• Im Gebiet Fiechtenfeld in Huttwil sind aktuell Bagger am Werk. Die Gleisanlage hat das Ende der Lebensdauer erreicht und wird saniert. · Bild: Reto Pfister

17.04.2026
Huttwil

Fahren in Zukunft wieder reguläre Züge?

Im Gebiet Fiechtenfeld in Huttwil werden derzeit die Gleisanlagen saniert. Der Huttwiler Gemeindepräsident Adrian Wüthrich (SP) würde gerne ab 2031 wieder Züge zwischen Huttwil und Sumiswald fahren lassen. Für Sumiswalds Gemeindepräsident Martin Friedli (EDU) hat hingegen die Optimierung der Fahrpläne der bestehenden Bahn- und Buslinien Priorität.

 

Am Ortsausgang von Huttwil, Richtung Schwarzenbach, wird derzeit gebaut. Auf einigen Metern sind die Gleise entfernt, Bagger sind am Werk. Die Gleisanlagen im Gebiet Fiechtenfeld müssen nach jahrzehntelangem Gebrauch saniert werden. Eine Gleissanierung? Ist die unbedingt nötig? Diese Frage werden sich wohl einige Personen stellen. Der regelmässige Zugverkehr von Huttwil Richtung Sumiswald endete im Jahr 2004. 2009 wurde der Passagierverkehr auf der Schiene zwischen Affoltern-Weier und Huttwil endgültig eingestellt. Die Strecke am Ortsausgang von Huttwil wird aber noch regelmässig genutzt, und zwar von Güterzügen. Die Anlieferung zur nahe gelegenen Fenaco erfolgt auf der Schiene. Die Sanierung erfolgt durch die BLS, welcher der Streckenabschnitt bis zur Fenaco gehört. Die weiterführende Strecke Richtung Sumiswald gehört hingegen der Emmentalbahn (ETB). Die Sanierung ist gemäss der BLS unumgänglich. 2019 wurden bereits zwei Weichen und der Bahnübergang Fiechten saniert. Der Rest der Anlage ist sehr alt. So alt, dass bei der BLS nicht mehr bekannt ist, wann sie letztmals genau erneuert wurde. Sie dürfte etwa 90-jährig sein und hat das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Eine Totalsanierung ist nun unumgänglich. Die Sanierung hat am 2. April, also kurz vor Ostern, begonnen. Sie dauert bis zum 6. Mai; vom 27. April bis zum 2. Mai werden auch Nachtarbeiten durchgeführt. Diese sind nötig, weil es sich um ein öffentliches Gleis handelt, auf dem die entsprechenden Sicherheitsvorschriften für Bauarbeiten angewandt werden müssen. Diese besagen gemäss der BLS etwa, dass jederzeit mit einer Durchfahrt gerechnet werden muss, auch wenn die aktuelle Nutzung anderes vermuten lässt.

Tunnel ebenfalls saniert
Vor kurzem wurde auf der anderen Seite der Strecke zwischen Sumiswald und Huttwil der Sumiswald-Tunnel saniert. Am Ostermontag konnte so planmässig die Saison mit historischen Zügen eröffnet werden. Neben den historischen Zügen sollen vermehrt Test- und Inbetriebnahmefahrten durchgeführt werden. Wenn die Sanierung im Fiechtenfeld abgeschlossen wurde, ist ein weiteres Stück der Bahnstrecke zwischen Sumiswald und Huttwil wieder auf dem neusten Stand. Und immer wieder wird nicht ausgeschlossen, dass es auch auf dieser Strecke wieder regulären Zugverkehr geben könnte. Ist dies realistisch? Ein grosser Befürworter ist Adrian Wüthrich (SP), der Gemeindepräsident von Huttwil. Wüthrich sagt, dass es wenig Sinn mache, wenn die S-Bahn von Sumiswald nach Ramsei und wieder zurück fahre. Die Zahl an potenziellen Fahrgästen sei grösser, wenn die Kompositionen stattdessen in dieser Zeit nach Huttwil fahren würden. Durch die Sanierung des Sumiswald-Tunnels und der Gleisanlage im Fiechtenfeld müsse man an der Strecke nur noch wenige Arbeiten ausführen, damit sie für Personenzüge wieder nutzbar werde. Wüthrich schwebt vor, zu Hauptverkehrszeiten Züge zwischen Sumiswald-Grünen und Huttwil mit Zwischenhalt in Affoltern-Weier fahren zu lassen. Parallel dazu und ausserhalb dieser Zeiten soll weiter der Bus verkehren. Mit dieser Lösung müssten all die kleinen Haltestellen an der Strecke nicht wieder in Betrieb genommen werden; dies wäre mit erheblichen Kosten verbunden. Wüthrich ist auch Präsident der Regionalen Verkehrskonferenz Oberaargau. In dieser Funktion möchte er auch in dieses Gremium den Wunsch einbringen, dass Personenzüge zwischen Huttwil und Sumiswald in den Angebotsbeschluss des Kantons Bern für die Jahre 2031 bis 2034 aufgenommen werden. Dieser dürfte zu Beginn des Jahres 2030 im Grossen Rat behandelt werden.

Einige Hürden zu überwinden
Bis es soweit sein könnte, sind allerdings einige Hürden zu überwinden. So muss auch auf der Emmentaler Seite der Wunsch nach einer Reaktivierung des Personenzugverkehrs vorhanden sein. Die BLS hat eine erste Grobprüfung dieser Idee vorgenommen. «Grundsätzlich wäre diese umsetzbar, erfordert aber eine langfristige Sicht und damit auch die Bereitschaft der Besteller, längerfristig höhere Kosten zu tragen», teilt das Unternehmen mit. «Hauptinteressent ist der Raum Huttwil, welcher zur Region Oberaargau gehört, betroffen ist auch die Nachbarregion Emmental. In einem ersten Schritt müssten die beiden Regionen die Grundlagen für eine gemeinsame Studie schaffen.» Für die Gemeinde Sumiswald etwa steht ein Zugverkehr nach Huttwil nicht im Vordergrund. «Mit dem Busbetrieb auf dieser Strecke bin ich grundsätzlich zufrieden», sagt Gemeindepräsident Martin Friedli (EDU). Für ihn hat vielmehr Priorität, die bestehenden Fahrpläne zu optimieren. So fährt der letzte Bus von Huttwil nach Sumiswald abends bereits um 22.17 Uhr. «Dies ist zu früh, wenn man auswärts eine Veranstaltung besucht», sagt Friedli. Von Sumiswald nach Huttwil hingegen verkehrt ein Bus um 23.15 Uhr, dieser sei oft leer. Gemäss Friedli könnte es sinnvoll sein, die Zeiten umzukehren und die späte Verbindung nach 23 Uhr von Huttwil nach Sumiswald anzubieten. Zudem bestehe auf der Bahnlinie zwischen Sumiswald-Grünen und Ramsei abends rund um 22 Uhr in beiden Richtungen eine Taktlücke, die er gerne geschlossen hätte. Friedli weist auf einen weiteren Punkt hin. «Die Emmentalbahn macht zwischen Sumiswald und Huttwil auch Ausbildungsfahrten. Dies würde schwieriger werden.» Es müsste also noch einiges an Überzeugungsarbeit geleistet werden, damit es wieder zu einem Personenzugverkehr zwischen Sumiswald und Huttwil kommt. 

Von Reto Pfister