• Auf dem Drehleiter-Korb konnte 10 Meter hoch aufgestiegen werden. Vor dem Zugang bildeten sich lange Warte­schlangen. · Bilder: Reto Pfister

  • Die Fahrten auf den Oldtimer-Fahrzeugen stiessen ebenfalls auf grosses Interesse. Mehrere dieser Fahrzeuge drehten Runden auf den Dästerplatz.

22.08.2025
Langenthal

Feuerwehr fasziniert Jung und Alt

«Füürwehr bi de Lüt» hiess es auf dem Dästerplatz in Langenthal. Was eigentlich ein bisschen aus der Not geboren war, stiess auf grossen Anklang. Besonders beliebt: das Fahren im Feuerwehrkorb auf der Drehleiter, 10 Meter über dem Boden.

Es war heiss am Tag, an dem der Anlass «Füürwehr bi de Lüt» auf dem Dästerplatz in Langenthal stattfand. Bei den Kindern stiess daher der am Boden liegende Feuerwehrschlauch, aus dem Wasser sprudelte, auf grossen Anklang. Dieser kommt normalerweise in einer Stadt nicht zum Einsatz. «Mit diesem Schlauch kann man in Wäldern und im Gelände einen Brand löschen», klärt der verantwortliche Gruppenführer auf. Bei den Waldbränden in Spanien und Portugal etwa wurden diese Schläuche gelegt, um das Feuer zu bekämpfen. Abgekühlt be­gaben sich die Kinder mit ihren Eltern ins Zentrum des Anlasses, wo verschiedene alte und neue Fahrzeuge standen. Erwachsene, aber auch sehr viele Familien nahmen die Gelegenheit wahr, das Wirken der Feuerwehr aus der Nähe zu betrachten. «Füürwehr bi de Lüt» entstand, nachdem ein anderer, ursprünglich geplanter, Anlass nicht durchgeführt werden konnte. Die Langenthaler Feuerwehr wollte eigentlich einen Tag der offenen Tür in ihrem Magazin durchführen. Das Gelände, wo sich dieses befindet, ist jedoch teilweise durch die Armee belegt, so dass die Leitung der Feuerwehr entschied, in die Stadt, eben zu den Leuten, zu gehen. «Ursprünglich wollten wir auf den Wuhrplatz, dieser war jedoch durch das Wuhrplatzfest besetzt», begründete der Feuerwehrkommandant Christian Giesser die Wahl des Aus­tragungsorts. «Auf dem Dästerplatz finden viele Veranstaltungen statt, etwa auch während der Fasnacht. Er ist für einen solchen Anlass ideal.» Etwa 25 Mitglieder der Feuerwehr waren beim Anlass im Einsatz, der Effort war gross, weshalb er auch nicht jedes Jahr durchgeführt werden kann. Zumal auch der aktuelle Bereitschaftsdienst sichergestellt werden musste.

«Junge: Jein»
Ein solcher Anlass dient auch dazu, neue Leute für die Feuerwehr gewinnen zu können. Giesser hatte am Samstagmittag bereits Gespräche mit zwei Leuten geführt, die allenfalls Interesse an einem Beitritt zur Feuerwehr zeigten. Auch sie muss in Zeiten, wo Ehrenamtliche schwerer zu rekrutieren sind, aktiv werden, um den Bestand zu sichern. «Junge: Jein», beantwortete der Langenthaler Feuerwehrkommandant die Frage, ob genügend Nachwuchs zur Organisation stosse. In diesem Jahr seien vier Neue in die Feuerwehr eingetreten, es dürften jedoch mehr sein. Auf grosse Aufmerksamkeit stösst insbesondere die Drehleiter, auf der ein Korb montiert wird, auf dem sich Jung und Alt auf bis zu 10 Meter Höhe hieven lassen und so die Aussicht über den Dächern der Langenthaler Innenstadt geniessen können. Solche Drehleitern werden eingesetzt, um aus der Luft Brände zu bekämpfen, gerade in Dachgeschossen. Auf dem Dästerplatz darf allerdings nur ein älteres, ausser Dienst gestelltes Fahrzeug für den Aufstieg mit der Drehleiter genutzt werden, die aktuellen müssen stets für einen Ernstfall bereitstehen. Beinahe wäre es dazu gekommen. Eine benachbarte Feuerwehr meldete einen Brand, konnte allerdings Entwarnung geben, die Hilfe aus Langenthal war nicht nötig. Viele der Besuchenden hatten bereits einen Bezug zur Feuerwehr, aber auch zufällig vorbeikommende Passanten fanden Anklang an der Präsentation der Feuerwehr. So wie der Langenthaler Rodolfo Tomeo. «Es ist eindrücklich, wie ausgeklügelt die Geräte und Fahrzeuge sind», meinte er. Die Feuerwehr war auf dem Dästerplatz nicht allein vertreten. Die Zusammenarbeit zwischen den Blaulichtorganisationen ist eng. Kommandant Giesser lud auch Vertreter der Sanität und der Polizei ein, diese folgten der Einladung gerne.

Neugierige Blicke
Im Sanitätsfahrzeug kann ins Innere geschaut werden, nachvollzogen werden, wie eine verletzte oder schwerkranke Person ins nächstgelegene Spital transportiert wird. Viele Kinder werfen einen neugierigen Blick hi­nein, Erwachsene interessiert daneben auch Organisatorisches. Denn der Rettungs­dienst des Spitals SRO wird mit jenem aus dem Emmental zum Rettungsdienst Emmental-Ober­aargau zusammengeschlossen. Die Rettungsdienste im Kanton helfen sich schon jetzt untereinander aus. Muss ein Ober­aargauer Patient etwa ins Berner Inselspital transportiert werden und ist das Fahrzeug der SRO danach am nächsten zu einem Notfall in Bern, wird es über Funk avisiert und kümmert sich um diesen. Vor Ort anwesend ist auch die Polizei. Sie betreibt einen Stand, verteilt Flyer und legt Infomaterial und der anwesende Beamte kommt ab und zu ins Gespräch mit meist erwachsenen Personen. «Mit einem hatte ich ein Gespräch, er hat durchaus Interesse gezeigt, sich mit dem Polizeiberuf zu befassen», sagt er. 

Lange Warteschlange beim Korb
Nach dem Mittag ist die Warteschlange bei der Drehleiter mit dem aufsteigenden Korb unverändert gross, auch bei den Oldtimerfahrten mit älteren Fahrzeugen bilden sich Warteschlangen., «Füürwehr bi de Lüt» stösst auf Anklang, so viel wird bereits jetzt klar, obwohl der Anlass noch bis um 17 Uhr dauert. Die Feuerwehr will sich daher gerne auch weiterhin der Öffentlichkeit präsentieren. Allerdings, wegen des erwähnten grossen Aufwandes, nicht immer in diesem grossen Rahmen. Vielmehr strebt Giesser an, an den grossen Publikumsanlässen in Langenthal präsent zu sein. So etwa an der Gewerbeausstellung, die im Frühling 2026 über die Bühne geht. Die Feuerwehr wird sicher auch dann wieder auf grosses Interesse stossen. Gerade bei Familien. Und vielleicht wird gerade aus dem einen oder anderen Jungen und Mädchen, dass auf dem Dästerplatz die Fahrzeuge bewundert und im Drehleiter-Korb aufgestiegen ist, in einigen Jahren eine Feuerwehrfrau oder ein Feuerwehrmann. Und löscht in Langenthal Brände, sowie es die erwachsenen Feuerwehrleute heute tun. 

Von Reto Pfister