als Sportzentrum-Geschäftsführer noch ganz viel Zeit vor Ort verbracht. Ich besuchte die Anlässe und die Eishockeyspiele. So bin ich dabei gewesen – einfach ein bisschen anders. 

Glauben Sie auch beim zweiten Lebenswerk, der LV Huttwil, nicht mehr einschreiten zu müssen? 
Man muss auch loslassen können. Ich beobachte gerne aus der Ferne, wie sich die LV Huttwil entwickelt. Die Jungen sollen jetzt aktiv sein. 

Sie waren ja auch politisch stark aktiv als Grossrat und Gemeindepräsident von Huttwil. Wie engagieren Sie sich heute politisch? 
Ich verfolge alles nur noch medial. 

Als «Jürgdampf in allen Gassen» haben Sie in Huttwil Kultstatus. Mittlerweile sind Sie 75 Jahre alt. Was tun Sie den ganzen Tag? Ist Ihnen nicht langweilig ohne die vielen Engagements?
Es ist gut, wie es ist. Ich habe soviel gemacht. Jetzt ist es mir recht, wenn ich einfach ein bisschen im Garten arbeiten kann. Gerne unternehme ich kleine Wanderungen mit meiner Frau. Ausserdem kümmere ich mich um meine Frau, die mit Altersbeschwerden zu kämpfen hat.