• Die beiden Trüffel-Enthusiasten Ivo Sonderegger (links) und Roland Wälti (rechts) mit Daniel Gaberell.

  • Herbert Rentsch mit Foto aus dem Jahrbuch – von ihm geschossen frühmorgens in Herzogenbuchsee.

08.11.2024
Oberaargau

Facettenreiches «Jahrbuch Oberaargau 2024»

Anlässlich einer Buchtaufe wurde kürzlich die 67. Ausgabe «Jahrbuch Ober­aargau» vorgestellt. In frischem Design und auf 144 Seiten bietet dieses aktuelle Werk spannende Geschichten zu Gesichtern und Orten aus der näheren Umgebung.

Oberaargau · Seit 1958 erscheint das «Jahrbuch Oberaargau», das jeweils mit allerlei Wissenswertem und Spannendem aus der Region aufwartet. Verleger Daniel Gaberell (Riedtwil), Präsident der Jahrbuchkommission, Leiter der Redaktion und der Geschäftsstelle «Jahrbuch Oberaargau», hiess an der Buchtaufe die 80 Gäste im Kornhaus Herzogenbuchsee willkommen. Er stellte die Buchkapitel, die verschiedenen Themen und vor allem die dazugehörenden Autorinnen und Autoren vor. In kurzen Interviews erzählten die Schreibenden von ihrer Arbeit für das «Jahrbuch Oberaargau». Zu den regelmässigen Autoren der Jahrbücher zählt Herbert Rentsch, der diesmal auch als Fotograf mitwirkte. Denise Arni-Séquin, Gemeinderätin von Herzogenbuchsee, liess es sich nicht nehmen, dem pensionierten einheimischen Journalisten ein paar Fragen zu seinem Kapitel «Fünf Uhr morgens – Herzogenbuchsee» zu stellen. Auf den Bildern habe sie viele Details entdeckt. Sie freue sich, dass man Blumen vor dem Coop über Nacht stehen lassen könne, was bei Velos nicht möglich sei. Die Gemeinderätin wollte zudem von Herbert Rentsch wissen, ob er ein Frühaufsteher sei, was dieser klar verneinte. Das Projekt, Buchsi frühmorgens zu fotografieren, habe ihm eine völlig neue Seite seiner Wohngemeinde offenbart. Denise Arni-Séquin dankte Herbert Rentsch im Namen der Gemeinde für die stimmungsvollen Aufnahmen, die das Dorf in einer Art zeigen würden, die man nicht einfach so kenne.

Zwei Trüffel-Enthusiasten
Ein aussergewöhnliches Hobby pflegen Roland Wälti und Ivo Sonderegger. Sie sind seit 2019 mit Herzblut im Projekt «Oberaargauer Trüffel» involviert. Die Idee eines eigenen Trüffelfeldes kam Ivo Sonderegger bereits 2008 während einer Australienreise. Inzwischen haben die beiden langjährigen Freunde den Trüffeltraum umgesetzt und hoffen nun auf reiche Ernte. Es brauche viel Geduld, bis die kleinen Knospen wachsen, verraten die zwei Trüffel-Enthusiasten an der Jahrbuchtaufe. Patrick Jordi, Redaktor dieser Zeitung, erzählte im Gespräch mit Daniel Gaberell, worauf er bei seinem Kapitel «Seit 1947 baut die Firma Witschi Lebensraum» den Fokus gelegt habe. Jordi porträtiert das 77-jährige Langenthaler Traditionsunternehmen und lässt neben der 88-jährigen Judith Zumstein-Witschi, Tochter des Firmengründers Friedrich Witschi, mehrere Protagonisten zu Wort kommen. 

Kultur, Aktien und Mühle
Auch die Langenthalerin Saima Linnea Sägesser («Kultur im Stöckli»),
der Langenthaler Historiker Manfred Rösch («Aktien sind auch Heimat») und der Oberbipper Hans Brunner-Bürki («Mühle zu Oberbipp») berichteten an der Buchtaufe über ihre Kapitel. Mit Schalk erzählte Manfred Rösch von ehemaligen Aktien, wie jenen der Porzellanfabrik und der Bank Langenthal. Die Aktionärinnen und Aktionäre hätten sich dieses kleine finanzielle Engagement zuweilen nicht nur wegen der Dividende geleistet, sondern weil ihnen an der Generalversammlung ein Essen offeriert wurde. Die Aktie habe den Ruf gehabt, eine «Fressaktie» zu sein. Im Gegensatz zum Swiss Market Index (SMI) habe es jedoch nie einen Oberaargauer Market Index (OMI oder OMX) gegeben. Daniel Gaberell empfahl auch das Kapitel über die hier anwesende Kunstschaffende Cora Maurer («Werkschau»). Im Jahrbuch werde gezeigt, was sie mit den Ausschussblättern aus dem Tiefdruckprozess kreiert. 

Neun Porträts, eine Seva-Ziehung
Vom Verleger selbst stammen die neun Porträts («hie u jetz»), in denen, illustriert mit aussagekräftigen Fotos, Personen mit ihrer beruflichen Tätigkeit vorgestellt werden: Christina Egger (Metzgerin), Thomas Steffen (Tufter), Gian Hofer (Organist), Bianca Geninazzi (Segelflug-Pilotin), Urs Siegenthaler (Städtliführer), Heinz Keller (Friedhofgärtner), Beat Zimmermann (Sammler von Akkordeons), Giovanni Schumacher (Kunstgalerist und Kirchgemeinderat) sowie Teresia Fantasia (Dirigentin). Als musikalische Leiterin des Stadtorchesters Langen­thal wird letzte übrigens das Neujahrskonzert (1. Januar 2025, 17 Uhr) im Stadttheater unter dem Motto «Im Land der Operetten» dirigieren. Das Stadttheater Langenthal kommt im Jahrbuch ebenfalls vor. Vor 83 Jahren nämlich, am 23. Dezember 1941, fand dort die 19. Seva-Ziehung statt. Das Theater war randvoll. Das Publikum wollte sehen, wie so eine Ziehung über die Bühne geht, und auch die Kadetten kamen zu ihrem grossen Auftritt. Schwarzweissfotos von damals dokumentieren den Grossanlass, der mitten in der Zeit des Zweiten Weltkriegs stattfand. 

Bergfinken sorgen für Spektakel
In Worten und eindrucksvollen Bildern können sich die Leserinnen und Leser des Jahrbuchs an einem besonderen «Besuch aus dem Norden» erfreuen – dem der Bergfinken. Diese sorgten von Dezember 2023 bis Februar 2024 für Spektakel im Wald zwischen Langenthal und dem Ortsteil Untersteckholz. Zu Tausenden flogen sie abends ein, um die Nacht gemeinsam zu verbringen, zu Tausenden verliessen sie den Schlafplatz am Morgen wieder, um auf Futtersuche zu gehen. Dieses Schauspiel vermochte viel Publikum anzulocken – bei Weitem nicht nur Ornithologen. Unter dem Titel «Historische Episoden aus dem Ober­aargau» ist auch ein am 28. Juni 1969 entstandenes Foto zu sehen, das die Spieler des Fussballclubs Langen­thal FCL mit strahlenden Gesichtern zeigt. Sie hatten den Aufstieg in die Nationalliga B geschafft. Auf der heimischen Rankmatte hatte der FCL mit Spielertrainer Jürgen Wähling gegen den FC Frauenfeld vor 3700 Zuschauern 4:0 gewonnen, auswärts reichte dann eine 1:3-Niederlage zum Aufstieg. 

Oberaargauer Folklore in den USA
Im «Jahrbuch Oberaargau 2024» wird auch die Auswanderungsgeschichte von «The Scheidegger Seven» nachgezeichnet. Ein am 2. Mai 1927 bei der Überfahrt mit dem Schiff nach Amerika entstandenes Bild zeigt die Folkloreformation inklusive der in Huttwil geborenen Jeanne. «The Famous Swiss Alpine Jodlers» mit Vater, Sohn sowie fünf Töchtern luden zu Konzerten in New York, Pittsburgh, Portland, San Francisco und Los Angeles ein. Ein weiteres Kapitel des Jahrbuchs 2024 widmet sich «Chin und Rex». Hier geht es nicht um Hunde, stattdessen wird der 1932 gegründete Chinchilla- und Rexkaninchenzüchterklub Oberaargau vorgestellt. Nicht fehlen im aktuellen Jahrbuch darf die traditionelle Kolumne von Pedro Lenz. Der Titel lautet diesmal: «Une Langenthaloise au bord du lac.» Viel Applaus durfte Beat Zimmermann aus Kleindietwil einheimsen, der den Anlass auf seinen historischen Akkordeons musikalisch begleitete. Der Abend schloss mit einer feinen Kürbissuppe vom «Kochtöpfli». Bei einem Glas Rotwein ergaben sich im gemütlichen Rahmen zahlreiche angeregte Gespräche. Mehrere der 80 Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, das druckfrische Jahrbuchs zu kaufen. Argumente, dieses interessante Buch zu erwerben, das sich für den Eigenbedarf und als Geschenk bestens eignet, gibt es viele. 

Von Hans Mathys