Trotz eisiger Kälte: der Fasnachtsumzug in Huttwil war gut besucht. · Bild: Yanick Kurth
Fasnachtsreibende trotzen sibirischer Kälte
Trotz durchzogenem Wetter lockte der Fasnachtsumzug am Samstag Tausende von Fasnachtsbegeisterten nach Huttwil. Über 30 Formationen zogen mit bunten Kostümen und fetziger Musik durch die Gassen, dabei wurden einige Zuschauende häufiger mit Konfetti eingedeckt als andere.
Das Motto «Ischzyt» passte heuer hervorragend zur Huttwiler Fasnacht. Nicht nur wegen den vielen entsprechenden Sujets, sondern hauptsächlich auch wegen des kalten und windigen Wetters. «Boah, ist das kalt», klagte eine luftig bekleidete Besucherin während des Fasnachtsumzuges. Die vielen dick und wetterfest eingepackten Kinder hingegen hatten solche Sorgen nicht. Es war kalt, ja es herrschte eben «Ischzyt», doch das hinderte die vielen Zuschauerinnen und Zuschauer nicht daran, den Umzug unter freiem Himmel mitzuverfolgen. Munter wurde im Takt gewippt und geklatscht, wenn etwa eine Guggenmusik ein bekanntes Lied spielte. Je mehr Formationen den Weg durch das Städtli fanden – und je stärker der Duft von Kafi Lutz in der Luft hing – desto ausgelassener wurde geklatscht, geschunkelt und gehüpft.
Konfetti-Bläser deckte Städtli ein
Die Fasnachtsroute war dicht gesäumt. Dichter als bei diesem Wetter im Vorfeld angenommen wurde. Wie so oft an der Huttwiler Fasnacht war keines der von den Formationen ausgespielten Sujets dominant, Vielfalt war einmal mehr Trumpf. Am häufigsten thematisiert wurden die Jubiläen der Formationen selbst, aber auch weltliche Themen waren prominent vertreten, gerade auch bei den Einzelmasken. Da schwammen Fische für einmal über den Asphalt, es trieben «gfürchige» Hexen Unsinn und kleine Eisbären staunten über die vielen Zuschauenden. Nach einem lautstarken Auftakt von den «Riemenzwickern» aus Gondiswil, sorgten die «Gaugesumpfer» für ein erstes Highlight am Umzug. Mit ihren neuen und dunkelroten Kostümen feierte die Rohrbacher Guggenmusik heuer ihr 40-jähriges Bestehen. Die «Wissbergler» aus Strengelbach deckten die Umzugsroute mit mächtig Konfetti ein. Hoch über den Köpfen des Publikums war auf dem Fasnachts-Wagen ein Konfetti-Bläser installiert, mit denen die Menschen am Rande des Umzugs unter Beschuss genommen wurden.
Ideenreicher Umzug begeisterte
Die «Wendols» aus Nidwalden zogen mit ihrer Feuer-Show und den grusligen Kostümen die Aufmerksamkeit schnell auf sich. Kurze Zeit später marschierte die grösste Formation – die KIBE Region Huttwil – mit rund 100 Teilnehmenden durchs Städtli. Dahinter folgte die Stadtmusik Huttwil, die aufgrund ihres 150-jährigen-Jubiläums erstmals mit einer Musik-Formation am Umzug teilnahm. Huttwiler als Formationen am Umzug, Huttwiler als Zuschauer. Man kannte sich und grüsste freundlich. Die «Tönlifurzer» Oberbipp brachten mit ihren heissen Guggen-Klängen die Gassen zum Beben, gefolgt von den gfürchigen «Nebeldämonen», die das eine oder andere Kind noch näher an die Eltern rücken liessen. Die bekannten «Bipper Töfflibuebe» gestalteten den mit Abstand höchsten Wagen, und schossen mit ihrer Konfetti-Kanone nicht nur ins Publikum, sondern auch in Wohnungen von Anwohnern, wenn diese das Spektakel etwa von ihren vier Wänden aus mitverfolgten. Der Huttwiler Turnverein brachte mit «OlümPia 2074» das Motto der kommenden Turnervorstellung mit an den Umzug. Mit einem eindrücklich gestalteten Schiff, und unter dem Motto «Mer wäre scho geng gärn Fischer gsi», boten die «Chüeltormschränzer» aus Obergösgen willkommene Ferienstimmung. Wer Pech hatte, landete bei der Gitarrengruppe Luthern in der mitgeführten und mit Konfetti befüllten Badewanne. Und so verging der 90-minütige Fasnachtsumzug wie im Flug.
Eine Ära geht zu Ende
Alle möchten sie hören, doch niemand will sie mehr machen: Die Schnitzelbank kämpft vielerorts um ihr Bestehen. Am Freitagabend sorgten vier Schnitzelbank-Formationen für viele Lacher und brachten dabei das eine oder andere Missgeschick wieder zum Vorschein. Für die beliebten «Buebeglünggeler» aus Huttwil war es heuer die letzte Fasnacht, in denen sie mit ihren kurzen Versen so manche Person aufs Korn nahmen. 20 Jahre lang bereicherte das fünfköpfige Ensemble, bestehend aus Sarah Stöckl, deren Ehemann Michael Stöckl, ihrem Bruder David Eggimann, ihrer Mutter Irma Eggimann sowie dem einzigen Nicht-Familienmitglied, Markus Ruf, die Huttwiler Fasnacht massgebend. «Wir wollten in einer guten Phase aufhören, denn wir hatten in den letzten Jahren wunderbare Auftritte und irgendwann können die Sketche nicht mehr besser und lustiger werden», sagt Sarah Stöckl gegenüber dem «Unter-Emmentaler». Ihren letzten Auftritt hatte die eingefleischte Huttwiler Schnitzelbankgruppe im «Städtli-Saal». Mit einer «Standing Ovation» wurden sie gebührend verabschiedet. Vielen Huttwilerinnen und Huttwilern wird die beliebte Schnitzelbankgruppe fehlen.
Positive Schlussbilanz
Es waren hauptsächlich «Eingesottene», die den Umzug bei sibirischer Kälte ausharrten und das bunte Spektakel fröhlich mitverfolgten. Dennoch war die Umzugsroute mit viel Volk gefüllt. Dies bestätigt auch die Fasnachts-Präsidentin Jacqueline Flückiger: «Wir haben aufgrund der schlechten Wettervorhersage nicht mit so vielen Besuchenden gerechnet – umso schöner ist es natürlich, dass trotzdem so viele gekommen sind», erzählt sie freudig. «Auch der restliche Fasnachtsbetrieb verlief friedlich und die Stimmung war wunderbar.» Es scheint, als hätten die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler den Winter definitiv vertrieben. Das Wetter in dieser Woche ist wieder deutlich frühlingshafter.
Von Yanick Kurth