• Shaya Achermann (links) und Jonas Lüthi sind aus Balzenwil und Gondiswil mit dabei.

  • Auf diesem Gelände in Wasen, gleich neben der Hornbach-Pinte, traf sich drei Tage lang die Rock- und Metal-Community.

  • Zwei der führenden Köpfe hinter dem Festival: Lea und Fritz Gerber. · Bilder: Gabriela Graber

  • Auch die Band «Rock-Out» aus der Region liess es im Festzelt neben der Hornbach-Pinte krachen. Zur Freude der vielen Fans. · Bild: Melanie Binggeli

  • Ein Highlight am Freitag: Die Organisatoren konnten die norwegische Band «Wig Wam» für ihr Festival engagieren. · Bild: Melanie Binggeli

14.01.2026
Emmental

Feuriger Rock in winterlichem Ambiente

Zum 22. Mal fand in Wasen das Ice-Rock-Festival statt. Von Donnerstagabend bis spät in die Samstagnacht hinein traten im Festzelt gleich neben der Hornbach-Pinte lokale und internationale Bands auf und spielten für Hardrock- und Metalbegeisterte aus ganz Europa.

 

Wasen · Wer draussen am verschneiten Festivalgelände vorbeiläuft, merkt erst auf den zweiten Blick, was hier passiert. Das Gelände wirkt unscheinbar, nebenan stehen ein paar mobile WCs und hinten flackert ein Feuer, an dem sich dunkel gekleidete Hardrockfans wärmen. Mit einem Schritt ins Festzelt verändert sich die Stimmung. Melodiöse Gitarrenklänge strömen einem entgegen, die Atmosphäre im alten Wagenschopf wirkt heimelig, familiär. Hier treffen sich seit über zwei Jahrzehnten Rock- und Metalbegeisterte aus dem In- und Ausland. Seinen Ursprung hat das Ice-Rock-Festival in einer Bieridee. «Wir wollten etwas Eigenes auf die Beine stellen. Da es im Sommer bereits genügend Festivals gibt, entschieden wir uns für den Winter», erzählt Fritz «Fridu» Gerber, der Festivalinitiator. 2003 sei die erste Ausgabe mit wenig Mitteln entstanden. «Mit je 500 Franken aus der Tasche aller Organisatoren haben wir sie hier vor Ort umgesetzt. Die Bands spielten damals auf einem Lastwagenanhänger», erinnert sich Gerber. Bald schon habe man sich mit dem Wetter auseinandersetzen müssen. «Es war kalt. Die Leute kamen, um eine Band zu hören, und gingen dann wieder.» Also wurde nachgerüstet: zuerst mit Heizstrahlern, später wurde dem Schopf ein Festzelt angebaut. «So, wie es jetzt ist, ist es optimal.»

Ein Festival in Familienhand
Das Festival versteht sich als Familienanlass und wird von Fritz Gerber und einem Team, bestehend aus Familienmitgliedern und Freunden, organisiert. Das Kernteam besteht aus drei Personen: Vater Fritz ist Präsident, hilft beim Aufbau, moderiert und verantwortet das Booking gemeinsam mit Tochter Lea. Lea Gerber ist zudem fürs Marketing zuständig. Sohn Jan zeichnet als Bauchef für die Infrastruktur verantwortlich. Ergänzt wird das Trio von Monika Gerber (Buchhaltung/Finanzen), Gregory Gerber (Marketing/Design/Werbung), Lea Blaser (Bar) und Bruno Lüthi (Küche). Daneben sind rund 50 freiwillige Helferinnen und Helfer während der Festivaltage im Einsatz.

Klein geblieben, professioneller geworden
Seit seinen Anfängen sei das Festival nicht viel grösser geworden – das wollen die Organisatoren auch gar nicht. Gewachsen sei man vor allem in der Professionalität. «Je grössere Bands du willst, desto professioneller muss alles ablaufen. Es geht schon lange nicht mehr, dass der Kollege den Bühnenroadie macht», so Gerber. Sound, Licht, Technik, Parkdienst – das alles werde heute von externen Dienstleistern umgesetzt, Instrumente und Material würden zugemietet. Das koste. «Wenn ich schaue, was das Festival vor zehn Jahren kostete und was es heute kostet, haben sich die Zahlen verdoppelt – bei mehr oder weniger gleichbleibendem Bandbudget.» Gleichzeitig verdienen die Organisatoren nichts daran. «Wir machen das aus reiner Freude. Wenn etwas übrigbleibt, brauchen wir das fürs Folgejahr.»

Tausende Mails fürs Booking
Komplexer geworden sei auch das Booking der Bands. «Früher brauchte es wenige Mails mit den Musikern – heute sind Tausende nötig, und alles läuft über Agenturen und Manager.» Fritz Gerber, der früher Wochenende für Wochenende europaweit Konzerte besuchte und selber Schlagzeuger der Band «Chickenhouse» ist (sie trat am Ice Rock 2026 ebenfalls auf), hat sich über die Jahre ein grosses Netzwerk in der Szene aufgebaut. «Ich habe im Hinterkopf eine Liste von 100 Bands, die ich beim Booking berücksichtige.» Vor zwei Jahren wurde Lea ins Booking-geschäft integriert. Dies mit dem Ziel, beim Festival einen Generationenwechsel einzuleiten. «Meine Ice-Rock-Gäste sind 24 Jahre älter geworden. Einige können nicht mehr kommen, weil sie krank sind oder bedauerlicherweise bereits nicht mehr unter uns weilen. Wenn man das Festival weiterziehen will, muss man die jüngere Generation ansprechen.» Und das gehe nicht, wenn man nur «seine» Musik spiele. Gemeinsam mit Lea versuche man, einen gesunden Mix aus «Oldschool»- und neuzeitlicher Hard-rockmusik zu finden, die verschiedene Altersgruppen anspreche. «Manchmal haben wir lange und heftige Diskussionen darüber, welche Bands kommen sollen. Aber bisher haben wir immer einen Weg gefunden», erklärt Fritz Gerber.

Vielfältiges Line-up
Auf das diesjährige Line-up sei man sehr stolz. Musik für alle Generationen seien darin gut vertreten. Am Donnerstag wurde mit «Rock-Out» aus Sumiswald (den Ursprung haben sie in Lützelflüh) auf einen lokalen Headliner gesetzt. «2017 durfte die Band hier erstmals auftreten – sie waren damals noch grün hinter den Ohren», sagt Lea Gerber schmunzelnd. Zum 20-Jahr-Jubiläum seien sie wieder dabei gewesen – und dieses Jahr erhielten sie den Headliner-Slot. «Viele der Gäste waren bereits dabei, als die Jungs 2017 zum ersten Mal hier gespielt haben. Es war ein schönes Wiedersehen.» Am Freitag standen mit «Voodoo Circle» (Deutschland) und «Wig Wam» (Norwegen) gleich zwei hochkarätige Bands nacheinander auf der Bühne. Wig Wam entdeckte Fritz Gerber 2005 am Eurovision Song Contest. «Wir sassen mit der ganzen Familie vor dem Fernseher. ‹Wig Wam› wurden Neunte – aber sie haben mich dermassen geflasht. Ich habe sie nie vergessen.» Vor mehreren Jahren sei ihm die Idee gekommen, die Band zu buchen. Wie sich herausstellte, existierte sie jedoch damals nicht mehr. «Der Sänger, Åge Sten Nilsen, hatte damals ein anderes Projekt – ‹Almanac› – und erschien schlussendlich damit.» Vor Kurzem fand Fritz Gerber heraus, dass sich «Wig Wam» wieder formiert hatte. «Ich habe mich riesig gefreut und sie sofort kontaktiert. Und jetzt waren sie erstmals hier. Meine Wunschband!» Den Headliner am Samstag, «All For Metal», habe Lea vorgeschlagen. «Sie spielen glamourösen, melodiösen Metal – dieser Power und True Metal ist heute angesagt.»

Weit herum bekannt, und doch wenig beachtet
Zwischen 1000 und 1500 Personen hätten dieses Jahr das Festival besucht. Viele von ihnen seien seit Jahren immer wieder dabei. «Man kennt sich hier und freut sich, einander wiederzusehen.» Einige der Gäste reisen von weither an. «Drei Jahre lang kam sogar ein Australier jedes Mal extra dafür angeflogen», sagt Gerber. Gleichzeitig bekommt das Festival in der Region nach wie vor nicht die Aufmerksamkeit, die sich seine Organisatoren wünschen würden. «Langsam kommt es. Die Leute hier nehmen zwar nicht unbedingt teil, aber sie sind interessiert und fragen, wie es war», so Fritz Gerber. Besonders gefreut habe ihn die Ehrung der Gemeinde Sumiswald zum 20-Jahr-Jubiläum – inklusive eines Beitrags von 1000 Franken. Laut Fritz Gerber sei der Event in all den Jahren stets friedlich verlaufen: «Wir hatten noch nie Probleme mit Aggressionen oder Streitigkeiten.» Auch der Security-Dienst erlebe das Festival besonders. «Heute hat mir der Chef des Security-Dienstes gesagt, das sei der schönste Anlass für sein Team. Die Gäste gehen zu ihnen, umarmen sie – und am Feierabend begleiten die Besuchenden die Security diskus-
sionslos zum Shuttlebus. So etwas gibt es sonst selten.»

Magische Momente
In den 22 bisherigen Ice-Rock-Festivals hätten sich viele unvergessliche Momente angesammelt, sagt Fritz Gerber. Einer davon sei vor drei Jahren passiert, als kurz vor dem Festival der Headliner «Voodoo Circle» abgesagt habe, weil der Sänger ausfiel. «Der Gitarrist Alex Beyrodt sagte uns: Macht euch keine Sorgen – ich will diesen Gig machen. Ich stelle etwas auf die Beine.» Bis wenige Stunden vor dem Auftritt hätten die Organisatoren nicht gewusst, was geschehen würde. «Um 18 Uhr sind dann hier plötzlich Leute eingelaufen – darunter auch Stars wie der chilenische Hardrocksänger Ronnie Romero», erinnert sich Gerber. Später standen sie gemein-sam auf der Bühne und spielten unter anderem Songs von «Deep Purple» und «Rainbow». «Die halbe Halle hatte Augenwasser. Es war magisch.» Finanziert wird Ice Rock über Ticketeinnahmen und einige wenige, aber wichtige Sponsoren. Besonders stolz sind die Gerbers auf ihr barrierefreies WC, das ihnen von Gästen, die seit Jahren am Festival teilnehmen, finanziert wurde. Und wie geht es weiter? «Wir können nicht sagen, wir machen immer 
weiter», sagt Fritz Gerber. «Wir schauen nach jedem Festival, wie die Finanzen aussehen und entscheiden dann.»

Von Gabriela Graber